Stahl 2012 - Folge 09
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-1365-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Weltuntergangs-Maschine
E-Book, Deutsch, Band 9, 64 Seiten
Reihe: Jahr der Apokalypse
ISBN: 978-3-8387-1365-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Noch ahnt Tom Ericson nicht, welch unglaublicher Fund sich im Koffer aus dem Van verbirgt, den Alejandro mit sich herumschleppt. Es handelt sich um vierzig Einzelteile, die, um den Himmelsstein gefügt, das Ende der Welt herbeiführen sollen! Vierzig Teile aus Gold, Jade und Kristall, die von der Loge des Mannes in Weiß über die Jahrhunderte zusammengetragen wurden - und in denen Jandro nur ein weiteres Rätsel sieht.
Sollte er es lösen, wäre die Menschheit zum Untergang verdammt...
Die Weltuntergangs-Maschine
von Timothy Stahl
Autoren/Hrsg.
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(S. 8-9)
Tom Ericson zerbiss einen Fluch. Er wusste zwar nicht, wo sie gelandet waren, aber irgendjemand hatte ihre Ankunft offenbar mitbekommen und sich, verständlicherweise, gehörig erschreckt. Der blendende Lichtstrahl, der sie einen Moment lang erfasst hatte, war erloschen. Die Person, deren Schrei noch als Echo durch die Finsternis hallte, hatte die Lampe wohl fallen lassen. Sie standen wieder im Dunkeln; nur hinter ihnen schimmerte noch das gekräuselte Rechteck des Durchgangs.
Tom verstärkte seinen Griff um Jandros Schulter, raunte Maria Luisa ein »Komm!« zu und zog ihren Bruder so weit von dem Durchgang weg, dass die Verbindung zum Armreif abriss und das Phänomen erlosch. Nur eine Sekunde später flammte das Licht der Stablampe wieder auf und bewegte sich nach oben – die andere Person hatte offenbar danach gegriffen und sie eingeschaltet. Tom hatte unterdessen schon die Hand in der Tasche, die er auf Oake Dún mit allerlei nützlichen Dingen bepackt hatte, darunter auch eine Taschenlampe. Er tastete danach – und stockte für einen Moment.
Eigentlich hatte er erwartet, die diskusartige Scheibe zu spüren; den Temporator, der ihnen bei Stonehenge die Flucht ermöglicht hatte, indem er für einige Minuten die Zeit anhielt. Doch das futuristische Gerät aus der Kammer war verschwunden! Hatte es einer der »Schattenkerle« unbemerkt wieder an sich genommen? Eigentlich konnte es Tom egal sein. Erstens war die Energie der »Zeitstopp-Maschine« eh verbraucht gewesen, zweitens hatte er jetzt Besseres zu tun, als sich darüber Gedanken zu machen. Er fand die Taschenlampe, holte sie hervor und schaltete sie ein. Dann richtete er den hellen Lichtbalken auf ihr Gegenüber. Es war ein Mädchen, jünger noch als Maria Luisa, Anfang zwanzig, höchstens. Blond, sommersprossig.
In den Augen schreckliche Angst, aber auch etwas anderes, eine Spur Trotz und zusammengeraffter Mut. Einen Augenblick lang empfand Tom beinahe so etwas wie eine Verwandtheit mit der jungen Fremden. Doch egal, wer und wie jung sie war – sie hatte ihn, Maria Luisa und Alejandro beim Durchschreiten des Portals beobachtet und würde Fragen stellen, die sie nicht glaubhaft beantworten konnten. Besser, sie setzten sich ab. In diesem Moment klang ein ferner Ruf durch die Dunkelheit. »Sooophiiie!« Allein am Klang konnte Tom feststellen, dass sie sich unter der Erde befinden mussten, in einer weitläufigen, verwinkelten Anlage. Der Geruch nach Stein und Erde und die dumpfe, kellerartige Feuchte, die sie umgab, bestärkten ihn in dieser Annahme.
»Sophie, wo bist du?« Nun hatte Tom auch einen Hinweis, in welchem Land sie sich befinden könnten, denn die Stimme sprach Italienisch. »Ich bin hier!«, antwortete Sophie, hörbar nicht so laut, wie sie es eigentlich wollte. Ihre Stimme zitterte noch unter der Nachwirkung des Schrecks. Erst sprach das Mädchen deutsch, korrigierte sich dann aber und wiederholte noch einmal auf Italienisch. »Los, weg hier!«, zischte Tom und drängte Maria Luisa und ihren Bruder vor sich her. Der Strahl seiner Taschenlampe riss einen uralten Gang aus der Finsternis, in den sie weiter vordrangen, während Sophie hinter ihnen zurückblieb. Der erdige Boden war zerfurcht und mit Steinen übersät. Stellenweise ragten Schwellen daraus hervor, oder er bestand aus lückenhaft verlegten Pflastersteinen, in deren Zwischenräumen sich ihre Füße immer wieder verfingen und sie stolpern ließen.




