Stadelmann | Vergiss für immer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 282 Seiten

Stadelmann Vergiss für immer

Schweden-Krimi
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7412-1105-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Schweden-Krimi

E-Book, Deutsch, 282 Seiten

ISBN: 978-3-7412-1105-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Folge meiner Stimme. Ich führe dich in das Reich der Toten. Hel, Göttin der Unterwelt Ein Tag vor Allerheiligen: In einer zerborstenen Weide findet das Medium Elena die entstellte Leiche des Studenten Oliver Bauer. Für Elena ist es ein eindeutiger Ritualmord zu Ehren der Todesgöttin Hel. Kommissar Claaßen ist davon alles andere als überzeugt, da er genügend andere Motive zur Auswahl hat: Der Vater hegte gegen Oliver jahrelang tiefen Hass. Und kurz vor seinem Tod plante Oliver einen Zeitungsartikel über einen Autofahrer, der nach Einbruch der Dunkelheit regelrecht Jagd auf Fahrradfahrer macht. Ist er dem Fahrradjäger bei seinen Recherchen zu nahe gekommen? Und was ist mit seinem undurchsichtigen Schulfreund Leonard, der mit Oliver illegal an eine große Menge Geld gekommen zu sein scheint? Claaßen ahnt nicht, dass auch Elena ihm nicht die ganze Wahrheit sagt. Sie setzt alles daran, Vera zu schützen, die mit ihrer Großmutter auf einem verwahrlosten Bauernhof wohnt. Denn Vera ist eine der letzten Personen, die Oliver lebend gesehen hat. Aber gerade durch ihr Schweigen gefährdet Elena das Leben der jungen Frau ...

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Manchmal reicht es zu vergeben. Manchmal sollte man vergessen. Für immer. Prolog

Einatmen. Schritt. Ausatmen. Schritt.  Dunkel war sie, die Nacht der Nächte! Nur der brackige Geruch des Rheins begleitete Elena.  Da – ein Schrei! Zitternd blieb Elena stehen.  Einatmen. Ausatmen. Zögernder Schritt.  Sie tat es für sie, die Göttin der Dunkelheit! Etwas rutschte unter Elenas fest geschnürtem Outdoor-Schuh weg. Sie stolperte gegen einen einzeln stehenden Baum, fing sich, keuchte erschrocken und dankbar zugleich. Hel, die Göttin der Unterwelt, hatte sie straucheln lassen, um ihr die Vergänglichkeit alles Menschlichen zu zeigen. Und Hel hatte sie aufgefangen, um ihr zu zeigen: Ich erwarte dich! Die letzten Ausläufer des Flürener Feldes ließ Elena kurz darauf hinter sich. Nun war nur noch auf der linken Seite bis zum Altrhein Waldbestand vorhanden, der sie vor dem Oktoberwind schützte. Ein richtiger Wald war es eigentlich auch nicht, denn die Bislicher Straße zerteilte den grünen Streifen in zwei kümmerliche Reste. Nein, dachte Elena, Wald bleibt Wald. Immerhin konnte sie sagen, dass sie mit zehn Meter Abstand zur Landstraße durch das Unterholz stapfte. Sie wünschte sich mehr Alleebäume wie an der Landstraße stadteinwärts und hätte niemals zugegeben, wie erbärmlich sie fror.  Trotz des unwirtlichen Wetters wagten sich noch andere Menschen hinaus. Elena kniff jedes Mal die Augen zu, wenn ihr ein Auto auf der Landstraße entgegenkam, damit das Fernlicht sie in der Finsternis nicht blendete. In ihrer Vorstellung kam es einer Begegnung mit einem Feuerdrachen im dunkelsten Zauberwald gleich, der sie nur deshalb nicht entdeckte, weil Hel ihre schützende Hand über sie hielt: Die Herrscherin über die Toten, Lokis mächtigste Tochter, war gnädig zu ihren Anhängern! In der Tasche ihrer Outdoorjacke vibrierte etwas. Automatisch zog Elena ihr Handy heraus, obwohl sie sich bei allen nordischen Göttern geschworen hatte, in dieser Nacht auf alles Moderne zu verzichten. Nichts sollte ihre Vorbereitungen auf Allerheiligen stören!  Wo zum Teufel bist du? Udo, wie immer überaus besorgt, hatte mit seiner SMS Elenas Konzentration gestört.  Bei der NABU Naturarena, schrieb sie mit klammen Fingern und tippte auf den Send-Button. Das Handy glitt zurück in die Jackentasche. Einen Moment schloss Elena die Augen. Doch so sehr sie sich auch konzentrierte, sie fand nicht mehr unter die schützende Hülle aus freudiger Erwartung und Glaube an die alten Rituale zurück. Und der sowieso schon eisige Rheinwind frischte hier, wo der Baumstreifen endete, noch mehr auf. Mit zusammengebissenen Zähnen stapfte sie weiter. Es nützte nichts, die Mütze noch tiefer ins Gesicht zu ziehen und die Arme um den Körper zu schlingen. Es war kalt wie in einer Eishölle.  Kurz darauf griff der Wind erst richtig an. Er blies so heftig, dass Elena das Gefühl hatte, nackt zwischen den Äckern zu stehen. Wie ein schrumpeliges Blatt taumelte sie immer weiter über ein brachliegendes Feld auf den Rhein zu. Ihre Füße sanken in der feuchten Erde ein. Die Unruhe in ihr wuchs, als sie darauf wartete, den Ruf der Totengöttin in sich wiederzufinden. Udo hätte sie spätestens jetzt sehr, sehr nachdenklich angeschaut und ihr eine Schlaftablette angeboten.  »Ah!« Etwas Unförmiges hatte sich in der Dunkelheit vor ihre Outdoor-Schuhe gemogelt. Der Länge nach schlug sie hin.  »Verdammte Scheiße!«, fluchte sie in ihrer Muttersprache. Zwanzig Meter weiter rollte etwas Großes über die Straße. Mühsam setzte sie sich auf. Das Brummen war lauter als die wütenden Wellen und kam ihr bekannt vor. Und weil der Wind gar so gemein war, rappelte sie sich mit einem Seufzer hoch, klopfte sich die feuchte Erde von den Klamotten und stapfte zu dem grauen Band aus Asphalt zurück. Scheinwerfer flammten auf. Fast glaubte sie, Udos zufriedenes Grinsen in seinem geliebten Kleinwagen ausmachen zu können. Er stieß die Autotür von innen auf und zog sie auf den Beifahrersitz.  »Du hättest ruhig im Camp bleiben können«, sagte Elena in ihrem angenehmen Singsang. »Ich weiß, wo ich hin muss.« »Eine Windsbraut hat mir geflüstert, dass meine Rubensfee weggeweht wird, wenn ich nicht aufpasse.« Knackend schaltete Udo die Innenbeleuchtung ein und öffnete das Handschuhfach. »Ich hab dir Tee mitgebracht.« »Kräutertee?«, fragte Elena hoffnungsvoll. »Hmhm«, brummte er bestätigend. »Damit du dir bei der Witterung nicht den Tod holst.« Er zog eine große Thermoskanne heraus, schraubte den Deckel ab, schenkte Tee für seine Herzdame ein. »Langsam trinken, er ist heiß.« »Weiß ich doch«, murmelte Elena und errötete heftig. Ja, der Tee tat gut und ihr Gaumen durfte nach dem ersten Schluck ruhig brennen. Denn was mit Liebe von ihrem Herzbuben gekocht wurde, konnte ihr niemals schaden.  Udo saß stumm neben ihr und wartete. Das konnte er gut, zumal er nun Zeit hatte, sich an Elenas Erscheinung zu erfreuen. Anfangs hatte er gedacht, sie wäre nur zu ihm auf die Grav-Insel gezogen, um in Deutschland bleiben zu können. Doch es war von Anfang an echte, tiefe Liebe gewesen, das wusste er inzwischen. Und er konnte nicht anders, als sie mit all ihren Pfunden zu vergöttern, denn sie entsprach in so vielen Punkten seinen geheimen Wünschen, dass er— »Was starrst du so?«  Ihre raue Stimme ließ ihn wohlig seufzen. »Ich werde schon meine Gründe haben.« Daraufhin färbten sich ihre Wangen noch dunkler. »Tu das nicht immer, es macht mich verlegen.« Rasch hauchte sie ihm einen Kuss auf die Wange und schickte sich an, wieder auszusteigen.  Beunruhigt fragte Udo: »Wo willst du denn hin?« »Weiter«, meinte sie. »Ich habe Hels Stimme wieder empfangen. Das habe ich dir doch erklärt.« »Aber doch nicht mehr um die Uhrzeit.« »Doch, genau jetzt!«, erwiderte sie gereizt. »Wenn die Herrscherin von Helheim dich zum Feiertag ruft, musst du ihre Ankunft vorbereiten, sonst nimmt es ein böses Ende mit—« »Ja ja ja«, unterbrach Udo sie nachsichtig. »Ich fahre dich.« »Nein!« »Doch. Wenn du weiter durch die Kälte läufst, holst du dir am Ende noch den Tod.« Er beugte sich über sie und zog die Beifahrertür wieder zu. »Und dann wäre ich ausgesprochen sauer auf Hel und ihren Totenzirkus.« »Sprich nicht so über sie«, bat Elena. »Du weißt doch, dass ich das nicht mag.« »Und du weißt, dass ich nicht an den Hokuspokus glaube.« Sein Lächeln wurde dünner. Ihr Glaube an alles, was der Mensch »zwischen Himmel und Erde nicht sehen kann«, nervte ihn heute. Ein wenig. Sehr. »Also, wo lang?« Damit hatte er ihren Willen gebrochen, ganz allein den Ort aufzuspüren, an den Hel sie rief. Ein Blick auf die Uhr im Armaturenbrett verriet, dass sie bereits länger als die geplante halbe Stunde durch die Kälte gestolpert war. Das sollte als Opfer reichen, oder? »Geradeaus«, seufzte sie und schnallte sich an. »Wir müssen zum Wasser. Aber fahr langsam.« Auf seiner ersten Geistertour mit ihr hatte Udo lernen müssen, dass Zeit für sie keine Rolle spielte. Es sei durchaus üblich, für eine Strecke von hundert Metern zehn Minuten zu brauchen, hatte Elena ihm erklärt. Dass sie jetzt eingewilligt hatte, mit ihm weiterzufahren, war schon ein großer Fortschritt! Oder ihr war wirklich kalt.  »Links«, sagte sie, als die Bislicher Straße eine Kurve nach rechts beschrieb. Gehorsam setzte Udo den Blinker und fuhr in den Marwick, eine schmale Straße, die an einem Kolk, dem Droste Woy, vorbeiführte. Unwillkürlich wurde er noch langsamer und bremste.  »Was machst du? Fahr weiter«, drängte sie ihn.  »Aber da ist jede Menge Wasser«, verteidigte Udo sich, »der Kolk und der Altrhein und gleich daneben die Teiche vom—« »Gut, danke, aber ich suche ein anderes Wasser«, unterbrach Elena ihn geduldig. »Ein dunkleres. Also fahr.« »Es ist doch überall gleich dunkel«, murmelte Udo beleidigt.  Elena zeigte sich milde: »Ich meine nicht die Nacht, du Dummerchen. Ich meine die Seele des Ortes. Die Atmosphäre.« Sie lächelte. »Und jetzt sei still. Ich muss mich konzentrieren.« Kurz vor dem Rhein machte die Straße einen Knick zur Anlegestelle der Fähre hin. Udo spähte in die Dunkelheit. Hier wäre auch eine schöne Ecke zum Wohnen gewesen. Aber er war ja schon Dauer-Camper auf der Grav-Insel, und gegen die kam keine noch so schöne Ecke der Welt an. Sie zockelten am Café Fährhaus vorbei, wo um diese Uhrzeit alles dunkel war. Weder Halloween-Party noch Disco liefen heute.  »Vorne rechts«, kommandierte Elena. »Links geht’s zum Wasser runter«, meinte Udo vorsichtig. »Da ist es auch dunkel.« »Aber das Wasser vom alten schmutzigen Rhein will ich auch nicht, mein Schätzchen«, gurrte Elena belustigt. »Glaub mir, ich suche ein anderes.« Wahrscheinlich wäre Udo schneller gewesen, wenn er den Wagen beim Abbiegen um die Ecke getragen hätte. Er schaltete in den zweiten Gang und schmatzte leise. »Ich hab Durst. Wir könnten bei Gertsens vorbeischauen. Die wohnen einen Steinwurf von hier in so ‘nem Gässchen. Auf der Laak oder so.« »Mit denen will ich nichts zu tun haben!«, rief Elena empört. »Dort bekommt man nur Wasser mit Edelsteinen drin. Wer so was macht, ist nicht ganz gesund im Kopf!« Sie ließ ihren Zeigefinger an der Schläfe kreisen....



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