E-Book, Deutsch, 230 Seiten
Smith DIE AUFERSTEHUNGSMASCHINE
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-9476-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Horror-Roman
E-Book, Deutsch, 230 Seiten
ISBN: 978-3-7438-9476-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Jahrtausende lagen die vorzeitlichen Gräber von Liggingstone unberührt in einem abgeschiedenen englischen Moor. Dann entschließt sich die Regierung, auf dem Gräberfeld eine Laser-Versuchsanlage zu errichten.Beim Bau der Anlage kommt es zu unerklärlichen Zwischenfällen. Aber keiner der beteiligten Wissenschaftler ahnt, dass ihre Maschine zu einer Brücke ins Jenseits geworden ist.Bis sich schließlich die Gräber öffnen...Der Roman Die Auferstehungsmaschine aus der Feder des britischen Autors Phil Smith erschien erstmals im Jahre 1978. Der Apex-Verlag veröffentlicht diesen Roman als durchgesehene Neuausgabe in der Reihe APEX HORROR.
Autoren/Hrsg.
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Zweites Kapitel
Im Dorf setzten sie Arthur vor seinem Hause ab. Er wollte seine Notizen überarbeiten. Die Aufzeichnungen von der Ausgrabung an diesem Nachmittag wollte er fertigstellen, solange ihm noch alles frisch im Gedächtnis war. Steven würde ihn am nächsten Morgen wieder abholen. Kath und Steven fuhren die Straße zum Moor zurück. Auf halber Strecke zwischen dem Dorf und der Ausgrabungsstätte hatten sie sich ein Ferienhaus gemietet. Dick Berrisfords Farm lag ganz in der Nähe. Für sie war es genau der richtige Ort, ihre Ferien zu verbringen. Sie hatten sich in London auf der Universität kennengelernt und zwei Jahre nach dem Examen geheiratet. Kath hatte danach einen Lehrerposten übernommen, während Steven an der Universität blieb und sich der Forschung widmete. Die Aussicht, den Monat August in London zu verbringen, hatte ihnen beiden nicht geschmeckt. Als ihnen dann Onkel Arthur von dem Ferienhaus schrieb, griffen sie sofort zu. Arthur freute sich über ihre Anwesenheit, zumal sie für ihn eine Hilfe bei seinen Ausgrabungen waren. Kath war fast zuhause in der Gegend. Nur etwa dreißig Meilen weiter südlich war sie geboren und aufgewachsen. Sie hatte ihren Onkel selten besucht, trotzdem fühlte sie sich hier wieder schnell daheim. Sie liebte die Hügel und die Hochmoore. Die Erinnerung daran begleitete sie, als sie mit achtzehn Jahren nach London ging, um dort zu studieren. Es war nicht leicht für Kath, sich in London einzuleben. Die Tatsache, dass sie Steven kennenlernte, half ihr sehr. Sie hatte ihn anfänglich völlig falsch eingeschätzt und hielt ihn für oberflächlich und fad. Steven hatte sie schnell vom Gegenteil überzeugt. Er war intelligent und einfühlsam, stand mit beiden Beinen im Leben. Wenn immer Kath von ihren melancholischen Stimmungen heimgesucht wurde, brachte er es fertig, sie in die Wirklichkeit zurückzuholen. »Du bist so still, mein Schatz«, sagte er, als sie die enge, kurvenreiche Straße entlangfuhren. »Hat dich etwa Dick Berrisford so beeindruckt?« »Nein, er hat mich nicht beeindruckt«, antwortete sie nachdenklich. »Ich sagte es ja schon zu Arthur, er beunruhigt mich. Ich glaube, Arthur unterschätzt ihn. Er ist nicht so einfach als Querulant abzutun.« Sie machte eine kleine Pause und schlug dann spontan vor: »Steven, lass uns nicht zum Ferienhaus fahren, lass uns ins Plough gehen. Vielleicht können wir dort Abendbrot essen und ein bisschen über die Einheimischen erfahren.« »Warum nicht?«, erklärte sich Steven einverstanden. »Vielleichtkannst du dem Mann mit deinem Charme ein paar seiner dunklen Geheimnisse entlocken. Mir fiel auf, dass er dich heute Abend sehr genau ansah. Ich glaube, du hast ihm gefallen.« »Unsinn«, schnaubte Kath ärgerlich. »Er könnte mein Großvater sein. Nun ja - beinahe.« »Es scheint ein gefährliches Alter zu sein«, frotzelte Steven. »Ich werde euch beide nicht aus den Augen lassen!« Die Kneipe lag an einer Straßenkreuzung, das einzige Haus weit und breit. Es war ein umgebautes Farmhaus. Zwei Wagen parkten bereits auf dem kleinen Vorplatz. Steven stellte seinen daneben, und sie stiegen aus. Der Schankraum war kahl und schäbig. Alles sehr zweckmäßig, dachte Kath. Sie hatte es sich anders vorgestellt. Die Wände und Decke waren mit einer verblichenen Blümchen-Tapete beklebt, die in ein Schlafzimmer gepasst hätte. In einer Ecke hing das unvermeidliche Wurfspiel. Der Linoleum-Belag auf dem Fußboden war schrecklich verschlissen. Ein halbes Dutzend Tische und etliche Stühle standen im Raum verstreut. Zwei Männer saßen an einem Fenstertisch, ein weiterer lehnte am Tresen. »Er ist gerade in den Keller gegangen. Kommt sofort zurück«, informierte sie der Mann am Tresen. »Wollen Sie noch weiter?« »Nein. Wir haben uns hier in einem Ferienhaus einquartiert«, antwortete Steven. »Lower Liggins Cottage!« »Lower Liggins«, wiederholte der Mann nachdenklich. »Und diese junge Dame ist Ihre Frau?«, wollte er wissen. Steven warf ihm einen misstrauischen Blick zu. Soviel Direktheit war er nicht gewöhnt. »So ist es«, bejahte Kath lächelnd. »Ich heiße Kath, und mein Mann Steven. Steven Tennant.« »Angenehm«, nickte der Mann. Er lächelte Kath zu, bevor er sich erneut an Steven wandte. »Stören Sie sich nicht an unseren Eigenarten, junger Mann. Es kommen nicht viele Fremde in unsere Gegend, und wir wissen gerne was so läuft.« Er zwinkerte Kath listig zu. »Wer uns nicht kennt, hält uns für neugierig - jeder kann schließlich denken, was er will. So sind wir nun mal.« Er nahm einen großen Schluck, ohne sie aus den Augen zu lassen. »Gestehen Sie Auswärtigen dasselbe Recht zu?«, erkundigte sich Kath lächelnd. Der alte Mann ließ sich mit der Antwort Zeit. Inzwischen kam der Wirt und erkundigte sich nach ihren Wünschen. Steven fragte den Mann am Tresen, ob er etwas mit ihnen trinken wollte. »Da sage ich nicht nein. Wenn Sie wollen, können Sie mir einen spendieren.« Er wandte sich an den Wirt. »Diese jungen Leute wohnen im Lower Liggins Cottage, Jack.« Der Wirt nickte beiläufig und ließ sich beim Bierzapfen nicht stören. Die Kneipe begann sich plötzlich zu füllen. Kath und Steven waren umgeben von einer bunt gewürfelten Schar Einheimischer. »So, so, Sie wohnen im Lower Liggins Cottage, stimmt's?« griff der alte Mann das Thema wieder auf. »Und was sagt Dick Berrisford dazu?«, fragte er plötzlich. Er beobachtete die beiden sehr genau. »Wir haben nicht gewusst, dass das etwas mit Berrisford zu tun hat?« gab Kath vor. Der alte Mann setzte sein Glas ab. »Was immer in diesem Hochmoor passiert, hat zwangsläufig mit Dick Berrisford zu tun«, stellte er fest. »Dick mischt sich immer ein. Aber ich glaube, Sie kennen ihn schon, was?« »Ja«, bestätigte Kath. »Wir trafen ihn heute Nachmittag. Er scheint ziemlich aufgebracht über diese... diese Radar- Station, oder was immer es ist, zu sein.« Kath hatte dem alten Mann eigentlich gar nicht soviel sagen wollen. Seine Offenheit diente ihm nur als Vorwand, um seine blanke Neugier zu befriedigen. Von ihm bekam Kath sicher nichts heraus. Seine nächste Frage bestätigte ihre Empfindungen. »Und von wo kommen Sie?«, bohrte er unverfroren weiter und fixierte Kath dabei. Kath nahm es gutmütig in Kauf. Instinktiv spürte sie, dass Steven sich allmählich über die Neugier dieses Mannes ärgerte. Er war auf der Suche nach einem Fluchtweg. Kath würde sich nicht abschrecken lassen. Sie erwähnte, dass sie in der Gegend aufgewachsen war und sich immer zu dieser Gegend hingezogen fühlte. Ihren Onkel und seine Unternehmungen ließ sie allerdings unerwähnt. Der alte Mann hörte ihr aufmerksam zu. Als sie geendet hatte, bestellte er sich noch ein Bier und lud auch Kath fein. Sie lehnte zwar ab, er aber bestand darauf, und so wurden die Gläser erneut gefüllt. Ein hochgewachsener, rothaariger Mann mit Schäferhund stand in der Nähe und hatte sie beobachtet. »Lass man, Mädchen«, sagte der Fremde, »’s is 'ne große Ehre, wenn Ben Tattersall einen ausgibt. Hat’s noch nie gegeben!« Er grinste den alten Mann frech an. »Haste deine Erbschaft gemacht, Ben?« Wiederholtes Zwinkern sollte Kath auf den Scherz aufmerksam machen. »Kümmer dich um deinen eigenen Kram«, brummte Ben. »Bist ja nur eifersüchtig.« Steven schien nun irgendwie erleichtert und unterhielt sich mit dem rothaarigen Mann. Kath blieb bei Ben, der nun allmählich auftaute. »So, so, Sie kommen aus Darnley?«, begann er. »Zwei meiner Brüder landeten dort nach dem ersten Krieg. Auf der Farm war kein Platz mehr für sie, so versuchten sie es in der Weberei. Sie haben es nicht lange ausgehalten. Kerle, die gewohnt sind draußen zu sein, kann man nicht einfach in eine Fabrik stecken. Sind beide nach Kanada ausgewandert.« Dann fügte er hinzu: »Uns kann man nicht so einfach verpflanzen. Irgendetwas tief drinnen stirbt dann ab. Deshalb halten hier auch so viele die Stellung.« , »Ist es schwer für Sie hier?«, fragte Kath. »Hier oben war es noch nie einfach«, antwortete Ben. »Diejenigen, die unten im Tal gutes Weideland haben, sind fein raus. Heutzutage werden die Farmen immer größer und der kleine Mann fliegt raus. Typen wie ich beißen sich durch. Es macht aber keiner weiter, wenn ich nicht mehr da bin!« Sein bislang wachsamer Blick wurde weich und wehmütig. »Meine Söhne sind schon lange weg. Lohn und kurze Arbeitszeit haben sie in die Fabriken von Leeds und Sheffield gelockt. Man kann es ihnen nicht verübeln; sie sind jung und die Hügel konnten sie nicht halten. Aber wenn ich gehe, werden sie alles an das Gut oder einen reichen Pinkel aus dem Tal verkaufen. Das ist der Fortschritt, und Typen wie ich gehören nicht mehr in diese Zeit.« Kath war froh, dass er mit seiner unangenehmen Fragerei aufgehört hatte und nun von sich sprach. »Hat Dick Berrisford eigentlich Kinder, die die Farm übernehmen können?«, erkundigte sie sich. Ben schüttelte den Kopf. »Nein. Für Kinder war Dick nicht lange genug verheiratet. Seine Frau verließ ihn; sie ist mit seinem Bruder auf und davon. Dick hat immer Pech gehabt. Vieles hat er allerdings selber verbockt. Er ist ein komischer Kerl.« »Komisch?«, forschte Kath nach. »Religiös, wenn Sie wissen, was ich meine«, sagte Ben. Er rollte mit den Augen und suchte nach einer Erklärung. »Ich meine damit nicht, dass er dauernd zur Kirche rennt. Ich bezweifle, dass er seit seiner Hochzeit auch nur ein einziges Mal dort war. Er schwebt irgendwie in höheren Regionen. Sehr sonderbar.« Ben griff nach seinem Bier und nahm einen kräftigen Schluck....




