E-Book, Deutsch, 248 Seiten
Reihe: Unruhe bewahren
Theweleit Das Lachen der Täter: Breivik u.a.
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7017-4481-7
Verlag: Residenz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Psychogramm der Tötungslust
E-Book, Deutsch, 248 Seiten
Reihe: Unruhe bewahren
ISBN: 978-3-7017-4481-7
Verlag: Residenz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Klaus Theweleit geboren 1942, studierte Germanistik und Anglistik. Er ist Literaturwissenschaftler, Kulturtheoretiker und Autor. 'Männerphantasien' wurde 1977/78 zum Bestseller, mit dem er internationale Bekanntheit errang. Theweleit lehrte am Institut für Soziologie der Universität Freiburg und an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, 1998-2008 war er Professor für Kunst und Theorie an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Zuletzt erschienen u. a.: 'Buch der Könige' (3 Bände, 1988-1994), 'Der Pocahontas-Komplex' (3 Bände, 1999-2013).
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Lachen 1.
Utøya, Norwegen 2011
Anders Behring Breivik aus Oslo (32) tobt sich aus am 22. Juli 2011 auf der kleinen norwegischen Insel Utøya. Dort, wo die AUF, Jugendorganisation der »Arbeiterpartei« Norwegens, ihr jährliches Sommercamp abhält, erschießt er binnen einer Stunde 69 Menschen; meist jugendliche Sozialdemokraten. Den Polizisten, denen er sich um 18:24 Uhr ergibt, stellt er sich vor als »Kommandant der Antikommunistischen Widerstandsbewegung Norwegens«.
Emma Martinovic, achtzehn, eine der Überlebenden, die dem Töter durch einen Sprung ins Wasser entkam, erzählt, wie das Gelächter des Killers sie begleitete beim panischen Fortschwimmen von der Insel.
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so notiert es der Reporter des englischen 6, der als erster die dem Tod entkommene Emma Martinovic befragt hat. Im Prozess gegen Breivik gibt es mehrere solcher Aussagen.
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Breivik hatte sich, um ungehindert auf die Insel zu kommen – er musste dazu eine Fähre nehmen –, ein Stück des Henry-Fonda-Effekts zunutze gemacht. Er war in der Gestalt erschienen; in einer Polizeiuniform, die Vertrauen heischte. »Ich habe keine Sekunde daran gezweifelt, dass er ein Polizist war«, sagt Simen Braenden Mortensen, der Dienst hatte am Fähranleger:
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Der falsche Polizist macht Gebrauch von seiner Maske:
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Der Killer lächelt, lacht, und tobt sich aus. 14-jährigen sozialdemokratischen Mädchen aus einem halben Meter Entfernung in den Kopf zu schießen – die so zutraulich sind, ihn für ihren Freund und Helfer zu halten –, ist ein hohes Vergnügen und ein großer Sieg im Kampf gegen den norwegischen »Kulturmarxismus«, den der Anders Behring Breivik auf sein Panier, d. h. in sein Internet-Manifest, geschrieben hat.
. Später im Prozess labt er sich an der Hilflosigkeit seiner Diagnostiker, wie er sich an der Hilflosigkeit der Opfer labte:
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So Journalist Paul Hockenos aus dem Gerichtssaal; er setzt fort:
Antwort: »Wahrscheinlich schon« – Fragen mit vorgegebenen Antworten: »Irrsinn des selbst ernannten Kreuzritters« – was beantwortet das?
Indonesien 2013
»Killer im Anzug. Menschenjagd. Mitte der 1960er-Jahre brachten Militär und Mob in Indonesien Hunderttausende Anhänger der Kommunistischen Partei um. Im Film ›The Act of Killing‹ spielen die Massenmörder sich selbst – und ihre Opfer.«11
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Gibt’s nicht? Obwohl – ausdenken kann man sich alles. Ist aber nicht ausgedacht:
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In Indonesien ist wenig Geschichte »vergangen« seit damals. Auch dieses Büro gibt es noch.
Er lacht und tanzt; große, große Zeit, damals.
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Auslöser waren angebliche Morde an indonesischen Militärs; gefaked:




