E-Book, Deutsch, Band 2, 464 Seiten
Reihe: Die Darth-Maul-Reihe
Schreiber Star Wars™ Darth Maul: In Eisen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-12977-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 2, 464 Seiten
Reihe: Die Darth-Maul-Reihe
ISBN: 978-3-641-12977-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der finstere Sith-Lord Darth Sidious entsendet Darth Maul auf eine todbringende Mission. Sein Schüler soll ein geheimes Gefängnis infiltrieren. Und während er dort in einer illegalen Arena gegen die brutalsten Kriminellen der Galaxis antritt, muss er zugleich den heimtückischen Plan seines Meisters vorantreiben. Sollte Darth Maul Erfolg haben, sind die Sith ihrer Rache an den Jedi-Rittern einen Schritt nähergekommen. Sollte er scheitern … Nun … Versagen ist keine Option!
Joe Schreiber wurde in Michigan geboren. In seinen jungen Jahren war er überaus reiselustig, lebte in Alaska, Wyoming und Nordkalifornien, bevor ihn das Familienleben sesshaft werden ließ. Nunmehr arbeitet Schreiber hauptberuflich als Mathematiklehrer an einer Schule in Palmyra (US-Staat Pennsylvania), ist verheiratet und Vater zweier Söhne.
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1. Kapitel
RADBAU SIEBEN
Zasch!
Der erste Schlag sauste von der Seite her auf Maul zu, warf dessen Oberkörper beim Aufprall mit seiner schieren Wucht herum und trieb Maul einen halben Schritt nach hinten, bevor dieser sein Gleichgewicht vollends wiedergewann. Irgendwo unter seinen Füßen schienen die Metallplatten des Zellenbodens zu zittern und zu beben, als drohten sie nachzugeben. Er spie einen Zahn aus und wischte das Blut fort.
Die Kreatur vor ihm war ein wandelnder Trophäenschrank vorheriger Morde. Mit zweieinhalb Metern Größe – die massigen Schultern und die Brust von schartigen, primitiven Rüstungsplatten bedeckt, die vormals zweifellos einem wesentlich größeren Raubtier als Kieferknochen und Rückenschild gedient hatten –, schien das Ding eine ganze Ecke der Gefängniszelle für sich zu beanspruchen.
Maul starrte die Kreatur an. Die graue Fratze war der Alptraum jedes Schönheitschirurgen, ein Schlachtfeld aus rituellen Narben, Metallringen und -bolzen, Drahtschlingen und Haken. Unter den Augen pulsierten bläuliche Säcke, und alles wölbte sich nach unten hin einem klaffenden Maul mit messerscharfen Zähnen entgegen. Selbst die Arme des Dings schienen von zwei unterschiedlichen Organismen zu stammen. Die rechte Hand war eine Faust mit stumpfen Knöcheln, die linke eine längliche Klaue mit spinnenartigen Gliedern. Zusammen bildeten sie eine Keule und eine Klinge, die eine zum Schlagen, die andere zum Schlitzen. Die Rechte war es gewesen, die nur Sekunden zuvor aus dem Nichts herangeschossen kam, Maul nach hinten schleuderte und ihm einen seiner Zähne ausbrach.
Das Ding griff nach unten und hob Mauls Schneidezahn vom Zellenboden auf. Es richtete sich auf, schob den Zahn in eine Lücke im eigenen Kiefer und drehte ihn hin und her, bis er sich dort verkantete und festsaß. Dann grinste es Maul an, als wolle es wissen, wie ihm der Anblick von einem seiner Zähne im Schlund dieser Kreatur gefiel – eine weitere Trophäe für ihre Sammlung.
Maul starrte das Ding an. Und dann kam der Zorn – und der Zorn war gut.
Die Anstaltskleidung, die sie ihm gegeben hatten, war ein orangefarbener Standardoverall, dessen schwerer Stoff die Bewegungsfreiheit stark einschränkte. Maul hörte die Nähte reißen, als er sich auf seinen Gegner warf und den halben Meter zwischen ihnen innerhalb eines Wimpernschlags zurücklegte. Das Ding reagierte genauso, wie er gehofft hatte, und stürmte begierig vor, um seinem Angriff zu trotzen. Es fuchtelte wild mit den nicht zusammenpassenden Armen vor sich herum und ließ seine Klaue durch die abgestandene graue Luft der Zelle schneiden, während es ihn mit schriller Stimme in einer kehligen, fast schon würgenden Sprache ankreischte, die er noch nie zuvor gehört hatte.
Das sind deine letzten Worte, dachte Maul. Denn du wirst verrecken. Hier und heute. Er war nun nah genug, dass er den Leichengestank von verfaultem Fleisch riechen konnte, der von dem Ding ausging, und führte reflexartig eine Reihe von Angriffsbewegungen aus. Seine beiden Hände schossen vor und packten die Kreatur bei der Kehle, rissen sie über seinen Kopf empor und drückten zu, bis er spürte, wie die tief liegenden Sehnen des Halses langsam in seinem Griff nachgaben.
Irgendwo in der Brust des Dings ertönte ein feuchtes, gedämpftes Knacken, und unvermittelt ergoss sich eine warme, dickflüssige Brühe stinkend aus dem Schlund der Kreatur. Blut. Pechschwarz.
Der Anblick verschaffte Maul keine Befriedigung, lediglich die etwas ärgerliche Erkenntnis, dass er niemals so lange hätte brauchen dürfen, um diesen Kampf zu seinen Gunsten zu wenden. Allerdings würde der durch seine Hand herbeigeführte schnelle Tod seines Widersachers ein gewisses notwendiges Maß an Gleichgewicht in diesem Duell wiederherstellen – wenn schon keine Ehre, so doch zumindest Wiedergutmachung. Er verstärkte den Griff, und das Kreischen des Dings wurde lauter, um sich schließlich in ein brüchiges, vogelartiges Krächzen zu verwandeln. Noch mehr Blut schoss dem Ding in den Kopf, tintenschwarz und zähflüssig, und sickerte aus Mund und Augenhöhlen.
Genug.
Maul vollführte eine perfekt ausbalancierte Drehung, schwang die Kreatur herum und donnerte sie mit einem scharfen Krachen auf den Boden, hart genug, dass er die Stahlplatten unter den Füßen dank der Wucht des Aufpralls vibrieren spürte. Der Schädel des Dings erschlaffte auf seinem gebrochenen Rückgrat und rollte zur Seite, um die puckernden Gefäße unter dem grauen Fleisch zu enthüllen.
Erst jetzt gestattete Maul sich, auszuatmen. Wie erwartet, hatte er weder seinen Schwertstab noch die Macht gebraucht, um diesen Fleischberg auszuschalten – nicht dass das wirklich Optionen gewesen wären. Als er jetzt auf die Fratze des Dings hinabblickte, hob er den Fuß und ließ ihn auf die entblößte Kehle hinabsausen, entschlossen, die Luftröhre – oder was immer dem Ding als Atmungsorgan diente – mit einem einzigen Aufstampfen zu zerquetschen. Einen Moment lang traf sein Blick den der eingesunkenen, unfokussierten Augen der Kreatur. Jetzt, vermittelte er dem Ding, das zu begreifen schien, dass es dazu bestimmt war, die letzten bemitleidenswerten Sekunden seines Lebens hier im anonymen Zwielicht zu verbringen. Stirb.
Ohne Vorwarnung und mit unglaublichem Tempo riss die Kreatur sich los und richtete sich ruckartig auf. Eine Pranke verschwand hinter ihrem Rücken, um etwas dahinter hervorzuholen, das wie ein langer Bo-Stab aussah. Als der Stab einem verschwommenen Schemen gleich auf ihn zuschoss, wurde Maul klar, dass es sich bei der Waffe, die er auf den ersten Blick für ein Stück Holz oder irgendeine Art biomechanischer Mischform gehalten hatte, in Wahrheit um einen lebenden Organismus handelte – um eine Schlange, deren Kopf mit blitzartigem Tempo vorschnellte, um nach seinem Gesicht zu hacken, nach seinen Augen.
Maul zuckte zurück, doch es war bereits zu spät. Plötzlich konnte er nichts mehr sehen. Sein Sehvermögen schwand, um ihn schlagartig in Finsternis zu tauchen. Dies war das zweite Mal in ebenso vielen Sekunden, dass das Ding ihn überrumpelt hatte, und jetzt wusste er auch, warum: Irgendwie war es von der Macht abgeschnitten, gänzlich losgelöst von dem umfassenden Spektrum gesteigerter Wahrnehmung, das ihn in einem fort mit Informationen über seine Umgebung versorgte. Die intuitiven, sensorischen Fähigkeiten, die er in einem normalen Kampf als gegeben hinnahm, waren einfach nicht verfügbar. Eine ätzende Schwere legte sich langsam tröpfelnd über seine Sehnerven, sickerte hinein, sank ganz tief ein, und ihm wurde bewusst, dass er bereits spüren konnte, wie das Gift Wirkung zeigte und sich in konzentrischen Kreisen der Taubheit durch die Muskeln und das Gewebe seines Gesichts ausbreitete.
Jetzt war das schrille Gelächter des Dings überall. Bösartig. Siegesgewiss.
Du musst die Sache jetzt beenden.
Maul richtete sich auf. Die Stimme im Kopf war seine eigene, ein strenges Heraufbeschwören dessen, was er während seiner Ausbildung gelernt hatte. Doch der Tonfall war unzweifelhaft der seines Meisters – ein Widerhall gnadenloser Anweisungen, ein Echo von Stunden, Tagen, Jahren unerbittlicher Pein und Disziplin. Sidious war stets in seiner Nähe, und der Gedanke an die Anwesenheit des Sith-Lords hier ließ ihn ruckartig und mit völliger Klarheit in die Gegenwart zurückkehren.
Ungeachtet seiner Blindheit griff Maul nach der Schlange. Irgendwo in der Schwärze konnte er die reißenden, ledrigen Sehnen des Stabs spüren, der sich ihm um den Hals schlang, fühlte die unzähligen winzigen Muskeln, die über seine Luftröhre glitten und sich zusammenzogen, um ihm einer lebendigen Schlinge gleich die Luft abzuschneiden. Die nächsten paar Sekunden würden entscheidend sein. Er spannte sich an, beugte den Kopf und riss ihn nach vorn, doch das Ding war nicht bereit, ihn freizugeben. Stattdessen umschlang es ihn, wand sich wieder und wieder um ihn und widersetzte sich jedem Versuch, es zu fassen zu bekommen.
Maul zwang sich, vollkommen reglos zu verharren, eine Studie völliger Unbeweglichkeit, woraufhin sich die Schlange in einem Augenblick fataler Vermessenheit noch enger zusammenzog und sich streckte, bis er fühlte, dass sich ihr Kopf einmal mehr vor ihm befand. Trotzdem wartete er. Er konnte den üblen Gestank seines Widersachers riechen, konnte spüren, wie seine Krallen ihm in die Haut ritzten, nach seinem Gesicht langten, nach Halt suchten. Das Ding kreischte ihn an, und diesmal war es ein Schrei reinen Triumphs, bei dem es sich ebenso gut um Gelächter hätte handeln können. Ausgehungert, irre. Ein Krieger, der nichts zu verlieren hatte.
Du bist kein Krieger, dachte Maul. Du weißt nichts von der Dunklen Seite. Der Augenblick war gekommen. Er griff nach dem Kopf des Schlangenstabs, packte die stumpfe Schnauze und das zähnestarrende Maul. Die Finger ergriffen den aufgeblähten oberen Teil, um zu ziehen und zu zerren, bis er der Schlange mit einem feuchten, fleischigen Knirschen den Kopf vom Körper riss.
Die Folgen waren verheerend. Mit einem ruckartigen, zuckenden Schauder lockerte sich die Schlange und erschlaffte. Schon rutschten die Windungen ihres Leibes von Mauls Hals, woraufhin dieser sich einen einzigen ungehinderten Atemzug erlaubte, ehe er sein Werk vollendete.
Irgendwo vor ihm reagierte sein Angreifer mit einem Heulen betrogenen Zorns auf das Ableben seiner Waffe. Maul hörte es kaum. So...




