E-Book, Deutsch, Band 337, 64 Seiten
Reihe: Maddrax
Vennemann Maddrax 337
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-2372-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zombies in New York
E-Book, Deutsch, Band 337, 64 Seiten
Reihe: Maddrax
ISBN: 978-3-8387-2372-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Weil er Matthew Drax momentan nicht habhaft werden kann, wendet sich der Archivar nach New York, das halb in einem Gletscher steckt. Laut einer Information aus dem Pentagon soll es dort einem Wissenschaftler gelungen sein, ein Serum zu entwickeln, mit dem man 'Supersoldaten' züchten kann.
Die Wahrheit ist weitaus erschreckender. Jemand hat die Frosen, die von Eiswürmern befallenen Toten, unter seine Kontrolle gebracht. Und so sehen sich Samugaar und Aruula nach ihrer Landung einem Heer von gefrorenen Zombies gegenüber...
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Während sich der Himmel über dem hageren Mann verdunkelte, weil sich immer mehr nackte, bleiche Leiber über seinen erschlafften Körper schoben, zogen die Ereignisse der letzten Tage noch einmal vor Teks geistigem Auge vorbei. Die Last der Frosen, die sich auf ihn warfen und an seinen Gliedmaßen zerrten, trieb ihm die Luft aus den Lungen.
Aber das war ihm jetzt egal. Er hätte schon viel früher sterben können, wenn dieser Maddrax nicht gewesen wäre und Nuu’ork davor bewahrt hätte, in einem flammenden Inferno zu verbrennen. Wenn der blonde Mann mit dem Wissen vergangener Tage ihn nicht auf den fatalen Irrtum aufmerksam gemacht hätte, den die Legenden um das Sonnenkorn gesponnen hatten.
Tek dachte an die Wochen und Monate, die er mit der Pflege des Sonnenkorns zugebracht hatte. Wie er dessen heilige Schrift, die Anleitung, studierte, die Wudan persönlich auf der Hülle hinterlassen hatte. Als Botschaft an ihn, seinen redlichen Diener, so hatte Tek geglaubt. In weiser Voraussicht hatte der Gott gehandelt, im Wissen, dass Nuu’ork eines Tages unter Schnee und Eis versinken würde, nachdem Kristofluu auf die Erde niedergeschlagen war. So sagte es die Legende.
Eine falsche Legende, die wohl nur Orguudoo in die Welt gesetzt haben konnte! Wie sonst war es möglich, dass das Sonnenkorn, das alle wärmen sollte, sie beinahe verbrannt hätte?
Maddrax hatte die heilige Hülse geraubt und mit einem Schiff weit aufs Meer hinaussegeln lassen, wo sie sich geöffnet und ihr Verderben in Form einer pilzförmigen Wolke in die Welt entlassen hatte. Nicht auszudenken, wäre das hier in der Stadt passiert.1)
Teks Körper reagierte auf die zahlreichen Nervenimpulse, die sein Gehirn erreichten, mit Taubheit. Es war nicht nur die Kälte, die ihn lähmte. Das beständige Tasten kalter Finger über seine Haut, das ohrenbetäubende Gestöhne, der Gestank der toten Leiber, die sich an ihm rieben und auf ihn geiferten … all das war zu viel für seinen Verstand.
Vergessen war die Flucht auf das Hochhausgebäude. Schon verblassten die Gesichter von Yuuli und Pieroo, den beiden Gefährten von Maddrax, die Tek als letzten Akt der Wiedergutmachung selbstlos gerettet hatte, indem er ihren improvisierten Ballon vom Dach losgeschnitten hatte und davonschweben ließ.
O Wudan, nimm mich trotz all meiner Irrungen an Deiner Tafel an!, flehte er still. Ich wusste nicht, was ich tat. Lass mich Maddrax und Colomb, die Du schon zu Dir genommen hast, dort wiedersehen. Wie sonst hätten die Frosen bis hierher durchdringen und die Barriere überwinden können, die die beiden Männer schützen sollten? Sie mussten tot sein. Lass mich nicht zu einem der wandelnden Toten werden. Lass Orguudoo nicht triumphieren!
So betete Tek, begraben unter einem wimmelnden Haufen lebendiger Leichen, und wartete auf sein Ende.
Irgendetwas stimmte nicht!
Tek riss die Augen auf und stieß gleich darauf einen überraschten Schrei aus. Über ihm war trüber, wolkiger Himmel und er konnte atmen!
War er bereits tot? Sah so Wudans Tafel aus? Oder war er – was er nicht hoffte – doch in Orguudoos Reich hinabgezogen worden?
Er versuchte sich zu bewegen und stellte fest, dass sein Körper immer noch gelähmt und taub war. Tek wandte den Kopf zur Seite und stellte fest, dass ihm noch ein anderes Schicksal bevorzustehen schien.
Mit dem Rücken in den Schnee des Hochhausdachs gedrückt, hielten ihn die Frosen fest, sodass er sich nicht rühren konnte. Er spürte seine Arme und Beine nicht mehr, hörte die Geräusche wie das Knurren der Zombies und seine eigenen wimmernden Laute nur noch gedämpft, als hätte man ihm einen Schal um die Ohren gebunden.
„Was wollt ihr von mir?“, keuchte er und versuchte sich zu bewegen. Heißer Schmerz durchfuhr seine Schultergelenke. Von der Hüfte abwärts merkte er gar nichts mehr. Er konnte lediglich den Kopf heben und ein wenig drehen.
Täuschte er sich oder verzog der nackte, glatzköpfige Mann, der neben ihm kniete und seinen linken Oberarm festhielt, das ausdruckslose Gesicht zu einem perfiden Grinsen?
Mit einem schrecklichen Laut würgte der Frosen einen Schwall Eiswürmer hervor. Die Masse aus schleimigem Speichel und dünnen, fingerlangen Würmern wand sich auf Teks entblößtem Brustkorb. Auch das spürte der ehemalige Wächter des Sonnenkorns nicht.
„O nein! Alles, bloß das nicht!“, brüllte er panisch und versuchte erneut, sich loszureißen. Irgendetwas in seinem rechten Schultergelenk knackte vernehmlich, dann schob sich von allen Seiten her die Finsternis einer sich anbahnenden Ohnmacht vor seine Augen. Aber noch hielt er sich tapfer.
„Warum tötet ihr mich nicht? Bitte, erlöst mich doch!“
Tek wusste, was ihm bevorstand. Die Eiswürmer, diese seltsamen Parasiten, waren dafür verantwortlich, dass es die Frosen überhaupt gab. Sie bohrten sich in menschliche Körper und löschten deren Persönlichkeit aus. Und da sie die Körperwärme der Menschen nicht vertrugen, trieben sie ihre Wirte dazu, sich zu entkleiden und langsam auszukühlen. So weit, bis sie den Tod fanden – und doch weiterleben mussten, weil die Würmer es ihnen befahlen.
Immer mehr Frosen waren in den letzten Wochen in Nuu’ork aufgetaucht. Sie kamen aus den Eistunneln, aus dem Untergrund, aber bisher hatten sie sich weitgehend friedlich verhalten.
Aggressiv waren sie erst geworden, als sie von dem Sonnenkorn erfahren hatten, das auch sie alle auf einen Schlag getötet hätte. Offenbar verfügten sie über eine Art übernatürlichen Sinn, der es ihnen ermöglichte, miteinander zu sprechen, ohne dass sie sich unterhielten.
Und sie waren schlauer geworden, cleverer in ihrer Tarnung. Während sie zunächst nur als seelenlose Hüllen umhergewandert waren, relativ träge und tumb in ihrem Auftreten, war es ihnen neuerdings möglich, sich wie normale Menschen zu benehmen.
Tränen stiegen Tek in die Augen. Seine Schulter schmerzte; offenbar hatte er sie sich bei dem Fluchtversuch ausgekugelt. Er sah, wie sich die Eiswürmer auf seinem Oberkörper verteilten. Gleich würden sie sich in ihn hineinwühlen, und dann wäre es vorbei. Endlich vorbei …
Aber etwas Seltsames geschah. Die Eiswürmer … zogen sich zurück! Sie hatten ihre ekligen Köpfe mit den kleinen Kauwerkzeugen schon angesetzt gehabt, um die Haut zu durchbohren, als sie wie auf ein stummes Kommando hin losließen und von seinem Brustkorb hinab in den Schnee fielen!
„Ihr … verschont mich?“, flüsterte der Wächter des Sonnenkorns. „Warum? O Wudan, was hat das zu bedeuten?“
Tek ahnte, dass es noch nicht vorbei war. Dass man ihn nicht einfach laufen ließ. Bewegung kam in die Frosen, die ihn festhielten. Tek fühlte, wie die Grauhäutigen ihn aufrichteten.
Erneut wurde ihm schwarz vor Augen, als die Schmerzen in seiner Schulter explodierten. Unter Aufbietung aller Kräfte schaffte er es, sich im Griff seiner Häscher aufrecht zu halten. Er versuchte wieder Gefühl in seine Beine zu bekommen, und es gelang ihm, mit den Zehen zu wackeln. Ein schwaches Kribbeln in seiner Gesäßgegend zeigte an, dass seine Durchblutung noch nicht ganz ins Stocken geraten war, dass er sehr wohl noch in Lage war, etwas zu spüren.
Tek wusste später nicht mehr, wie lange er dort so gestanden hatte. Irgendwann, als sein Körper in der Kälte, die durch seine zerrissene Kleidung drang, längst wie Espenlaub zitterte, öffnete sich die Tür des Aufgangs zum Dach des Hochhauses.
Es wimmelte bereits von Frosen hier oben; überall wankten nackte Männer und Frauen herum, jung und alt, blass und schlaff in ihrer Haltung.
Sie sind alle tot, dachte Tek. Alle.
Waren vielleicht auch jene darunter, die es nicht geschafft hatten, im Ballon zu flüchten: Maddrax, der Maa’or, Chorge …? Doch bisher hatte er kein bekanntes Gesicht entdeckt.
Auch die Frosen, die jetzt die Treppe aus den unteren Geschossen heraufgewankt kamen, kannte Tek nicht. Sie hielten direkt auf ihn zu, was er gleichgültig zur Kenntnis nahm. Er war ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Jeder Fluchtversuch war zu Scheitern verurteilt.
„Was jetzt?“, murmelte er schwach. „Was passiert nun?“
Vor ihm baute sich eine Gruppe von drei Frosen auf, die ihn mit glasigen Augen fixierten. Weitere Eiszombies gruppierten sich um die drei Artgenossen herum, die Tek umklammert und aufrecht hielten. Schließlich schloss sich der Kreis. Dahinter bildete sich eine zweite Reihe, dahinter eine dritte, und so weiter, bis Tek nur noch Frosen um sich sah, fein säuberlich in Kreisen aufgestellt.
Dann trat ein weiterer Untoter vom Aufgang her durch die Reihen, die sich vor ihm öffneten. Er hatte die Hände vor dem Körper gefaltet und machte – so weit das einem Frosen möglich war – eine feierliche Miene. Als er direkt vor Tek stand, öffnete er seine Hände und streckte den Handteller der rechten Hand nach vorn.
Tek sah, was sich dort wand. Es war der größte Eiswurm, den er je gesehen hatte: so dick wie ein Daumen und doppelt so lang. Er hatte er sich in das gefrorene Fleisch des Handballens gegraben und reckte nun witternd sein vorderes Ende nach oben.
Der Wächter des Sonnenkorns begann zu schreien, als der Frosen sich zu ihm herüber beugte und den Wurm nahe an sein Gesicht hielt.
Bewegung kam in die Kreatur; sie schien sich länglich und dünn zu machen. Die drei Frosen, die ihn hielten, fixierten seinen Kopf wie in einem Schraubstock, sodass er nichts tun konnte, als der Eiswurm in eines...




