E-Book, Deutsch, Band 3148, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Schwartz Perry Rhodan 3148: Maskerade
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8453-6148-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Chaotarchen-Zyklus
E-Book, Deutsch, Band 3148, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6148-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2071 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5658 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Nun aber übernehmen die sogenannten Kastellane wichtige Machtpositionen - es sind relativ Unsterbliche unterschiedlicher Völker, die als spezielle Eingreiftruppe von ES gelten. Und mitten in der Galaxis entsteht mittlerweile eine Yodor-Sphäre, die ein geheimes Bauprojekt der Kosmokraten enthält. Was es damit auf sich hat, versucht Atlan in Erfahrung zu bringen. Die größte aktuelle Bedrohung geht freilich von einem havarierten Chaoporter im Umfeld Andromedas aus. Perry Rhodan begibt sich mit der RAS TSCHUBAI an Ort und Stelle, um mehr darüber herauszufinden - und stößt nicht nur auf den Chaoporter FENERIK, sondern auch auf die LEUCHTKRAFT, ein kosmokratisches Raumschiff, das unter dem Kommando Alaska Saedelaeres stand. Zu ergründen, ob sein alter Freund noch lebt, ist nun Perry Rhodans Anliegen. Aber durchschaut er auch die MASKERADE ...?
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1.
Ein schöner Tag
Frühzeitig verlasse ich mein Appartement, denn ich bin altmodisch und gehe zu Fuß bis zur Brücke. Die Bewegung tut mir gut, zur Einstimmung auf die neuen Anforderungen des Tages. Ich gehe dabei in Gedanken meinen Arbeitsplan durch und kalkuliere die Zeit, die ich für die einzelnen Schritte benötige.
Dabei achte ich nicht so sehr auf meine Umgebung, höchstens einmal, wenn ich einem rücksichtslosen Skater ausweichen muss. Die unter ihren Füßen mit Fesselfeldern gehaltenen Monogleiter sind besonders bei denen beliebt, die es eilig haben – was bei den meisten der Fall ist. Sie wedeln wie Skifahrer zwischen den Passanten hindurch, springen über Gleittaxis oder schlagen sogar Salti, wenn eine Kollision droht. Damit ist man in kürzester Zeit am Zielpunkt – oder in der Klinik, je nachdem.
Die Tonmaranen kümmern sich nicht darum und schreiten auch nicht ein, wenn es zu einem Unfall kommt. Wenn der Schuldige überlebt, bekommt er eine gehörige Strafe aufgebrummt und auf befristete Zeit Bewegungseinschränkungen, die empfindlich treffen – sie müssen dann zu Fuß gehen. Davor haben sie alle Angst, es hindert sie aber nicht.
Ich kann über solch unlogisches Verhalten nur den Kopf schütteln. Vielleicht ist es der Nervenkitzel, der die jungen Leute antreibt.
Alternativ könnten sie natürlich rechtzeitig aufbrechen, so wie ich, das ist lediglich eine Sache der Selbstorganisation. Auch die Gleitbänder sind so voll, dass man kaum mehr von einem zum anderen wechseln kann – Springer, Überschwere und Cheborparner sind dort hauptsächlich unterwegs, die grundsätzlich in Streit geraten, wer wen geschubst und wer es eiliger hat.
Wir Externen wohnen alle auf der Handelsstation, auf der dem Kontinent Puran vorgelagerten, 550 Quadratkilometer großen Insel Vopham. Die Tonmaranen haben uns die ganze Insel zur Verfügung gestellt. Sie sind haarlose, grünhäutige Humanoide mit großen, blau gesprenkelten orangen Augen, Langfinger im wahrsten Sinne des Wortes, und gereichen im Verhandlungsgeschick jedem Springer zur Ehre.
Die Tonmaranen verlassen ihren Planeten so gut wie nie, sondern lassen alle zu sich kommen. Sie sind Handwerker, unterhalten eine gut florierende Industrie für allerlei touristische Geschmacklosigkeiten und kassieren gut für unseren Aufenthalt. Der interstellare Export ist der Hauptwirtschaftszweig, deswegen sieht man hier auch so viele Springer.
Dadurch herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, mit Raumschiffen, aber auch per Transmitter. Der Planet stellt eine gute Verbindung zwischen diversen Interessengruppen dar und ist unauffällig.
Ein gutes Angebot für jede Menge Büros und hoch technisierte Stationen der Geheimdienstorganisationen diverser Sternenreiche und Regierungen. Da sich die politischen Verhältnisse praktisch ständig ändern, werden häufig Büros ganz plötzlich geschlossen und die Stationen manchmal freiwillig aufgegeben, meistens aber zwangsweise geräumt. Manche dieser geheimen Einrichtungen werden erst später entdeckt, wenn sie längst nicht mehr betrieben werden, man sie sich aber »für mögliche Neuentwicklungen« noch aufheben wollte. Anstatt neue zu bauen, hätte man die alten Einrichtungen einfacherweise aktualisieren und wieder in Betrieb nehmen können.
Eine solche Station wurde vor drei Monaten entdeckt, und hier komme ich ins Spiel. Ich bin einer der Techniker, die im Auftrag der Firma, bei der sie angestellt sind, das technische Equipment demontieren. Ich bin dafür zuständig, gefährliche oder auf Spionage ausgelegte Bauteile zu finden, zu identifizieren und zu neutralisieren. Das ist eine reichlich knifflige Angelegenheit, die enorm viel Sorgfalt und Gründlichkeit erfordert und analytisches Denken, um so ein Ding überhaupt als das zu erkennen, was es ist, und wie man es knackt, ohne dass man womöglich in die Luft fliegt.
Das nimmt seine Zeit in Anspruch, und in meinem Vertrag ist eindeutig festgehalten, dass ich überall für unbestimmte Dauer eingesetzt werden kann.
Die unbestimmte Dauer bedeutet in Wirklichkeit: bis der Auftrag abgeschlossen ist. Dann geht es zum nächsten Einsatzort.
Meine Tätigkeit hier ist schon beinahe beendet, noch etwa zwei Wochen, dann geht es zum nächsten Planeten. Der Termin steht fest, der Auftrag ist eingetroffen. Der Rest in dieser Station wird dann hauptsächlich von den Bürokraten erledigt werden, die die Geräte endgültig abbauen und abtransportieren. Dafür wird jemand von der Hauptfirma erwartet, der die Leitung übernehmen soll, vor allem kontrollieren, dass wir Techniker alles richtig gemacht haben.
*
Ich habe die Brücke erreicht. Der kalte Wintertag verzaubert alles mit klarem Licht, Schlaglichtern und Schattenspielen, und vor allem mir intensiven Farben. Bis eben hat die Sonne geschienen, nun fallen dicke, weiche Schneeflocken aus aufgeplusterten Wolken herab.
Ich spüre sie auf meinem Gesicht, wo sie beim Vergehen winzige, eisige Schmelzpunkte hinterlassen. Es kribbelt, aber nicht unangenehm. Ich wische die Überreste nicht weg, sonst vergehen die zerbrechlichen Kristalle so schnell endgültig. Ich mag diese zierlichen fraktalen Erscheinungen, sie sind so harmonisch und perfekt angeordnet. Und keine sieht aus wie die andere.
Auf der Brücke aller Schätze findet der gesamte Handel statt. Die Überschweren haben sie auf Wunsch der Tonmaranen gebaut, sie ist zwölf Kilometer lang und 500 Meter breit und verbindet »unsere« Insel mit dem Kontinent, wo die Tonmaranen leben und arbeiten, aber nicht hökern.
Der Handel findet streng nach tonmaranischem Brauch statt und nur an diesem Ort. Schmuck, ausgefallene Früchte und Gemüse, Gewürze, Kräuter, Pulver für diversen Gebrauch bei Zipperlein aller Art. Kunstwerke dürfen nicht fehlen, besonders die Miniaturen, die Künstler nach Holovorgabe aus Holz schnitzen, schleifen, stechen, polieren und anschließend bemalen.
Alle Gleitbänder enden vor der Brücke, auch auf der anderen Seite, ebenso sind die Monogleiter verboten und der Luftverkehr wird umgeleitet.
Natürlich könnte ich von der Insel aus einen normalen Taxigleiter nehmen, der auf direktem Weg zur Station gelangt – aber ich mag den Anblick der Brücke jeden Tag aufs Neue. Das gehört zu meinem täglichen Ritual, das mit dem Fußmarsch beginnt.
Sonst komme ich ja kaum raus, denn ich bin weder ein geselliger Mensch, noch habe ich großartige Hobbys. Ich mache meine Arbeit, erledige meinen Privatkram, esse, gehe ein bisschen spazieren, und anschließend schlafe ich.
Damit bin ich vollauf zufrieden, denn die Arbeit fordert mir eine Menge ab, und davon brauche ich Erholung. Mein Verstand würde sonst immer weiter rotieren, und ich würde überall nur noch Verfolger und Spione sehen und in jedem harmlosen Passanten den Agenten einer feindlichen Macht vermuten, der gerade an wichtigen Knotenpunkten Überwachungssysteme installiert hat.
Und das Schlimme dabei ist, dass es gewissermaßen stimmt. Unter Garantie sind wichtige Institutionen nach wie vor unterwandert, was bedeutet, dass ich so gut wie niemandem trauen kann. Für jemanden wie mich, der ohnehin eher distanziert bleibt, ist das nicht so schwer ... aber es zermürbt dennoch, weil es ein Dauerzustand ist. Das Misstrauen verlässt einen nie mehr.
Deswegen mein Morgenritual, das ist tröstlich und aufmunternd und stimmt mich positiv ein, bevor es am Arbeitsplatz dann ernst wird.
Das bunte Treiben auf der großen Brücke, die vielen unterschiedlichen Völker, Händler, Künstler, Handwerker, die phantasievoll gestalteten Geschäfte und offenen Märkte, die gerade von Glasdächern vor dem Schnee geschützt werden, zeigen mir eine Welt, deren Anblick immer großartig ist und sich nie abnutzt und mir Trost spendet, obwohl ich nie ein Teil davon sein werde.
Ich weiß, ich wirke etwas merkwürdig, den Eindruck erwecke ich oft bei anderen. Einzelgängerisch, eigenbrötlerisch. Aber ich bin kein Einsiedlerkrebs, der nur die Beine aus dem Schneckenhaus reckt, um zu laufen, und sich ansonsten kaum zeigt. Ich habe durchaus Kontakt zu anderen, aber eben nicht so häufig.
Und an meinem jetzigen Einsatzort genügt mir die tägliche Zusammenarbeit mit den anderen. Danach bin ich froh um die Ruhe in meiner Wohnung, wo ich mich einfach fallen lassen kann und nicht mehr ständig auf der Hut sein muss. Bei so einer heiklen Arbeit kann ich einfach keine näheren Kontakte knüpfen.
*
Ich gehe zu den Stationen mit den Ein-Personen-Plattformen. Ein simples Podium mit höhenverstellbarem Stab und einer Halterung, über die gesteuert wird. Das ist die einzige erlaubte Fortbewegungsweise auf und über der Brücke, gemächlich und leise. Distanzmelder reduzieren automatisch die Geschwindigkeit oder initiieren einen Ausweichkurs.
Ich schwebe durch die stets offene Einflugschleuse und nehme den direkten Weg durch den gekennzeichneten höchsten Korridor über den Markt hinweg. Meine Plattform ist registriert, meine Route wird automatisch erfasst, sodass ich am anderen Ende nicht durch den Zoll muss, sondern direkt die freigegebene Schleuse passieren kann. Schwindler werden sofort erfasst und mit Fesselfeldern gehalten, bis die Sicherheitskräfte der Tonmaranen eingetroffen sind und saftige Gebühren erheben, bevor man den Weg fortsetzen darf.
Das Treiben unter mir ist in vollem Gange, niemand stört sich am Schneefall. Meine Kleidung ist wasserabweisend und selbstwärmend, sodass ich ebenfalls keinen besonderen Schutz brauche. Lediglich mein Gesicht und meine Haare werden feucht, und ich spüre die Kühle. Aber das macht mir nichts aus, im Gegenteil: Ich genieße dieses Gefühl sogar,...




