Treller | Der Letzte vom 'Admiral' | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 283 Seiten

Treller Der Letzte vom 'Admiral'


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3781-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 283 Seiten

ISBN: 978-3-8496-3781-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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Der Letzte vom 'Admiral' ist ein spannender nautischer Abenteuerroman und erzählt die Erlebnisse eines Jungen im Indischen Ozean.

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Die Nacht verging durchaus ruhig, nichts Angewöhnliches wurde von der Wache bemerkt, so daß der Kapitän, als er am Morgen Meldung bekam, in seiner Ansicht, Findling sei durch irgend etwas getäuscht worden, nur bestärkt ward.

Die ganze Aufmerksamkeit der Besatzung war jetzt auf die Küste gerichtet, an der sich immer noch nichts Lebendes zeigte. Atura erbot sich eben, an Land zu gehen und die Besitzer der Kopra aufzusuchen, die nach Art dieser Insulaner stets von der Küste entfernt wohnten, als endlich ein Kanu mit zwei Insassen auf dem Wasser erschien und auf das Schiff zuruderte. Bald lag es längsseit des "Roland". Die beiden Insulaner, ältere Männer, welche in dem kleinen Boot erschienen, waren bis auf einen Lendenschurz unbekleidet; Gesicht, Brust, Arme, Beine hatten sie stark tätowiert.

Atura eröffnete mit ihnen von der Bordwand aus eine Unterhaltung und teilte dann, die Äußerungen der Leute übertragend, dem Kapitän mit, daß die von den Eingeborenen angesammelte Kopra in einer Bucht weiter südlich aufgehäuft sei, und daß der "Roland" dorthin segeln müsse, um sie aufzunehmen.

"Meinetwegen, wenn sie nur recht viel von dem Zeug haben. Laß mal die beiden Burschen an Bord kommen."

Als ihnen dies verdeutlicht war, kletterten die Wilden gewandt an Deck.

Es waren hochgewachsene muskulöse Männer, deren starkes dunkles Haar kunstvoll in einzelnen Büscheln nach oben stand, was ihnen ein besonders wildes Aussehen verlieh. In Nase, Unterlippe und Ohrläppchen, welche zu diesem Zweck durchbohrt waren, trugen sie Stücke Perlmutter oder weiße Muscheln. Dazu Stirnbänder aus Zypriamuscheln. Der Gesichtsausdruck des ältern der beiden deutete auf Stumpfsinn, während der andere intelligenter aussah.

Der Kapitän musterte sie mit scharfen Blicken und ließ ihnen dann durch Atura vorhalten, daß sie versucht hätten, in der Nacht das Deck zu besteigen, um zu stehlen.

Nicht eine Miene veränderte sich hierbei in den Gesichtern der Leute. Endlich meinte der eine, dessen Züge einigen Verstand verrieten, es schlichen böse Menschen von den benachbarten Inseln bei ihnen herum, welche nach Köpfen ausgingen, vielleicht seien es solche gewesen, welche an Bord kommen wollten.

Da der Kapitän wußte, daß die Bewohner dieser Inseln sich mordlustig untereinander bekriegten, da er ferner auf keinen Fall sein Handelsgeschäft beeinträchtigen wollte, gab er sich mit dieser Erklärung zufrieden.

Da diese Leute auch versicherten, daß der Ort, wo die Kopra lag, in einigen Stunden zu erreichen sei, hißte man ihr Kanu, in welchem sich ihre Waffen, Speere und Bogen befanden, an Deck, lichtete den Anker, und bald darauf steuerte der "Roland" nach Süden die Küste entlang. Findling, der kein Freund von ihm unbekannten Strömungen und noch weniger von Riffen war, hatte einen Jungmann mit scharfen Augen in den Vortopp geschickt, um nach weißem Wasser auszusehen. Der Wind blies leicht aus Ost.

Die beiden Insulaner hatten sich an Deck niedergekauert und rauchten aus ihren selbstgefertigten Pfeifen. Sie nahmen Fritz Fischers ganzes Interesse in Anspruch.

"Nee, so 'ne braune Menschenkinder mit jar nischt an als eene Halsbinde, da is doch det Ende von weg. Ick habe in't Panoptikum un in Zoologischen ooch schon wat von Affenabstammung jesehen, aber die hatten doch alle wat an, un wenn't man een boomwollenes Hemd war. Du, Schiffsjunge", wandte er sich dann vertraulich an Henrik, zu dessen größtem Vergnügen, "wat sin denn det vor Menschen?"

"Oh, dat sin Menschenfreters."

"Wat sin se?" schrie der Schneider.

"Ich sage es dir ja."

"An solche Menschen laßt ihr hier an Bord kommen? Det kann ja det jrößte Unjlück jeben, wenn die Hunger kriegen."

"Die werden immer nur an Bord gelassen, wenn sie schon gespeist haben."

Zweifelnd sah Fritze bald die in stoischer Ruhe rauchenden Insulaner, dann wieder Henrik an.

"Hamburger, ick jloobe, du willst dir über mir lustig machen."

"Wenn du nicht zu belehren bist, dann is dir nicht tau helpen."

Der ältere der beiden Insulaner starrte Fritze aus seinen ausdruckslosen Augen an und sagte dann etwas zu seinem Gefährten.

"Verstehst du, was er sagt?"

"Er sagt, du gefielst ihm außerordentlich und müßtest gebraten vorzüglich schmecken."

"So? Na, bei mir is det Jejenteil der Fall, der Bursche sieht aus wie eene Holzfijur, die bei't Schnitzen verunglückt is. Dem werd ick aber noch den Appetit nach mir verderben", fuhr Fritz erbost auf, "det is ne Frechheit von so nem Menschen, so wat zu sagen."

"Oh, das ist ein Kompliment für dich."

"Ick danke vor so Komplimente, da läuft et einem ja über die Haut bei. Aber", setzte er mißtrauisch hinzu, "verstehst du denn ooch wirklich wat von die kauderwelsche Froschsprache?"

"Natürlich, alle diese polynesischen und mikronesischen Sprachen werden auf dem Realgymnasium zu Hamburg gelehrt."

"Det ooch noch? Ick bedaure dir, Hamburger." Trotz seiner Entrüstung über die dem Insulaner zugeschriebenen Gelüste auf seine Person nahm er doch Interesse genug an den Wilden, um weiterzufragen: "Weeßt du, wie die Burschen heeßen?"

"Da, der ältere, der mit dem geistreichen Gesicht, heißt Moppelano, und der andere Cosifantutte."

Wieder warf ihm Fritz Fischer einen forschenden Blick zu, aber Henrik sah so ernst aus, als ob nie ein Scherzwort über seine Lippen gekommen sei.

"Det is komisch", sagte er dann. "Na, für't Panoptikum sin die Bengels reif. Nee, wat für 'ne Sorte Menschen uff der Welt rumläuft, et is nich zu sagen."

Er machte vorsichtig einen Bogen um die Insulaner und begab sich nach dem Vorderdeck. Henrik sah ihm vergnügt nach.

Der "Roland", der etwa eine Meile von der Küste abgetreten war, machte fünf Knoten Fahrt und kam gut vorwärts.

Als sie nach zwei Stunden eine kleine Landzunge umsegelten, schrie der Matrose im Topp: "Deck ho!"

"Was gibt's?" fragte Findling und sprang nach dem Vorderkastell.

"Weißes Wasser vor uns."

"Wie weit?"

"Zwei bis drei Meilen."

Der Steuermann stieg eilig nach oben, und selbst dem unbewaffneten Auge zeigten sich Brandungswellen in großer Ausdehnung in einer Entfernung, die der Schätzung des Marsgastes wohl entsprach.

An Backbord zeigte sich eine tiefe geräumige Bucht mit flachen bewaldeten Ufern. Die Insulaner erhoben sich und deuteten dem Dolmetscher an, dies sei der Ort, wo die Kopra lagere, wiesen auch nach einer bestimmten Stelle des Ufers.

Als der Mann aus Neuhannover dem Kapitän ankündigte, daß hier der Landungsplatz sei, ließ er umlegen und hielt auf die Küste zu, mitten in die Bucht hinein, doch mit gekürzten Segeln. Trotzdem die Insulaner auf Anfrage versicherten, das Wasser sei tief bis an die Küste, ließ der Kapitän doch die Jolle aussetzen und loten. Die Angabe der Wilden bestätigte sich, auch bot sich geeigneter Ankergrund.

Einige hundert Faden vom Ufer wurde dann der "Roland" festgelegt. Hütten der Eingeborenen zeigten sich auch hier nicht, doch lagen eine Anzahl Kähne vor den Augen der Schiffer und, was den Kapitän sehr erfreute, auch Kopra, aufgeschichtet in umfangreichen Haufen.

Etwa zwanzig nackte Wilde standen am Ufer.

Den beiden Insulanern wurde jetzt bedeutet, daß der Handel beginnen könne, doch dürften nie mehr als drei Kähne zugleich am Schiff anlegen, und zwar nur Backbord, wer über Steuerbord käme, würde einfach niedergeschossen.

Der Kapitän und die Mannschaft nahmen die Revolver und stellten die Gewehre dahin, wo sie leicht zu erreichen waren.

Aus dem Raum wurden die Waren hervorgeholt, welche als Tauschmittel dienen sollten: Beile, Äxte, große rote und blaue Glasperlen, farbige und weiße Stickperlen, Armringe aus Porzellan, Tabak, Pfeifen, rotes Zeug, bedruckte Kattune, Streichhölzer, Hobeleisen, Spiegel, Mundtrommeln, Nägel, Hämmer und anderes. Alles dies wurde auf Deck ausgestellt. Die Augen der beiden wilden Insulaner funkelten in heißer Gier, als sie diese Schätze vor sich sahen.

Findling, welcher nach dem versuchten nächtlichen Überfall sehr mißtrauisch geworden war, schärfte den Matrosen die größte Wachsamkeit ein.

Mit großem Erstaunen sah Fritz Fischer diese Vorbereitungen zu einem Tauschgeschäft, welches, wie es schien, nur unter dem Schutz der Feuerwaffen vor sich gehen konnte.

"Det is ja 'n netter Jahrmarkt hier, mit die Pistole in die Hand", äußerte er gegen Henrik, "is denn det immer so in diese Jejend?"

"Es geschieht dies nur, damit nicht einer von uns weggeschleppt und verzehrt wird."

"Na, denn bitte ick mir aber ooch so 'ne olle Drehpistole aus, ick werde mir doch nich von so Leute zu det Vesperbrot braten lassen. Det könnte mir noch jerade...



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