Thalassa | A Strange Hymn | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 420 Seiten

Reihe: Bargainer-Reihe

Thalassa A Strange Hymn


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98718-592-2
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 420 Seiten

Reihe: Bargainer-Reihe

ISBN: 978-3-98718-592-2
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



König Karnos ist zwar tot, der Seelendieb existiert allerdings noch immer. Callie und Des werden zum jährlichen Fest der Sonnenwende eingeladen und reisen in das Königreich der Flora, um ihre Ermittlungen fortzusetzen. Doch unter den hellen Lichtern und den auffälligen Blüten des Reiches tauchen neue Komplikationen auf, die sich durch keine noch so große Verhandlungskunst lösen lassen. Bei der Versammlung verschwinden Soldaten und einige der Fae vermuten, dass Des hinter alledem steckt. Für Callie steht eines fest: Niemand ist der, der er zu sein scheint. Nicht einmal ihr Seelengefährte. Etwas regt sich und wenn Callie nicht aufpasst, wird es alles fordern, was sie liebt - und sie noch dazu.

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Flügel.

Im gedämpften Licht der königlichen Gemächer von Des schimmern die schillernden schwarzen Federn mal schwarz, mal grün, mal blau.

.

Ich stehe vor einem der vergoldeten Spiegel und bin von diesem Anblick sowohl entsetzt als auch fasziniert. Selbst gefaltet, ragen die Spitzen meiner Flügel weit über meinen Kopf hinaus. Die Enden streifen die Rückseite meiner nackten Waden.

Natürlich sind nicht nur die Flügel neu. Seit der letzten Konfrontation mit Karnon, dem verrückten Faunakönig, habe ich auch schuppige Unterarme und krallenbesetzte Finger. Und das sind nur die Veränderungen, die ich sehen kann. Es gibt nichts – außer vielleicht dem Ausdruck in meinen Augen –, das zeigt, wie sehr ich mich auch innerlich verändert habe.

Ich habe fast ein ganzes Jahrzehnt damit verbracht, gegen den Gedanken anzukämpfen, dass ich ein Opfer bin. Ich habe das auch ziemlich gut hinbekommen – wenn ich das so sagen darf –, bis ich die Anderswelt betrat. Und dann kam Karnon. Selbst jetzt noch durchfährt mich bei der Erinnerung ein Schauer.

Meine über die Jahre angelegte Rüstung wurde durch eine Woche Gefangenschaft weggerissen, und ich weiß nicht recht, wie ich damit umgehen soll.

Um ehrlich zu sein, ich mich dem auch noch nicht stellen.

Aber so schlimm es für mich auch war, den Meister der Tiere hat es noch schlimmer erwischt. Nachdem Des mit ihm fertig war, war von ihm nur noch ein Blutfleck auf den Überresten seines Thronsaals übrig.

Offenbar legt man sich nicht mit der Gefährtin des Nachtkönigs an.

.

Das ist auch etwas, von dem ich erst kürzlich erfahren habe – . Ich bin an Desmond Flynn, den Bargainer, gebunden: Einen der meistgesuchten Verbrecher auf der Erde und einen der mächtigsten Fae hier in der Anderswelt.

Aber selbst das – das Dasein als Gefährtin – ist komplizierter, als man glauben mag.

Ich habe immer noch so viele Fragen, zum Beispiel, warum ich bis vor ein paar Wochen nicht wusste, dass ich einen Seelengefährten habe. Denn andere übernatürliche Wesen finden so etwas heraus, wenn sie Teenager sind und ihre Magie erwacht.

Warum also ich nicht?

Hinzu kommt, dass die meisten Seelengefährten das Band, das sie mit ihrem Partner verbindet, spüren können, als wäre es etwas Physisches.

Ich lege eine Hand auf mein Herz. Ich fühle nichts dergleichen.

Alles, worauf ich mich verlassen kann, ist Des’ Wort, dass wir Gefährten sind. Das und die süße Sehnsucht in meinen Knochen, die nach ihm und nur nach ihm ruft.

Ich lasse die Hand von meiner Brust fallen.

Hinter meinem Spiegelbild funkeln die Sterne jenseits der Bogenfenster von Des’ Gemächern in der Anderswelt. Die aufgehängten Laternen sind aus, und die funkelnden Lichter der Wandleuchten sind schon lange erloschen.

Ich sitze im Königreich der Nacht fest.

Ich bezweifle, dass es viele übernatürliche Wesen gibt, die sich in einer solchen Situation beschweren würden – schließlich bin ich die Gefährtin eines Königs und gezwungen, in einem Palast zu leben –, aber die einfache und ernüchternde Wahrheit ist, dass ein Mädchen wie ich nicht mit riesigen Flügeln auf ihrem Rücken auf die Erde zurückkehren kann.

Das würde nicht gut ausgehen.

Also sitze ich hier fest, weit weg von meinen Freunden – okay, Freundin, aber um fair zu sein: Temper hat die Kraft und den Charakter von zwei Menschen – an einem Ort, an dem meine Fähigkeit, andere mit meiner Stimme zu betören, auch bekannt als Glamour, praktisch nutzlos ist. Elfen können nicht betört werden; meine Magie ist mit ihrer einfach nicht kompatibel.

Um es noch deutlicher zu sagen: Es ist eine Einbahnstraße. Sie können ihre Kräfte immer noch gegen mich einsetzen; das Armband an meinem Handgelenk ist Beweis genug dafür.

Mein Blick kehrt zu meinen Flügeln zurück – meinen seltsamen, überirdischen Flügeln.

»Weißt du, sie werden nicht verschwinden, nur weil du sie anstarrst.«

Ich zucke zusammen, als ich Des’ seidige Stimme höre.

Er lehnt in einer schattigen Ecke seines dunklen Schlafzimmers an der Wand und schenkt mir seinen berühmten, spöttischen Blick. Das weißblonde Haar umrahmt sein Gesicht, und selbst jetzt, wo ich mich in meiner Haut nicht mehr ganz so wohlfühle, und entblößt vor ihm dastehe, brennen meine Finger darauf, durch sein weiches Haar zu gleiten und ihn an mich zu ziehen.

Seine Hose sitzt tief, sein muskulöser Oberkörper und das Sleeve-Tattoo sind leicht zu erkennen. Mein Herz schlägt schneller bei seinem Anblick. Wir beide starren uns einen Moment an. Er kommt nicht näher, obwohl ich schwören könnte, dass er es möchte. Ich kann es fast in seinen silbernen Augen sehen.

»Ich wollte dich nicht wecken«, sage ich leise.

»Es hätte mir nichts ausgemacht, geweckt zu werden.« Seine Augen glänzen, er bewegte sich aber nicht auf mich zu.

»Wie lange stehst du da schon?«, frage ich.

Er verschränkt die Arme vor seinem nackten Oberkörper und versperrt mir die Sicht auf seine Brustmuskeln. »Die bessere Frage ist: Wie lange stehst schon vor dem Spiegel?«

Es ist so typisch für Des eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten.

Ich wende mich wieder dem Spiegel zu. »Ich kann nicht schlafen.«

Das kann ich wirklich nicht. Es liegt nicht am Bett, und schon gar nicht an dem Mann, der darin liegt. Jedes Mal, wenn ich versuche, mich auf den Bauch oder auf den Rücken zu drehen, rolle ich unweigerlich über einen Flügel und wache auf.

Außerdem geht die Sonne hier nie auf. Das Reich der Nacht ist ständig in Dunkelheit gehüllt, weil es die Nacht über den Himmel zieht. Also wird die Sonne nie in diesen Raum scheinen, daher weiß ich nicht, wann ich aufwachen muss.

Des verschwindet von seinem Platz an der Wand. Einen Sekundenbruchteil später erscheint er hinter mir.

Seine Lippen streifen mein Ohr. »Es gibt bessere Arten, lange schlaflose Nächte zu verbringen«, sagt Des leise. Eine seiner Hände streicht über meinen Arm.

Meine Sirene regt sich bei seinen Worten und meine Haut leuchtet leicht.

Seine Lippen streifen an meinem Hals entlang, und selbst diese leichte Berührung lässt meinen Atem stocken.

Doch dann erblicke ich mein Spiegelbild und sehe die Flügel. Meine Haut hört sofort auf, zu leuchten.

Des bemerkt den Moment, in dem ich meine Aufmerksamkeit wieder meinem Aussehen zuwende und entfernt sich von mir, als wäre er nie da gewesen. Und das ich. Ich spüre den Abstand zwischen uns. Aber ich will nicht, dass er mir Raum gibt – ich will, dass er mich näher an sich zieht, mich tiefer küsst, mich dazu bringt, diese neue Unsicherheit, die ich fühle, zu vergessen.

»Diese Flügel …«

Des stellt sich vor mich. »Was ist mit ihnen?«, fragt er und versperrt mir die Sicht auf den Spiegel.

Ich hebe mein Kinn. »Sie würden stören.«

Er hebt eine Braue. »Bei was stören?«

Als ob er nicht genau wüsste, was ich meine.

»Beim Schachspiel«, sage ich sarkastisch. »Bei … Intimität.«

Des starrt mich einige Sekunden lang an, dann verzieht sich sein Mund langsam zu einem Lächeln. Es ist ein trügerisches Lächeln, das mir viele unanständige Dinge verspricht.

Er tritt ganz nah an mich heran, nur wenige Zentimeter liegen zwischen unseren Gesichtern. »Cherub, ich dir, deine Flügel werden kein Problem sein.« Sein Blick senkt sich auf meine Lippen. »Aber vielleicht würde eine Demonstration deine Gedanken beruhigen?«

Auf seine Anregung hin leuchtet meine Haut auf, meine Sirene ist sofort dabei. Welche Unsicherheiten auch immer ich habe, sie teilt sie nicht.

Ich werfe einen Blick über meine Schulter auf meine Flügel, und meine ganzen Sorgen kommen wieder an die Oberfläche. »Sind sie nicht unglaublich unattraktiv?«

In dem Moment, in dem die Worte meine Lippen verlassen, wünschte ich, ich könnte sie zurücknehmen.

Das Einzige, was ich noch mehr hasse, als mich als Opfer zu fühlen, ist, meine Unsicherheiten offenzulegen. Normalerweise würde ich mich hinter meiner emotionalen Rüstung verstecken – manchmal so sehr, dass ich sie beinahe vergesse –, aber nach meiner Begegnung mit Karnon liegt diese Rüstung irgendwo verstreut um meine Füße herum, und ich hatte noch nicht die Zeit oder die Energie, sie erneut anzulegen. Ich fühle mich furchtbar entblößt und schmerzhaft verletzlich.

Des zieht eine Braue hoch. Hinter seinem Rücken sehe ich seine eigenen Flügel, die ich bis jetzt noch nicht bemerkt habe. Sie spreizen sich, die lederne, silberne Haut strafft sich, während sie sich zu beiden Seiten von ihm ausbreiten und den größten Teil des Raumes verdecken.

»Ist dir klar, dass fast alle Fae Flügel haben?«

Ich weiß, dass sie welche haben. Aber hatte nie welche.

Ich halte ihm meinen Unterarm entgegen. Im schummrigen Licht sind die goldenen Schuppen vom Handgelenk bis zum Ellbogen zu sehen und schimmern wie Juwelen. An den Fingerspitzen glänzen meine Nägel schwarz. Im Moment sind sie nicht übermäßig lang – ich feile sie sorgfältig zurück –, doch sobald meine Sirene wütend wird, wachsen sie zu gebogenen Krallen.

»Und was ist hiermit?«, frage ich. »Haben die meisten Fae so etwas?«

Er ergreift meine Hand. »Es spielt keine Rolle. Du gehörst mir.« Des küsst meine Handfläche, und irgendwie schafft er es, meine Unsicherheiten klein und unbedeutend erscheinen zu lassen.

Er lässt meine Hand nicht los, und ich starre auf die Schuppen.

...



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