E-Book, Deutsch, Band 2857, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Thurner Perry Rhodan 2857: Die Hyperfrost-Taucher
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-8453-2856-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Jenzeitigen Lande"
E-Book, Deutsch, Band 2857, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2856-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Auf der Erde schreibt man das Jahr 1518 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ). Die Menschen haben mit der Liga Freier Terraner ein großes Sternenreich in der Milchstraße errichtet; sie leben in Frieden mit den meisten bekannten Zivilisationen. Doch wirklich frei ist niemand. Die Milchstraße wird vom Atopischen Tribunal kontrolliert. Dessen Vertreter behaupten, nur seine Herrschaft verhindere den Untergang - den Weltenbrand - der gesamten Galaxis. Während sich der Arkonide Atlan ins vermutete Herz dieser Macht begeben hat - die Ländereien jenseits der Zeit -, reist Perry Rhodan durch vergangene Zeiten, um der Gegenwart Hilfe zu bringen. Denn die Gegenwart, wie er sie kennt, wird nicht nur durch die Atopen bedroht, sondern auch durch die brutalen Tiuphoren, die durch einen Zeitriss aus tiefster Vergangenheit zurückgekehrt sind. Von allen bekannten Schiffen könnte nur die RAS TSCHUBAI den Tiuphoren Paroli bieten, doch sie ist von deren Indoktrinatoren befallen und wird durch eine undurchdringliche Schicht Hypereis vor der Vernichtung geschützt. Sie zu befreien, ist die nächste Aufgabe Perry Rhodans und seiner Begleiter: Es sind DIE HYPERFROST-TAUCHER ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
3.
Germo Jobst, im Zwischenwo
Die Landung in dieser sonderbaren Unwirklichkeit war hart, war schmerzhaft. Wo soeben das künstliche Licht der ARIADNE vorgeherrscht hatte, war nun undefinierbare Düsternis.
Es gab keine Sonne, keinen Mond, keine Sterne. Nur Licht aus einer Quelle, die ein Universum weit weg sein mochte und die nicht zu erkennen war.
Der Boden unter seinen Füßen war steinig. Germo fühlte jeden kleinen Kiesel und dimmte die Sensibilität seines Schutzanzugs ab. Der Mechanismus funktionierte, ganz im Gegensatz zu vielen anderen, die der SERUN normalerweise zur Verfügung stellte.
Er spürte Angst. Er war ganz allein. Gucky, Pey-Ceyan, Sichu Dorksteiger und Perry Rhodan waren nirgendwo zu sehen.
Was war mit seinem Mitbringsel? Er hatte es an allen Kontrollstellen vorbeigeschmuggelt und nur Rhodan verraten, dass er diesen Beutel mit sich genommen hatte. Existierte er in dieser Sphäre, trug er ihn bei sich?
Germo tastete über seinen SERUN und suchte nach der kleinen Beule, die von der Phiole gebildet wurde. Er atmete erleichtert durch, als er das spröde Material spürte. Der blaue Staub hatte die Reise also mitgemacht. Gut.
Er musste ihn ans Ziel bringen. Er gehörte unbedingt an Bord der RAS TSCHUBAI. Der Staub war auf sein Betreiben hin untersucht worden. Man hatte nicht allzu viel über ihn herausgefunden. Doch wenn Germos Mutmaßungen richtig waren, besaß das Pulver Abschirmeigenschaften gegen den ParaFrakt-Impuls. Immerhin handelte es sich beim Blauen Staub um dys-chrone Überreste der Irr-MUTTER.
Germo kehrte mit seinen Gedanken in die Gegenwart zurück. Was, wenn er in dieser sonderbaren Dämmerwelt gestrandet war? Wenn er durch die Einnahme des Frostschutzes einen psychischen Schaden erlitten hatte und deshalb während der Teleportation in ein Reich abseits aller Dimensionen gelangt war?
Der Funk funktionierte nicht, der SERUN verweigerte jedwede Richtungsangabe, seine Parasinne sprachen nicht an. Rings um ihn war nichts, anhand dessen er sich orientieren konnte.
Ruhig bleiben! Du steckst nicht zum ersten Mal in einer kniffligen Situation fest.
Er drehte sich im Kreis und sah sich um. Da und dort waren Erhebungen am Ende des nahen Horizonts zu erkennen, das Land war öd und leer ... Halt!
Germo entdeckte eine dünne Rauchfahne, die sich kräuselnd in die Höhe zog. Sie sah aus, als stammte sie aus einem Kamin, und bildete den einzigen Hinweis darauf, dass an diesem Ort Leben existieren mochte. Kurzerhand machte er sich auf den Weg, mit steifen und raumgreifenden Schritten.
Irgendwann tastete er nach der Waffe an seiner Seite und holte sie aus dem Holster. Sie fühlte sich gut an, sie gab ihm Sicherheit ...
Verdammt! Das Ding war energetisch tot. Die Ladungsanzeige zeigte keinerlei Werte an, und als er sie mit festem Griff aktivieren wollte, tat sich gar nichts.
Das Reserve-Pack war ebenfalls leer. Er durchwanderte ein Land, das ausschließlich niedrigschwellige Energien zuließ. Immerhin taten die eingewebten Polymergel-Spiralfasern des Anzugs ihren Dienst und wirkten muskelverstärkend. Das Gewicht des SERUNS, etwa 32 Kilogramm, ließ sich dadurch ertragen.
Germo meinte, stets aufwärtsgehen zu müssen. So vermittelten es ihm seine Augen. Die Beine hingegen sagten ihm, dass er eine Treppe abwärts stieg. Seine Wahrnehmungen täuschten ihn, wie auch seine Gefühle einem stetigen Wechsel unterlagen. Mal hatte er Angst, mal war ihm zum Weinen zumute, mal meinte er, vor Lebensfreude bersten zu müssen. Nichts in diesem schrecklichen Land war so, wie es sein sollte.
Immerhin: Er näherte sich allmählich der Rauchfahne. Noch war nicht zu erkennen, woher der weißgraue Dampf stammte. Der Horizont war viel zu nahe, kein dazugehöriges Haus oder ein Schlot auszumachen.
Er ging vorsichtig weiter. Er schlich sich an. Wusste nicht, wie er seine Lage einschätzen sollte. Was, wenn dort oben – oder unten? – Feinde auf ihn lauerten? Wesen, die ebenso rätselhaft waren wie diese Landschaft und die ihn töten wollten? Nie und nimmer würde er sich wehren oder ihnen entkommen können.
Germo konzentrierte sich. Er visierte einen Stein zu seiner Rechten an, nicht einmal fünfzig Meter entfernt, und versuchte eine Teleportation.
Nichts. Selbst seine paranormalen Gaben waren ausgeschaltet.
Kein Wunder. Der Psi-Induktor in seiner Schulter war sicherlich ebenfalls vom Versagen höherrangiger Energiesysteme betroffen.
Er ging weiter, langsam und vorsichtig, auf das Schlimmste gefasst. Die Dunstwolke wurde von einer Windbö erfasst und verwirbelt. Irgendwo meinte er, das Krächzen eines Vogels zu hören. Doch das war gewiss bloß Einbildung. Bis jetzt hatte er nichts Lebendes in der Ebene gesehen.
Die Perspektive kippte. Zur Seite und nach vorne. Germo glaubte, in einen Abgrund gezogen zu werden, während von oben her Steinmassen von der Größe eines ganzen Planeten auf ihn herabprasselten.
Es ist alles nur Einbildung, alles nur Irritation!
Germo fuchtelte mit den Händen umher, als könnte ihm dies helfen, seine Orientierung rascher wiederzufinden und der Übelkeit Herr zu werden. Er torkelte, taumelte, würgte – und stand plötzlich unmittelbar vor der Rauchfahne.
Vor einem natürlichen Schlot im Boden, aus dem magmaähnliche Klumpen blubberten und Feuer hochkochte.
*
Germo war enttäuscht und erleichtert zugleich. Er hatte gehofft, Antworten auf die Frage nach seinem Hiersein zu finden – und hatte gleichermaßen Angst empfunden.
Die Analyseeinheit des Armbandkoms sprach an und lieferte erstmals an diesem Ort vernünftige Werte. Die Atmosphäre war atembar. Er öffnete den Helm und schmeckte die Luft: Sie war kalt und etwas zu dünn. Das Feuer roch nach Schwefel, seine Nasenhaare zogen sich spürbar zusammen.
Germo umrundete die Glut in einem Abstand von wenigen Schritten. Das Magma verteilte sich gleichmäßig über dem Boden, ohne Spuren zu hinterlassen.
Ich habe den Rauch über lange Zeit hinweg beobachtet. Mittlerweile hätte sich das erkaltete Material zu einem Hügel anhäufen müssen.
Germo hielt inne. Etwas irritierte ihn, und es dauerte eine Weile, bis er verstand, was es war: eine weitere Dunstfahne. Ebenso weißgrau, ebenso dünn.
Er verließ das Feuerloch und machte sich auf, dem zweiten Hinweis auf der Ebene zu folgen. Und als Germo genauer hinsah, meinte er einen schnurgeraden Weg zwischen den beiden Rauchwolken zu erkennen.
*
Wieder stieß er auf eine Magma speiende Feuerstelle. Sie war etwas größer als jene zuvor, der Boden ringsum von gelben, fingergroßen Schwefelkristallen bedeckt. Er konnte nicht umhin, einige zu zertreten. Sie zerbröselten zu Staub und ... lösten sich im Nichts auf. Einige wenige Kristalle schwebten kurz in der Luft, um dann entgegen aller physikalischen Gesetze emporzusteigen und sich irgendwo im ständigen Dämmerlicht zu verlieren.
»Das passiert alles nur in meiner Einbildung«, sagte Germo. »Ich darf nichts glauben, darf niemandem vertrauen, nicht einmal meinen Sinneseindrücken.«
Der SERUN gab ein quäkendes Geräusch von sich, die Innenbelüftung und die Heizung sprangen an. Hastig betätigte er die Funkverbindung, doch es gab nach wie vor keinen Empfang.
Mit einem Mal hatte Germo es eilig. Er sah sich um und entdeckte rasch die Rauchfahne einer dritten Feuerstelle. Ohne lange nachzudenken, machte er sich auf den Weg. Warum fühlte er sich bloß so müde?
*
Mit jedem Feuerloch steigerte sich die Leistungsfähigkeit des SERUNS, während Germos Kräfte schwanden. Es war ihm, als würde eine immens schwere Last auf seinen Schultern ruhen. Eine, die ihn niederzudrücken drohte, als wäre er auf Ertrus gelandet.
Die achte Feuerstelle geriet ins Blickfeld. Sie war größer und breiter als alle anderen zuvor. Feuchtigkeit brodelte aus einem Loch mit mehr als zehn Metern Durchmesser. Germo hielt vorsorglich Abstand – und erschrak dennoch, als Magma in einem gewaltigen Schub eruptierte, Dutzende Meter in die Luft geschleudert wurde und die Erde zu beben begann.
Er zog sich zurück, so schnell er konnte. Der Boden unter seinen Beinen brach auf, Risse zogen sich quer durchs Land. Überall schossen glühende Feuer empor, Funken spritzten, die Erde stöhnte und ächzte.
Germo lief, so rasch er konnte. Weg vom Feuer, fort von der höllischen Glut. Er hatte schreckliche Angst. Jeder Atemzug schmerzte, das Gewicht des SERUNS machte sich immer deutlicher bemerkbar.
Er rutschte schräg zur Seite weg, als ein weiteres Beben das Land wie die Kruste eines Stücks Brot zerbrechen ließ. Verzweifelt hielt er sich fest, verkrallte sich in Erde und auskühlendem Feuerstein, kam irgendwie wieder auf die Beine und rannte weiter.
Wohin nur? Überall war Glut, Hitze, Feuer. Flammen fauchten hoch, schossen kreuz und quer. Der Grund wölbte sich blasenförmig hoch und zerplatzte mit einem gewaltigen Knall; rotes Material gischtete daraus empor und spritzte hoch in den Himmel, als wäre dies das Finale eines gewaltigen Feuerwerks.
Germo lief verzweifelt davon und sah sich zu seinem Entsetzen eingekesselt und gefangen, umgeben von Feuersäulen, die die Anmutung tanzender, verspielter, teuflischer Lebewesen hatten und um ihn herumgeisterten.
Er litt. Er schrie. Er wusste keinen Ausweg mehr.
Germo ließ es geschehen, dass das flüssige Feuer über ihn hereinbrach und seinen Anzug umfloss. Es fraß sich hindurch, berührte seinen Körper, verbrannte ihn, ließ ihn unendliche Qualen erleiden ...
... und er...




