Schrader | Der Todeskandidat / Band 5 & 6 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 494 Seiten

Schrader Der Todeskandidat / Band 5 & 6

August Schraders Meisterwerk in einer modernisierten Neufassung
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-946469-20-9
Verlag: Quality Books Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

August Schraders Meisterwerk in einer modernisierten Neufassung

E-Book, Deutsch, 494 Seiten

ISBN: 978-3-946469-20-9
Verlag: Quality Books Verlag
Format: EPUB
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Es ist eine trügerische Ruhe, die über der beschaulichen, im schönen Ilmtal gelegenen Residenzstadt Weimar im Jahr 1775 liegt; denn im Verborgenen werden dunkle Intrigen gesponnen und unheilvolle Pläne geschmiedet, die nicht nur von höfischen Machtinteressen motiviert sind, sondern bis ins Reich der Leidenschaft hineinreichen. Abseits dieser hässlichen Machenschaften blüht jedoch auch die Liebe in der Stadt; die Liebe dreier Pärchen, so unterschiedlich von Stand und Rang wie gleich in ihrem Los, diese nur im Geheimen leben zu dürfen. Gesellschaftliche Konventionen, aber auch die Machtgelüste der Intriganten beeinflussen ihre Schicksale auf eine Weise, die kaum auf einen glücklichen Ausgang hoffen lässt. Nur ein Bewohner der Residenzstadt fühlt sich in der Lage, das stetig dichter werdende Netz aus Lügen, Intrigen, Verbrechen und dunklen Geheimnissen zu durchdringen. Doch ist die Zeit nicht auf der Seite desjenigen, der den Liebenden seine Hilfe gewährt ... denn er, der für sich selbst nicht auf Liebe hoffen darf, ist ... ein Todeskandidat! Die Quality Books-Neufassung dieses so spannenden wie bewegenden sechsteiligen Sensationsromans von August Schrader wird Sie durch die Schicksale der einzelnen Protagonisten und die Tragik der Ereignisse schnell in ihren Bann ziehen. 'In Dumas'scher Manier schrieb sensationell, hochromantisch, auf Effekt und Nervenkitzel rechnend, der talentvolle und fruchtbare Romanschriftsteller August Schrader, eigentlich Simmel - geboren 01. Oktober 1815 zu Wegeleben bei Halberstadt und gestorben 16. Juni 1878 in Leipzig.' (Dr. Adolph Kohut in: 'Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 2')

'In Dumas'scher Manier schrieb sensationell, hochromantisch, auf Effekt und Nervenkitzel rechnend, der talentvolle und fruchtbare Romanschriftsteller August Schrader, eigentlich Simmel - geboren 01. Oktober 1815 zu Wegeleben bei Halberstadt und gestorben 16. Juni 1878 in Leipzig.' (Dr. Adolph Kohut in: 'Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 2')
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Erstes Kapitel

Nicht lange nach diesen Ereignissen wurde der Legationsrat in den Adelsstand erhoben. Während seine Freunde diese Erhebung als eine gerechte Würdigung seines hohen Dichtertalentes betrachteten, wurden seine Feinde, zu denen fast alle höheren Beamteten gehörten, mit bitterem Groll erfüllt. Die Oberhofmeisterin fasste den Beschluss, sobald als möglich ihren letzten Schlag gegen ihn auszuführen. Sie traf ihre Vorbereitungen, und in Werner erkannte sie ein dienstwilliges Werkzeug.

Um diese Zeit erschien Funke, der den Namen Lucas angenommen hatte, bei der Oberhofmeisterin. Unter dem Titel eines Leinwandhändlers verschaffte er sich leicht Zutritt zu ihr. Als er in das Zimmer trat, fand er Nathalie bei ihr.

»Sie sind es!«, sagte die alte Dame. »Es ist gut, dass Sie kommen.«

»Meine Ware ist diesmal ausgezeichnet, gnädige Frau!«, antwortete Lucas. »Wenn Sie befehlen, hole ich einen Ballen herein.«

»Geduld, Freund!«, sagte die Oberhofmeisterin, die sich in einer gereizten Stimmung befand. »Hast du ihn im Verdacht?«, fragte sie ihre Nichte leise.

Nathalie nickte mit dem Kopf. Dann verließ sie auf eine Andeutung ihrer Tante das Zimmer.

Lucas hatte alle diese Bewegungen mit einem listigen Blick verfolgt, obgleich er anscheinend arglos neben der Tür stand.

»Mein Freund«, begann die alte Dame, »als Ihr das letzte Mal in meinem Haus wart, wurde mir, ich meine an demselben Tag, ein Verlust zugefügt, den ich Euch aus dem Grund nicht verschweigen kann, weil Ihr mir vielleicht einige Aufklärung zu geben imstande seid.«

»Ich bin bereit, gnädige Frau!«, antwortete Lucas in einem Ton, der fast trotzig klang.

»Habt Ihr an jenem Tag vielleicht eine Person in meinem Haus gesehen, der Ihr einen Diebstahl zutrauen würdet? Ist Euch nichts aufgefallen?«

»Man hat Sie bestohlen, gnädige Frau?«, fragte Lucas verwundert.

»Ja! Ich habe zwar bereits einen Verdacht, aber da ich ihn nicht auszusprechen wage, bevor ich nicht …«

»Sie meinen, dass ich Ihnen nähere Hinweise geben kann?«

»Ich liebe das große Aufsehen nicht!«, sagte die Oberhofmeisterin ruhig. »Die Kostbarkeiten, die in dem Kästchen waren, gebe ich preis, wenn ich nur auf stillem, friedlichem Wege die Papiere wiedererlange.«

»O gnädige Frau«, sagte Lucas trotzig, »das klingt ja fast, als ob Sie mich in Verdacht hätten!«

»Lieber Mann, seid nicht so töricht; ich meine, dass der, der mir die Wiedererlangung vermittelt, die Kostbarkeiten als Preis erhält. Ist es nicht möglich, dass Ihr sie verdienen könnt? Ihr kommt weit und breit herum, hört und seht so manches.«

»Sprechen Sie es ruhig aus, meine Gnädige, was Sie von mir denken! Jetzt wird mir klar, warum Sie das junge Mädchen fortschickten, und Ihre gegenwärtige Unterhaltung soll zu nichts weiter dienen, als mich ein wenig auszuforschen und bei dieser Gelegenheit so lange aufzuhalten, bis vielleicht die Polizei kommt, um mich festzunehmen. Nicht wahr, das ist Ihre Absicht? Bekennen Sie es nur, gnädige Frau! Sehen Sie, ich laufe nicht davon, ich bleibe ruhig hier. Und wenn Sie das Aufsehen nicht lieben, so rufen Sie den Boten zurück, den Sie losgeschickt haben; rufen Sie ihn Ihrer selbst wegen zurück.«

»Wie, meiner selbst wegen?«

In diesem Augenblick ließen sich die Stimmen der Bedienten im Vorzimmer vernehmen. Die Oberhofmeisterin wollte zur Tür gehen, da ihr der freche Mut des Leinwandhändlers Besorgnis eingeflößt hatte.

»Bleiben Sie«, flüsterte Lucas energisch und mit einem stechenden Blick, wobei er der Hofdame den Weg vertrat.

»Mann, seid Ihr rasend? Ich bin in meinem Haus, und wenn ich es vorziehe, in Beisein von Zeugen mit Euch zu reden … Ihr seid ein Fremder!«, fügte sie in ihrer Bestürzung hinzu. »Hinweg oder ich ziehe die Glocke und lasse Euch wegen Gewalttätigkeit in meinem eigenen Haus verhaften. Was dann noch nötig ist, wird die Polizei schon erfahren!«

»Ah, so habe ich mich nicht getäuscht!«, zischte Lucas, dessen Gesicht vor Aufregung glühte. »Sie sagen, ich bin ein Fremder? Sie wollen der Absicht meines Besuchs Gewalttätigkeit unterschieben, um mich zu verderben? Wagen Sie es, edle Dame, und wir werden sehen, wer vor dem öffentlichen Aufsehen zurückbeben muss.«

»Wahnsinniger!«, rief die bestürzte Hofdame.

Sie wollte nach einer Glocke greifen, die auf dem Tisch stand. Lucas trat keck hinzu und hielt die Hand fest.

»Sehen Sie mich an, Madame; erkennen Sie mich nicht wieder?«, fragte er leise und mit Nachdruck.

Die bestürzte Oberhofmeisterin starrte ihn an.

»Wollen Sie Lucas Funke verhaften lassen, damit er der Behörde die Geschichte von einem Kind erzählt, das er in seinem Dorf von einer vornehmen Dame zur Erziehung empfing?«

Die Oberhofmeisterin erbleichte; sie fühlte den Druck der nervigen Faust des Mannes, aber es fehlte ihr an Mut und Kraft, sich ihm zu entziehen.

»Jetzt rufen Sie Ihre Leute!«, sagte der Leinwandhändler, indem er ihre Hand losließ. »Ich werde keinen Widerstand leisten; man soll mich ruhig aus Ihrem Haus durch die Straßen führen.«

Der erste Schrecken war vorüber, und die Hofdame, die schon in mancher kritischen Lebenslage gewesen war, begriff, dass sie sich nicht so schnell gefangen geben durfte. Bei der Bosheit und Zähigkeit ihres Charakters kann es nicht verwundern, dass sie das Mittel noch weiter anwandte, dessen sie sich gleich zu Beginn bei den Bauersleuten bedient hatte. Nach den getroffenen Maßregeln – der Leser erinnert sich derselben aus der Erzählung des Leinwandhändlers – konnte Lucas weder ihren Namen noch ihren Stand wissen, und dass eine Täuschung in der Person nach einer so langen Reihe von Jahren leicht möglich ist, zumal wenn gute Gründe dafür sprechen, stand für sie außer allem Zweifel. Die List riet ihr, dieses Mittel anzuwenden, bevor sie das Letzte der Unterhandlung ergriff. Sie hatte Lucas Funke, den sie nach Amerika ausgewandert wähnte, jetzt wiedererkannt.

Nachdem sie sich, wie von der Berührung erschreckt, erholt hatte, ließ sie sich in dem nächsten Lehnstuhl nieder.

Das hat gewirkt!, dachte Lucas. Die Frau ist so bösartig, dass man sie mit großer Vorsicht behandeln muss. Wollen sehen, was sie tun wird.

»Ich halte Euch für einen ehrlichen Mann!«, sagte sie mit matter Stimme.

»Das ist mir lieb, gnädige Frau! Und wie können Sie auch anders – habe ich mein Versprechen, das ich Ihnen vor langer Zeit gab, nicht ehrlich erfüllt?«

»Wie«, fragte sie verwundert, »ein Versprechen? Ich erinnere mich nicht.«

»Seltsam!«, lächelte der Leinwandhändler. »Sollten Sie ein so wichtiges Ereignis Ihres Lebens vergessen haben wie das, was unter meinem Dach stattfand?«

»Ich verstehe Euch nicht, guter Freund; hier muss ein Irrtum obwalten. Ihr sprecht von dem Kind einer vornehmen Dame, wenn ich recht gehört habe – ich bin kinderlos. Jenes junge Mädchen, das vorhin das Zimmer verließ, ist meine Nichte.«

»Gnädige Frau, ich täusche mich nicht!«, sagte Lucas fest. »Von einem Irrtum kann nicht mehr die Rede sein. Sie sind die Dame, die vor achtundzwanzig Jahren in meinem Haus von einem Knaben entbunden wurde.«

Wie im höchsten Grade indigniert zuckte die Oberhofmeisterin zusammen.

»Mann, Sie sind toll!«, sagte sie entrüstet. »Wozu eine solche Beschuldigung? Hoffen Sie, irgendetwas zu erlangen – o wie töricht, dass ich mich so lange mit einem Gegenstand beschäftige, der meiner in so hohem Grade unwürdig ist. Sie kennen meine Stellung nicht, sonst würden Sie fürchten …«

»Ich fürchte nichts, Madame, denn ich bin meiner Sache zu gewiss!«

»Mein Gott, diese Hartnäckigkeit! Wenn Ihr Euch nicht überzeugen lasst, so muss ich Euch für einen Betrüger halten!«, rief sie zornig, indem sie ihren Platz verließ.

»Nein, gnädige Frau, Sie halten mich weder für einen Dieb noch für einen Betrüger!«, sagte der Leinwandhändler ruhig lächelnd. »Sie machen die letzte Anstrengung, um mich von sich abzuschütteln. Es hat Mühe gekostet, ehe ich die Dame auskundschaftete, die so gewissenlos ihr Kind verließ. Wer dessen fähig ist, Madame, kann auch die Runzeln seines Gesichts benutzen, die weißen Haare und die Zahnlücken, um sich vor der Welt rein zu erhalten. Ich erinnere mich recht gut, dass Sie damals sehr schön waren, obgleich Sie versuchten, sich unsern Blicken so weit wie möglich zu entziehen. Doch das alles will ich nicht als einen Beweis für meine Behauptung gelten lassen. Warum rufen Sie Ihre Diener nicht? Warum lassen Sie den Betrüger nicht einsperren. Warum fürchten Sie, dass ich vor Zeugen spreche? Sie sehen, gnädige Frau, der Bauer ist nicht dumm genug, um sich einschüchtern zu lassen. Zweimal haben Sie ihn mit einer elenden Summe abgespeist – das dritte Mal fordert er viel, denn er betrachtet sich als den Vater des verleugneten Kindes.«

Die Oberhofmeisterin sah den Mann an, der eine längst vergessene Geschichte, die verhassteste Zeit ihres Lebens, mit so grellen Farben wieder auffrischte. Die Sicherheit des Leinwandhändlers erfüllte sie mit Befürchtungen; aber immer noch konnte sie sich nicht entschließen, sich dem Mann als dem Besitzer ihres wichtigsten Geheimnisses, der offenbar gekommen war, um seinen Einfluss zu Erpressungen zu benutzen, durch ein Eingeständnis unterzuordnen. Mit einem Blick ermaß sie die Folgen, die daraus entstehen konnten. Sie hatte Feinde – wie würden sie eine Handlung aufgreifen, die man ihr zum Verbrechen anrechnen konnte? Und gerade jetzt erschien der fürchterliche Mensch, jetzt, wo zwei große Pläne zur Vollendung gereift waren! Das Kritische der Lage hatte sie mit Kaltblütigkeit und Mut...



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