E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Toole Meerweh
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-8630-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Reise zu mir selbst
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-8192-8630-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nathalie Toole, 1993 in Hamburg geboren, ist eine Neuautorin, die in Schleswig-Holstein aufgewachsen ist. Schon in der Kindheit bereitete ihr das Verfassen von Geschichten große Freude. Später durfte sie während ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin ihre Leidenschaft weiter ausbauen. Ihr Debütwerk mit dem Titel "Meerweh" nimmt die Leser mit auf eine spannende Reise zu sich selbst, während sie mit einem VW-Bulli Europa entdeckt. In ihrem Buch thematisiert Nathalie besonders die Bedeutung der mentalen Gesundheit und wie ihre Reise dazu beiträgt, innere Balance und mehr Frieden zu finden. Mit ihrem ersten Buch möchte sie die Leser in eine Welt voller Abenteuer und Selbstentdeckung entführen und ihnen zeigen, wie wichtig es ist, auf sich selbst zu achten.
Autoren/Hrsg.
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2. Reise zur Reise
Der Ursprung meines “Mutausbruchs” ...
Wie bin ich also auf diese wahnwitzige Idee gekommen, beinahe alles aufzugeben und mich in einen Bulli zu setzen, um Europa zu bereisen? Reisen war schon immer meine größte Sehnsucht. Insbesondere am Meer zu sein - das war seit jeher der Ort, an dem mein Herz “wohnt” und jedes Mal Freudensprünge macht.
Wirklich ausschlaggebend bei der eigentlichen Umsetzung war allerdings eine Reha, zu der ich im November 2022 aufgebrochen bin. Der Grund für diese waren psychosomatische Beschwerden aufgrund meiner langjährigen Depression. Insbesondere ein mögliches Reizdarmsyndrom wünschte ich mir zu diesem Augenblick abgeklärt, da es mich in meinem Alltag sehr beeinträchtigte. Falls du dir darunter nicht so viel vorstellen kannst: Mitten in einem Supermarkt zu stehen und von der einen auf die andere Sekunde Durchfall zu bekommen, beschreibt das Gefühl eines Reizdarmsyndroms schon ziemlich zutreffend. Hinzu kommen Magenkrämpfe, Verstopfung und Blähungen in den unpassendsten Situationen, die du dir nur vorstellen kannst. Eine Dauerbelastung also.
By the way war es nie mein Ziel, jeden Busch im Umkreis irgendwann einmal als Toilette missbrauchen zu müssen... Kleiner Hinweis für alle mit und ohne Reizdarmsyndrom: Nehmt den Dreck und eure Ausscheidungen wieder mit! Ich habe immer Taschentücher und Kotbeutel dabei - Vorbereitung ist alles. Wie oft bin ich beinahe in die Hinterlassenschaften von anderen Menschen sowie ihren liegen gelassenen Taschentüchern getreten. Wer möchte das schon? Also nehmt euren Mist wieder mit, denn bis zum nächsten Mülleimer ist es nie weit!
Meine Reha fand in der Nähe von Dermbach statt. Fünf Stunden Autofahrt von meinem damaligen Zuhause nahe Hamburg entfernt. Für mich war es wichtig, während meines fünfwöchigen Aufenthalts nicht mal eben Heim fahren zu können. Ich wollte mir bewusst die Auszeit von meinem Alltag nehmen.
Am 9. November 2022 kam ich also nach einer langen Fahrt und einer wundervollen (Achtung: Sarkasmus) “Darmattacke” direkt neben einer Schnellstraße in “meiner” Klinik an. Ich war nervös und doch froh, nun endlich angekommen zu sein. Alle waren freundlich und ich richtete mich direkt heimisch in meinem kleinen Zimmer ein; selbstverständlich inklusive Lichterkette und Fotos an der Wand - ein bisschen “Zuhause-Gefühl” sollten mir meine vier Wände für die nächsten Wochen schon geben. Insbesondere, weil dies der erste Aufenthalt in einer Klinik meines bisherigen Lebens war.
Bis dato war ich kein Mensch gewesen, dem es besonders leicht fiel, Kontakte zu knüpfen - und doch würde ich mich bereits damals als positiven Menschen bezeichnen, der Unbekannten weitestgehend offen begegnete. Bereits beim ersten Mittagessen machte ich also meine erste Bekanntschaft und fand somit Anschluss. Schon nach wenigen Tagen fühlte ich mich wohl und der Therapieplan bot kaum eine Möglichkeit, in unnötigen Grübeleien zu versinken - ein großer Vorteil für mich.
Der Plan sah vor, sowohl an Gruppen- als auch an Einzeltherapiestunden teilzunehmen. Für mich war das alles neu, da ich daheim bereits seit einigen Monaten vergeblich auf einen Therapieplatz gewartet hatte (wie es eben so viele tun).
Die ständige Konfrontation mit meiner Depression und dem Auseinandersetzen mit dem Fakt, dass ich wirklich krank bin, war für mich mehr als anstrengend und ich rutschte noch vor Ort in eine erneute depressive Episode. Das hatte, zumindest nach Einschätzung der Ansprechpartner vor Ort, den Grund, dass ich meine Depression daheim niemals wirklich bewusst angenommen und zugelassen habe, sondern seit vielen Jahren von mir weggeschoben hatte. Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt oft wie ein kleines Kind, welches den Weg nach Hause vergessen hatte und nun allein umherirrte. Daher war ich mehr als dankbar für die Menschen vor Ort, die mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. Auch das war eine neue Erfahrung für mich. Denn vor meinem Aufenthalt in der Klinik hatte ich keinen Kontakt zu anderen Menschen mit Depressionen.
An dieser Stelle möchte ich betonen, wie wichtig genau dieser Kontakt ist, um sich selbst gegenüber verständnisvoller zu sein und sich nicht mehr allein mit der Diagnose zu fühlen. Von Nichtbetroffenen erhält man nämlich oftmals nur Aussagen wie: “Das wird schon wieder, denk einfach nicht so viel nach”, “Ich bin auch manchmal traurig - das gehört eben zum Leben dazu” oder - auch sehr beliebt - “Stell dich nicht so an - andere haben es auch nicht leicht/das Leben ist kein Ponyhof”. Ich kenne niemanden mit der Diagnose Depression, der nicht einen dieser Sätze schon einmal von der eigenen Familie oder Freunden gehört hat. Das ist nicht nur traurig, sondern ein riesiges Problem unserer Gesellschaft. Während die jüngere Generation probiert, Generationstraumata aufzuarbeiten und mehr auf sich Acht zu geben, spricht die ältere Generation von “Verweichlichung”. Dabei hat gerade diese die allergrößten Probleme und wäre gut damit beraten, über eine Therapie nachzudenken. Ich weiß leider nicht, wo ich es gehört habe, deshalb verzeih mir bitte, dass ich keine Quellenangabe machen kann, aber an diesem Satz ist so viel Wahres dran:
“Die meisten Menschen, die eine Therapie machen, müssten dies nicht tun, wenn die Menschen, mit denen sie in ihrem Leben konfrontiert werden, eine machen würden.”
Der Aha-Moment
Nach fünf Wochen in der Klinik, welche wie im Flug vergangen waren, hatte ich mich nicht nur das erste Mal mit meiner Depression auseinandergesetzt, viel Sport getrieben, Wesensverwandte ins Herz geschlossen, sondern vor allem erkannt, dass ich dringend einen Therapieplatz im Anschluss an die Reha brauchte, um meine Traumata aufzuarbeiten. Auch habe ich meinem Reizdarmsyndrom vor Ort einen Namen gegeben: Hektor. Eine Mitpatientin hatte mich auf die Idee für diesen Namen gebracht und mir zum Abschied sogar ein passendes Maskottchen in Form eines kleinen grünen Drachens geschenkt, welcher mir seitdem zuverlässig Beistand während meiner Darmattacken im heimischen Badezimmer leistet. Dass meine Erkrankung nun einen Namen hatte, erleichterte mir tatsächlich den Umgang mit dieser. Schließlich zeigt sich Hektor immer dann, wenn etwas in mir nicht stimmt. Also in Momenten, in denen ich auf mein Herz hören und in mich hineinfühlen sollte. Im Endeffekt ist er also alles andere als mein Feind, auch wenn es sich oftmals danach anfühlt. Durch eine positive Grundeinstellung zu Hektor wollte ich also in Zukunft dafür sorgen, nicht nur mir, sondern auch meinem Reizdarm liebevoller zu begegnen, wenn es mal wieder zu einer Attacke kommen würde.
Kurz vor meiner Abreise fand das Abschlussgespräch mit meiner Psychologin vor Ort statt. Ein Teil von diesem war auch, dass ich einen utopischen Wunsch formulieren sollte. Im Gespräch fragte meine Psychologin dann danach und ich antwortete: “Mehrere Monate am Stück zu reisen”. Sie sah mich an und fragte mich, warum das nicht möglich sein sollte. Ich fand ihre Frage zunächst fast wahnwitzig, denn das lag doch auf der Hand, oder nicht? Und dann, im Laufe des Gesprächs, wurde mir langsam bewusst, dass alles, was dagegen sprach, lediglich Ängste vor Ungewissheit waren, die mir bei der Umsetzung im Wege standen. Ich hatte während dieses Gesprächs tatsächlich einen “Aha-Moment”, der mir noch heute sehr präsent in Erinnerung geblieben ist. Denn im Anschluss brach einiges an gedanklichen Grundpfeilern und Überzeugungen in mir ein. Ich verstand, dass ich wenig im Leben wirklich tun muss, wenn ich es nicht möchte. Außerdem, dass ich an erster Stelle meiner Prioritätenliste stehen sollte und nicht immer andere. Meine alte Herangehensweise ist leider für viele (vielleicht auch für dich) ganz selbstverständlich in ihrem Alltag - egal ob bei der Arbeit oder privat.
Ein kleiner Appell an alle Eltern
Insbesondere Eltern und speziell Alleinerziehende sollten sich nun von mir angesprochen fühlen. Denn auch, wenn du Mutter/Vater bist, hast du weiterhin ein Recht darauf, als eigenständige Person für dich glücklich zu sein und eben nicht nur für deine Kinder zu leben und zu handeln.
An diesem Punkt kommt dann gerne der Satz: “Du hast keine Kinder, du kannst das nicht beurteilen!”. Mag sein, dass ich die Situation eines Elternteils absolut nicht nachvollziehen kann, aber glaubst du wirklich, dein Kind wünscht sich für dich, dass du dich selbst an die letzte Stelle setzt? Würdest du wollen, dass dein Kind sich in seinem eigenen Leben auch nie als Priorität sieht? Warum leben genau dies dann so viele Eltern ihren Kindern tagtäglich vor (ich kenne die Antwort: Jedes Elternteil möchte seinem Kind möglichst viel bieten)?
Diese Aussagen meinerseits mögen ziemlich schroff klingen. Manchmal macht es mich aber einfach traurig, denn ich erlebe so viele unglückliche Eltern, die durch ihren Alltag hetzen, um ihren Kindern alles zu ermöglichen. Dabei wünschen die Kinder sich meist nur die Aufmerksamkeit der Eltern und merken es eben sehr wohl, wenn diese ununterbrochen...




