E-Book, Deutsch, Band 2202, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Schwartz Perry Rhodan 2202: Der Hyperschock
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2201-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Der Sternenozean"
E-Book, Deutsch, Band 2202, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2201-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Science Fiction dreht sich um die Technik der Zukunft, heißt es oft. Doch Uschi Zietsch räumt mit diesem Irrglauben auf: Die Münchnerin schreibt unter dem Künstlernamen Susan Schwartz mit großem Erfolg Science Fiction und Fantasy, wobei sie den Schwerpunkt auf fremde Kulturen legt. Die 1961 geborene Autorin, die nach dem abgebrochenen Studium in Jura, Geschichte, Theaterwissenschaft und Politik eine kaufmännische Lehre absolvierte und bis 1996 hauptberuflich im Marketing-Bereich tätig war, schrieb bereits als Kind ihre ersten Geschichten. Ihr erster Roman, ein imponierendes Fantasy-Epos, erschien 1986 unter dem Titel 'Sternwolke und Eiszauber' im Wilhelm Heyne Verlag in München. 1988 gründete Uschi Zietsch zusammen mit ihrem Ehemann Gerald Jambor den Fabylon-Verlag, in dem neben den Werken anderer Autoren auch eigene Erzählungen erschienen. Der Einstieg in die PERRY RHODAN-Serie erfolgte Ende 1992: Das Taschenbuch 'Chandris Welt' wurde unter dem Künstlernamen Susan Schwartz publiziert. 'Susanne ist mein Zweitname', so begründet Uschi Zietsch das Pseudonym, 'und die Farbe Schwarz mag ich nun mal ganz besonders.' Dem bei Lesern und Kritikern der PERRY RHODAN-Serie gut angekommenen Taschenbuch folgte der Einstieg in die Romanserie: Das Debut der Münchnerin war 'Im Netz des Quidor', im April 1993 als PERRY RHODAN-Band 1652 erschienen. Mit 'Der Hyperschock' (Band 2202) und 'Quinto-Center' (Band 5 der PERRY RHODAN-Autorenbibliothek) nahm die Autorin im November 2003 nach über 60 Heften ihren Abschied von der Serie. Sie blieb ihr freundschaftlich verbunden und steuerte unlängst sogar mehrere Gastromane bei. Bei der Fantasy-Reihe 'Elfenzeit' war sie für die gesamte Konzeption zuständig und steuerte die wichtigsten Romane bei. Parallel dazu erschien bei Bastei-Lübbe ihre Fantasy-Trilogie 'Die Chroniken von Waldsee' sowie zwei in sich abgeschlossene Einzelbände aus derselben Welt. Aktuell beschäftigt sich Uschi Zietsch unter anderem mit der 'Elfenzeit'-Folgeserie 'Schattenlord', für die sie ebenfalls verantwortlich zeichnet.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Kantiran: 30. August 1331 NGZ
Hindurch.
Der Schmerz pulst durch meinen Körper, der in den Zustand totaler Starre zurückgefallen ist.
Ich bin halb ohnmächtig, kann mich kaum rühren. Die Augenlider halte ich mit aller Kraft offen, und meine trockenen, bereits rissigen Lippen sind so fest zusammengepresst, dass ich meine Zunge zum Befeuchten nicht hindurchschieben kann. Meine Nase juckt. Ich spüre den Schweiß, der tropfenweise über meine Stirn die Schläfen hinunterrollt und sich in meinen Koteletten verfängt. Und in den Resten der Maske, die ich noch nicht ganz entfernen konnte.
Ich werde mir jedes einzelnen Muskels bewusst, der meinen Körper dazu bringt, sich zu bewegen. Normalerweise. Momentan ist da nur Schmerz. Alles ist verkrampft, mein Körper wie ein Stein, in den ich eingemauert, wie lebendig begraben bin.
Mein Magen dreht sich um. Mir ist so speiübel wie nie zuvor. Hoffentlich muss ich mich nicht übergeben, nicht gerade jetzt. Es wäre unweigerlich mein Tod; ich würde daran ersticken.
Ein lächerlicher Tod, vergleichsweise mit dem, den Shallowain der Hund mir wahrscheinlich an den Hals wünscht. Ich denke kaum freundlicher über den unerbittlichen Jäger. Er hat garantiert den Auftrag vom Imperator persönlich, mich zu stellen.
Zweimal sind wir uns auf meiner Flucht schon begegnet. Das erste Mal war bereits sehr knapp, und beim zweiten Mal hätte er mich fast erwischt. Glück und meine schwache Mutantengabe halfen mir in diesem Fall.
Ob ich es überlebe, steht jetzt auf einem anderen Blatt. Wir sind mit einem Gleiter in einen Großtransmitter gerast, und das zu einer Zeit, in der diese Technologie höchste Risiken birgt.
Wir haben trotz aller Störungen nicht nur diesen Transmitterdurchgang riskiert, der unsere Einzelteile sonst wohin hätte abstrahlen können, sondern zudem einen Fern-Frachttransmitter benutzt, der nicht für den Personenverkehr gedacht ist.
Aber wir haben überlebt, denke ich verzweifelt. Rechts von mir ertönt ein Stöhnen. Konzentriert versuche ich meine Lähmung zu überwinden.
Ich denke an Shallowain den Hund. Mein Jäger ist mir weit überlegen: ein knallharter Kämpfer mit Jahrzehnten der Erfahrung, der auf alle Einrichtungen des Kristallimperiums zurückgreifen kann. Wer bin ich dagegen? Ein junger Mann. Ein einzelner junger Mann vor allem, den ein Freund begleitet, der keine andere Wahl hatte.
Andererseits ist es Shallowain bisher nicht gelungen, mich zu schnappen, mache ich mir bewusst. Und das, obwohl ich wahrscheinlich schon der meistgesuchte Mann des Kugelsternhaufens bin – ich habe meine Mutter ermordet.
Und meine Mutter ist Ascari da Vivo, die Mascantin Seiner millionenäugigen Erhabenheit, des Imperators.
Ein Leben für ein Leben. Sie hat mir Thereme genommen. Die Liebe meines Lebens. Dafür nahm ich das Leben meiner Mutter.
Das Gleichgewicht ist also wiederhergestellt.
Nur leider fühle ich mich deswegen keinen Deut besser, und Theremes Verlust schmerzt nach wie vor tief in mir drin.
Ich höre ein Ächzen und Stöhnen neben mir, das mich ablenkt. Dann übergibt sich jemand geräuschvoll, und ich verliere beinahe erneut die gerade wiedergewonnene Beherrschung.
Immerhin lässt das hämmernde Pochen in meinem Schädel allmählich nach. Und ich bemerke, dass ich schon den rechten Zeigefinger bewegen kann.
Mein Adamsapfel wippt auf und ab, als ich mühsam schlucke. Endlich öffnen sich meine Lippen, das erleichtert das Atmen erheblich.
»He, Kant«, krächzt eine raue Stimme.
Ich brauche nicht den Kopf zu drehen, um zu wissen, wer es ist. Mein Freund Mal Detair, der aussieht wie eine Kreuzung aus ertrusischem Bär und Springer, etwas über zwei Meter groß und fett, aber nicht behäbig. Er ist Tierheiler, und seine Patienten sorgen für seine hervorragende Kondition. Allerdings verschaffen sie ihm auch das Alibi, notwendigerweise verfressen zu sein, um die benötigte Energie für seinen schweren Job aufzubringen.
Trotz seines langen, dicken roten Zopfes und seiner ungehobelten Manieren ist Mal kein Springer, sondern ein Fuertone, ein Kolonialarkonide. Was bedeutet, dass es ihm auf der hochadeligen Kristallwelt Arkon nicht besser ergangen ist als mir.
Ich bin immerhin ein Bastard zweier verschiedener Welten. Zur Hälfte kreist edelstes Blut in meinen Adern, das der hochwohlgeborenen Ascari da Vivo. Die andere Hälfte habe ich von Bostichs größtem Feind bekommen, Perry Rhodan, dem Terranischen Residenten. Jeder sieht mir gleich an, dass ich kein Arkonide bin, denn ich habe blaue Augen und schwarze Haare. Die blauen Augen kann ich mir erklären, aber woher ich die schwarzen Haare habe, das mögen die Gen-Götter des Universums wissen.
Erst vor kurzem ist mein gesamtes Weltbild aus den Fugen geraten. Du sollst mal alle Chancen haben, hat mein Ziehvater Weigel damals zu mir gesagt, als ich neun war und auf einer verschlafenen Welt hinter den sieben Monden herangewachsen bin.
Neun Jahre ist das her, und ich war damals voller Erwartung, die Sterne des Universums kennen zu lernen.
Vor gerade mal viereinhalb Jahren schien es so weit zu sein: Sie brachten mich in die Kadettenschule Paragetha auf der Kristallwelt Arkon I, wo harte und ungerechte Zeiten auf mich warteten. Diese Ausbildung hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin – ein Mörder. Der einzige Lichtblick und Halt meines Lebens war Thereme, die sterben musste.
Und nun habe ich eine glorreiche Zukunft vor mir ... auf der Flucht.
»Sag mal, Kant, bist du taub?«, brüllt mein Freund mir ins Ohr und beantwortet damit seine Frage fast selbst.
Ich ächze, es gelingt mir halbwegs, den Kopf wegzudrehen. Allmählich bekomme ich die Kontrolle über meinen Körper wieder.
»Jetzt ja«, stöhne ich mühsam. »Mal, du stinkst erbärmlich ...«
»Na, wenigstens deine Nase scheint zu funktionieren! Warte, ich räume das mal weg, dann wird's gleich besser.« Ich höre ein Rumoren, dazu gemurmelte Flüche.
Und ich spüre, wie es abwärts geht.
»Mal«, sage ich und versuche, mich aufzurichten.
»Was denn? Ich bin gerade beschäftigt, du bist auch nie ...«
»Mal«, unterbreche ich und hebe keuchend einen Arm, deute auf die Glassitscheibe, in der sich ein hauchfeiner Riss gebildet hat, der sich zusehends ausbreitet. Aber das ist es nicht, was mich in Panik versetzt. »Das ist doch nicht der Himmel, der da auf uns zurast ...«
»Bei den Fürzen des großen Packmar!«, brüllt mein Freund auf, als er endlich hochblickt. »Wir haben keinen Antrieb mehr! Wir stürzen ab!«
»Kluger Bursche«, lobe ich.
Ich beuge mich langsam nach vorn, während Mal hektisch auf den Kontrollen herumhämmert und versucht, den Gleiter in den Griff zu bekommen. Es rüttelt und schüttelt uns durch, als die Andruckabsorber stotternde Aussetzer haben. Ich werde hilflos durch die Kanzel geschleudert und höre Mals Jaulen, als ich ihn versehentlich mit dem Stiefel unsanft an einer empfindlichen Stelle treffe.
Dann liege ich auf dem Boden und halte mich an einer Sesselverankerung fest, während der Tierheiler sich verzweifelt als Rettungspilot versucht. Immerhin schafft er es, die Geschwindigkeit zu reduzieren, wenngleich er die Bauchlandung nicht verhindern kann.
Und da klatschen wir schon auf. Dabei habe ich das Gefühl, dass sämtliche Knochen durcheinander geschüttelt werden und sich vermutlich nie mehr zu einem ordentlichen Skelett zusammensetzen lassen. Die Brustplatte, mein arkonidisches Erbe, drückt auf meine Lungen.
Mit einem ohrenbetäubenden Kreischen und Wummern schlittert der Gleiter auf dem Boden dahin, dreht sich wie ein Kreisel, bis er zur Seite kippt und dann endlich zur Ruhe kommt.
»Wir sind angekommen«, höre ich Mal Detairs Ächzen durch das Knirschen und Stöhnen des zusammengeschobenen Metalls. »Und nicht nur das, wir sind auch dort, wo wir hinwollten – Quovan-7. Sag noch einer, ein Tierheiler versteht nichts von Navigation! Na ja, und ein bisschen Glück muss man immer haben. Es kann jederzeit was schief gehen. Die Medien sind stets voll mit Unglücksmeldungen auf ganz normalen Passagen. Insofern kann man es als ganz normale Landung betrachten.«
»Kannst du endlich mal die Klappe halten?«, würge ich halb erstickt hervor.
Ich weiß nicht, ob irgendetwas in mir heil ist. In meinen Ohren ist ein anhaltendes Summen, vor meinen Augen tanzen Sterne, und meine Finger, meine Zehen kribbeln.
Soweit ich erkennen kann, ist auch in der Kabine nichts mehr an seinem Platz. Ich bin am Boden zwischen dem Sessel und der Konsolenverkleidung festgeklemmt, ich bekomme kaum Luft, und das verstärkt meinen Ärger. In meiner Kehle drängen sich eine Menge Worte, die ich Mal gern an den Kopf werfen würde und die ich zwangsläufig wieder hinunterschlucken muss.
Entsetzt klammere ich mich fest, als ich erneut ein Stampfen und Dröhnen höre.
Aber es ist nur mein Freund, der unter den Trümmerteilen hervorkriecht, sich auf die Säulenbeine stellt und zu mir herüberkommt, meine Hände packt und mich mit einem Ruck aus meiner eingeklemmten Lage befreit, als wäre das nichts weiter, mich auf die Füße stellt, gleichzeitig stützt und vorsichtig abklopft. Es sieht so aus, als ob ich tatsächlich nur ein paar Prellungen davongetragen habe.
Und bald haben sich meine Lungen mit ausreichend Luft gefüllt, und ich kann die wütend bohrenden, quirligen Wörter wieder aus dem Magen holen, öffne den Mund und setze an ...
»Na, Kant«, sagt Mal Detair und zeigt ein breites Grinsen in seinem staubverschmierten Gesicht, während er mich tätschelt, »sieht aus, als hätte ich deinen...




