E-Book, Deutsch, 500 Seiten
Spang Paints End
3. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7481-3636-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 500 Seiten
ISBN: 978-3-7481-3636-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebe Leser/-innen, das Buch "Paints End" wurde von mir selber geschrieben und von BoD veröffentlicht. Da ich kein professioneller Schriftsteller bin, kann es sein, dass ich beim Korrekturlesen einige grammatikalische Fehler übersehen habe. Ich bitte dies zu verzain :) :) :) Ich hoffe ihr habt dennoch Spass beim Lesen! Grüße Ingo
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Am Anfang aller Tage war es trist, düstern und ohne Leben in Pencilvanien.
Eine einzige Ursuppe, in der es dunkel und schemenhaft waberte, alptraumhaft und undefinierbar.
Nichts weiter, als ein Haufen lebloser Materie, die erst noch geformt werden musste. Ein einziger brodelnder Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Unförmige, trostlose Gebilde, grau und schlürfend, versuchten, erste Bewegungen in diesen dreckigen, schmutzigen Pfuhl zu bringen.
Jenes, was sich damals formte, war dem Tod näher, als dem Leben:
Lethargisch wandelnde seelenlose Konturen, sprach und gehörlos.
Es vergingen Millionen von Jahren, bis dieser schlafende Vulkan, indem so viel Energie schlummerte, sich letzten Endes erbrach.
Und man sagte, dass alles seine Ordnung in einem einzigen Punkt fand, der der das Chaos durchbrach. So klein und doch so strukturiert. Er war das Samenkorn, aus dem alles zu sprießen begann.
Nur zögerlich und unbeholfen entwickelte er sich, dehnte sich in die Eine, dann in die andere Richtung, doch immer am Ausgangspunkt haften bleibend.
Erst als der Punkt bemerkte, dass da draußen nichts war, beschloss er auf Wanderschaft zu gehen und die Welt nach seinen Vorstellungen zu erschaffen.
Am Anfang zog er Linien und Striche, ungeordnet und ohne jeglichen Sinn.
Doch es gefiel ihm, was er auf dem nackten, leblosen Papier hinterließ.
Es vergingen weitere Millionen Jahre, bis der Punkt lernte, Ordnung in das Wirrwarr zu bringen, und nach schier unendlicher Zeit formte er sie:
Die ersten Vorfahren, die uns zu dem gemacht haben was wir heute sind.
Damals sahen sie noch primitiv aus, nicht mehr als ein paar zusammengezeichnete Striche, kaum in der Lage, sich selber zu tragen.
Doch dann gab es eine Explosion, die alles ergriff und Grafit auf dem Papier frei setzte.
Unsere Vorfahren begannen, mit ihren Fingern die Welt nach ihren Vorstellungen zu zeichnen. Das Grafit von einst, was weich und geschmeidig.
Jenes, was sie damals erschufen, sollte erst der Beginn einer regelrechten Evolutionswelle sein.
Nach und nach entwickelten die Vorfahren, die ersten Bleistifte.
Grafit gab es massenhaft um sie herum. Eine scheinbar unerschöpfliche Quelle brodelnder Macht.
Mit den neuen Werkzeugen konnte man sehr viel filigraner und detailreicher zeichnen, als mit bloßen Fingern.
Bäume bestanden nicht mehr aus einer einfachen grauen Linie, der man ein unförmiges Gebilde als Baumkrone darauf gezeichnet hatte. Alles wurde mit Liebe und unglaublicher Detailverliebtheit erschaffen.
Man lernte, in unterschiedlichsten Grauabstufungen zu zeichnen. Einzelne Zweige und Äste an denen tausende von Blättern und Nadeln hingen, zeichneten sich liebevoll auf dem Papier ab.
Mit der Zeit erschuf man Tiere, Flüsse, Bäche, Häuser und alles, was eine Welt lebenswert macht.
Es war das Paradies, das unsere Vorfahren auf dem Papier erschufen.
Alles was unsere Vorfahren zum Leben erwecken wollten, bekam eine Seele. Es dauerte manchmal Tage oder sogar Wochen bis ein Vogel, eine Kuh oder sogar eine kleine Schnecke fertig gezeichnet war und der Schöpfer ihr das Leben einhauchen konnte.
Aber über aller Zeichenkunst stand eines:
Das Bestreben einen Gezeichneten zu erschaffen.
Ein Gezeichneter wird nicht geboren, wie es normalerweise üblich ist. Er wird gezeichnet.
Man gab ihm ein Herz, dann die Organe, die äußere Hülle, die ihm die Identität verlieh und zu guter Letzt, füllte man ihn mit flüssigem Grafit, was wir als „Blei“ bezeichnen.
Dieser Zeichenprozess, das Erschaffen eines Gezeichneten, dauert fast ein Jahr und war die optimale Zeitspanne für einen neuen Gezeichneten. Natürlich war er alleine nicht im Stande zu überleben, denn er war noch klein und unbeholfen, so wie Babys nun einmal sind. Ein frisch gezeichneter brauchte Nahrung, Liebe und Zuneigung, so wie alle Lebewesen.
Dann wuchs er heran, alterte und irgendwann, wenn das Blei in den Adern langsam verklumpte, dann neigte sich sein gezeichnetes Dasein dem Ende zu.
Wir alle zerfallen irgendwann einmal zu Grafitstaub.
So war der Lauf des gezeichneten Daseins.
Anfangs versuchten unsere Vorfahren, voll ausgewachsene Gezeichnete zu erschaffen, doch man stellte schnell fest, dass es Jahre dauerte voll ausgewachsene Gezeichnete zu zeichnen. Um einen 30jährigen Gezeichneten zu erschaffen, dauerte es nämlich genau 30 Jahre und das auch nur, wenn man 24 Stunden am Tag an ihm arbeitete.
Die gezeichnete Welt wuchs ins schier unermessliche und das Schöne daran war, dass man gezeichnetes einfach ausradieren konnte, wenn es einem nicht gefiel. Man konnte nachbessern oder etwas einfach vollständig ausradieren.
Und genau darin lag das Problem.
Nicht alle Gezeichneten waren um das Gemeinwohl besorgt. Es gab schwarze Schafe, die sich nicht an die Regeln hielten.
Ein Bleistift konnte in den falschen Händen zu einer Gefährlichen Waffe werden.
Mit ihm konnte man nicht nur schönes auf das Papier zeichnen, sondern auch grauenvolle Kreaturen erschaffen.
Deshalb war es nur wenigen in der Gemeinschaft vorbehalten einen Bleistift zu tragen.
Das Verfahren für die Herstellung eines Bleistiftes war aufwendig und kompliziert. Nur wenige kannten die Prozedur zur Herstellung eines Bleistiftes, dem die Kraft innewohnte, lebloses Grafit zum Leben zu erwecken.
Diese speziellen Bleistifte nannte man: Seelenstifte.
Nur wer reinen Herzens war, vertrauenswürdig und sich stets um das Gemeinwohl der Gezeichneten bemühte, erhielt solch einen Seelenstift. Es war eine Ehre ihn zu tragen und das Papier mit Leben zu erfüllen.
Man produzierte dennoch weiterhin gewöhnliche Bleistifte.
Schließlich sollte Pencilvanien weiter wachsen und sich auf dem Papier abzeichnen.
Doch diesen Bleistiften fehlte die Kraft, einem gezeichneten Objekt das Leben einzuhauchen.
Die normalen Bleistifte wurden hauptsächlich zum Zeichnen, von Häusern, Wegen, Bergen und anderen leblosen, alltäglichen Dingen verwendet.
So konnte der Frieden eingehalten werden.
Diejenigen, die sich auf illegalem Wege Seelenstifte besorgten oder gegen Regeln verstießen wurden verbannt, eingesperrt oder im schlimmsten Falle:
ausradiert.
Die Welt war so riesig geworden, dass man die Verbrecher in die primitivsten, gezeichneten Gegenden abschieben konnte, ohne dass sie jemals wieder Schaden an der gemeinen gezeichneten Bevölkerung anrichten konnten.
Weit weg von der Gesellschaft, weit weg von allem Leben, so dass man keine Angst mehr vor ihnen haben musste, denn Angst war ein Fremdwort für die Gezeichneten, doch wir wurden eines besseren belehrt, denn plötzlich waren sie da: Die Gemalten!
Der Schock war groß, als beide Seiten sich zum ersten Mal gegenüber standen.
Anstatt jetzt unsere Stärke auszuspielen und unsere Welt in den schönsten Grafitfarben erstrahlen zu lassen, taten wir genau das Falsche.
Wir ließen uns blenden von der Schönheit der Farben, die plötzlich in unser Leben trat.
Auf der Seite der Gemalten erschien alles vollkommen, so bunt und perfekt.
Ein Baum bestand aus mehr, als nur ein paar schraffierten Strichen in einzelnen, verschiedenen Grauabstufungen.
Die Baumstämme waren in den schönsten Braun, Schwarz-, Weißtönen gemalt. Die Nadeln und Blätter erstrahlten im sattesten Grün und im Herbst färbten sie sich rostfarben mit Anteilen von Rot.
Ihr Himmel war getaucht in makelloses Blau und die Wolken die darin wanderten, weiß wie die Unschuld. Bäche und Seen waren so klar, dass man bis auf den Grund blicken und dort immergrüne Wasserpflanzen und unterschiedlichste Fischarten erblicken konnte.
Ein sattes, lebendiges Grün bedeckte das weiße Papier und zeugte von unglaublicher Energie. Man hatte das Gefühl in den Farben zu versinken, sich darin zu verlieren.
Ein brennender goldgelber Ball am Himmel, flutete die Welt der Gemalten mit purem Licht und reiner Farbe und nachts erstrahlten winzige Punkte am Himmel, die wie Diamanten glitzerten. Eine runde Scheibe erwuchs am Horizont und tauchte die Welt bei Dunkelheit in ein fahles, kühles Licht.
Es war unglaublich mit anzusehen, wie die Farben ihre Farbe, unter anderen Lichtverhältnissen, sich verändern konnten.
Es gab nichts in der Welt der Gemalten, was keine Farbe besaß. Selbst eine winzige Ameise war erfüllt von Farbe.
So imponiert wie wir von der Welt der Gemalten waren, so beängstigend musste unsere Welt auf sie gewirkt haben. Alles auf unserer Seite war schlicht und grau. Irgendwie sah alles, gleich Grau aus.
Grafit hat nun einmal etwas Melancholisches.
Unsere Sonne verbreitete ein diffuses, trübseliges Licht und wenn es dunkel wurde, dann verschwamm alles hinter einem undurchdringlichen Vorhang aus dunkelstem Grau.
Unsere Welt wirkte Welt hart und kalt, während die der Gemalten, weich und warm erschien.
Zum ersten Mal mussten wir uns eingestehen, dass wir längst nicht die Krone der Schöpfung waren, wie wir es uns immer eingebildet hatten.
Einerseits waren die Gemalten eine Bereicherung für uns, da sie uns ihre Farblehre erklärten und versuchten, unserem Grafit Farbe einzuhauchen.
Doch alle Bemühungen waren vergebens. Das...




