Turano | Die falsche Gouvernante | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Turano Die falsche Gouvernante

Roman.
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-96122-202-5
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-96122-202-5
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



New York, 1880: Lady Eliza Sumner hat nicht nur gerade ihren Vater, sondern auch ihr Vermögen und ihren Verlobten verloren. Nun reist sie inkognito nach New York, um dort bei einer wohlhabenden Familie als Gouvernante zu arbeiten. Gleichzeitig hält sie Ausschau nach dem Vermögensverwalter, der sich mit ihrem Geld abgesetzt hat und jetzt vorgibt, ein englischer Adliger zu sein. Hamilton Beckett ist der begehrteste Junggeselle der Stadt. Der gutaussehende Witwer hat alle Hände voll zu tun, sich um geschäftliche Probleme und seine beiden unerzogenen Kinder zu kümmern. Da hat ihm Eliza, die ihm nachts bei einem Einbruch über den Weg läuft, gerade noch gefehlt. Als die Ereignisse sich überstürzen, fangen die beiden an zu erkennen, dass Gott vielleicht doch einen viel besseren Plan für ihr Leben hat.

Jen Turano steht für humorvolle Geschichten mit skurrilen Charakteren und spannenden Verwicklungen. In den USA hat sie sich damit bereits einen Namen gemacht. Sie lebt mit ihrer Familie in Denver, Colorado.
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1

New York, 1880

iss Eliza Sumner blätterte eine Seite des Buches um, aus dem sie laut vorlas. Als sie aufblickte, musste sie sich ein Lächeln verkneifen, weil die beiden Kinder, Grace und Lily, ihr mit aufmerksamen Gesichtern wie gebannt zuhörten. Sie senkte den Blick und las weiter. Als sie zu der spannenden Stelle mit der bunt zusammengewürfelten Piratentruppe kam, erhob sie theatralisch die Stimme.

„Da sind Sie ja, Miss Sumner!“, rief in diesem Augenblick eine Stimme von der Tür.

Eliza legte das Buch beiseite und erhob sich eilig, als ihre Arbeitgeberin, Mrs Cora Watson, ins Zimmer trat.

„Ich habe Sie schon überall gesucht!“, beklagte sich diese.

Da es vollkommen üblich war, dass Eliza ihre Abende im Unterrichtszimmer verbrachte, verblüffte sie diese Aussage ein wenig, aber sie hielt es für das Beste, diesen Gedanken für sich zu behalten.

„Hier!“, sagte Mrs Watson und warf Eliza ein Seidenbündel zu. „Sie müssen das auf der Stelle anziehen.“

„Entschuldigen Sie, Mrs Watson, aber habe ich das so zu verstehen, dass Sie Anstoß an meinem Kleid nehmen?“

„Ganz und gar nicht. Ihr Kleid ist für das Unterrichtszimmer vollkommen akzeptabel, aber ich brauche Ihre Dienste beim Dinner.“

„Sie wünschen, dass ich das Essen serviere?“

„Seien Sie nicht lächerlich“, entgegnete Mrs Watson.

Eliza betrachtete das riesige Bündel Stoff in ihren Händen und schüttelte ihn vorsichtig aus. Sie konnte ein Schauern nicht unterdrücken, als sich vor ihren Augen viele Meter Stoff in einer abscheulichen Farbe entfalteten. „Ist das … ein Abendkleid?“

„Natürlich. Was dachten Sie denn?“

„Mutter, du erwartest doch bestimmt nicht, dass Miss Sumner das anzieht“, protestierte Grace und lief zu Eliza. „Das ist ein furchtbar abstoßendes …“ Sie brach ab und schaute zu Eliza hinauf. „Als was würden Sie diese Farbe bezeichnen?“

„Ich glaube, die korrekte Bezeichnung wäre ,rostbraun‘“, antwortete Eliza.

„Ich denke, die korrekte Bezeichnung sollte ,hässlich‘ sein“, mischte sich nun auch Lily ein und trat mit gerümpfter Nase neben ihre Schwester. „Diese Farbe beißt sich mit ihren roten Haaren, Mutter.“

„Ich weiß“, seufzte Mrs Watson. „Aber es ist das einzige Kleid, das ich im Moment zur Verfügung habe.“ Sie wandte sich an Eliza. „Bitte verstehen Sie das nicht als Beleidigung, Miss Sumner, aber Sie haben einen ausgesprochen stämmigen Körperbau, und die Einzige in meiner Familie, die eine ähnliche Figur hat, ist meine Tante Mildred, die zufällig dieses Kleid vergaß, als sie das letzte Mal zu Besuch war.“

Da Elizas „stämmiger Körperbau“ auf mehrere Schichten Leinen zurückzuführen war, die sie sich um den Bauch gewickelt hatte, beleidigte Mrs Watsons Bemerkung die junge Frau nicht im Geringsten. Doch noch bevor sie eine passende Antwort formulieren konnte, stieß Grace ein lautes Schnauben aus.

„Tante Mildred hat dieses Kleid nur liegen lassen, weil sie wusste, dass es furchtbar ist und nicht der Mode entspricht. Die arme Miss Sumner wird darin kaum gehen können. Der Rock ist viel zu lang.“

„Sie muss einfach das Beste daraus machen. Es sei denn, sie besitzt ein eigenes Abendkleid, das sie anziehen könnte.“

Eliza biss sich auf die Unterlippe. Sie besaß zwar eine große Auswahl an Abendkleidern, aber diese befanden sich zu Hause in England, und jetzt war kaum der richtige Zeitpunkt, um sich über dieses Thema Gedanken zu machen. Sie konnte nicht zulassen, dass Mrs Watson dem kleinen Geheimnis auf die Spur kam, dass sie in Wirklichkeit nicht einfach nur Miss Sumner, sondern Lady Eliza Sumner war. Ebenso wenig konnte sie verraten, dass ihr Vater der Earl of Sefton gewesen war. Sie räusperte sich. „Zu meinem Bedauern muss ich zugeben, dass ich im Moment kein passendes Kleid zur Verfügung habe.“

„Hmm, das ist wirklich schade“, antwortete Mrs Watson. „Dann müssen Sie mit Tante Mildreds Kleid vorliebnehmen.“

„Darf ich fragen, was Sie bei Ihrem Dinner von mir erwarten?“, erkundigte sich Eliza.

„Oh, verzeihen Sie“, sagte Mrs Watson und wischte sich mit dem Handrücken geistesabwesend über die Stirn. „Agatha hat einen Ausschlag bekommen. Sie müssen ihren Platz am Tisch einnehmen.“

Eliza unterdrückte ein Stöhnen. Einer der Hauptgründe, warum sie die Stelle als Gouvernante angenommen hatte, war ihr Ziel, unbemerkt zu bleiben. An einer Abendgesellschaft teilzunehmen, zu der eine bekannte Persönlichkeit der New Yorker Gesellschaft einlud, war auf keinen Fall ihre Absicht gewesen, als sie diese Stelle angenommen hatte.

„Aber, Mrs Watson“, begann Eliza, „Sie denken doch bestimmt nicht –“

„Ich kann nicht dulden, dass am Tisch eine ungerade Anzahl an Gästen sitzt“, fiel Mrs Watson ihr ins Wort. „Ich habe endlich eine Antwort von den Trumans bekommen. Sie nehmen meine Einladung an. Mein Mann wäre nicht erfreut, wenn ich ihn in Verlegenheit brächte, was durch eine ungerade Zahl von Gästen geschehen würde.“

„Vater muss Mr Truman sehr viel Seife verkaufen wollen“, brummte Grace.

„Es schickt sich nicht für eine junge Dame, über Geschäftliches zu sprechen, Grace“, schalt Mrs Watson ihre Tochter, bevor sie sich wieder Eliza zuwandte. „Ich erwarte Sie in dreißig Minuten unten.“

„Glauben Sie nicht, dass Ihre Gäste es für unangebracht halten, mich auf Ihrer Abendgesellschaft zu sehen?“, fragte Eliza und wand sich innerlich, als sie die Verzweiflung in ihrer eigenen Stimme vernahm.

Mrs Watson kniff die Augen zusammen. „Stand in Ihrem Referenzschreiben nicht, dass Sie in punkto Etikette ausreichend Erfahrung haben?“

„Ja, gewiss, aber –“

„Und erwähnten Sie nicht auch, dass Sie entfernt mit der Aristokratie verwandt seien?“

Eliza nickte, obwohl ihre „entfernte Verwandtschaft“ alles andere als entfernt war.

„Dann nehme ich an, dass Sie in der Vergangenheit bereits Abendgesellschaften besucht haben.“

„Ich habe schon seit einiger Zeit keine Abendgesellschaft mehr besucht.“

„Haben Sie dadurch Ihre Manieren verlernt?“, fragte Mrs Watson.

„Äh … ich glaube nicht.“

„Dann besteht nicht der geringste Anlass, sich vor dieser Abendgesellschaft zu scheuen. Ich gehe doch hoffentlich recht in der Annahme, dass Sie imstande sind, mit Messer und Gabel zu essen?“

„Ich bin Gouvernante“, murmelte Eliza.

„Das braucht niemand zu wissen, meine Liebe.“

„Ich nehme doch an, dass mich jemand am Tisch nach meinem Namen fragen wird“, erwiderte Eliza.

„Dann schlage ich vor, Sie antworten, dass Ihr Name Miss Sumner ist.“

„Und wenn man mir weitere Fragen stellt?“

Mrs Watson seufzte laut. „Meine Liebe, ich möchte Sie ja nicht enttäuschen, aber ehrlich gesagt sind Sie nicht der Typ Frau, mit dem man bei einer Abendgesellschaft ein längeres Gespräch führt.“

Eliza verkniff sich ein Lachen. Offenbar verlief ihr Versuch, ihr Aussehen und ihre wahre Identität zu verbergen, ausgesprochen erfolgreich.

„Ich muss wirklich wieder nach unten“, fuhr Mrs Watson fort, die anscheinend nicht merkte, dass sie Eliza in einem Atemzug beleidigt und ihr ein Kompliment gemacht hatte. „Ich muss noch einige Kleinigkeiten klären, und ich will, dass alles perfekt ist.“ Sie nickte Eliza zu. „Ich werden versuchen, ein Dienstmädchen zu finden, das Ihnen in dieses Kleid hilft.“

Eliza blickte Mrs Watson nach, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder Grace und Lily zuwandte. „Unsere Geschichte müssen wir auf einen anderen Tag verschieben.“

„Wir kamen gerade zu der guten Stelle“, beklagte sich Grace. „Es tut mir leid, dass meine Mutter so fordernd ist. Früher war sie lustiger.“

„Ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals lustig war“, warf Lily ein.

„Das liegt daran, dass du geboren wurdest, nachdem Vater mit seinem Geschäft den Durchbruch geschafft hatte“, erklärte Grace. „Früher war Mutter nicht dafür verantwortlich, so viele Festlichkeiten zu organisieren. Dadurch ist sie irgendwie reizbarer geworden.“ Sie seufzte. „Agatha kann sich sogar noch an die Zeit erinnern, als Vater lustig war.“

„Apropos Agatha“, entgegnete Eliza. „Habt ihr eine Ahnung, was für einen Ausschlag sie hat? Sollten wir vielleicht einen Arzt holen?“

„Sie braucht bestimmt keinen Arzt“, grinste Grace. „Agatha leidet nur deshalb an einem Ausschlag, weil Mutter heute Abend begehrenswerte Junggesellen eingeladen hat.“

„Habe ich das so zu verstehen, dass ihr in Wirklichkeit gar nichts fehlt?“, fragte Eliza empört.

„Sie ist ein bisschen verrückt, aber ehrlich gesagt war Agatha das schon immer. Sonst fehlt ihr nichts.“

Elizas Lippen zuckten. „Vielleicht sollte ich Agatha einen Besuch abstatten und ihr erklären, dass wir sie durchschaut haben. Dann bleibt mir dieses Kleid erspart, und ich muss mich nicht zum Gespött der Leute machen.“

„Sie sprechen schon manchmal so komisch“, pflichtete Lily ihr bei.

„Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich aus England komme.“

„Ihr Akzent ist süß“, warf Grace ein. „Wenn ich so sprechen könnte, würden sich bestimmt alle Jungen in mich verlieben.“

„Du bist mit deinen elf Jahren noch viel zu jung, um überhaupt an Jungen zu denken. Lasst uns lieber zum Thema zurückkehren: Wo ist...


Jen Turano steht für humorvolle Geschichten mit skurrilen Charakteren und spannenden Verwicklungen. In den USA hat sie sich damit bereits einen Namen gemacht. Sie lebt mit ihrer Familie in Denver, Colorado.



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