Stein | Wenn Wappler fliegen lernen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 268 Seiten

Stein Wenn Wappler fliegen lernen

Ein schmutziger Fall
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7412-4570-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein schmutziger Fall

E-Book, Deutsch, 268 Seiten

ISBN: 978-3-7412-4570-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es ist Mias erster Tag als neue Kommissarin und schon muss sie einen Mordfall aufklären. Oder sind es sogar zwei? Oder war alles nur ein Unfall? Die Sache stinkt jedenfalls zum Himmel, so wie die Misthaufen der kleinen urigen Landgemeinde, in der sie sich als Berlinerin erst einmal zurechtfinden muss. Dabei ist es gut, dass sie Unterstützung hat. Kollege Steinmeier ist ganz hin und weg von seiner neuen Vorgesetzten und versucht, sie stets in allen schwierigen Lagen zu decken. Ein Schelm, wer hier an umtriebige Liebe denkt. Und geliebt wird freilich viel in Beidlhausen, - nicht zu verwechseln mit Beitlhausen. Bald steht fest, es geht hier drunter und drüber: Der Dorfarzt ist durchgeknallt, der Stammtisch lässt Swinger-Herzen höher schlagen, die Musikkapelle wiederholt immer das gleiche Stück, Steinmeier hat Potenzprobleme und im doppelten Sinn die Hosen voll. Zu alldem soll es auch noch eine Erfindung geben, bei der es um reichlich viel Geld geht. Es hat sie zwar noch niemand gesehen, doch etwas Wahres wird schon dran sein, denn schließlich sind die Chinesen, Roli der dicke Bankdirektor und der Bürgermeister daran interessiert. Mia kapiert bald gar nichts mehr. Es ist ein wirklich komischer Fall. Für alle, außer für Andi, den pummeligen Möchtegernsuperhelden. Denn der landet bei diesem Fall rücklings im Dreck. Aber wie gut, dass es die Leni gibt. Mit Hilfe seiner Schulfreundin setzt Andi bald zum finalen Superheldenflug an. Und dann überschlagen sich die Ereignisse... Wer gerne Thomas Raab oder Rita Falk liest, oder Filme wie "Wer früher stirbt ist länger tot" mag, der wird dieses Buch lieben. Ein Krimi voll urigem Humor und guter Unterhaltung.

Geboren 1980 in Oberösterreich. Seit jeher von der Frage getrieben, wie die Welt funktioniert, ging der Autor einen von der Naturwissenschaft gekennzeichneten Weg, um nach 10 Jahren zu erkennen, dass die Welt sich nach ganz anderen Gesetzen bewegt, als nach denen der Physik und Chemie. Deshalb folgte noch ein Soziologie-Studium und das Studium der politischen Bildung. Die Erkenntnis des Autors ist letztlich diese: Die Welt funktioniert für jeden Menschen ein wenig anders.
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Der Faschingsumzug


»Ah, die Bauknechts! Wieder einmal als Bauern verkleidet. Sehr originell. Wie haben wir es denn diesmal? Schweinebauern, Kuhbauern oder Körndlbauern?«

»Grüß dich, Karl! Ja weißt, bei so vielen Rindviechern kann's gar nicht genug Bauern geben. Als was gehst denn du? Als König der Rindviecher?«

»Na sieht man doch! Als Ludwig der Vierzehnte.«

»Aha!«, gab Hans zurück und nuschelte dann leise und abgewandt: »Das hab ich doch gesagt.« Zum Glück hatte Karl die Bemerkung nicht gehört. Nur Evelyn kicherte verstohlen vor sich hin.

»Wann geht es denn endlich los?«, frage Rudi ungeduldig und zappelte dabei von einem Bein aufs andere.

»Eh gleich«, gab seine Mutter zurück. Der ganze Ort war auf den Beinen. Es gab jene, die aktiv in das Faschingstreiben eingebunden waren und einen der Umzugswagen gestaltet hatten, der in Kürze durch den Ort rollen würde, und es gab solche, die passiv teilnahmen und im Spalier entlang der Umzugsstraße aufgereiht waren und sich das bunte Faschingstreiben als Zuschauer zu Gemüte führen würden. Am Ende allerdings würde wie jedes Jahr die ganze Masse am Kirchenvorplatz zu einem einzigen bunten Haufen verschmelzen, wo dann für einen Abend und eine Nacht Sodom und Gomorrha herrschten, – was nicht einer gewissen Ironie entbehrte. Hinter Maske und Verkleidung sucht man vergebens nach Anstand und Rittertum.

»Da kommen sie!«, rief Andi, der die Musikkapelle erspäht hatte, die den Faschingszug anführte. Und tatsächlich, da kamen sie. Bis zur Unkenntlichkeit verhüllte goldene Mumien, die auf ihren Instrumenten spielten.

»Na, die lassen ihren Reichtum aber heuer wieder groß heraushängen! Weiße Mullbinden haben anscheinend nicht genügt. Nein! Goldene müssen es sein!«, lästerte Karl.

»Der hochwohlgeborene König wird's dem einfachen Volk doch nicht etwa neidisch sein?« Hans grinste.

»Heut’ spielen sie es aber wieder flott«, bemerkte Evelyn. .

»Ist ja schließlich kein Begräbnis«, gab Hans zur Antwort.

Nein, ein Begräbnis war es wahrlich nicht. Der Musikkapelle folgend kam der erste Umzugswagen. Oder besser gesagt, ein Thronwagen. Der Bürgermeister und seine Gemahlin saßen in zwei gewaltigen Sesseln. Mit Zeptern bestückt und Kronen auf den Köpfen ließen sie keinen Zweifel daran, wer die Herrscher von Beidlhausen waren.

»Na, Ludwig,«, sagte Hans zu Karl, »scheint so, als wärst du abgesetzt worden.«

»Von wegen!«, antwortete dieser und lachte. »Revolution!«, brüllte er hinaus Richtung König und Königin. »Revolution!« König und Königin wurden von einer Prinzessin begleitet. Selig schlief das lockige Mädchen auf zwölf Matratzen und – vermutlich – auf einer Erbse.

»Schau mal! Das ist doch der Bruder vom Stenzel als Prinzessin verkleidet, den da unser Bürgermeister Kohlböck im Schlepptau hat!«, bemerkte Gabi zu Rosi, die sich beide ebenfalls am Straßenrand positioniert hatten. Die eine als Engerl, die andere als Teuferl verkleidet.

»Dem Kohlböck ist aber auch nichts zu blöd. Direkt könnte man das bezeichnen, was der aufführt. Seit der Stenzel Theodor unter der Erde ist macht er alles, um sich beim Edwin einzuschleimen. Dabei dauert es nicht mehr lange und die Firma ist ohnehin pleite, wenn man glauben kann, was man so hört.«, sagte das Teuferl.

»Na, lass ihnen doch die Freude. Sie schaden ja keinem und vielleicht taucht die Erfindung von seinem toten Bruder ja doch noch auf. Man muss sich alle Optionen offen halten. Der Bürgermeister, der weiß schon, was er tut«, gab das Engerl zurück. »Sieh dir mal den Bernie an!«, wechselte Gabi das Thema und zeigte auf eine Stelle weiter vorne, auf die gegenüberliegende Straßenseite, welche gerade von der Musikkapelle passiert wurde.

Bernhard war der achtzehnjährige Sohn von Edwin Stenzel und Neffe vom toten Theodor. Edwin war schon seit zehn Jahren geschieden und mit der alleinigen Erziehung seines Sohnes betraut.

»Der hat sich ja heute wieder fein in Schale geworfen. Sogar im Fasching ist der geschniegelt und gestriegelt.

Heute mit Frack und Zylinder. Die Sachen hat er sich sicher wieder vom Papa ausgeborgt. Sieht aus wie ein Bräutigam aus alter Zeit.«

»Pah, was interessiert mich der Bernie?«, gab Rosi zurück.

»Na, jetzt tu nicht so!«, sagte Gabi. »Glaubst du, ich weiß nicht von dir und von ihm?«

»Das war nur !«

»Ja, nur einmal!«, bemerkte Gabi lächelnd und versetzte Rosi einen freundschaftlichen Ellbogenstoß. »Ich weiß doch, dass dir zwei- oder dreimal auch nicht unrecht wären.«

»Aber er interessiert sich doch nicht für mich«, bemerkte Rosi mitleidheischend und deutete mit dem Kopf in Bernies Richtung. Und als wäre es choreographiert, zog Bernie plötzlich sein liebstes Lächeln auf und hob die Hand zum Gruß. Allerdings bedachte er mit diesem nicht Rosi, sondern eine Mumie.

»Da, sieh dir das an!«, sagte Rosi. »Er steht auf die Johanna!«

»Das kannst du ja gar nicht wissen, die sehen ja alle gleich aus!«

»Erstens weiß ich das sicher, es ist ja nicht nur heute so, dass er sie anhimmelt, und zweitens ist Johanna die Mumie mit der Klarinette.«

»Kann schon sein, dass er sich ein bisschen in sie verguckt hat. Du warst auch einmal achtzehn, oder nicht? In diesem Alter will man zunächst einmal alle Früchte des Gartens kosten, bevor man sich festlegt. Aber es ist ja ganz offensichtlich so, dass die Johanna nichts von ihm wissen will. Irgendwann wird ihm das auch klar und dann ist sie ganz schnell wieder aus seinem Kopf verschwunden. Weißt eh, wie die Männer sind: Wenn die Phase mit dem Verliebtsein einmal vorüber ist, dann werden sie zu . Dann haben sie nur noch Augen für Brüste, Arsch und Haut. Und da hast du dann alle Trümpfe in der Hand.« Und wie zur Bestätigung schlug Gabi, das Engelchen, Rosi, dem Teufelchen, mit der flachen Hand auf den Po.

Und dann begannen sie laut zu lachen, schließlich hatten sie gerade den nächsten Umzugswagen erblickt. Gerade für Rosi als Kellnerin des hiesigen Dorfwirts waren es keine Unbekannten, die sich da mit nacktem Oberkörper und lediglich mit Saunatuch bekleidet präsentierten. Der Stammtisch hatte sich als Saunarunde verkleidet.

»Der ist aber ordentlich «, sagte Gabi zu Rosi. Und diese wusste gleich, wen Gabi im Blick hatte. Sie konnte nur den Bankdirektor meinen, der Wasserkelle um Wasserkelle auf die Oberfläche eines heißen Ofens beförderte und mächtige Dampfwolken erzeugte. Die Figur des Saunameisters wirkte umso gewaltiger, da neben ihm der Dorfarzt stand, welcher spindeldürr war. Dieser schaufelte mit Begeisterung Zuckerl und kleine Süßigkeiten in die Menge der Schaulustigen, worauf sogleich die Kinder aktiv wurden. Wie Hühner, die einen fetten Wurm erspäht haben, stürmten sie auf die am Boden liegenden Naschereien und füllten Taschen, Sackerl und Hände – sowohl die eigenen als auch die der Eltern.

»Das ist meines!«, schrie Rudi, weil Andi ihn gerade von einem der begehrten Naschwerke abgedrängt hatte.

»Ich war schneller!«, gab Andi zurück.

»Der ist so gemein!«

»Kinder, seid brav!«, maßregelte die Mutter unmotiviert und ohne den Blick vom Umzugswagen abzuwenden ihre beiden Söhne.

Und ganz entgegen ihrer sonst so streitlustigen Art, gehorchten diese auch. Da waren einfach zu viele Zuckerl, die darauf warteten, von ihnen aufgelesen zu werden. Streiten konnten sie später auch noch.

»Wenn das der Papst wüsste!«, sagte Hans. »Seht euch mal den Pfarrer an!«

»Der weiß wie man feiert!«, stimmte Karl alias Ludwig der Vierzehnte zu. »Dem haut es jetzt den Vogel aus seinem Hirn heraus, weil dann vierzig Tage Fasten bevorstehen.« Er tippte mit dem Zeigefinger an seine Stirn.

»Aber der Steinmeier, unser sonst so ruhiger Polizist, ist auch nicht ohne!«, warf Evelyn ein. »Die sind ganz in ihrem Element.«

Belustigt beobachtete die Menge die beiden halbnackten Männer, die sie sonst nur in Talar oder Uniform zu Gesicht bekamen und welche als der bezeichnet werden konnten. Einzig der Pfarrer hatte als letztes Zeugnis seiner Herkunft noch den weißen Kollar um den Hals, was die Szenerie nicht weniger komisch machte. Das Bild eines Strippers drängte sich unwillkürlich in die sonst so keuschen Gedanken.

Darüber hinaus schwangen beide ein Handtuch wie Cowboys ihr Lasso und bewegten sich hüftschwingend zur Musik.

»Juuhuuu, schaut uns an! – Der Steinmeier und ich, wir sind der Beidlhausener...



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