E-Book, Deutsch, Band 3210, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Thurner Perry Rhodan 3210: Countdown
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8453-6210-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Fragmente"
E-Book, Deutsch, Band 3210, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6210-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis - das Geisteswesen scheint zwischen den Sterneninseln verschollen zu sein, zersplittert in Fragmente. Diese Fragmente zu finden und wieder zu vereinen, ist Rhodans Ziel. Während er dazu in der Galaxis Morschaztas weilt, macht auf Terra der Club der Lichtträger von sich reden. Was er eigentlich will, weiß noch niemand, aber es läuft bereits ein COUNTDOWN ...
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7.
Besuch bei KENNON
Man konnte nicht sagen, dass der Tekener-Tower Liebkind sonderlich beeindruckte. Mit seinen 600 Metern gehörte er zu den durchschnittlich hohen Gebäuden der Stadt. Das weiße, schleierartige Band, das den konischen Turm doppelt umschlang, gab ihm zwar einen gewissen Touch. Aber gegen andere architektonische Wunderbauten Terranias verblasste der Tekener-Tower.
Umso mehr faszinierte Liebkind das Innere. Vermutlich gehörte das Zentrum der Geheimdiensttätigkeiten des TLD zu den bestausgestatteten im Einflussbereich Terras.
Taeb griff nach seinem Ärmel und gab ihm zu verstehen, dass sie den Antigrav im nächsten Stockwerk verlassen würden.
Liebkind folgte ihr. Das Panoramafenster mit zahlreichen Zoomfeldern ermöglichte einen möglichst detailreichen, atemberaubenden Blick über den Nordwesten der Stadt, wie man ihn nicht einmal bei einem Gleiterflug haben konnte. Er sah den City-Ring, der einen Durchmesser von rund 70 Kilometer hatte. Die Khooloi Road, die unmittelbar neben dem Tekener-Tower verlief, den City-Ring durchschnitt und dabei die Viertel Karakoto sowie Antares voneinander trennte. Im Nordwesten verlief der breite Canal Grande, ein träges Gewässer, über dem die meiste Zeit des Jahres Nebelwolken hingen.
Auch die Pyramide des Ellert-Mausoleums war vage in der flirrenden Wüstenluft zu erkennen. Sie lag weit außerhalb der Stadtgrenzen in einer weiten, nahezu unbesiedelten Ebene. Den westlichsten Außenposten der Stadt stellte der Stadtteil Garbus dar. Immer wieder blitzten dort Lichter auf. Der Gleiterverkehr Richtung Garbus war prägnant. Kein Wunder, war es doch das Ziel vergnügungssüchtiger Einwohner der Stadt.
»Ich habe vergessen, wie schön Terrania ist«, murmelte er. »Nein: wie großartig es ist. Das trifft es besser.«
»Sag es mir endlich.«
»Wie bitte?«
»Du und Admiralin Bezpalky. Was war da zwischen euch? Sie ist der Grund, dass du dich weit weg von hier hast versetzen lassen, nicht wahr?«
»Ich weiß nicht, wie du darauf kommst, dass ...«
»Selbst Nording Gollokai wusste, dass zwischen dir und Bezpalky etwas gelaufen ist. Nur ich nicht.«
Liebkind schloss die Augen. »Du wirst keine Ruhe geben, bis ich dir davon erzählt habe. Richtig?«
»Richtig.«
»Da war tatsächlich was. Da war sogar viel.« Er rief sich Satou in Erinnerung. Die Bilder kamen – und sie waren schmerzhaft. Sehr schmerzhaft. »Wir machten gemeinsam Karriere in der Flotte – und wir waren ein Liebespaar. Eine Hürde nach der anderen übersprangen wir auf dem Weg nach oben. Alles ging so leicht, als gäbe es gar keine Hindernisse. Bis ...«
»... bis sie dich abgehängt hat. Weil sie einen Ehrgeiz entwickelte, den du nicht aufbringen konntest. Eure Treffen wurden seltener, weil sie keine Zeit für Ablenkungen hatte.«
»Woher weißt du das?«, wunderte sich Liebkind.
»Nenn es weibliche Intuition. Außerdem ist Admiralin Bezpalky berüchtigt für ihren krankhaften Ehrgeiz. Für die Karriere opfert sie so gut wie alles, sagt man. Selbst das Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester sei vergiftet, heißt es.«
»Zu Claire? Das würde mich wundern. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Und beide haben großartige Karrieren gemacht. Satou im Rahmen der Flotte, Claire als unabhängige Journalistin. Die Prominenz reißt sich geradezu darum, von ihr interviewt zu werden.«
»Nun, ich habe anderes gehört. – Aber lassen wir das. Du und die Admiralin, ihr habt euch auseinandergelebt.«
»Sie hat mich kalt abserviert.« Liebkind atmete tief durch. »Ich glaube nicht, dass du dir vorstellen kannst, wie weh es getan hat.«
»Dieser Satz wurde in der terranischen Geschichte vermutlich schon hundert Milliarden Mal ausgesprochen.«
»Bei mir war der Schmerz besonders arg.«
»Natürlich. Du bist vom Schicksal besonders gestraft. Die große Liebe ist dir davongelaufen.«
»Höre ich Ironie aus deiner Stimme heraus?«
»Aber neiiiiiin, wie kommst du denn daaaaarauf? Aber lass mich mal versuchen, mich in dich hineinzuversetzen: Du bist überzeugt, dass du der Richtige für sie gewesen wärst. Du allein hättest sie glücklich gemacht. Wenn du eine Chance hättest, die Bezpalky nochmals zu treffen, würdest du sie von dir überzeugen und ...« Taeb hielt inne und blickte ihn entgeistert an. »Nein!«
»Hm?«
»Du bist der größte Idiot, den ich kenne!«
»Ich verstehe nicht.«
»Wenn du dein eigenes debiles Grinsen sehen könntest, würdest du wissen, was ich meine. Du hast dich von Satou Bezpalky zu diesem Auftrag überreden lassen und dir als Belohnung ausbedungen, dass sie sich nochmals mit dir trifft.«
»Nicht schlecht, Suyemi. Die Geheimdienstschulung hat bei dir also nicht völlig versagt.«
»Du bist ein dermaßen großer Trottel, dass es für alle Beteiligten besser wäre, wenn ich dich hier, an Ort und Stelle, desintegrieren würde.«
»Wie bitte?«
»Sie. Wird. Nicht. Zurückkommen! Sieh das endlich ein! Was immer du dir von einem Treffen versprichst – sie wird es dir nicht geben. Vielleicht ist sie auf raschen Sex aus, um der alten Freundschaft willen. Vielleicht wird sie sich kalt wie ein Fisch geben. Vermutlich wusste sie, dass sie dir bloß schöne Augen machen muss, um dich für diesen Auftrag einzuspannen.«
»Das werden wir sehen.« Liebkind schob seinen Ärger beiseite. Er wollte nicht länger mit seiner Partnerin über diese rein private Angelegenheit sprechen. Sie lag ohnedies völlig falsch. »Was machen wir also hier oben?«
Taeb betrachtete ihn von oben bis unten. So etwas wie Bedauern zeigte sich in ihren Blicken. »Wir werden uns in aller Ruhe mit KENNON unterhalten. Ich habe beantragt, dass wir eine Privataudienz bei der Positronik bekommen.«
»Warum? NATHAN hat uns ohnedies jegliche Unterstützung zugesagt. Das Mondgehirn ist die Positronik mit dem größten Wissenspool im Solsystem.«
»Richtig.«
»Du traust NATHAN nicht?«
»Doch. Aber KENNON hat etwas zu bieten, das das Mondgehirn nicht besitzt: Geheimdienstwissen. Selbstverständlich tauschen sich diese Superrechner untereinander aus. Genau wie mit LAOTSE, dem Hauptrechner der Solaren Residenz. Aber es gibt Gründe, warum sie voneinander getrennt sind. KENNON verfügt über interne Archive, die uns bei der Suche nach Gollokai weiterhelfen könnten. Niemand kennt Terrania so gut wie der TLD-Rechner.«
Liebkind überlegte. Taeb mochte recht haben.
Sie zog ihn mit sich, weg vom Panoramafenster. Hin zu einem schmalen, unscheinbaren Gang. Sie mussten zwei Kontrollstationen passieren, bevor sie in einen Aufenthaltsraum gelangten. Eine pummelige Frau mit einer bitter riechenden Zigurette im Mundwinkel bedeutete ihnen nach einer Weile, in den nächsten Raum weiterzugehen.
Ein Vogelwesen mit bunt glänzendem Gefieder erwartete sie. Es war etwa 1,50 Meter hoch, der Schnabel lang, dünn und gebogen. Es stolzierte auf langen Beinen umher. Dort, wo es beim Picken den Boden berührte, kam es zu bunt schillernden Verfärbungen der vermeintlichen Fliesen, die wiederum von Tönen gefolgt wurden.
Der Vogel, ein Avatar KENNONS, hob den Kopf, klapperte mehrmals mit dem Schnabel und sagte dann mit hoher Stimme: »Suyemi Taeb. Sascha Liebkind. Ich bin froh, euch zu sehen.«
»Du siehst gut aus, KENNON.«
»Danke. Ich experimentiere seit einigen Tagen mit meiner Erscheinungsform und mit meinem Auftreten. Ich befürchte, dass ich die meisten Agenten mit diesem Aussehen irritiere. Sie lassen sich ungern etwas von Vögeln, Insekten oder Ameisenbären sagen. Vermutlich muss ich mir diese übliche, langweilige Erscheinung eines alten, weisen Terraners mit langem Bart zulegen. Oder ich referenziere auf meinen Namenspatron, die Metallmetapher wäre eigentlich auch sehr treffend ... – Aber darüber wollt ihr euch sicherlich nicht mit mir unterhalten. Womit kann ich dienen?«
»Das weißt du sehr gut, KENNON.«
»Korrekt. Aber ich möchte, dass ihr mir ganz genau beschreibt, was ihr von mir erwartet. Terraner formulieren unpräzise. Also achte ich auch auf Stimmungen und die Wortwahl. Um unterschwellige Botschaften auszufiltern.«
Liebkind trat näher an das vermeintliche Vogelwesen heran, das wieder damit begonnen hatte, Farbkleckse auf den Boden zu piksen. »Es geht um mögliche Ziele Nording Gollokais. Außerdem möchten wir gerne wissen, wo er und Pasch sich versteckt halten könnten.«
»Bist du dir sicher, dass diese Reihenfolge in der Nennung der Namen stimmt, Sascha?«
»Wie meinst du das?«
»Du gehst davon aus, dass Gollokai das Sagen hat. Was aber, wenn der Ylant Pasch das Kommando führte? Wenn er all die Pläne zur Beschaffung des Siegels des Großadministrators gesponnen hätte? Das würde die Sachlage völlig verändern, nicht wahr?«
Liebkind dachte nach und nickte. »Richtig. Es würde bedeuten, dass wir NATHAN auf keinen Fall vertrauen dürften. Es könnte sein, dass der Ylant das Mondgehirn beeinflusst.« Ihm wurde übel bei diesem Gedanken.
»Misstraust du NATHAN?«, fragte Taeb. »Hältst du es für möglich, dass das Mondgehirn Gollokai bei der Flucht von Luna aktiv unterstützt hat?«
KENNON trippelte im Raum umher und erzeugte neue Muster. Sie verloren an Farbe, wurden blasser und blasser. »Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher«, sagte der Avatar. »Aber ich denke, dass NATHAN von Paschs Rolle in diesem bösen Spiel überrascht wurde.«
»Hast du dich mit der Frage auseinandergesetzt, wie es wäre, mithilfe deiner eigenen rechnerischen Kompetenzen eine Robotzivilisation zu erschaffen?«
»Wir wollten über Gollokai reden, nicht wahr?« KENNON...




