Verratene Männer | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 288 Seiten, Format (B × H): 13 mm x 20 mm

Reihe: marixwissen

Verratene Männer

Verschwörungen. Komplotte. Politische Morde.
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8438-0197-3
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Verschwörungen. Komplotte. Politische Morde.

E-Book, Deutsch, 288 Seiten, Format (B × H): 13 mm x 20 mm

Reihe: marixwissen

ISBN: 978-3-8438-0197-3
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Leben mächtiger Männer der europäischen Geschichte hatte nicht nur schillernde und einflussreiche Seiten zu bieten, sondern auch Gefahren und Schattenseiten - deutlich werden diese in den 20 hier vorgestellten Biografien. Skrupellose Morde, politische Verfolgung und Komplotte sind die Bedrohungen, denen sie sich ausgesetzt sahen und die sie zu Fall brachten. Vom 15. bis 20. Jahrhundert begegnen wir u. a. Giuliano de' Medici, Albrecht von Wallenstein, Joseph Süß Oppenheimer, Georges-Jacques Danton, Alfred Dreyfus, Philipp zu Eulenburg und Hertefeld und Matthias Erzberger. »Die Bosheit wird durch Tat erst ganz gestaltet«, sagt Jago in Shakespeares Othello. Es überrascht, wie verschieden jene hinterhältigen Intrigen gestaltet wurden. Rufmord, unzureichende Gerichtsverfahren, Ausschaltung durch Feinde und Rivalen zeugen von den Schicksalen der hier porträtierten Persönlichkeiten.

Barbara Beck studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Volkskunde in Augsburg und München. Nach mehrjähriger Tätigkeit im kulturhistorischen Ausstellungsbereich arbeitet sie heute als freie Historikerin und Sachbuchautorin. Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher zu historischen und kulturhistorischen Themen. Bereits in der 10. Auflage liegt von ihr bei marixwissen Die berühmtesten Frauen der Weltgeschichte. Vom 18. Jahrhundert bis heute vor. Außerdem erschienen Die großen Herrscherinnen und Regentinnen. Vom Frühmittelalter bis in die Gegenwart, Die Habsburger. Vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, Legendäre Frauen. Zwischen Triumph und Verhängnis und Die Wittelsbacher. Vom 12. bis ins 20. Jahrhundert.
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Weitere Infos & Material


Vorwort; Zum Märtyrer der Pazzi-Verschwörung stilisiert. Giuliano de’ Medici; Unterlegener im habsburgischen Bruderzwist. Kaiser Rudolf II.; Im Sog der Hexenverfolgung. Georg Haan; Der zu mächtige Feldherr. Albrecht von Wallenstein; Der allmächtige Günstling-Minister. Gaspar de Guzmán Olivares; Zum Sündenbock abgestempelt. Joseph Süß Oppenheimer; Zu lebenslänglicher Haft verdammt. Anton Ulrich von Braunschweig-Bevern; Ein bühnenwirksames Leben. Gustav III. von Schweden; Von der Revolution »gefressen«. Georges-Jacques Danton; Der gefürchtete Polizeiminister. Joseph Fouché; Abruptes Ende einer Minister-Karriere. Maximilian Joseph von Montgelas; Namensgeber eines Strafparagraphen. Harry von Arnim-Suckow; Entmachtung eines Märchenkönigs. Ludwig II. von Bayern; Unfreiwilliger Mittelpunkt einer Staatsaffäre. Alfred Dreyfus; Der Letzte seines Hauses. Alexander I. Obrenovic; Sturz eines Kaiserfreundes. Philipp zu Eulenburg und Hertefeld; Albanisches Intermezzo. Wilhelm zu Wied; Demokrat in schwierigen Zeiten. Matthias Erzberger; Beseitigt bei den »Großen Säuberungen« Stalins. Michail Nikolajewitsch Tuchatschewskij; Verratener »Verräter«. Galeazzo Ciano; Literaturverzeichnis


ZUM MÄRTYRER DER PAZZI-VERSCHWÖRUNG STILISIERT


GIULIANO DE’ MEDICI


Die Pazzi-Verschwörung von 1478, die sich gegen die in Florenz herrschende Familie Medici richtete, gehört zu den berühmtesten Mordkomplotten der italienischen Renaissance. Das bedeutende europäische Handels- und Finanzzentrum Florenz war zur Zeit der Verschwörung eine im Niedergang befindliche Republik. Die Geschicke der Arnostadt wurden von einer kleinen Interessengruppe bestimmt, an deren Spitze die Bankiersfamilie Medici stand. Dank erfolgreichem Taktieren und geschickter Wahlmanipulationen hatten die Medici innerhalb weniger Jahrzehnte die Vorherrschaft in Florenz errungen und bestimmten trotz der republikanischen Struktur der Stadt weitgehend die Richtlinien der Politik. Ihr wachsender Machtanspruch stieß in den 1470er Jahren auf Widerstand, löste zunehmend Unzufriedenheit unter den dadurch Benachteiligten aus und kulminierte schließlich in der Verschwörung, die durch ihr Fehlschlagen die aufkeimende Fürstenherrschaft der Medici begünstigte.

Als Giuliano de’ Medici am 25. Oktober 1453 in Florenz geboren wurde, waren die Medici dank weitreichender Handelsbeziehungen und Geldgeschäfte die reichste Familie der Stadt. Ihr Bankhaus mit seinen zahlreichen Filialen gehörte zu den führenden Geldinstituten Europas. Giuliano war der zweite Sohn von Piero de’Medici, den man wegen seines angegriffenen Gesundheitszustands auch »il Gottoso« (= den Gichtigen) nannte, und dessen kultivierter Ehefrau Lucrezia Tornabuoni. Giuliano erhielt wie sein vier Jahre älterer Bruder Lorenzo eine humanistisch geprägte Ausbildung. Nachdem sein Vater am 2. Dezember 1469 verstorben war, wurde Giuliano de’ Medici quasi zum Mitregenten seines älteren Bruders Lorenzo, dem seine Zeitgenossen den Beinamen »il Magnifico« (= der Prächtige) verleihen sollten. Lorenzo besaß zwar von Rechts wegen keine Amtsgewalt, fungierte aber trotzdem als inoffizielles Staatsoberhaupt von Florenz. Während seines kurzen, nur vierundzwanzig Jahre währenden Lebens stand der Jüngere der Medici-Brüder politisch im Schatten des Älteren, worüber er offensichtlich unzufrieden war. Die wichtigen Entscheidungen pflegte Lorenzo allein zu treffen. Obwohl ihm seine Position an zweiter Stelle nicht behagte, war Giuliano seinem Bruder treu ergeben.

Der im Gegensatz zu seinem äußerlich wenig einnehmenden Bruder als ausgesprochen gutaussehend geltende Giuliano war bei den Florentinern wegen seines liebenswürdigen Wesens allseits beliebt. Es hieß, er sei 1 gewesen. Berühmtheit erlangte Giulianos Verehrung für Simonetta Vespucci, die mit einem Florentiner Patrizier verheiratet war. Bei einem prächtigen Turnier, das die Medici im Januar 1475 veranstalteten, hatte er die schöne junge Frau im Sinne der höfischen Minne zur »Regina della Bellezza« (= Königin der Schönheit) erkoren. In dem Gedicht von Angelo Poliziano »La Giostra di Giuliano de’ Medici« (= Das Turnier des Giuliano de’ Medici) wurde diese platonische Liebe verherrlicht. Eine echte Liebesbeziehung unterhielt Giuliano de’ Medici dagegen zu Fioretta Gorini. Aus dieser Verbindung ging ein unehelicher Sohn hervor. Der am 26. Mai 1478 geborene Giulio bestieg später als Clemens VII. den Päpstlichen Stuhl. Sein Vetter Papst Leo X. hatte ihm diese Karriere ermöglicht, indem er ihm Dispens wegen seiner unehelichen Geburt erteilte und entschied, dass Giulio de’ Medici das Kind einer »heimlichen Ehe« sei.

Giuliano de’ Medici, der nicht ohne eigenen Ehrgeiz war, erstrebte für sich eine politisch vielversprechende, möglichst fürstliche Eheverbindung. Sein Bruder Lorenzo dagegen verfolgte für ihn eine Ernennung zum Kardinal. Ein Kardinal aus Florenz konnte nicht nur wirkungsvoll die Interessen der Stadt am Heiligen Stuhl vertreten, sondern hätte vor allem auch in nicht unerheblichem Maße zur Stärkung der Position seines Bruders und der Familie Medici beigetragen. Giuliano zeigte sich allerdings wenig begeistert über diese brüderlichen Pläne. Die seit dem Spätherbst 1472 mit Papst Sixtus IV. geführten Verhandlungen wegen eines Kardinalats für Giuliano de’ Medici zerschlugen sich jedoch im Mai 1473, als es wegen des Erwerbs der Stadt Imola für den Papstneffen Graf Girolamo Riario zum Konflikt zwischen dem Papst und seinem Bankier Lorenzo de’ Medici kam. Unter dem seit 1471 regierenden Sixtus IV. nahm der Nepotismus, die Vetternwirtschaft, ein bisher nicht gekanntes Ausmaß an. Da diese territoriale Transaktion zugunsten des päpstlichen Nepoten den florentinischen Interessen zuwiderlief, gewährte Lorenzo de’ Medici den gewünschten Kredit nicht. Daraufhin sprangen die Pazzi, die größten Konkurrenten der Medici in Florenz, ein und stellten dem Papst zusammen mit anderen Geldgebern die notwendigen Mittel zur Verfügung. Graf Riario sah von da an vor allem in Lorenzo de’ Medici das Haupthindernis zur Ausweitung seiner territorialen Herrschaftsansprüche. Im Sommer 1474 entzündete sich um die kleine Stadt Città di Castello erneut ein Konflikt zwischen Florenz und Papst Sixtus IV. Am 16. Juli 1474 verloren die beiden Brüder Medici deshalb das Amt des päpstlichen Depositars.

Die Pazzi zählten zu den angesehensten Geschlechtern in Florenz. An Reichtum waren ihnen nur die Medici überlegen. Schon seit einiger Zeit fühlten sich die Pazzi durch die von Lorenzo de’ Medici betriebenen Reformen politisch und rechtlich benachteiligt. 1477 sorgte Lorenzo dafür, dass ihnen eine reiche Erbschaft entging. Zu einem natürlichen Verbündeten der Pazzi wurde die mit ihnen verwandte Florentiner Familie Salviati, deren alte Abneigung gegen die Medici neuen, starken Auftrieb durch die von Lorenzo de’ Medici betriebene Blockade der kirchlichen Karriere von Francesco Salviati erhielt, der längere Zeit nicht das ihm im Oktober 1474 vom Papst übertragene Erzbistum Pisa in Besitz nehmen konnte.

Hass, der sich aus politischer und wirtschaftlicher Konkurrenz speiste, bildete daher die Grundlage für eine Verschwörung, deren erklärtes Ziel es war, die führenden Vertreter des Hauses Medici zu vernichten und so einen Regierungsumsturz in Florenz herbeizuführen. Die Hauptakteure der Konspiration waren Francesco de’ Pazzi, Francesco Salviati und Girolamo Riario, die den Komplottplan entwickelten. Die eigentliche Planung des Attentats lag bei dem Erzbischof Salviati. Mit der unmittelbaren militärischen Ausführung des Plans wurde Giovan Battista da Montesecco, ein in päpstlichen Diensten stehender Condottiere (= Söldnerführer), beauftragt. Da Montesecco im Vorfeld der Vorbereitung eigens auf der Zustimmung des Papstes bestanden hatte, kam es im Herbst 1477 zu einer Privataudienz bei Sixtus IV. in Rom. Der Heilige Vater hatte tatsächlich Kenntnis über das Komplott. Ihm war sehr am Sturz der Medici gelegen, allerdings wünschte er, dass dies ohne Blutvergießen vor sich zu gehen habe. Er erklärte daher den Verschwörern Erzbischof Salviati, Graf Riario und Montesecco: 2. Dass ein solcher Staatsstreich kaum unblutig zu bewerkstelligen sein konnte, musste dem Papst eigentlich klar sein. Sixtus wiederholte trotzdem insgesamt dreimal während der Audienz, dass er einen Regierungsumsturz in Florenz, aber nicht die Ermordung der beiden Medici-Brüder wünsche. Die Verschwörer wussten aber, dass dies ohne den Tod der zwei Brüder nicht machbar sein würde. Zum weiteren Kreis der Verschwörer gehörten außerdem noch der berühmte Condottiere und Kriegsunternehmer Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino, und König Ferdinand I. von Neapel.

Als passende Gelegenheit für den Doppelmord an Lorenzo und Giuliano de’ Medici bot sich schließlich der Besuch eines Verwandten des Papstes in Florenz an, des zum Legaten für Umbrien ernannten jungen Kardinals Raffaele Sansoni Riario, der offensichtlich über das Komplott nicht informiert war. Da der Großneffe des Papstes mit großem Gefolge reiste, erleichterte dies es den Konspirateuren, bewaffnete Männer unauffällig unter seine Begleiter zu schmuggeln. Die Komplotteure waren zunehmend nervös geworden, dass ihre Verschwörung auffliegen könnte, 3. Da es die beiden Medici-Brüder aus wohlverstandener Vorsicht meist vermieden, gemeinsam in der Öffentlichkeit aufzutreten, entschieden sich die Verschwörer zuletzt dafür, den Anschlag während der zu Ehren des Kardinals Sansoni Riario zelebrierten Messe im Dom Santa Maria del Fiore durchzuführen. Ironischerweise stieß diese blasphemische Ortswahl bei dem Militär Montesecco auf so viele Bedenken, dass sich schließlich zwei weniger empfindliche, dafür aber auch mit weniger...



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