Sriram | Ashtangayoga | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 128 Seiten

Sriram Ashtangayoga

Die 8 Übungen aus dem Yogasutra des Patañjali
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95883-496-5
Verlag: Theseus Verlag in Kamphausen Media GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die 8 Übungen aus dem Yogasutra des Patañjali

E-Book, Deutsch, 128 Seiten

ISBN: 978-3-95883-496-5
Verlag: Theseus Verlag in Kamphausen Media GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Yogasutra des Patañjali geht auf das Thema Leiden als treibende Kraft allen menschlichen Handelns und Denkens ein und zeigt einen Weg zur Befreiung auf. Der Weg ist in 8 Schritte gegliedert. R. Sriram geht in diesem Folgeband zu seinem erfolgreichen Yogasutra-Kommentar näher auf diesen achtgliedrigen Übungsweg ein. Dabei erläutert er zeitgemäß und mit anschaulichen Beispielen, wie diese Entwicklungsschritte für Menschen von heute aussehen können und wie wir aus diesen Quelltexten des Yoga Unterstützung finden bei jeder Art von Problem oder Herausforderung. Die acht Glieder des Übungsweges sind: die Regeln im zwischenmenschlichen Verhalten (Yama), die persönliche Disziplin (Niyama), Körperhaltungen (Asana), Regulierung des Atems (Pranayama), das Bewusstsein für die Sinne (Pratyahara), Konzentrationsfähigkeit (Dharana), das stille Reflektieren (Dhyanam) und die vollkommene Erkenntnis (Samadhi). Bei jeder Stufe geht es um Disziplinierung, doch ist immer eine Disziplin gemeint, die uns hilft, frei zu werden.

R. Sriram, in Mayuram, Indien, geboren, war Schüler von T.K.V. Desikachar und unterrichtete mehrere Jahre am Krishnamacharya Yoga Mandiram in Chennai (Madras). Seit 1987 lebt und lehrt er in Deutschland, ist jedoch weit über den deutschsprachigen Raum bekannt. Die Vermittlung der philosophischen Quelltexte des Yoga gehört dabei zu seinen Schwerpunkten. Sriram leitet seit vielen Jahren Aus- und Weiterbildungen für Yogalehrende, bietet außerdem Einzelunterricht und Seminare an und hat mehrere erfolgreiche Yogabücher veröffentlicht. www.sriram.de
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TEIL EINS


BEGRIFFSKLÄRUNG


Der Begriff A??a?gayoga


Zunächst ist es mir wichtig, mit einem verbreiteten Missverständnis aufzuräumen. Der Begriff Ashtanga-Yoga ist recht bekannt, da er oft als Name für eine bestimmte Richtung von Yoga verwendet wird, die heute sehr verbreitet ist. Diese Yogarichtung geht zurück auf einen bekannten Yogameister aus Mysore in Südindien, auf Pattabhi Jois. Der von ihm gewählte Name für seinen Stil ist »Ashtanga-Vinyasa-Yoga«, und dieser Name wird gemeinhin zu »Ashtanga-Yoga« verkürzt. in Sanskrit heißt »acht Glieder«. Der achtgliedrige ist eine grundsätzliche Struktur, wonach Yoga geordnet und verstanden wird. Das Sanskritwort bedeutet »eine Reihe ineinander führender Positionen«. Bewährt ist zum Beispiel aus dem Yoga der Sonnengruß, eine Reihe von Körperpositionen, bei denen eine Haltung fließend zur nächsten führt. Hierbei werden acht Glieder des Körpers geübt – die zwei großen Zehen, die zwei Knie, die Brust, die Stirn und die zwei Hände – und mit ihnen wird zum Höhepunkt der Übungsabfolge der Boden berührt. Das ist eine ziemlich gewöhnliche Andachtsstellung in Indien, mit der man seine Ehrfurcht gegenüber der Sonne zeigt; entsprechend heißt diese Bewegungsabfolge oder »der Gruß an die Sonne«. Man könnte diesen Gruß »ein Vinyasa der acht Glieder« nennen oder eben »Ashtanga-Vinyasa-Yoga«.

Der Begriff jedoch bedeutet ganz etwas anderes. Bei geht es um ein holistisches Konzept, um eine Struktur für eine ganzheitliche und spirituelle Persönlichkeitsentwicklung. Dieses wird ausführlich beschrieben im Grundwerk des Yoga, dem des Patañjali. Einen in unserer Zeit entstandenen Stil mit diesem Namen zu beschreiben kann zum Problem werden, weil es uns von einem wesentlichen und majestätischen Konzept des Yoga ablenkt. »Ashtanga-Yoga« als ein Stil des modernen Yoga ist verbreitet. Doch halt! Wir sollten uns, wenn wir nicht auf der Oberfläche eines Yogaverständnisses schwimmen wollen, mit dem wirklichen vertraut machen. Deshalb ist das Thema hier eben dieser . Es geht mir dabei nicht um ein altes, historisch wertvolles Bild des Yoga, sondern um ein leibhaftig relevantes Konzept, das unserem Leben und unserem Tun aus der Perspektive des Yoga eine klare Struktur geben kann.

A??a?gayoga im Yogasutra


Yoga ist vor allem eine Weltanschauung, es ist, um einen Begriff aus dem westlichen Kontext zu verwenden, »ein philosophisches System aus Altindien«. Zusammen mit dem System des bildet es eine solide Weltanschauung, deren Ziel es ist, den Weg des Leidens und auch den Weg aus ihm heraus aufzuzeigen. Patañjali wird unangefochten als der Gründer des Yoga angesehen, das von ihm verfasste gilt als die Quellschrift dieser Anschauung.

Dieses Buch ist eine Ergänzung zu der von mir verfassten Übersetzung des *. Das zweite Kapitel des heißt , wörtlich »der Abschnitt über die Übung«. In eben diesem Kapitel legt Patañjali das System des dar, und im dritten Kapitel des schließt er das Thema ab. Das vorliegende Buch soll dazu inspirieren, dieses spannende Thema der acht Glieder näher kennenzulernen. Es wird uns helfen, eine Struktur für all jene Bemühungen zu finden, die einen langen Atem benötigen; außerdem kann es Ideen aufzeigen für alle unsere Visionen, die wir verwirklichen möchten. Es wird uns darin unterstützen, auf eine didaktisch gut aufgebaute Weise unserem Ziel näher zu kommen. Insofern ist das hier ein Thema, das jedem und jeder dienlich sein kann. Für diejenigen, die sich intensiver mit Yoga vertraut machen wollen, ist es genau der Einstieg, der in das Zentrum des Yoga führt.

Das Buch besteht aus drei Teilen. Der erste Teil führt uns ein in die Weisheit des Yoga, die als Basis für alle unserer Handlungen dienen und dem Leben mehr Schärfe geben kann. Im zweiten Teil werden drei Schritte beschrieben, die den Übungen der einzelnen Yogaglieder mehr Gewicht und Wirksamkeit verleihen werden. im dritten werden schließlich das Schema des achtgliedrigen Yogapfades näher erläutert und die acht Glieder nacheinander einzeln dargestellt.

Der Begriff Kriyayoga


Um in das Thema einzusteigen, ist es hilfreich, zuerst auf , den Yoga der Reinigung, einzugehen. Im geht es darum, wie wir handeln können, sodass unsere Handlungen auf uns eine läuternde Wirkung haben.

Anhand eines einfachen, alltäglichen Beispiels können wir sehen, was bedeutet: Wir wollen ein Haus bauen. Dafür brauchen wir Zeit, Energie und Aufmerksamkeit. Ist unser Einsatz intensiv, so bleiben wir fokussiert auf unser Vorhaben; je intensiver wir sind, desto zügiger und wacher können wir das Vorhaben vorantreiben. Die Dringlichkeit hinter unserem Einsatz ist zwar wichtig, doch muss dieser auch vernünftig und passend zu unseren Verhältnissen ablaufen. Es müssen dabei unsere finanziellen Möglichkeiten, unsere Bedürfnisse, unser Können, unsere Grenzen usw. berücksichtigt werden. Sonst kann es passieren, dass wir eventuell das Ziel – ein schön gebautes Haus, das man bewohnen will und in dem man glücklich ist – zwar erreichen, wir aber im Zuge dessen an vielen Nebenwirklungen – wie etwa durch finanzielle oder emotionale Schäden – leiden. Achtsamkeit als ein Regler des Eifers ist hier unabdingbar. Letztlich müssen wir uns bewusst bleiben, dass wir nicht alles alleine zum Erfolg bringen können. Da sind auch Handwerker, Architekten, Produkte, die für den Hausbau geliefert werden, ungünstige Wetterbedingungen und weitere unvorhersehbare Zufälle oder gar Unfälle, die wir nicht voraussehen können. Sehr wohl lässt sich deshalb sagen, dass beim Erfolg nicht alles in der eigenen Hand liegt.

Hierzu heißt es im in Vers 2.1:

.

Mit anderen Worten: Wenn eine Handlung mit unbeschränktem Einsatz und unter Berücksichtigung individueller Fähigkeiten und Grenzen unternommen wird, ohne dass dabei der Eigenwille überschätzt wird, können wir zuversichtlich bleiben, dass diese Handlung zum Erfolg führt. Das ist eine Formel für erfolgreiches Handeln: Tun, was zu tun ist, achten, was eigene Grenzen bezüglich des Zieles sind, und lassen, was gelassen werden soll. Das ist eine schlaue Art und Weise zu handeln, denn wir sind hier involviert, versuchen realistisch zu bleiben, können bei Überraschungen zügig reagieren, ohne von Angst oder Frust abgelenkt zu werden, und können mit Änderungen im Ziel oder mit Misserfolgen gelassener umgehen. Das kann unseren Geist vom Ballast der eigenen Verhaltensmuster befreien und die Knoten in unserer Seele lockern. Solches Handeln ist eine edle Form von Yoga, nämlich .

Das sagt hierzu das 2.2:

.

Drei Einstellungen als tragende Säulen


Diese Gedanken aus dem bilden die Basis für den Weg des Yoga. Sie helfen uns, Yoga nicht einfach als eine Abfolge von Übungen zu sehen, sondern vielmehr als eine Haltung hinter jeder Handlung, die wir alle als eine Übung betrachten können. Diese Grundeinstellung zu beherzigen ist wichtig, wenn wir zu den acht Gliedern des Yoga kommen. Wir laufen sonst Gefahr, dass wir blind hinter den Yogaübungen her sind, ohne aufzupassen, ob sie für uns passend sind oder nicht. Oder wir sind dann sehr bedacht darauf, was wir benötigen und was für uns...


R. Sriram, in Mayuram, Indien, geboren, war Schüler von T.K.V. Desikachar und unterrichtete mehrere Jahre am Krishnamacharya Yoga Mandiram in Chennai (Madras). Seit 1987 lebt und lehrt er in Deutschland, ist jedoch weit über den deutschsprachigen Raum bekannt. Die Vermittlung der philosophischen Quelltexte des Yoga gehört dabei zu seinen Schwerpunkten. Sriram leitet seit vielen Jahren Aus- und Weiterbildungen für Yogalehrende, bietet außerdem Einzelunterricht und Seminare an und hat mehrere erfolgreiche Yogabücher veröffentlicht.

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