Uhlmann | Zara | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Uhlmann Zara

Ich weigere mich zu weinen
5. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7528-4393-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ich weigere mich zu weinen

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-7528-4393-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Heile Welt in einer Kleinstadt? Weit gefehlt! Ein Mädchen - viele Probleme. Die 17-jährige magersüchtige Zara stürzt als Neue am kleinstädtischen Gymnasium in einen Strudel von Mobbing, Erpressung, Freundschaft, Erwartungen, Enttäuschungen und Ängsten. Sie kämpft mit sich selbst, mit ihrer Mutter, ihren Lehrern und Mitschülern. Nur ihr toter Vater steht ihr bei. Und die Liebe?

Als Dozent in der sozialpädagogischen Ausbildung habe ich viele Jahre die Fächer Deutsch, Soziologie und Kinder- und Jugendliteratur unterrichtet. Ich habe als Coach für Kommunikation gearbeitet, Theater gespielt und Kabarett gemacht. Nun gibt es zwei Romane von mir: Zara - Ich weigere mich zu weinen sowie Zara - So habe ich es mir nicht vorgestellt. Der dritte Band ist fast fertig; Zara - Soll ich bleiben oder gehen.
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Donnerstagnachmittag


Sie hatten sich nach der Schule verabredet gemeinsam zur Bibliothek zu gehen, weil Zara den Weg dorthin nicht kannte. Sie wollten zusammen für den Vortrag in Deutsch arbeiten. Beide trauten sich nicht, den anderen nachhause einzuladen. Mein Zimmer ist nicht aufgeräumt, war Zaras Ausrede. Ich habe nur wenig Platz, log Lia. Also blieb nur die Bibliothek. Vielleicht war es auch besser so. Hier konnte man in Ruhe arbeiten und auch etwas nachschlagen.

»Du solltest dir gleich einen Ausleihausweis geben lassen. Das kostet nur zehn Euro im Jahr. Ich gehe oft in die Bücherei. Dort ist es schön ruhig. Und außerdem haben sie tolle Bücher, du wirst sehen.«

Die Bibliothek lag im ersten Stock; sie nahmen den Fahrstuhl. In den verspiegelten Wänden sahen sie ihre Körper. Sie ist wirklich ziemlich dick, dachte Zara. Und dieses weite Hemd hängt so schlaff an ihrem Körper herab. Kein Wunder, dass sie den Fahrstuhl nehmen wollte. So dünn möchte ich nicht sein, dachte Lia. Und das Männerhemd sieht scheiße aus.

»Hier sitze ich immer.« Lia zeigte auf einen abseits stehenden Tisch mit zwei Stühlen. Sie stellten ihre Taschen auf den Boden, setzten sich gegenüber und schwiegen einen Moment.

»Okay«, begann Zara, streckte sich und legte ihre Hände flach auf den Tisch. »Vortrag Deutsch, Präsentation des Buches in zwei Wochen, Thema Adoleszenzroman.«

»Adol… was für ein Roman«, fragte Lia. »Adoleszenzroman oder auch Jugendroman«, sagte Zara. Ihre linke Hand klopfte auf die Tischplatte. »Was für ein Thema.« Die rechte Hand klopfte ebenfalls. »Wer sich so was nur ausdenkt.« Sie trommelte mit den Fingerspitzen. »Ich glaube, sie will etwas Theorie, Merkmale und so was und ein Beispiel aus ihrer Vorschlagsliste. Was meinst du?« Lia meinte nichts. »Also fangen wir mit der Theorie an.« Zara kramte den Hefter aus ihrer Tasche und blätterte kurz darin. »Hier, das stand so an der Tafel: Wirklichkeitserkundung und Wahrheitssuche. Das Lebensgefühl, die Lebenslage, die Lebenssicht, die Lebensprobleme heutiger Jugendlicher sollen literarisch erfasst werden.« Lia schaute Zara fragend an. Sie hatte auch ihren Hefter vor sich liegen, sie hatte diese Wörter ebenfalls von der Tafel abgeschrieben, aber sie hatte nichts verstanden. Sie las ihre Notizen wie ägyptische Hieroglyphen: Figurenroman, Raumroman, Bildungsroman, Utopie und Anti-Utopie, postmoderner Adoleszenzroman … Sie sah auf, ihr Blick ging an den Bücherregalen entlang, wanderte über andere Tische und landete zielgerichtet in der Café-Ecke.

»Ich brauch was zu essen. Kommst du mit?«

»Jetzt schon? Wir haben doch noch gar nicht richtig angefangen.« Zara mochte Literatur. Sie las, was sie in die Finger bekommen konnte. Das hast du von deinem Vater, hatte Irene vor Kurzem gesagt. Sie war froh über Zaras derzeitigen Lesehunger. Der machte ihre Tochter wenigstens im Kopf satt. Und Zaras sonstige Unruhe war beim Lesen auch verschwunden.

Sie gingen beide zur Café-Bar und blieben vor dem Tresen stehen. Lias Blick streifte über das Angebot belegter Brötchen, Zara schaute die Schälchen mit unterschiedlichen Salaten an.

»Sie wünschen?«, fragte die junge Frau hinter dem Tresen und sah die beiden Mädchen aufmunternd an.

»Ich möchte bitte ein Mettbrötchen und eine Cola«, sagte Lia.

»Und ich, ich möchte gern diesen Salat dort.« Zara zeigte auf ein Schälchen mit Rucola, Mais, Radicchio, Sonnenblumenkernen und Sprossen.

»Mit welchem Dressing, bitte?«

»Joghurt, bitte.«

»Und zu trinken?«

»Einen grünen Tee, bitte.«

Sie setzten sich mit ihrem Essen und den Getränken an einen Tisch.

»Reicht dir denn so ein kleiner Salat?«, wollte Lia wissen. »Hast du denn keinen Hunger um diese Zeit? Es ist doch gleich drei Uhr. Ich sterbe fast vor Hunger.«

Du wirst noch sterben, wenn du weiter so hungerst! blitzte es Zara durch den Kopf.

Es war kurz nach Rolfs Unfall. Zara und ihre Mutter saßen in der Küche.

Ich mache mir Sorgen um dich, Zara.

Das brauchst du nicht.

Du isst zu wenig.

Ich esse genug.

Was heißt schon genug. Du wirst ja immer dünner.

Ich fühle mich so wohl.

Aber ich fühle mich nicht wohl dabei.

Ich habe alles im Griff.

Das sagte Rolf auch immer.

Du bist schuld! schrie Zara ihre Mutter an.

Hör auf damit! schrie ihre Mutter zurück.

Zara saß steif und blass am Tisch. Der Salat war unberührt.

Lia starrte sie ängstlich an.

»Ist dir nicht gut, Zara? Du siehst ja käsebleich aus.«

»Es geht schon, danke. Mir ist gerade etwas flau im Magen.«

»Wahrscheinlich hast du zu lange nichts gegessen.« Lia berührte leicht Zaras Arm.

»Wahrscheinlich«, antwortete Zara und versuchte den Kampf mit ihrer Mutter im Kopf zu beenden. Sie nippte einen Schluck Tee und begann lustlos Salatblätter aufzuspießen. Lia überlegte, ob sie ein zweites Mettbrötchen essen sollte oder ein Stück Käsekuchen. Aber so wie Zara gerade aussah, fand sie das unpassend. Außerdem wollten sie noch am Referat arbeiten.

Sie stellten ihr Geschirr zurück auf den Tresen. Lia ihren leeren Teller und Zara ihr halb leeres Salatschälchen. Die Getränke nahmen sie mit in die Arbeitsecke.

»Wir sollten mit dem Buchbeispiel beginnen, dann verstehst du anschließend die Theorie besser.«

»Einverstanden«, nickte Lia hoffnungsvoll.

»Hier ist die Liste der möglichen Beispiele von Frau Goedel. Kennst du welche davon?« Lia schüttelte den Kopf. » – hm, ein tolles Buch. Hornbys als moderneres Angebot. Habe ich auch gelesen. Goedel ist wirklich anspruchsvoll. Das liegt wahrscheinlich an ihrem Doktortitel. Hornby schreibt wunderbar lakonisch über Liebesprobleme.«

»Was interessieren mich die Liebesprobleme von Typen, ich habe selbst genug Probleme.«

»Du hast Liebeskummer?«, fragte Zara neugierig.

»Was soll das denn? Spinnst du? Hast du noch nicht mitgekriegt, was in der Klasse so gegen mich abläuft?«

»Nein.«

»So blind kann man doch nicht sein. Auch als Neue nicht.«

»Dann solltest du eben ein Buch mit einem weiblichen Protagonisten nehmen.« Zara ignorierte Lias Vorwurf.

»Wie du sprichst, Protagonisten. Sag doch einfach Held oder Hauptperson.« Zara erwiderte nichts. Ihr Zeigefinger rutschte die Titelliste entlang auf der Suche nach Mädchenbüchern.

», , mein Gott, alles nur Jungen. Chidolues von 85, auch nicht gerade der neueste Renner, aber wenigstens eine Mädchen- Heldin.«

Lia wurde unruhig. »Ich frag mal. Vielleicht kann die Bibliotheksfrau mir was empfehlen?« Sie stand auf und ging zum Tisch für Informationen.

»Aber wir müssen uns an die Liste halten«, rief Zara hinterher.

»Du vielleicht, ich halte mich an das Leben. Guten Tag.« Die Bibliothekarin hörte auf zu lesen.

»Guten Tag. Ja bitte?«

»Ich muss ein Referat schreiben über einen Adol…, einen Jugendroman, er soll aber ein Mädchen als Held haben. Und möglichst modern sein, so mit den Problemen von heute. Nicht dieser Prinzessinnen-Käse.«

»Komm mal bitte mit.« JUGENDBÜCHER stand über dem Regal. »Nach Jungen- und Mädchenbüchern haben wir nicht geordnet, aber du kannst das an den Titeln leicht erkennen. Außerdem zeigt dir der Klappentext oder der Text auf der Buchrückseite, worum es geht.« Sie glitt mit den Fingerspitzen über die Buchrücken. »Hier. Das wird häufig ausgeliehen zum Beispiel: Darin geht es um den Suizid eines jungen Mädchens. Oder das hier: von Roberta Coernelson. Eine recht differenzierte Auseinandersetzung zwischen Eltern und Lehrern auf der einen Seite und Jugendlichen auf der anderen.« Sie drückte Lia die beiden Bücher in die Hand. »Gern gelesen wird auch Karin Askers Hat den schwedischen Preis für das beste Jugendbuch 2006 erhalten. Ihr erstes Buch ist auch sehr bekannt: Ein Mädchen lebt allein in den finnischen Wäldern. Ebenfalls berührend.« Lia hatte nun drei Bücher in der Hand.

»Ich glaube, das reicht schon«, sagte sie verlegen.

»Ansonsten könnte ich dir noch empfehlen: Ein humorvoller Roman um ein junges Mädchen in einer Großstadt. Liest sich gut, ist nicht sehr anspruchsvoll.«

Hält die mich für zu blöde für anspruchsvolle Bücher, dachte Lia beleidigt.

»Und das hier.« Die Bibliothekarin bückte sich und zog ein dickes Buch aus dem...



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