Sülter | Ein Fall für die Patchwork Kids | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 200 Seiten

Reihe: Junge Helden

Sülter Ein Fall für die Patchwork Kids

Teil 1: Leiche auf dem Freizeitdeck
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95936-125-5
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Teil 1: Leiche auf dem Freizeitdeck

E-Book, Deutsch, Band 1, 200 Seiten

Reihe: Junge Helden

ISBN: 978-3-95936-125-5
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Ein Fall für die Patchwork Kids - Leiche auf dem Freizeitdeck wird Jacks Leben vollständig auf den Kopf gestellt! Mit dem neuen Freund seiner Mutter sind auch dessen Kinder Ian und Ellie in das kleine Haus an der kalifornischen Küste eingezogen. Da ist Chaos vorprogrammiert! Nach einem missglückten Ausflug, der Jack ins Gefängnis und in die Medien gebracht hat, bietet sich den drei Kindern die Chance auf eine gemeinsame Kreuzfahrt. Was wohl schlimmer wird: Das Miteinander der Patchwork Kids, ein geplanter Juwelendiebstahl oder das Verschwinden eines berühmten Gastes?

Björn Sülter schreibt Romane & Sachbücher, ist seit zwanzig Jahren journalistisch unterwegs und präsentiert seinen beliebten Podcast Planet Trek fm. Er ist außerdem als Hörbuchsprecher und Moderator tätig. 2018 erschien sein Sachbuch 'Es lebe Star Trek - Ein Phänomen, Zwei Leben' sowie der Auftakt seiner neuen Jugendbuch-Reihe 'Ein Fall für die Patchwork Kids - Leiche auf dem Freizeitdeck' und im Dezember folgt der Auftakt der Science-Fiction-Reihe 'Beyond Berlin'. Er schreibt als Experte für den Fernsehsender SYFY, Chefredakteur des Corona Magazine und freier Mitarbeiter von Robots & Dragons, Serienjunkies, Quotenmeter und im Printbereich bei der Geek! und dem Fedcon Insider. In diesen Funktionen liefert er seit Jahren Rezensionen, Artikel & Kolumnen. Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.
Sülter Ein Fall für die Patchwork Kids jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


In Rauch aufgegangen


Eigentlich war dieser Sonntagvormittag genau wie jeder andere in Pacific Palisades, und trotzdem fühlte sich der Tag für Jack seltsam an – irgendwie anders. Roseanne Hearse, ihres Zeichens Inhaberin des ältesten Krämerladens im Ort, nutzte in der Regel die Zeit und Ruhe des Wochenendes, um ihr Lieblingsopfer Jack, der sich als Sohn ohnehin nicht wehren konnte, sämtliche Regale abstauben und die Kühlgeräte reinigen zu lassen. Nachdem sie ihn in der letzten Nacht aus der Zelle des Sheriffs von Los Angeles abholen musste, hatte es ihr diesmal besonders am Herzen gelegen, dem Jungen diese Aufgabe zu übertragen.

Sie selbst war bereits früh am Morgen aufgebrochen, um auf dem Markt frischen Fisch für die Auslage der nächsten Tage zu erstehen. Nichts erschien ihr wunderbarer als die Mischung aus Seeluft und dem Duft der Fischerboote, die im Minutentakt herrliche Waren ans Festland brachten. Jack, der in diesem Moment noch damit beschäftigt war, ganz alleine seine ungeliebte Zwangsarbeit zu verrichten, dachte mit Schaudern an den fischigen Gestank und die glitschigen Tiere, die er später in rauen Mengen in Händen halten würde. Nein, er war eine Landratte, die Fischerei hatte ihn noch nie begeistern können – ganz im Gegensatz zu seinem Vater, der die Fische für den kleinen Laden früher selbst gefangen hatte.

Seit seine Mutter ihren neuen Freund hatte und Matt samt seiner Kinder bei ihnen eingezogen war, konnte Jack immerhin auf die Verstärkung durch seine beiden Halbgeschwister Ellie und Ian zählen. Diese hatten ihre komplette Kindheit in Seattle verbracht und mussten sich erst auf das beschauliche Leben an der kalifornischen Küste einstellen.

Jack selbst hatte Probleme damit, den ständigen Trubel zu akzeptieren, den die neuen Familienmitglieder mit ins Haus gebracht hatten. Außerdem besaß er nun nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Mutter, was ihm überhaupt nicht schmeckte. Nicht nur der neue Mann in ihrem Leben forderte seinen Platz ein, plötzlich war aus dem Einzelkind und Prinzen einer von drei geworden, der erstmals um Beachtung ringen musste. Vielleicht würden die restlichen Ferien ja noch etwas an der Situation ändern. Das hoffte Jack zumindest.

Der Versuch mit dem Ausflug nach Los Angeles war jedenfalls gehörig danebengegangen. Jack schüttelte sich bei dem Gedanken daran. Vorgestern war der letzte Schultag gewesen und nicht nur wegen der Sache auf dem Santa Monica Pier war er froh, dass nun eine längere Schulpause vor ihm lag. So würde es ihm ein paar Wochen lang erspart bleiben, ständig erklären zu müssen, wie es dazu gekommen war, dass er derart fragwürdige Berühmtheit erlangt hatte. Wenn es nach ihm ging, wollte er in nächster Zeit am liebsten erst mal niemanden sehen. Trotzdem konnte er auch nicht einfach die Augen zumachen und alle Veränderungen in seinem Leben ignorieren, in der Hoffnung, dass sie von selbst wieder verschwinden würden. Er war schließlich kein kleines Kind mehr.

Die Sonne schaute bereits neugierig auf den kleinen Laden und erhellte dabei das angeschlossene Haus und den Garten. Jack hatte seine Arbeit unterbrochen, um ein Päuschen zu machen. Nun lag er faul in einem Lehnstuhl auf der Veranda und döste. Als er vor zwei Stunden den Fernseher eingeschaltet hatte, war ihm die Lust auf den Tag vollkommen vergangen. Auch der Lokalsender berichtete inzwischen genüsslich über die Geschehnisse des vergangenen Tages. Dabei hatte man ihn prompt zum unvorsichtigen Trottel deklariert und seinen YouTube-Kanal in ein mehr als fragwürdiges Licht gerückt. Die misslungene Aktion hatte sich dank einiger Mitschüler rasant im Internet verbreitet und ihm nicht nur die Nacht in der Zelle, die Abholung durch seine betretene Mutter und den Spott seiner Klassenkameraden eingebracht, sondern auch für zweifelhafte Berühmtheit gesorgt.

Dabei war sein Hobby doch eigentlich eine anspruchsvolle, wenn auch harmlose Sache. Schon oft hatte er sich in verschiedenen Situationen gefilmt und seine Gedanken an irgendwelchen verrückten Orten zum Besten gegeben. Bisher war sein Erfolg zugegebenermaßen überschaubar gewesen: Ganze 23 Abonnenten hatte sein Kanal vor dem Vorfall gezählt, doch das war an und für sich nicht weiter schlimm, denn Jack betrachtete das Ganze ohnehin eher als langfristiges Projekt. Nun waren daraus plötzlich 28.678 Follower geworden – und das über Nacht! Er wusste nicht, ob er sich darüber wirklich freuen sollte. Irgendwann würde er die Angelegenheit geraderücken müssen. Bis jetzt hatte er jedoch nicht mal eine Chance gehabt, seiner Mutter zu erklären, was genau passiert war. Sie war einfach stinksauer und davon überzeugt, dass er sich aus reiner Eifersucht derart danebenbenommen hatte. Dabei gönnte Jack seiner Mutter das neue Glück doch aus vollem Herzen.

Seine Gedanken drifteten ab und er verlor sich in Tagträumen. Das metallische Scheppern, das plötzlich hinter dem Haus ertönte, hätte er beinahe überhört. Seine Sorgen und der Sonnenschein hatten ihn träge gemacht, also blieb er, wo er war, und öffnete das linke Auge einen Spaltbreit. Er spähte Richtung Tor und hoffte insgeheim, dass es nicht seine Mutter war, die da gerade mit ungewöhnlich viel Getöse nach Hause kam. Doch selbst mit einem halb geschlossenen Augenlid erkannte er den braun gebrannten Jungen auf dem klapprigen Damenfahrrad, der fröhlich grinsend um die Ecke bog.

»Ian! Was zur Hölle machst du auf dieser Antiquität? Wo ist dein Rad?«

»Ach, hör bloß auf! Kenny hat sich gestern mein Rad geliehen und …«

»Du hast dein heiß geliebtes Rad verliehen?«

»Ja, an Kenny. Es war eine Ausnahme. Na ja – und was soll ich sagen? Er lag schneller im Graben als ich ‚fahr vorsichtig‘ sagen konnte. Nun ist er im Krankenhaus und das Rad in der Werkstatt.«

»Das wird dir eine Lehre sein!«

»Verschone mich bitte mit guten Ratschlägen. Wo ist eigentlich der Rest?«

»Mum ist auf dem Markt, Ellie ist früh zum Sport gegangen und dein Dad ist ins Büro gefahren, glaube ich.«

»Soso, und der feine Herr Berufssohn sitzt faul in der Sonne. Wobei, nach deiner Nacht in der Arrestzelle kann ich das irgendwie verstehen.« Ian lachte.

»Über dieses Thema sprechen wir nicht mehr. Außerdem ziehst du voreilige Schlüsse! Wenn deine Nase nur halb so gut funktionieren würde wie dein großes Mundwerk, würdest du nicht so schlecht über mich reden.« Mit diesen Worten stapfte Jack davon und ließ seinen Stiefbruder mit verblüffter Miene zurück.

Nachdem Ian sein Ersatzrad an die Hauswand gelehnt hatte, näherte er sich der Veranda. Als ihm plötzlich ein unerwarteter Geruch entgegenwehte, hob er schnuppernd die Nase. Ein dezenter Schokoladenduft lag in der Luft, eher eine Mischung aus Teig und Schokolade, um genau zu sein. Aber da war noch etwas anderes … etwas Undefinierbares.

»Jack, du hast doch nicht etwa …« Er betrat die Küche, wo der eben noch verlockende Duft ohne Vorwarnung ins Gegenteil umschlug. Weißer Rauch quoll aus dem Ofen – von seinem Bruder fehlte jede Spur. Ians Brille beschlug. Er stopfte das verhasste Teil in die Hosentasche und taste sich krampfhaft voran. Doch trotz dieses Handicaps sprang der athletische Junge zur Spüle, füllte einen großen Eimer mit Wasser, riss die Herdklappe auf und mit einer schnellen Bewegung ergoss sich der Schwall über die unbezahlbare Kreation. Ian war selbst erstaunt über seine Zielsicherheit.

Jack stürmte entsetzt herein. »Was hast du getan?«

»Was ich getan habe? Du hättest fast unsere Küche in Brand gesetzt!«

»Übertreib nicht!« Mit einem Scheppern zog er das Backblech aus dem Ofen. Sein tropfnasser Kuchen war nicht nur dank der ungeplanten Dusche ein trauriger Anblick, er war zudem auch noch vollkommen verkohlt. »Das darf doch nicht wahr sein, verdammt …«

Doch nicht nur die Tatsache, dass Ian seinen Kuchen anscheinend zu Recht »gelöscht« hatte, machte ihm zu schaffen. Auch etwas anderes versetzte ihm einen Stich. »Unsere Küche« hatte Ian gesagt. Von außen betrachtet stimmte das natürlich inzwischen und wenn Jack ehrlich war, freute es ihn sogar irgendwie, dass den beiden Neulingen die Umgewöhnung offenbar recht schnell geglückt war. Ian, der ein leidenschaftlicher Surfer war, seit er sich eigenständig auf dem Brett halten konnte, liebte die Küste von Kalifornien und hatte deswegen auch keinerlei Probleme gehabt. Seine Schwester Ellie war wesentlich introvertierter als er, ließ sich jedoch nichts anmerken. Jack glaubte aber, dass ihr die Trennung der Eltern und die neue Situation am meisten zusetzte. Dennoch: Seit er denken konnte, hatte die Küche nur ihm und seiner Mutter gehört. An die Bezeichnung »unsere Küche« musste er sich definitiv noch gewöhnen.

»Mach dir nichts draus. Ich kenne sonst keinen, der es schafft, aus einem Schokokuchen einen Schmorbraten zu zaubern. Trotzdem setzen wir Backen wohl besser auf die Liste der Dinge, die andere erledigen sollten – gleich hinter Sport. Einverstanden?«

Jack war der Anflug von Spott auf Ians Gesicht nicht entgangen. Mit einem mürrischen »Ich räume das später auf, heute funktioniert aber auch gar nichts« öffnete er den Kühlschrank und nahm einen Teller mit zwei Stücken Käsekuchen heraus. Diese hatten zwar auch schon bessere Tage gesehen, aber als Placebo würden sie ihren Zweck schon erfüllen.

»Auch ein Stück?«, fragte er mit einem Anflug von Resignation in der Stimme.

»Schokokuchen à la Jack? Mit viel Käse und null Schoko? Gerne.« Ians Kichern trug sein Übriges zu Jacks mieser Laune bei, doch zum Glück wurde es schon nach wenigen Sekunden von einem Klingeln unterbrochen. Jack erkannte den Klang sofort – es war das Telefon im Laden. Mit dem...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.