E-Book, Deutsch, Band 2925, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Thurner Perry Rhodan 2925: Der Tryzom-Mann
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-8453-2924-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Genesis"
E-Book, Deutsch, Band 2925, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2924-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wir schreiben das Jahr 1551 NGZ, gut dreitausend Jahre vom 21. Jahrhundert alter Zeitrechnung entfernt. Nach großen Umwälzungen in der Milchstraße haben sich die Verhältnisse zwischen den unterschiedlichen Sternenreichen beruhigt; im Großen und Ganzen herrscht Frieden. Vor allem die von Menschen bewohnten Planeten und Monde streben eine positive Zukunft an. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, in der auch Wesen mitwirken, die man in früheren Jahren als 'nichtmenschlich' bezeichnet hätte. Trotz aller Spannungen, die nach wie vor bestehen: Perry Rhodans Vision, die Galaxis in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln, scheint sich langsam zu verwirklichen. Man knüpft sogar vermehrt Kontakte zu anderen Galaxien. Gegenwärtig befindet sich Rhodan selbst im Goldenen Reich der Thoogondu, die ebenfalls eine Beziehung zur Milchstraße aufbauen wollen. In der Milchstraße sind mittlerweile die Gemeni von Bord ihrer 'Spross' genannten Raumschiffe aus aktiv geworden, angeblich wollen sie die Mächtigkeitsballung von ES im Auftrag einer anderen Superintelligenz gegen feindselige Kräfte sichern. Aber hat ES seine Mächtigkeitsballung tatsächlich aufgegeben? Es mehren sich die Zweifel, und ein besonderes Team sucht nach entsprechenden Hinweisen. Ein Mitglied dieses Teams ist DER TRYZOM-MANN ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
4.
Früher
Der Gen-Vater
Forschung erforderte hundertprozentige Hingabe und Opfer, so hatte man es ihn gelehrt. Niemand aber hatte jemals behauptet, dass er selbst Opfer bringen musste.
Es war klug gewesen, die leiblichen Eltern der Drillinge zurückzulassen. Sie bedeuteten ohnehin nur eine Belastung für das Miteinander im Familienverbund.
Guvratosch hatte gehofft, die Situation besser in den Griff zu bekommen, indem er Tavvu mit Tabletten versorgte und ihre Nahrung damit versetzte. Dieser Plan war aufgegangen. Sie war süchtig geworden und hatte sich nicht in seine Arbeit mit den Kindern eingemischt.
Umso mehr Probleme hatte ihm Numun bereitet. Der Kretin hatte zwar nicht sonderlich viel Verstand besessen, aber eine unerwartet hohe soziale Kompetenz.
Eine derart hohe, dass er Guvratosch Monate, wenn nicht Jahre der Forschungstätigkeit gekostet hatte.
Nun saß er mit drei nicht ganz Dreijährigen, über deren Begabungen er kaum etwas wusste, in einem wackligen Gleiter.
»Hätte ich mich früher um euch kümmern können«, sagte er halblaut, »hättet ihr die Schergen der Golamo beeinflussen oder zumindest ablenken können.«
»Hast du etwas zu uns gesagt?«, fragte Mota von der Rückbank des Gleiters.
»Nein. Schlaft jetzt. Wir haben einen längeren Flug vor uns.«
»Was ist mit Mama und Papa? Warum sind sie nicht mit uns geflogen? Und warum waren diese Leute hinter uns her?«
»Stell nicht so viele Fragen! Das ist ungehörig.«
»Papa hat gesagt, dass Neugierde gesund ist ...«
»Euer Vater ist nicht hier und wird auch nicht wiederkommen. Ihr werdet ab nun tun, was ich von euch verlange.«
Und damit herrschte Ruhe. Sehr gut.
Er konnte diese Brabbelei nicht leiden. Eigentlich hasste er Kinder. Sie dachten so anders und taten unberechenbare Dinge. Das einzig Interessante an ihnen war ihr Gehirn, das Wissen wie ein Schwamm aufsog und das sich so leicht manipulieren ließ.
»Wohin fliegen wir eigentlich?«, fragte Zau nach geraumer Weile.
»Ich habe mich bereits vor längerer Zeit um ein Ausweichquartier gekümmert. Es liegt auf Porten, dem vierten Planeten des Systems.«
»Wir reisen durchs Weltall?«
»Ja. Aber erst, wenn die nächste Containerkarawane von Lotron nach Porten startet. Wir müssen uns in deren energetischem Windschatten bewegen.«
»Das verstehe ich nicht.«
Guvratosch drehte sich um. »Schlaft endlich, ihr Nervensägen!«, herrschte er die Kinder an. »Ich muss mich konzentrieren. Ich werde eure Fragen beantworten, sobald wir es nach Porten geschafft haben.«
Die Drillinge starrten ihn verständnislos und auch ein wenig ängstlich an. Sie drückten sich eng aneinander und machten keinerlei Anstalten, die Augen zu schließen. Aber immerhin: Sie stellten keine Fragen.
Guvratosch wandte sich den Navigationsanzeigen zu und überprüfte zum x-ten Mal die Funktionen seines Gleiters. Er hatte ihn teuer umrüsten lassen. Weil er gewusst hatte, dass dieser Moment eines Tages kommen würde. Laroschol, dieser Moralhüter der Golamo, war seit Jahren hinter ihm her.
Immer wieder hatte Guvratosch Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen, hatte für nicht genehmigte Zuchtexperimente Strafen bezahlt, hatte sich nach Beschwerden des Golamo-Mannes vor dem Genetischen Rat verantworten müssen. Weil Laroschol überpenibel war und selbst bei geringsten Abänderungen genetischer Experimente seinen Einfluss geltend machte.
Guvratosch registrierte ein Signal aus der Containerstadt an der Nordostküste des großen Kontinents. Die Karawane würde sich in den nächsten Minuten auf den Weg machen, um die schwach entwickelte Kolonie auf dem Nachbarplaneten Porten mit benötigten Waren zu beliefern.
Die Bordpositronik des Gleiters klinkte sich unauffällig in das Transportprogramm ein und verschaffte dem Fahrzeug eine gültige Kennung. In weniger als fünf Minuten konnte Guvratosch sich in die Karawane einfädeln und deren Schutz genießen. Bis dahin musste sein kleines Gefährt im Schutz des Deflektors verharren.
Nun hieß es hoffen, dass sie nicht von der Golamo entdeckt wurden. Gewiss hatte Laroschol bereits Alarm ausgegeben, der für ganz Lotron galt, und ließ nach ihm fahnden.
Laroschol.
Ein gefährlicher Mann, der sich unter dem Gründer des Geheimdienstes nach oben gedient hatte und nun eines der Gesichter war, die die Eingeweihten mit der Golamo verbanden.
Guvratosch zählte die Sekunden. Er war ein kühl denkender Wissenschaftler und wusste Risiken einzuschätzen. Doch in diesem Moment verspürte er ungekannte Nervosität.
Das Freizeichen kam. Aus einer gefälschten Kennung wurde die offizielle Legitimation, sich der Containerkarawane nach Porten anzuschließen. Ihr Gleiter transportierte nun offiziell hochkomplexe Zuchtproben, die in der Ödnis des vierten Planeten unter kontrollierten Bedingungen ausgesetzt werden sollten.
Guvratosch musste kichern. Er dachte an die drei »Zuchtproben«, die hinter ihm saßen und allesamt leise vor sich hin schnarchten.
Ja. Er würde unter kontrollierten Bedingungen Versuchsreihen mit den Drillingen veranstalten.
*
Guvratosch kümmerte sich gut um seine Gen-Kinder. Er fütterte sie regelmäßig und sorgte dafür, dass sie nach dem Training mindestens sechs Stunden Schlaf bekamen.
Zugekaufte Roboter versorgten die Drillinge, während Guvratosch im Labor saß und Messergebnisse auswertete und verarbeitete.
Die Bälger erhielten hochwertige Nahrung und wurden in naturwissenschaftlichen Fächern ausgebildet. Zau, der eine natürliche Begabung für Sprachen besaß, bekam Hypno-Schulungen während der Schlafeinheiten. Guvratosch ließ ihn in den wichtigsten Cappin-Dialekten unterrichten, während Mota Wissen in Waffenkunde vermittelt wurde und Anme mehr über Politik und Gesellschaft lernte.
»Wir sind immer sooo müde«, sagte Mota, der Aufmüpfigste der drei. »Kannst du uns nicht ein bisschen mehr Zeit zum Erholen geben, Papa?«
»Nein. Ich habe euch getestet und überprüfe eure Leistungsdaten regelmäßig. Ich weiß ganz genau, wie viel ihr zu tun imstande seid. Wir werden uns an meinen Plan halten. Verstanden?«
»Aber Papa ...«
»Genug gejammert! Wir haben unendlich viel Arbeit vor uns. Eure Begabungen sind mir nach wie vor ein Rätsel. Es muss einen Grund geben, warum ihr derart unterschiedlich auf die perfekt designten Tryzom-Apparate in euren Genomen reagiert. Es muss!«
Mota schnaubte.
»Los jetzt, ab ins Labor! Ich habe eine weitere Testserie für euch vorbereitet. Eure DNS-Ketten zeigen Verunreinigungen, die ich mir näher ansehen möchte. Los, los!«
Mota trabte mit hängendem Kopf davon, Anme und Zau folgten ihm.
Die Kinder zeigten insgesamt zu wenig Eigeninitiative. Bei weiteren Versuchen würde Guvratosch auch auf diesen Aspekt Rücksicht nehmen.
Er schaute auf die Uhr, immer wieder. Es war eine schlechte Angewohnheit, die ihn an die Endlichkeit seines Daseins erinnerte. Mit ein wenig Glück blieben ihm noch zwanzig bis dreißig Lebensjahre bei akzeptabler Gesundheit.
Guvratosch spürte bereits die Folgen des Raubbaus an seinem Körper. Er hatte zu viele Nächte mit Arbeit verbracht und zu wenig auf sein Wohlbefinden geachtet. Er musste die Forschungsarbeiten an den Drillingen rasch abschließen und genügend Erkenntnisse sammeln.
Danach würde er ein neues Zuchtpärchen suchen und Tryzom-Apparate in die Genome ihrer Produkte einpflanzen, die weitaus bessere Resultate lieferten als diese Bälger.
*
Guvratosch hatte in einer Agrarsiedlung Unterschlupf gefunden. Die etwa fünfzig Gehöfte waren über ein Gelände von fast tausend Quadratkilometern verteilt, die Sozialkontakte untereinander beschränkten sich auf ein Minimum.
Ab und zu schaute eine Siedlerfamilie in einem mobilen Erntehaus vorbei und bat darum, auf dem Gelände übernachten zu dürfen. Dann wurde Arbeitszeit gegen Ernteerfolg aufgerechnet, Warentausch betrieben, wurden neue Verträge für die kommenden Perioden ausgehandelt und auf die Zusammenarbeit getrunken, bevor sich das Haus der vagabundierenden Familie weiter über die karge Landschaft vorarbeitete, dem nächstgelegenen Nachbarn der Siedlung entgegen.
Guvratosch kam mit der Bauernschläue der Erntefamilien beim Verhandeln nicht zurecht. Ein ums andere Mal wurde er übers Ohr gehauen. Doch das störte ihn nicht. Hauptsache war, dass er mit den Drillingen in Ruhe und größtmöglicher Abgeschiedenheit arbeiten konnte.
Er verabschiedete die Elokausch-Familie mit einem letzten Händewinken, bevor ihr fünfzig Meter breites Gefährt hinter einer Staubwolke verschwand. Zwei der Frauen, von der Arbeit gekrümmte Geschöpfe mit wenig Verstand, winkten ihm bis zum letzten Augenblick zu.
Sie hatten Interesse an ihm, wie das Oberhaupt der Elokausch ihm zugeflüstert hatte. Guvratosch galt in der Gemeinde als Neuankömmling und Außenseiter, aber zugleich auch als unermesslich reich. Wie sonst hätte er sich all die modernen Ernteroboter leisten können, die Saat- und Düngemaschinen, die mechanischen Bodentester?
Es hatte Guvratosch ein Vermögen gekostet, all diese Geräte zu besorgen. Doch er musste die Tarnung aufrechterhalten, wollte er die Golamo nicht auf sich aufmerksam machen. Eine seiner letzten verbliebenen Wissensquellen auf Lotron hatte ihm verraten, dass Laroschol nach wie vor hinter ihm her war.
Guvratosch atmete erleichtert durch, als sich das Erntehaus der Elokausch über den nächstgelegenen Hügel gewälzt hatte und endgültig aus seiner Sicht entschwand. Nichts lag ihm ferner, als...




