Stahl | Cotton Reloaded - 21 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 21, 112 Seiten

Reihe: Cotton Reloaded

Stahl Cotton Reloaded - 21

Tödlicher Sumpf
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8387-5135-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Tödlicher Sumpf

E-Book, Deutsch, Band 21, 112 Seiten

Reihe: Cotton Reloaded

ISBN: 978-3-8387-5135-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Digitale Romanserie. Folge 21. St. Patricks Cathedral, New York City. Eine Frau huscht durch die neugotische Kathedrale. Zwischen den Informationsbroschüren versteckt sie heimlich ein Briefkuvert. Philippa Decker holt tief Luft. Es ist getan. Die letzte Stunde ihres Kollegen Jeremiah Cotton hat geschlagen ... Eine Woche später. Irgendwo über dem Sumpfgebiet zwischen Mississippi und Louisiana. Cotton und Decker, Special Agents des G-Teams beim FBI, sitzen an Bord einer Con-Air-Maschine, gemeinsam mit einem der gefährlichsten Serienmörder der USA. Er soll in ein Gefängnis nach Texas überführt werden. Plötzlich sackt die Maschine ab, der Rumpf knirscht, die Schweißnähte ächzten. Als eine der Tragflächen abreißt, stürzt die Maschine zu Boden - mitten in den Sumpf im Nirgendwo... COTTON RELOADED ist das Remake der erfolgreichen Kultserie und erscheint monatlich in abgeschlossenen Folgen als E-Book und Audio-Download. Nächste Folge: 'Dollarmord' von Jack Lance.

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1


Special Agent Philippa »Phil« Decker schaute durch das kleine Fenster und sah schwarz. Nichts als die Nacht. Keine Lichter in der Tiefe, keine Positionsleuchten anderer Flugzeuge. In ihrem Kopf war nur ein Gedanke: Keine Menschenseele weiß, wer und wo wir sind.

So einsam und verlassen hatte sie sich lange nicht gefühlt.

Wie ein Geisterschiff der Lüfte durchschnitt die weiß lackierte Maschine irgendwo über dem sumpfigen Grenzgebiet zwischen Mississippi und Louisiana das dunkle Wolkenmeer. Die umgerüstete Jetstream 41 trug keinerlei Kennung. Nur eine Handvoll Personen wussten von dem Flug. So war es üblich, wenn »Con Air« Bundesgefangene von A nach B verfrachtete – oder, wie in diesem Fall, einen einzigen Gefangenen. Von New York City nach Galveston, Texas.

Insgesamt waren 13 Personen an Bord.

Ausgerechnet, ging es Decker durch den Sinn, wobei sich der Anflug eines Lächelns auf ihre Lippen legte. Niemand sah es im Zwielicht des miefigen Transportraums, denn von einer Kabine konnte nach dem Umbau der einstigen Verkehrsmaschine keine Rede mehr sein. Komfort hatte Zweckmäßigkeit weichen müssen: Längs der Backbordseite erstreckte sich eine Reihe harter Doppelsitze für die Flugbegleiter, steuerbords befanden sich Ein-Mann-Käfige, deren Stahlgitter im gleichmäßigen Dröhnen der Turboprop-Triebwerke vibrierten.

Trotz der Unglückszahl gab es keinen Grund zur Beunruhigung. Aber vielleicht war es gerade das. Vielleicht war alles zu glattgegangen.

Bisher.

Denn plötzlich sackte die Maschine ab. Erschrecken wogte wie eine Riesenwelle durch das Passagierabteil. Der Rumpf der Maschine knirschte, die Schweißnähte ächzten unter der abrupten Druckänderung.

Dann endete die Abwärtsbewegung so ruckartig, wie sie eingesetzt hatte. Die Jetstream gewann wieder an Höhe.

»Verzeihen Sie bitte«, meldete sich die Pilotin über die Bordsprechanlage.

Decker rechnete beinahe damit, von irgendwo eine chauvinistische Bemerkung von wegen »Frau am Steuer« zu hören, wurde jedoch enttäuscht.

»Ich …«

Die Pilotin – Decker meinte sich zu erinnern, dass sie sich vor dem Abflug mit einem französisch klingenden Namen vorgestellt hatte, Beauchamp? – wollte noch etwas sagen, tat es aber nicht.

Weil noch in derselben Sekunde das sonore Brummen der Motoren zu einem Brüllen anschwoll, das binnen eines Herzschlags in ein Heulen überging. Gleichzeitig kippte das Flugzeug vornüber wie ein Kampfbomber, der zum Sturzflug ansetzte, wofür die alte Jetstream allerdings nicht geschaffen war.

Decker krallte die Finger um die Armlehnen. Das mulmige Gefühl in ihrem Bauch wuchs sich explosionsartig zum Brechreiz aus. In ihrem Kopf war nur noch Platz für einen einzigen Gedanken:

Eine Scheißidee war das – von Anfang an!

*


Eine Woche zuvor

Wie ein Phantom huschte die Frau durch die riesige St. Patrick’s Cathedral, die berühmteste Kirche New Yorks, die größte neugotische Kathedrale der USA, über 120 Meter lang und knapp halb so breit, mit 100 Meter hohen Türmen, ganz aus weißem Marmor und vor 150 Jahren nach dem Vorbild europäischer Gotteshäuser erbaut – damals noch außerhalb der Stadt, heute mitten in Manhattan, an der 50th Street und Fifth Avenue, direkt gegenüber vom Rockefeller Center.

Der Widerhall der Schritte zahlloser Besucher erfüllte das Kircheninnere wie eine nicht abreißende Strömung, von der die phantomhafte Frau sich treiben ließ. Mal folgte sie dieser, mal jener Gruppe, doch nirgends stach sie besonders hervor. Überall gehörte sie wie selbstverständlich dazu in ihrem dunkelbeigen, schlichten Mantel, der sie inmitten der Menschenmassen wie die Haut eines Chamäleons tarnte.

Auffällig war allenfalls, dass sie einen Hut trug, der ihr Gesicht ein wenig beschattete und unter dem kurzes, fransiges schwarzes Haar hervorlugte. Vielleicht auch ihre schmale Sonnenbrille, die sie aufhatte, obwohl es in der Kirche schummrig war.

Die Frau bewegte sich vorsichtig, wie auf dünnem Eis, und behielt die Umgebung mit verstohlenen Blicken im Auge. Niemand bemerkte, wie sie ein Briefkuvert, das sie plötzlich wie hingezaubert in der Hand hielt, zwischen die Broschüren in einen Informationsständer steckte.

Dann wandte die Frau sich ab und spazierte – immer noch ohne Eile, aber zielstrebiger als zuvor – in Richtung der Seitenpforte, auf die auch eine ungefähr zehnköpfige Gruppe deutsch sprechender Touristen zuhielt. Unaufdringlich schloss die Frau sich dieser Gruppe an und verließ mit ihr die Kathedrale.

Aber nur scheinbar.

In Wahrheit huschte die Frau, deren Bewegungen mit einem Mal schnell geworden waren, hinter eine Säule und nutzte den Schutz einer Wandnische, um binnen Sekunden die Sonnenbrille abzunehmen und sich Hut und Perücke vom Kopf zu ziehen. Das darunter verborgene blonde Haar fiel ihr über die Schultern. Mit einer raschen Bewegung streifte sie auch den Mantel ab und ließ ihn, wie alles andere, in der dunklen Nische zu Boden fallen. Mit dem Fuß schob sie die Sachen nach hinten, damit sie bei einem flüchtigen Blick nicht zu entdecken waren. Als die Seitenpforte sich hinter den deutschen Touristen schloss, trat Special Agent Philippa Decker hinter der Säule hervor.

In ihrem anthrazitfarbenen Hosenanzug war sie jetzt nicht auffälliger als zuvor in dem beigen Mantel, den sie darüber getragen hatte. Sie schlenderte ein Stück durchs Querschiff zurück, nahm in einer der Bankreihen Platz und behielt über das Taufbecken hinweg den Infoständer im Auge.

Niemand interessierte sich für die Broschüren. Drei, vier Minuten vergingen, in denen Decker wie in Gedanken versunken dasaß. In Wahrheit beobachtete sie aufmerksam ihre Umgebung, insbesondere den Drehständer.

Nach einer Viertelstunde lösten sich vier oder fünf Personen aus dem Besucherstrom und hielten auf den Informationsständer zu. Decker hatte Mühe, sich ihre plötzliche Angespanntheit nicht anmerken zu lassen.

»Ma’am?«

Deckers Blick zuckte nach oben. Ein rothaariger, noch junger Priester in schwarzer Soutanelle schaute auf sie hinunter, einen fragenden Ausdruck in den grünen Augen.

»Ist alles in Ordnung, Ma’am? Suchen Sie das Gespräch mit dem Herrn«, er machte eine Kopfbewegung zum Altarraum hin, »oder mit einem seiner Diener?« Er wies lächelnd auf sich.

»Nein, Father …«

»Simon. Simon Delaney.« Er neigte den Kopf.

»Nein, Father Simon. Ich möchte nur ein bisschen Ruhe haben«, sagte Decker, die innerlich vor Ungeduld vibrierte. Sie versuchte, an dem Geistlichen vorbeizuspähen, doch in diesem Moment verstellte ihr eine Handvoll junger Leute den Blick auf den Broschürenhalter.

»Entschuldigen Sie bitte, Father.«

Decker ließ alle Höflichkeit fahren, stand auf und lief um das Taufbecken herum, vorbei an den Jugendlichen, die sich per Tablet von einem virtuellen Fremdenführer die St. Patrick’s Cathedral zeigen ließen.

Hinter ihnen war der Infoständer unterdessen wieder verwaist. Und das Kuvert, das Decker dort hinterlegt hatte, war verschwunden.

Sie holte tief Luft.

Es war getan.

Jetzt war es zu spät, einen Rückzieher zu machen.

Sie hatte einen Killer beauftragt. Mit der Ermordung eines Kollegen, eines G-Man.

Jeremiah Cotton.

*


Sechs Tage später
New York, Brooklyn, Greenpoint

Die beiden Männer kamen aus dem würfelförmigen Backsteingebäude. Die Hände in den Jackentaschen, blieben sie vor der Eingangstür stehen und schauten die Guernsey Street hinauf und hinunter, als wüssten sie nicht, wo sie hin mussten. Doch der Eindruck täuschte. Natürlich kannten sie ihren Heimweg. Es war jeden Abend derselbe, denn sie verbrachten jeden Abend in derselben Kneipe. »Marek’s« stand auf dem schlichten Schild über der Tür. Schlicht war auch die Kneipe selbst, die so, wie sie hier in »Little Poland« stand, auch irgendwo in Polen hätte stehen können.

»Gehen wir?«, fragte der ältere der beiden Männer mit kieksender Stimme.

Jeremiah Cotton nickte und ging los, mit schweren, etwas unsicheren Schritten. Nach links, vorbei an schmutzig roten Ziegelbauten und braunen Sandsteinhäusern. In fast jedem Gebäude befand sich ein Laden oder ein Lokal. Aus den Wohnungen darüber roch es nach Kohl oder Sauerkraut, und irgendwo wurde trotz der späten Stunde noch gebacken.

Lee »Zits« Gorski, Cottons neuer bester Freund, seit er in Greenpoint wohnte und Marek’s seine Stammpinte war, dackelte neben ihm her.

»Dir scheint’s heute zu reichen«, meinte Gorski in Anspielung auf Cottons leicht schwankenden Gang. Der Abkömmling polnischer Einwanderer, einer von Zehntausenden in Greenpoint, hob die mageren Schultern. So wie seine Stimme nicht nach 51 Jahren klang, war auch seine schlaksige Gestalt eher die eines pubertierenden 15-Jährigen. Genau wie sein pickeliges Gesicht, dem er seinen Spitznamen verdankte. »Na, dann schläfst du wenigstens tief und fest. Wird dir guttun.«

Cotton schnaubte abfällig. »Abwarten. Vielleicht mach ich ja erst noch ’ne Nummer.«

»Du glaubst, deine Süße könnte nach Hause gekommen sein?« Gorski schüttelte den Kopf. »Die ist im Frauenhaus tausendmal besser aufgehoben. So blöd ist die bestimmt nicht, dass die wieder angeschlichen kommt.«

»Glaub mir, die meisten Weiber sind so blöd«, behauptete Cotton. »Und du nimmst das Maul ganz schön voll für einen Hänfling, wie du einer...



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