E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Digital Edition
Warren Du bist die süßeste Versuchung
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0692-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0692-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebe bedeutet Schmerz und Tränen. Das weiß Willa ganz genau. Schon deshalb will sie sich auf keinen Fall in den sexy Derek Neel verlieben. Aber als er sie in ihrer Bäckerei heiß küsst, verfällt sie rettungslos der verführerischen Süßigkeit, die man Liebe nennt!
Wendy lebt mit ihrem Ehemann in der Nähe der Pazifikküste. Ihr Haus liegt nordwestlich des schönen Willamette-Flusses inmitten einer Idylle aus gigantischen Ulmen, alten Buchläden mit einladenden Sesseln und einem großartigen Theater. Ursprünglich gehörte das Haus einer Frau namens Cinderella, die einen wunderbaren Garten mit Tausenden Blumen hinterließ. Wendy und ihr Mann bewirtschaften diesen eifrig, allerdings mit wechselndem Erfolg ... Wendy Warren ist Mitglied bei den 'Romance Writers of America' und war bereits Finalistin für den RITA®-Award. Wenn sie nicht schreibt, unternimmt sie gern lange Spaziergänge mit ihrem Hund, chattet mit guten Freunden und kocht für sich und ihren Ehemann.
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1. KAPITEL
Unter den Leuten in dem idyllischen Städtchen Thunder Ridge, Oregon, gab es tatsächlich einige, die schon morgens um halb sieben fleißig Pläne schmiedeten.
Dazu gehörte das Valentinstagsdekoteam, das zu dieser frühen Stunde zusammengefunden hatte, um über die Schmückung der Stadt zu beratschlagen.
Sie hatten sich im Pickle-Jar-Feinkostladen in der Warm Springs Road eingefunden – einem beliebten Ort zum Frühstücken, Reden und um den neuesten Klatsch auszutauschen.
Gleich daneben befand sich ein nicht weniger beliebter und um diese Uhrzeit genauso frequentierter Laden: Something Sweet, eine Bäckerei mit erlesenem süßem Gebäck und unschlagbar frischen Köstlichkeiten.
Die geschmackvollen Lampionketten über der Straße waren noch nicht ausgeschaltet und warfen noch immer ihr heimeliges Licht in die diesige Morgendämmerung, als Willa Holmes aus der Bäckerei trat.
Sie ergriff das Schild und drehte es von der Seite Fertig für heute! auf die Seite Hereinspaziert!
Keine zwei Minuten später stand sie wieder hinter der Theke, um die ersten Kunden zu bedienen. So ging das, seit sie den Job in der Bäckerei vor zwei Monaten angenommen hatte.
„Darf ich Ihnen die frischen Plunderstücke empfehlen, Mrs. Wittenberg?“ Willa Holmes lächelte der älteren Dame zu, deren weiße Löckchen gerade auf der Höhe der Glastheke wippten. „Die sind noch ofenwarm.“
Willa war seit drei Uhr früh auf den Beinen – und froh darüber. Als sie frisch verheiratet gewesen war, hätte sie um diese Uhrzeit geschlafen – oder mit ihrem Mann geschlafen.
Inzwischen lag sie viel zu oft grübelnd und schlaflos in ihrem Bett und war froh, dass ihr neuer Job ihr kaum mehr Zeit zum Nachdenken ließ.
Brote backen, Kekse ausstechen und Kosten kalkulieren war jedenfalls besser, als sich in Erinnerungen zu verlieren.
Ihr einziger Mitarbeiter am frühen Morgen war Norman Bluehorse. Dieser schwieg allerdings so beharrlich, dass sie ebenso gut alleine im Laden hätte sein können. Er war einer jener Männer, die sich vom Aussehen her in einem zeitlosen Übergangsbereich befanden: Er hätte ebenso Mitte vierzig wie Mitte sechzig sein können. Er erledigte seine Aufgaben zuverlässig und verlor kein einziges überflüssiges Wort.
Mrs. Wittenberg dagegen war umso gesprächiger. Wie jeden Morgen zwitscherte sie fröhlich dahin, lobte Willas glänzendes rotbraunes Haar, erkundigte sich nach neuen Spezialitäten und bestellte am Ende doch wieder dasselbe wie immer.
„Eigentlich müsste ich heute etwas anderes nehmen“, überlegte die ältere Dame dann. „Heute ist nämlich ein ganz besonderer Tag.“
„So?“ Mehr konnte Willa nicht fragen, denn in diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet. Beim Anblick ihres zweiten frühmorgendlichen Kunden geriet Willas Puls in Aufruhr. Das Gefühl machte sie schwindelig und sandte einen ersten Anflug von Panik in ihr Herz.
Mrs. Wittenbergs Aufmerksamkeit galt vollkommen der Auslage, sodass Willas Blick unbemerkt zum Sheriff von Thunder Ridge gleiten konnte.
Derek Neel hatte die beeindruckende Körpergröße von einem Meter neunzig und war schon allein aus diesem Grund kaum zu übersehen, wenn er durch das kleine Städtchen auf Streife ging.
In den vergangenen zehn Wochen hatte Willa kein nennenswertes Gespräch mit ihm geführt. In der Bäckerei hatte sie ihn behandelt wie jeden anderen Kunden, und auf der Straße hatte sie nur höflich gegrüßt, wenn er in seinem Dienstwagen vorbeigefahren war.
Doch jede Begegnung hatte ihre Atmung beschleunigt.
Es war so: Vor beinahe drei Monaten waren sie und der Sheriff sich sehr nahegekommen. Nahegekommen im körperlichen Sinn – an einem verrückten, unerwartet geselligen Abend, der plötzlich etwas außer Kontrolle geraten war.
Es war einer jener Abende gewesen, an denen sie sich auf keinen Fall ihren finsteren Gedanken überlassen wollte. Daher war sie freiwillig für eine erkrankte Kellnerin eingesprungen, die nebenan im Pickle Jar hätte bedienen sollen.
Das Team hatte beschlossen, nach der Arbeit zur White Lightning Tavern zu fahren und sich Burger und Bier zu gönnen, und Willa hatte sich spontan selbst eingeladen.
Dort hatte sie Derek entdeckt, der gemeinsam mit Izzy Lambert-Thayer zu Abend gegessen hatte. Izzy war sowohl die Besitzerin des Pickle-Jar-Feinkostladens als auch der Something-Sweet-Bäckerei. Als Willa nach Thunder Ridge gezogen war, hatte sie zunächst als Kellnerin im Pickle Jar gearbeitet und war später in die Bäckerei gewechselt. Bald war sie dort zur Managerin befördert worden, wofür sie Izzy sehr dankbar war. Ihre Chefin schätzte Willas Fähigkeiten und hatte großes Vertrauen in sie.
An jenem Abend hatte sich auch Izzys Ehemann Nate Thayer dazugesellt, und bald darauf waren er und Izzy zur Tanzfläche gegangen, als eine Liveband Countrymusik aufgespielt hatte.
Daraufhin hatte Derek sich erhoben und war an Willas Tisch gekommen. Er hatte sie gefragt, ob sie es wagen wolle, mit einem Mann zu tanzen, der ihr aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Zehen treten würde, und Willa hatte das Angebot angenommen.
Seine leuchtenden Augen, das gutmütige, selbstironische Lächeln auf seinen Lippen und die ausgestreckte Hand hatten es ihr einfach gemacht, Ja zu sagen – einfach, mit ihm zu lachen, mit ihm zu tanzen; er war ihr kein einziges Mal auf die Zehen getreten. Am Ende war es ihr sogar einfach gemacht worden, geradezu erschreckend einfach, ihm nach draußen zu folgen.
Es war ihr so leicht gefallen, alles zu vergessen bis hin zu seinen starken Armen um ihre Taille, als er sie geküsst hatte.
Und jetzt füllte er die kleine Bäckerei aus mit seiner überwältigenden Präsenz, die sich beinahe mit Händen greifen ließ. Er trug seine korrekte beigefarbene Uniform, makellos und glatt gebügelt, und sein schwarzes, feucht glänzendes Haar verriet, dass er gerade geduscht haben musste.
Seine dunklen Augen fingen ihren Blick auf.
Willa hätte gerne ihre kühle Fassade aufrechterhalten, doch sie wurde von ihrem eigenen Körper verraten, der eine rotglühende Hitze in ihre Wangen schießen ließ.
Sicher hatte sie inzwischen die Farbe eines Feuermelders angenommen.
„So, hm, was ist denn der besondere Anlass, Mrs. Wittenberg?“, wandte sie sich an ihre Kundin.
Die ältere Dame strahlte und entblößte dabei eine Schnur perlweißer Zähne. Ihre blassblauen Augen begannen zu leuchten. „Mr. Wittenberg und ich feiern heute unseren fünfzigsten Jahrestag.“
„Oh. Oh …“ Wow. Ein unerwarteter Anfall von Neid erfasste Willa mit voller Wucht. „Das ist …“
Wundervoll. Ein Geschenk. Der Beweis, dass das Leben nicht jeden Menschen gleich behandelt.
„… großartig. Das ist wirklich großartig! Geben Sie eine Party?“
„Nein, Liebes. Unsere Kinder wollten eine, aber wir haben uns dagegen entschieden. Wir möchten lieber Zeit für uns. Zuerst wollen wir zum Fluss spazieren, wo er mir damals einen Antrag gemacht hat. Es war wirklich romantisch!“
„Das hört sich schön an.“ Willa lächelte. Die Freude in Mrs. Wittenbergs Augen war ansteckend.
„Ja, und dann machen wir ein schönes zweites Frühstück.“ Mrs. Wittenberg kicherte wie ein junges Mädchen. „Und dann locke ich meinen Mann ins Schlafzimmer und werde ihn verführen.“
Willas Lächeln gefror auf ihren Lippen. Ihr Blick glitt unwillkürlich zu Sheriff Neel. Dieser hob die Braue und grinste ein teuflisches kleines Grinsen.
„Können Sie mir nicht irgendetwas Anregendes anbieten?“, wollte Mrs. Wittenberg jetzt wissen. „Ich habe gehört, dass das richtige Frühstück als ein wahres Aphrodisiakum wirken kann. Ein sexy Frühstück sozusagen.“
Das Grinsen in Sheriff Neels Gesicht zog nun auf wie die steigende Morgensonne.
Na schön. Willa musterte die Auslage und nahm die Herausforderung an. Auch wenn es eine sehr verwegene war – im Vergleich zu den anderen Kunden in Thunder Ridge, die höchstens wissen wollten, ob ein Brötchen glutenfrei war.
„Ein sexy Frühstück, hmm? Vielleicht gefällt Mr. Wittenberg unser Schokoladen-Babka. Das ist ein Hefekuchen, gefüllt mit flüssiger Schokolade und einem süßen Guss. Es ist auch viel Zimt darin.“
Mrs. Wittenberg begutachtete den Kuchen und wiegte den Kopf. „Ist das sexy genug?“ Dann drehte sie sich um und wandte sich an den Mann, der sie um mindestens dreißig Zentimeter überragte. „Sheriff Neel, finden Sie einen Schokoladen-Babka sexy?“
Er gab sich den Anschein, ernsthaft darüber nachzudenken, dann schenkte er der älteren Dame ein strahlendes Lächeln. „Ich habe zwar keine Ahnung vom Backen, Mrs. Wittenberg, und ich glaube auch nicht, dass Sie das nötig haben. Doch betrachten Sie den Kuchen doch als Appetitanreger, und das Hauptgericht sind Sie.“
Mrs. Wittenbergs Lächeln schien ihre Mundwinkel sprengen zu wollen. „Ich nehme den Babka!“
„Aber gerne.“ Sie war froh, sich für einen Augenblick Sheriff Neels brennendem Blick entziehen zu können. Sie packte den Kuchen in eine Box und setzte eine Schleife darauf.
Warum in aller Welt benahm sie sich wie ein Teenager? Das war überhaupt nicht ihre Art.
Davon abgesehen schien es dem Sheriff überhaupt nichts auszumachen, ihr immer wieder zu begegnen und dabei ganz natürlich und entspannt zu bleiben, obwohl sie...




