E-Book, Deutsch, Band 1, 208 Seiten
Reihe: Beste Freundin, blöde Kuh
Schröder Beste Freundin, blöde Kuh!
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-401-80101-8
Verlag: Arena
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 208 Seiten
Reihe: Beste Freundin, blöde Kuh
ISBN: 978-3-401-80101-8
Verlag: Arena
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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In meinem Kopf ist aus dem »Okay, vielleicht« ziemlich schnell ein »Okay« geworden. Was soll ich auch den ganzen Nachmittag alleine zu Hause rumhängen? Und mir dazu noch Mamas blöde Fragen anhören? Warum also nicht so lange Fußball spielen, bis mir etwas Besseres einfällt? Die Frage ist nur, was man dazu überhaupt so anzieht. Turnschuhe sind sicher nicht ganz verkehrt. Und ein T- Shirt. Aber Jeans? Ich renne hinüber ins Wohnzimmer. »Mama, kann ich deine rote Radlerhose ausleihen?« Normalerweise ist es ein Fehler, sie ausgerechnet beim Lesen zu stören! Aber sie lächelt. »Sonst vielleicht noch was? Ich freue mich wirklich, dass dir in letzter Zeit meine Sachen so gut gefallen.« »Nein«, sage ich. »Mehr wirklich nicht.« Sie schiebt ihre Beine vom Sofa herunter, stapft in die Diele und holt einen Zwanziger aus ihrem Portemonnaie. »Hier, kauf dir gleich selber eine. Ich unterstütze nämlich alles, was du tust, um dich von Joana zu unterscheiden.« »Kannst es ruhig für dich behalten, wenn du sie nicht magst.«
»Unsinn. Ich kann euch ja verstehen. Aber es gibt nun mal keine zwei vollkommen gleichen Menschen. Zum Glück.« »Doch, Zwillinge.« »Nee, die sind auch nicht gleich. Und ich glaube, irgendwann finden die es sogar schrecklich, dass ihre Mütter sie immer so nett identisch angezogen haben.« Ich lasse Mama reden, nehme das Geld und gebe ihr zum Dank einen kleinen Kuss. »Die werden auch immer mickriger«, sagt sie. Ich zucke die Schultern, sage: »Tschüss, Mama.« Und sie guckt mir ganz komisch hinterher.
»Hallo!« Saskia rennt gleich vom anderen Ende des Platzes auf mich zu. »Find ich ja klasse.« Sie zieht mich am Arm hinter sich her. »Jetzt lass mich doch erst mal gucken.« »Ne, ich habe dem Diebutz doch schon gesagt, dass du vielleicht kommst.« Der Diebutz ist ihr Trainer. Er ist jünger als Papa und sieht ziemlich nett aus. »Tag«, sagt er und gibt mir die Hand. »Bist du Miriam?« Ich nicke. »Ja, Miriam Schleher.« »Schon mal gespielt?« »Ne, eigentlich bin ich unsportlich.« Er lächelt. »Das kann ich mir kaum vorstellen.«
Er steckt etwas in den Mund und kurz darauf ertönt ein schriller Pfiff. Ich zucke zusammen und Saskia lacht. »Du wirst dich schon noch daran gewöhnen.« Ich fühle ich mich ziemlich dämlich. Die erwarten hier alle etwas, das ich sowieso nicht hinkriegen werde. Und wenn es tausendmal nett gemeint ist von Saskia. Die Mädchen, die eben noch auf dem Rasen hin und her gelaufen sind, kommen nun auf uns zugerannt. Ein paar Jungen sind auch dabei und einen davon kenne ich sogar. Den kleinen Florian aus der Blumensiedlung. Na, der ist doch allerhöchstens zehn. Ein anderer ist ziemlich groß und blond. Wie Daniel aus unserer Klasse. Klar, dass ich ihn von Anfang an nicht mag. »Das ist Cobi«, stellt ihn mir Herr Diebutz vor. »Unser Ersatzkapitän, wenn Christine mal nicht da ist.« Ich presse ein missglücktes »Hallo« heraus, während mir dieser Cobi zusammen mit dem Ball ein strahlendes »Hi« hinüberwirft. Weil ich viel zu spät reagiere, knallt der Ball gegen mein Kinn und titscht dann in einem kleinen Bogen auf den Boden. »Astreiner Kopfschuss«, frotzelt ein Mädchen mit roten Kringelhaaren. »Astrid, sei still«, sagt Saskia. Und Cobi murmelt: »Entschuldigung. War wohl nicht so gut«, kann sich dabei aber ein Grinsen nicht verdrücken. So ein Blödmann! Allein schon wegen ihm würde ich am liebsten gar nicht erst anfangen. »Das kann man wohl sagen«, meint Herr Diebutz. Er klaubt den Ball wieder auf und hält ihn mir vor den Bauch. »Hier. Hast du überhaupt schon mal einen Fußball gehalten?« Ich schüttele den Kopf und nehme ihn zögernd in beide Hände. Er ist ganz schön hart. Fast wie ein Stein, nur nicht so schwer. »Lange Fingernägel sind dabei natürlich nichts«, sagt Cobi. »Die hat sie auch gar nicht.« Herr Diebutz sieht ihn finster an und auch ein paar der herumstehenden Mädchen gucken nicht gerade freundlich in seine Richtung. Cobi scheint wohl nicht besonders beliebt zu sein. Der Trainer schickt alle außer Saskia wieder auf den Platz zurück. Er erzählt mir, dass diese Truppe eine der wenigen gemischten Mannschaften sei und er sich über jedes neue Mädchen freue. Dann verklickert er Saskia, was sie mit mir üben soll. Ich stelle mich reichlich dämlich an und bin froh, als er sie zu einem Spiel ruft und ich einfach nur noch zugucken darf.
»Ich glaube, ich lasse es lieber«, sage ich und klappe meinen Fahrradständer zurück. »Ich habe mich ganz schön blöd angestellt.« »Ach, Quatsch«, ermuntert mich Saskia. »Das ist doch immer so am Anfang.«
Na, ich weiß nicht. »Die Jungens sind halt im Vorteil. Die kicken schon im Kindergarten«, erklärt sie mir. »Und wenn man erst mit zwölf Jahren damit anfängt, dann ist es auch schwer.« Sie lacht. »Aber guck mich an. Ich mache das schließlich auch erst seit einem Jahr.« Ja, und jetzt ist sie die Spitzenstürmerin in der Liga der C-Jugend. Bei Saskia, dieser Sportskanone, aber auch kein Wunder. »Du bist kein Beispiel für so was«, erwidere ich und sie zuckt die Achseln.»Na ja, meine Eltern sagen auch immer, ich sei schon mit Turnschuhen und ’nem Springseil in den Händen auf die Welt gekommen.« »Und ich war fett.« »Da sieht man jetzt aber gar nichts mehr von«, sagt Saskia. »Aber Joey ist natürlich schlanker.« »Danke, genau das wollte ich hören.« Saskia grinst ein bisschen schief. »So habe ich das aber nicht gemeint. Ich wollte nämlich noch sagen, dass Joey trotzdem niemals einen Sportplatz betreten würde.« Geschweige denn einen Fußballplatz, denke ich. Na, wenn sie erfährt, was ich in meiner neu gewonnenen Freizeit so mache, dann redet sie wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit kein einziges Wort mehr mit mir.
»Schick«, sagt Papa. »Trägt man das heutzutage bei den Schleher-Baskes?« »Ich war mit Joey Fahrrad fahren«, lüge ich und streiche noch eine Schicht Schmierkäse auf mein Brot, nur um ihn nicht anschauen zu müssen. »Bisher ging das doch auch in ganz normalen Jeans.« »Das sind Radlerhosen«, klärt Mama ihn auf. »Und Radler kommt von Fahrrad . . .« ». . . und das wiederum kommt von Tour de France.« Papa grinst extrem breit, was ich nicht mag, weil sein Mund dabei immer nach oben rutscht und sein Schnauzbart dann so aussieht, als würde er ihm direkt aus der Nase herauswachsen. »Es ist ja nicht so, als würde ich mich da nicht auskennen. Ich finde sie allerdings grässlich. Aber Miriam mag meinen Schnäuzer ja auch nicht . . . Außerdem . . .« Mama und ich glotzen ihn erwartungsvoll an. Doch Papa beißt erst einmal in sein Brot und kaut es so gründlich durch, bis ein ekliger süßer Brei daraus geworden ist. Weil das angeblich gesünder ist und man sein Verdauungssystem weniger quält. Mein Vater ist nämlich Ökotrophologe. Das heißt auf Deutsch Ernährungswissenschaftler und bedeutet, dass niemand, der mit ihm an einem Tisch sitzt, irgendetwas Essbares in seinen Körper bugsieren kann, ohne sich dabei oberschlaue Sprüche anhören zu müssen. Ich habe mittlerweile unter seinen missbilligenden Blicken mein komplettes Brot hinuntergeschlungen, während sein Schnurrbart noch immer wie eine kleine Maus auf seiner Oberlippe tanzt. Endlich schluckt er seinen Brotbrei hinunter und vollendet seinen Satz: »Außerdem habe ich deine Freundin Joana heute nicht in einer Radlerhose, sondern im Supermini gesehen.« Kaum ist das aus seinem Mund heraus, sinke ich so tief in mich zusammen, als hätte mir jemand den Stuhl unter dem Hintern weggezogen. »Dann sei doch froh«, sagt Mama. »Wieso? Dass meine Tochter so etwas nicht anzieht?« »Nein, dass sie nicht mehr immer genau gleich aussehen mag wie Joana.« »Das hat mich nie gestört, im Gegensatz zu dir«, höre ich noch seine Stimme. Und dann: »Wo ist sie überhaupt, meine Tochter?« Die ist gleich in ihrem Zimmer, denke ich erleichtert, als ich in den Flur einbiege. Ich kann zwar nicht gerade behaupten, dass ich richtig satt geworden bin, aber wenigstens muss ich jetzt nicht mehr über Miniröcke und Radlerhosen diskutieren. Und ich frage mich, ob ich meinen Eltern überhaupt jemals sagen kann, dass ich heute versucht habe, Fußball zu spielen. Papa mag nämlich keine Sportarten, die diesen Massenwahnsinn, wie er immer sagt, unterstützen. Sowieso hasst er grundsätzlich das, was die meisten mögen, und wahrscheinlich würde er mir zu Tai-Chi raten, weil er das selber macht und für das einzig Wahre hält. Außer gesunder Ernährung natürlich. Ich seufze und starre eine Weile auf meinen Kleiderschrank. Schließlich stehe ich auf und öffne ihn. Aber außer der blauen Workerjeans, die ich als Supersonderangebot...




