E-Book, Deutsch, 200 Seiten
Walch / Prahl Es lebe Firefly
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95936-362-4
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
20 Jahre Kult mit der Serenity
E-Book, Deutsch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-95936-362-4
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Reinhard Prahl wurde 1967 in Dortmund geboren. Als Autor populärwissenschaftlicher Artikel und Interviews erscheinen seine Arbeiten seit 1999 in zahlreichen Print- und Onlinemedien. 2006 folgte mit 'Auf der Suche nach der Mutterkultur' das erste Sachbuch. 2017 publizierte er seine erste Kurzgeschichte 'A Day in Paradise'. 2018 folgten zwei weitere Storys. 'Seelen - Teil 1: Fang mich' war 2019 der erste Roman des Schriftstellers und bildet den ersten Teil einer Trilogie. Nach 'Es lebe Captain Future' ist er aktuell Mit-Autor der mehrteiligen Reihe 'Die Star-Trek-Chronik'. Der Journalist und Autor Thorsten Walch ist durch seine Beiträge für 'TV Highlights', 'Moviestar' oder das 'Blockbuster-Magazin' bereits seit den 1990er-Jahren fester Bestandteil der Szene. Seit vielen Jahren fungiert er zudem als SF-Experte für das 'Corona Magazine'. Sein Buch 'NERD-O-Pedia' erschien 2017 im Nibe-Verlag. Mit 'Es lebe Star Wars' lieferte er 2019 das umfassendste Sachbuch zum langlebigen Franchise in deutscher Sprache ab und ist Autor der 'Hitze Leni'-Buchreihe. Es folgte 'Es lebe Captain Future' mit Reinhard Prahl. Aktuell ist er Mit-Autor der mehrteiligen Reihe 'Die Star-Trek-Chronik'. Thorsten Walch lebt mit seiner Frau und vier Katzen im Ruhrpott.
Autoren/Hrsg.
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Produktionsgeschichte: Vom Pitch in die Produktion
Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Drehbuchautor und Produzent, der mit seiner Idee einer Schülerin, die Vampire und Monster jagt und sich dabei selbst entdeckt, einen Mega-Erfolg hingelegt hat. Davon beflügelt schrieben Sie ein Spin-off, das ebenfalls von den Fans geliebt wird und für das Sie nun Woche für Woche eine neue, spannende Episode abliefern müssen.
Sie können sich vor Arbeit kaum retten, umso mehr genießen Sie die wenige Zeit in Ihren heimischen vier Wänden. Eines Tages entschließen Sie sich, Urlaub in London zu machen. Einige Tage später sitzen Sie in einem Sessel in Ihrer Suite und lesen zur Entspannung den Roman von Michael Shaara aus dem Jahr 1974. In dem Buch, das Sie in Ihren Händen halten, geht es um eine der berühmtesten Schlachten des amerikanischen Bürgerkrieges, nämlich der Schlacht von Gettysburg. Erzählt wird die Geschichte aber nicht etwa aus der Perspektive von Historikern, Politikern oder den Siegern, sondern aus dem Blickwinkel einfacher Soldaten heraus. Der tägliche Schmerz, der Hunger, die Kraft- und manchmal auch Hoffnungslosigkeit, aber auch der Wille, zu überleben und weiterzumachen, all das beeindruckt Sie zutiefst.
Was glauben Sie, was als Nächstes geschieht? Richtig, Sie sind so begeistert, dass Sie eine weitere Fernsehserie – einen mutigen Genre-Mix aus Space-Opera und Western – ersinnen, in der es um eine Gruppe Menschen geht, die einen großen Krieg verloren haben und nun auf ihre ganz eigene Art damit umgehen müssen.
Auf den ersten Blick mag diese Geschichte ein wenig an den Haaren herbeigezogen klingen. Welcher normale Mensch, dessen Terminkalender ohnehin überquillt, halst sich schließlich noch mehr Arbeit auf, als ein Normalsterblicher je bewältigen könnte? Und doch hat sich die Entstehung der Idee zu genau so zugetragen.
In den nächsten Tagen und Wochen nahm Joss Whedons Idee immer klarere Formen an.
Als weitere Inspirationsquelle gesellte sich bald der berühmte John-Ford-Western mit John Wayne von 1939 hinzu, in dem es um neun Menschen geht, die sich zusammenraufen müssen, während sie das Grenzland zwischen Arizona und New Mexico durchqueren. Und nun wird es interessant, denn die Hauptfiguren im Film sind ein Kutscher, ein Arzt, ein Priester, eine Prostituierte und natürlich ein Revolverheld. Wem diese Kombination nun verdächtig bekannt vorkommt, liegt goldrichtig. Sie erinnert auffallend an »Wash«, Simon, Shepherd Book, Inara und Malcolm.
Grundsätzlich sind es die beiden oben erwähnten Geschichten, die sich in wiederfinden. Sie wurden eben nur in das Jahr 2517 und in ein fremdes Sternensystem verlegt, in dem sich die Menschen vor Jahrhunderten angesiedelt haben, nachdem die Erde unbewohnbar geworden war. Selbstverständlich gab es keine »Indianer« wie in im Verse; diese wurden allerdings durch die furchteinflößenden Reaver ersetzt. Dennoch sind die Ähnlichkeiten unverkennbar.
Worldbuilding
Als nächstes stellte sich Joss Whedon die Frage, wie seine Vision der Zukunft aussehen sollte. Er erschuf eine düsterere Welt, als wir sie zum Beispiel aus kennen, weil der Autor der Ansicht war, dass das Science-Fiction-Genre im Fernsehen zu »verwässert« wäre. Außerdem sollte das Leben weniger futuristisch, sondern eben mehr wie aus einem Western wirken. Typische Space-Opera-Elemente wie Laserwaffen (mit zwei kleinen Ausnahmen), Aliens oder blitzsaubere Raumschiffe mit Teppichen auf der Brücke und Maschinenräumen, in denen sich die Ingenieure niemals die Hände schmutzig machen, würde es in seiner Show nicht geben. Dafür sollten sich seine Protagonisten mit ganz irdischen Waffen wie Schrotflinten, Revolvern und Automatikgewehren herumschlagen, Lederstiefel und Staubmäntel tragen und in verrosteten, aber mit solider Handarbeit gebauten Raumschiffen das Verse erkunden. Auf den Randwelten sollte es vor kleinen Western- und Hinterwäldlerdörfern wimmeln, in denen Menschen ihre Waren mit Ochsenkarren und Pferdekutschen über die Monde und Planeten bugsierten. Um dem Ganzen noch mehr Style zu verleihen, kombinierte Whedon Western und Eastern und erdachte eine Zukunft, in der China und die USA gemeinsam Generationenraumschiffe erbaut hatten, mit denen die Menschheit zu neuen Ufern aufbrach.
Zum Schluss kamen die Figuren an die Reihe, auf die wir in einem späteren Kapitel noch einmal gesondert eingehen, die aber zu diesem Zeitpunkt in der Entwicklungsphase bei weitem noch nicht so detailliert ausgearbeitet waren wie von uns geschildert.
Zu guter Letzt ging es darum, einen greifbaren Titel zu ersinnen. Er sollte seine Anziehungskraft aus seiner fast schon bescheidenen Harmlosigkeit beziehen. Also verfiel er auf den Gedanken, ein Glühwürmchen, auf Englisch trüge all das in sich, was er seiner neuen Serie geben wollte. Kurz darauf entstanden auf dem Papier erste Skizzen des ikonischen Raumschiffs, dessen Design sich eben an jenem kleinen, aber erstaunlichen Insekt orientierte, und das Grundgerüst zu einer der ikonischsten, aber gleichzeitig kurzlebigsten Sci-Fi-Serien der modernen Fernsehgeschichte war geboren.
Gail Berman
Der Pitch mag grandios gewesen sein, doch selbst die beste Idee muss zunächst erst Anklang in der Chefetage des Geldgebers finden, bevor man ans Werk gehen kann. An dieser Stelle hatte Whedon allerdings einen Trumpf namens Gail Berman im Ärmel. Er kannte die seit dem Jahr 2000 als »President of Entertainment« für 20th Century Fox tätige Frau schon seit vielen Jahren gut. Die beiden hatten sich 1991 kennengelernt, als sie bei der Produktionsfirma Sandollar Television als CEO tätig gewesen war. Dabei handelte es sich ausgerechnet um die Firma, die Whedons Drehbuch zum Film mit Kirsten Dunst in der Hauptrolle auf den Weg gebracht hatte. Berman und er hatten einander nie aus den Augen verloren, und so war sie maßgeblich am Erfolg der späteren TV-Serie und ihrem Ableger beteiligt gewesen und nun gerne bereit, sich seinen Pitch näher anzuschauen.
Die Fox-Präsidentin war überrascht, dass ihr erklärter Lieblingsautor mit einer Space-Opera in ihr Büro flatterte, doch sie vertraute seinem Urteilsvermögen. Allerdings gab es von Anfang an gewisse Differenzen, unter anderem darüber, dass mit Zoë und Hoban ein Ehepaar auf dem Schiff lebte. Diese und einige weitere Meinungsverschiedenheiten ließen sich glücklicherweise aus dem Weg räumen, also gab Berman im Dezember 2001 grünes Licht für 13 Episoden. Im Januar 2002 stellte Fox Whedons Produktionsfirma Mutant Enemy zehn Millionen Dollar für den Pilotfilm zur Verfügung.
Das Casting
Der Captain
Joss Whedon hatte seine Show mit gutem Grund nicht nach einer Hauptfigur, sondern dem Raumschiff benannt. Nachdem es mit Sarah Michelle Gellar während der Produktion zu immer wieder zu Streitigkeiten gekommen war und von Seiten der Regisseure und Schauspieler häufig Änderungen an den Drehbüchern vorgenommen worden waren, hatte sich der Serienerfinder dafür entschieden, seine Protagonisten austauschbar zu machen.
Als die Castings losgingen, war deshalb lediglich die Ausarbeitung der Figur des Malcolm Reynolds weit genug gediehen, dass Whedon eine genaue Vorstellung von dessen Aussehen hatte. Ursprünglich hatte er die Rolle für den -Co-Star Nicholas Brendon geschrieben, dessen Drehplan jedoch die Annahme einer weiteren Hauptrolle nicht zuließ. Schließlich wandte er sich an Nathan Fillion, der sich begierig zeigte, den Part zu übernehmen. Nachdem er mehrmals zum Vorsprechen eingeladen worden war, wurde er endlich besetzt. Fillion erinnert sich an den Tag, an dem er die freudige Nachricht erhielt: »Es war sehr aufregend, das war meine erste Hauptrolle, und ich war ziemlich nervös. Aber ich wollte den Part wirklich spielen und diese Geschichten erzählen.« (zitiert und übersetzt aus dem
Wash und Zoë
Als nächster kam Malcolms zuverlässiger Sidekick, der Pilot Hoban »Wash« Washburne an die Reihe, den Schauspieler Alan Tudyk im bereits öfter zitierten (Teil I) als den »Space Xander« (angelehnt an Xander Harris aus ) bezeichnete. Schaut man sich das auf der Blu-ray-Edition als Featurette erhaltene Casting-Tape an, das die Schauspieler üblicherweise einschickten, wird schnell deutlich, warum Tudyk genau der richtige Mann für die Rolle war. Sein brillantes Mienenspiel und sein feiner Humor blitzen in dieser kurzen Szene auf und machten ihn damit zur perfekten Wahl. Dabei hatte er gar nicht mehr damit gerechnet, den Part überhaupt übernehmen zu können. Nach der Einsendung des erwähnten Audition-Tapes dauerte es einige Monate, bis er eine Antwort erhielt. Als man ihm telefonisch mitteilte, dass er der Pilot der Serenity würde, fragte er erstaunt, was bitte wäre, da er sich nicht mehr daran erinnern konnte, überhaupt vorgesprochen zu haben. Zum Glück nahm man ihm diesen Fauxpas nicht übel.
Gina Torres hingegen hatte kurz vor ihrem Casting für eine der Hauptrollen in der SF-Serie gespielt und war eigentlich nicht daran interessiert, in einer weiteren SciFi-Show aufzutreten. Als sie aber das 18-seitige Treatment las, gefiel ihr Zoës Dynamik. Nach einem längeren Gespräch mit Whedon, in dem er ihr versprach, dass sie den Charakter mitgestalten dürfe, sagte sie schließlich zu.
Kaylee
Die...




