E-Book, Deutsch, 579 Seiten
Strack Praktisch und Nachhaltig
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7575-0463-2
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
2000-Watt Quartiere: Modelle für die klimaneutrale Energie- und Gesellschaftswende
E-Book, Deutsch, 579 Seiten
ISBN: 978-3-7575-0463-2
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Autor des Buchs 'Praktisch und Nachhaltig' hat viele Jahre in der industriellen Forschung in verschiedenen Ländern als Leiter von Entwicklungsbüros gearbeitet. Gebürtiger Deutscher, heute Schweiz-Französischer Doppelbürger, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Ökologie und dem demokratischen Übergang in die Post-Öl-Gesellschaft. Er hält regelmäßig Vorträge in Französisch und Deutsch.
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Vorwort
PRAKTISCH UND NACHHALTIG ist das Ergebnis einer langen Reflexion über die notwendige Entwicklung unserer industriellen Zivilisation hin zum postfossilen Energiezeitalter, durchgeführt von Peter Strack, einem Schweizer Ingenieur, der vor 38 Jahren nach Lunéville (Frankreich) kam.
Peter Strack ist ein aufmerksamer und rationaler Beobachter der Entwicklung der Welt und offen für Dialog. Ganz oben auf der Skala seiner Werte stehen die Würde und Freiheit des Menschen, die sich nicht auf eine Mensch-Maschine oder auf einen Konsummenschen reduzieren lassen. Ebenso werden seine Überlegungen und sein Denken begleitet vom Respekt der Natur, der Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung und unsere Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen.
PRAKTISCH NACHHALTIG ist ein tiefgründiges Werk, das in einem ausgewogenen transversalen Ansatz zeigt, wie komplex das Thema ist. Viele Ursache-Wirkungs-Beziehungen sind miteinander verflochten. Der Autor geht methodisch vor und nährt sich dem Thema unter technischen, wirtschaftlichen, finanziellen, politischen, soziologischen und philosophischen Gesichtspunkten.
Der Ansatz von Peter Strack ist bewusst weitläufig. Dabei zeigt er überzeugend, dass es notwendig ist, das Problem von vielen Seiten anzugehen und zu analysieren, um auch zu Vorschlägen mit einer unwiderlegbaren Logik zu gelangen.
Dieser Ansatz hat zwei Vorteile. Er zeigt zuerst, dass wir keine Wahl mehr haben; eine radikale Evolution unserer industriellen Zivilisation ist unerlässlich und unvermeidbar. Er erklärt zweitens, dass große Umwälzungen der Gesellschaft auf uns warten und dass sich unser Verhalten tiefgreifend ändern sollte.
Um seine Überlegungen zu bestimmten Aspekten dieses umfangreichen Themas zu vertiefen, hatte Peter Strack bei Bedarf den Rat anerkannter Spezialisten eingeholt. Diese kluge Vorkehrung zeigt sich in der Qualität der geleisteten Arbeit. Dieses Buch sollte Schritt für Schritt gelesen und verstanden werden, denn alles hängt zusammen.
Im ersten Teil demonstriert der Autor deutlich, dass es nicht möglich ist, alle derzeit verwendeten fossilen Energien innerhalb der zur Vermeidung einer Klimakatastrophe erforderlichen Zeit durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Dies ist vor allem dann nicht möglich, wenn man von einem konstanten oder sogar wachsenden Energieverbrauch ausgeht. Selbst die Annahme eines konstanten Energieverbrauchs bedeutet extrem niedriges Wirtschaftswachstum oder sogar eine lang andauernde Rezession.
Nichts zu tun oder die Flucht nach vorn im Namen der Wachstumsideologie unbedacht fortzusetzen und damit den Ausstoß von Treibhausgasen (THG) in die Atmosphäre weiter zu erhöhen, wird unweigerlich zu einer ökologischen, klimatischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe führen. Es wäre ein verantwortungsloses und würdeloses Verhalten unserer Generation gegenüber zukünftigen Generationen.
Was also tun, wenn wir unmöglich bis 2050 alle fossilen Brennstoffe durch erneuerbare ersetzen können? Was also tun, wenn ein endloses Wachstum bei gleichzeitiger Reduzierung der Treibhausgase unmöglich ist? Diese Frage stellt sich uns mit aller Schärfe.
Der zweite Teil des Buches zeigt anhand von Beispielen, dass es praktische Lösungen gibt. In diesem zweiten Teil führt der Autor den Leser dazu, zunächst die sich einem rational denkenden Menschen aufdrängenden Lösung zu untersuchen: Der Gesamtenergieverbrauch soll so weit reduziert werden, dass die restlichen fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energien ersetzt werden können.
Inspiriert von der Pionierarbeit eines Instituts der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) beschreibt der Autor auf technischer Ebene, wie weit der Energieverbrauch zurückgehen sollte. In unseren Breitengraden stünde jedermann eine durchschnittliche nachhaltige Konstantleistung von 2000 Watt zur Verfügung, was einem Gesamtenergieverbrauch (Haushalt, Ernährung, Reisen, persönliche Aktivitäten, graue Energie etc.) von 48 kWh/Tag/Person entspricht. Das entspricht etwa einem Drittel des Energieverbrauchs eines Schweizers im Jahre 2010 (150 kWh/Tag/Person). Der Rückgang ist beträchtlich und eine entsprechend große Herausforderung an uns alle.
Besonders willkommen an dem Buch ist, dass zunächst konkrete Lösungsbeispiele in Form von erfolgreichen 2000-Watt-Quartieren dargestellt werden. Heute gibt es eine Reihe solcher. Sie werden im Buch ausführlich vorgestellt. Die Überzeugung von Peter Strack ist verständlicherweise, dass wir uns davon inspirieren lassen sollten.
Nach der Vorstellung einiger 2000-Watt-Quartiere listet der Autor alle Bereiche auf, die ein erhebliches Potenzial zur Energieeinsparung, oder genauer gesagt zur Vermeidung von Energieverschwendung, bieten. Die Analyse ist ausführlich dokumentiert und wiederum überzeugend.
Alle Bereiche werden untersucht: Wohnen, Mobilität, Verbrauchsgewohnheiten (die Herstellung eines Smartphones benötigt beispielsweise 250 kWh Energie, der Stromverbrauch eines Smartphones beträgt 2 kWh/Jahr. Alle 2 Jahre ein neues Smartphone anzuschaffen ist eine energetische Häresie), die uneingeschränkte Zunahme des Maschinenparks, Datenzentren und elektronischer Geräte, die Kurzlebigkeit vieler Geräte, Kleiderberge wegen immer kürzeren Modezyklen, industrialisierte Lebensmittel, und weitere sehr energieintensive menschliche Gewohnheiten.
Schließlich zeigt dieser Teil des Buches, dass es mit demokratischen Mitteln möglich ist, den Energieverbrauch von aktuell 6000 Watt/Person auf 4000 Watt pro Person zu senken. Um den Energieverbrauch allerdings auf das Niveau von 2000 Watt pro Person zu reduzieren, muss sich eine andere Bedürfnishierarchie einstellen. Es sollte eine radikale Änderung des Verhaltens aller stattfinden, um unseren Energieverbrauch zu begrenzen und um gleichzeitig danach zu streben, unsere Lebensqualität zu erhalten.
Der Autor zeigt uns, dass es möglich ist, vorausgesetzt, dass wir einige Gewohnheiten aufgeben um andere anzunehmen. Es sollten zum Beispiel selten genutzte Geräte und Dienstleistungen zwischen Nachbarn geteilt und weniger energieintensive Hobbys praktiziert werden. Ein Besuch in einem nahegelegenen Restaurant oder im Quartier-Kino verbraucht weniger Energie als sich zu Hause einen Film in HD-Streaming anzusehen, und viel weniger als eine Kreuzschifffahrt zum Südpol.
Aber wie können wir uns auf diesen Weg begeben, den uns doch Vernunft und Logik vorschreiben? So ganz einfach ist das nicht und damit beschäftigt sich der dritte Teil des Buches.
In diesem dritten Teil untersucht der Autor die politischen, soziologischen, wirtschaftlichen und menschlichen Hindernisse, die dem einzuschlagenden Weg entgegenstehen.
Das erste Hindernis besteht in der Finanzialisierung der globalen Wirtschaft. Es muss immer mehr produziert und verbraucht werden, um das Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten und damit den Fortschritt zu finanzieren. Wir haben allerdings schon lange die Grenzen dieses Systems erreicht, weil wir seit Jahren mehr vom Planeten verlangen als er geben kann. Leider haben diejenigen, die dieses System kontrollieren und davon profitieren, kein Interesse etwas daran zu ändern, und vor allem wollen sie die ihnen zur Verfügung stehenden einflussreichen Schalthebel nicht aufgeben.
Das zweite Hindernis ist eine logische Folge des ersten. Es besteht darin, dass der Westen genauso wie der Ferne Osten eine Zivilisation entwickeln, in der Maschinen und Computer den Menschen überall umgeben, sein Verhalten formatieren und ihn zu einem konsumorientierten Individualisten reduzieren. Diese Formatierung wählen die Menschen nicht selbst, sondern erleiden sie mehr oder weniger unbewusst.
In den westlichen Demokratien vergrößern und konzentrieren bestimmte multinationalen Konzernen ihre Macht immer mehr. Sie haben die uneingeschränkte Kontrolle vieler Daten über uns und fast alle unsere Entscheidungen können auf heimtückische und sorgfältig programmierte Weise beeinflusst werden: Konsumentscheidungen, Freizeitentscheidungen und manchmal sogar politische Entscheidungen. Der Mensch wird allmählich zu einem auf seinen wirtschaftlichen Nutzen reduzierten Individuum, dessen freier Wille immer mehr eingeschränkt wird.
In Diktaturen, und jeder denkt an China, ist das Ergebnis in Bezug auf Formatierung und Verhaltenskontrolle das gleiche, außer dass dort die Methode brutaler und erzwungener ist. In China wird die Implementierung von Technologien zur totalen Überwachung ungebremst vorangetrieben, das Überleben dieses Regimes hängt davon ab.
Allgemein betrachtet müssten wir die wirtschaftliche und soziale Organisation ändern, aber die Profiteure des aktuellen Systems stemmen sich mit aller Macht dagegen, sowohl im Osten wie im Westen!
Hinzu kommt eine weitere, von A. Huxley in seinem berühmten Roman „Schöne neue Welt“ ziemlich gut antizipierte Gesellschaftsentwicklung. Der Roman beschreibt eine maximale Gleichheit der Menschen, keine Gleichheit vor dem Gesetz, sondern Gleichheit durch Klonen. Bei Huxley handelt es sich um einen Roman, aber heute stehen solche transhumanistischen Exzesse vor der Haustür, sobald die Techniken uns dazu befähigen. Es gäbe also Grund über solche Entwicklungen zu verzweifeln, aber nein, es gibt auch Grund zur Hoffnung!
Jean Viard, zitiert in der Einleitung des Buches, gibt eine mögliche Erklärung: „Der Pessimismus wird vor allem von Perspektivlosigkeit gefördert“.
Im Gegensatz zum verbreiteten Pessimismus gibt Peter Strack in diesem wegweisenden Werk eine positive Perspektive. Zuallererst müssen wir allerdings Widerstand leisten, nicht mit Gewalt, sondern mit alternativen Modellen, Erklärungen, Beweisführungen. Auch durch...




