Skye | Damsel – Der Pfad des Feuers | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

Skye Damsel – Der Pfad des Feuers

Die Netflix-Sensation. Roman
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-641-30948-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Netflix-Sensation. Roman

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

ISBN: 978-3-641-30948-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Vorlage zur erfolgreichen Netflix-Verfilmung mit Millie Bobby Brown

Elodie kommt aus Inophe, einem kleinen, armen Herzogtum, das seit Jahren von einer Dürre heimgesucht wird. Als Prinz Henry aus dem Königreich Aurea um ihre Hand anhält und Inophe Unterstützung verspricht, sagt sie sofort Ja. Doch nach der Hochzeit erfährt Elodie das dunkle Geheimnis Aureas: Die Königsfamilie hat einen Pakt mit einem Drachen geschlossen. Der Drache sorgt für ewigen Wohlstand, im Gegenzug werden ihm jedes Jahr drei Prinzessinnen geopfert – und Elodie ist als Nächste an der Reihe. Wenn sie ihr Leben und das Tausender anderer Frauen retten will, muss sich Elodie dem Drachen stellen …

»Damsel« ist das Fantasy-Highlight auf Netflix – verfilmt mit Millie Bobby Brown (»Stranger Things«) in der Hauptrolle!

Evelyn Skye ist die Autorin mehrerer New-York-Times-Bestseller, darunter »The Crown‘s Game«. Sie studierte an der Stanford University und der Harvard Law School, und ihr wurde sogar ein Job bei der CIA angeboten (den sie jedoch ablehnte). Sie gewinnt mühelos jedes Pizza-Wettessen und lebt mit ihrer Familie in der San Francisco Bay Area.

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Elodie


Inophe war die Art von Ort, an dem die Uhren rückwärtszugehen schienen. Während sich der Rest der Welt weiterentwickelte, glitt der trostlose Landstrich Inophe immer mehr in die Vergangenheit ab. Siebzig Jahre Dürre hatten die ohnehin schon mageren Felder des Herzogtums in eine endlose Wüste aus Dünen verwandelt. Die Menschen gewannen ihr Wasser aus Kakteengärten und lebten von Tauschgeschäften – eine Bahn schlichtes Tuch für die Reparatur eines Zaunes, ein Dutzend Eier für eine Tinktur gegen Zahnschmerzen und zu besonderen Anlässen eine Ziege im Tausch für einen kleinen Sack wertvolles importiertes Mehl.

»Es ist ein wunderschöner Ort, trotz allem«, sagte Herzog Richard Bayford, während er an den Rand einer Anhöhe heranritt, die den Blick auf eine sanfte, braunfarbene Landschaft freigab, die hier und da von den mageren Zweigen eines Eisenholzbaums und gelben Akazienblüten aufgebrochen wurde. Bayford war ein großer, drahtiger Mann mit einem Gesicht, das von viereinhalb Jahrzehnten unter einer unbarmherzigen Sonne gezeichnet war.

»Es ist ein wunderschöner Ort allem«, rügte ihn seine Tochter Elodie sanft, als sie zu ihm aufschloss. Sie war zwanzig Jahre alt und ihrem Vater im Herzogtum Inophe zur Hand gegangen, solange sie denken konnte. Und eines Tages würde sie dessen Titel erben.

Lord Bayford schmunzelte. »Du hast wie immer recht, mein Täubchen. Inophe ist wunderschön, und zwar genau so, wie es ist.«

Elodie lächelte. Unter ihnen sprang ein langohriger Fuchs aus dem Schatten einer Wüstenweide hervor und jagte irgendetwas – eine Wüstenrennmaus vielleicht oder eine Eidechse – um einen Felsbrocken herum. Im Osten erstreckten sich die hügeligen Dünen, die Berge aus Sand, weithin bis zur glitzernden See. Doch die trockene Hitze auf Elodies Haut fühlte sich an wie die Umarmung eines alten Freundes.

Im Gebüsch hinter ihnen raschelte es.

»Verzeiht, Lord Bayford.« Ein Mann mit einem Stock trat hinter dem Busch hervor, gefolgt von einer Herde bärtiger grauer Wüstenziegen, die wahllos stachelige Blumen und deren dornenbewehrte Stängel ausrupften und im Ganzen vertilgten. Hätten die Bewohner Inophes nur auch derart eiserne Gaumen und Mägen gehabt, das Überleben in dieser rauen Gegend wäre um einiges leichter gewesen.

»Seid gegrüßt, Lady Elodie.« Der Schäfer nahm seinen löchrigen Hut ab und neigte den Kopf, während der Herzog und Elodie absaßen.

»Was können wir für dich tun, Immanuel?«, fragte Lord Bayford.

»Ähm, nun ja, Eure Lordschaft, mein ältester Sohn, Sergio, wird bald heiraten, und er braucht ein neues Heim für seine Familie. Ich hatte gehofft, dass, ähm, Ihr vielleicht …«

Lord Bayford sprang ihm zur Seite, ehe die Pause unangenehm lang werden konnte: »Du brauchst Baumaterial?«

Immanuel fummelte verlegen an seinem Stock herum, dann nickte er. Die Tradition in Inophe sah vor, dass Väter ihren Söhnen am Tag der Hochzeit ein neues Haus schenkten, und Mütter ihren Töchtern selbst genähte Kleider. Doch Jahrzehnte der Verarmung erschwerten es der Bevölkerung zunehmend, diese alten Traditionen aufrechtzuerhalten.

»Es wäre mir eine Ehre, das Material für Sergios Hütte zur Verfügung zu stellen«, sagte Lord Bayford. »Brauchst du Hilfe bei dem Bau? Elodie kennt sich sehr gut mit Destillierapparaten aus.«

»Das stimmt«, sagte Elodie, »ich kann auch gut Latrinen bauen, die können Sergio und seine Frau dann nach dem Genuss des Wassers benutzen, das sie in den Destillierapparaten gesammelt haben.«

Immanuel starrte sie mit großen Augen an.

Elodie verfluchte sich leise. Leider hatte sie das Talent, die falschen Dinge zur falschen Zeit zu sagen. In bestimmten Situationen, besonders dann, wenn von ihr erwartet wurde, dass sie etwas sagte, verkrampfte Elodie förmlich – ihre Schultern verspannten sich, ihr Mund wurde trocken, und die eben noch geordneten Gedanken purzelten durcheinander wie Bücher aus einem umkippenden Regal. Dann platzte sie unbedacht mit einem ihrer Gedanken, der ihr gerade in den Sinn kam, heraus, und der entpuppte sich meist als unangemessen.

Das bedeutete indes nicht, dass Elodie nicht geachtet wurde. Die Menschen zollten ihr für ihre Hingabe an Inophe einigen Respekt. Mehrmals in der Woche ritt sie unter der glühenden Sonne von Pächter zu Pächter, um zu sehen, was die Familien brauchten. Sie half, wo sie konnte, baute Rattenfallen um Hühnerställe und las Kindern Märchen von Prinzessinnen und Drachen vor – Elodie liebte all das. Hierfür war sie erzogen worden. Ihre Mutter hatte immer gesagt, sich anderen Menschen anzunehmen, sei das edelste aller Opfer.

»Was Elodie meint«, erklärte Lord Bayford ruhig, »ist, dass sie es nicht scheut, sich die Hände schmutzig zu machen.«

dachte Elodie. Eines Tages würde sie Herzogin sein, doch für den Moment war sie froh, dass die Führung des Herzogtums in den Händen Richard Bayfords lag, der eine charismatische Ausstrahlung besaß.

Elodie hörte genau zu, als Immanuel auflistete, was er an Nägeln und Holz brauchen würde, doch ihr Blick wanderte über die staubige Landschaft hin zu den dahinterliegenden offenen Wassern. Schon als Kind hatte das Meer sie beruhigt, und während sie sich auf die in der Sonne funkelnden Wellen konzentrierte, ließ die Anspannung nach ihrem Latrinen-Fauxpas spürbar nach, und ihre Schultern lockerten sich wieder.

Erleichtert atmete Elodie auf.

Vielleicht war sie in einem früheren Leben eine Matrosin gewesen. Oder eine Möwe. Vielleicht sogar der Wind. Denn auch wenn Elodie ihre Tage ganz der Arbeit für Inophe widmete, so verbrachte sie ihre Abende doch damit, vom Meer zu träumen. Sie saß gerne in den Kneipen der Stadt und lauschte den Geschichten, die die Seemänner mit nach Hause gebracht hatten – über die Feste und Bräuche fremder Königreiche, die Beschaffenheit des Landes, das Wetter. Wie die Menschen dort lebten und liebten, ja sogar, wie sie starben. Elodie sammelte Seemannsgarn wie Elstern glänzende Knöpfe: Jede Geschichte war ihr ein kostbarer Schatz.

Inzwischen war die Liste für Sergios neues Zuhause vollständig, und Immanuel und seine Ziegen waren wieder aufgebrochen. Lord Bayford gesellte sich zu seiner Tochter am Rande des Plateaus. Als sie so in die Ferne schauten, tauchte am Horizont plötzlich ein kleiner Punkt auf.

Elodie legte erstaunt den Kopf schief. »Was, glaubst du, ist das?« Die Schiffe, die dringend benötigtes Getreide, Früchte und Baumwolle nach Inophe bringen sollten, wurden noch nicht zurückerwartet.

»Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden«, erwiderte Lord Bayford, saß auf und zwinkerte Elodie zu. »Wer als Letzter am Hafen ist, muss Sergios Latrinen graben!«

»Vater, ich reite nicht um die Wette …«

Aber dessen Pferd stürmte bereits die Anhöhe hinunter.

»Du schummelst!«, beschwerte sie sich lautstark, während sie sich in den Sattel schwang.

»Meine einzige Chance zu gewinnen!«, rief Bayford über seine Schulter hinweg zurück.

Elodie lachte auf, als sie sich an seine Fersen heftete, denn sie wusste, dass das stimmte.

Die Flagge des Schiffs trug die Farben des Reichtums, Purpur und Gold, und der ebenfalls goldene Drache an seinem Bug funkelte stolz in der Sonne. Die Offiziere an Bord waren in Uniformen aus Samt gekleidet, deren Knöpfe und Aufschläge allesamt goldbestickt, und selbst die einfachen Seemänner trugen tiefrote Kappen mit goldfarbenen Quasten.

Demgegenüber lag der windschiefe Hafen von Inophe da wie ein hutzeliger alter Mann, wettergegerbt und grau, zerfurcht von Salz und Sonne. Die Pfosten bestanden mehr aus Seepocken denn aus Holz, und bei jeder Welle knarrten sie wie alte Knochen, die sich über Wind und Feuchtigkeit beklagen.

Die Größe des Hafens war beträchtlich, denn vom Handel hing die gesamte Versorgung Inophes ab. Das Herzogtum produzierte zwei Güter: Akaziengummi und Guano, getrockneter Vogelkot, der als Düngemittel eingesetzt wurde. Im Gegenzug erhielten die Bewohner Inophes gerade genug Gerste, Mais und Baumwolle, um über die Runden zu kommen.

Elodie hatte einen ebenso großen Teil ihres Lebens in den trockenen Ebenen im Landesinneren verbracht wie hier an den Piers, wo sie die Aus- und Einfuhren bewachte und hin und wieder Wortfetzen fremder Sprachen von den Kaufleuten aufschnappte. Doch die Farben dieses Schiffs waren ihr nicht vertraut, genauso wenig wie das Wappen, unter dem es segelte: ein goldener Drache, der in einer Klaue eine Weizengarbe umklammert hielt und in der anderen etwas, das wie Weintrauben oder Beeren aussah. Als Elodie den Kai erreichte, war Lord Bayford bereits dort.

»Na schön, du hast gewonnen. Gut, dass ich ohnehin vorhatte, Sergios Latrine zu graben«, brachte sie atemlos hervor.

Lord Bayford wischte ihr Eingeständnis mit einer Handbewegung weg. »Jetzt gibt es Wichtigeres. Elodie, ich möchte dir Alexandra Ravella vorstellen, die oberste Gesandte des Königreichs Aurea.« Ihr Vater wies auf eine schlanke Dame um die fünfzig, die einen goldenen Dreispitz und eine purpurfarbene Samtuniform trug. »Und, Leutnantin Ravella, darf ich Euch die ältere meiner beiden Töchter vorstellen, Lady Elodie Bayford von Inophe.«

»Sehr erfreut«, erwiderte Leutnantin Ravella in perfektem Ingleterr, das im internationalen Handel geläufig und auch die offizielle Amtssprache Inophes war. Sie nahm ihren Hut ab, enthüllte dabei silbernes Haar, das zu einem ordentlichen Knoten zusammengesteckt war, und verbeugte sich tief.

Elodie runzelte die Stirn. »Ich...


Skye, Evelyn
Evelyn Skye ist die Autorin mehrerer New-York-Times-Bestseller, darunter »The Crown‘s Game«. Sie studierte an der Stanford University und der Harvard Law School, und ihr wurde sogar ein Job bei der CIA angeboten (den sie jedoch ablehnte). Sie gewinnt mühelos jedes Pizza-Wettessen und lebt mit ihrer Familie in der San Francisco Bay Area.



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