E-Book, Deutsch, 216 Seiten
Weiss Willkommen im Lamba-Lumba-Land
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-384-03850-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das etwas andere Sach- und Fachbuch
E-Book, Deutsch, 216 Seiten
ISBN: 978-3-384-03850-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Geboren 1977 in Suhl / Thüringen. 1997 Verpflichtung für 15 Jahre bei der Bundeswehr. Teilnahme an mehreren Einsätzen im Kosovo, Mazedonien, Usbekistan, Afghanistan, über eine Dauer von mehr als 900 Einsatztagen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, Beamter.
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Sauna mit Hindernissen
Die Dame am Empfang dieses Vier-Sterne-Luxus-Porno-Bunkers hatte mich hervorragend abgefertigt und so nahm ich die beiden Karten sowie meine unzähligen Taschen und trat vor die Tür ins Freie. Ich blickte nach oben: Was für ein grandioser Ausblick. Um mich herum schneebedeckte Berggipfel, welche im Schein des Abendlichtes der Sonne magisch funkelten. Genug der sentimentalen Gefühlsduselei, ab aufs Zimmer. Das sich dies nicht als so einfach darstellen sollte, bemerkte ich an der Tür zu meinem Zimmer, als ich versuchte, die Zimmerkarte mit den Händen aus der Hosentasche zu fischen, in welcher ich die Plastiktaschen unterschiedlichster Billig-Lebensmitteldiscounter hielt.
Diese recycelten Taschen, welche aus nicht wiederverwertbaren Plastikflaschen aus Indien, Bangladesch oder Südkorea stammten, fanden von dort aus den Weg durch die wichtigste Wasserstraße zwischen Asien und Europa in unsere deutschen Lieblingsdiscounter. Im April des Jahres 2021 bemerkten wir alle jedoch, dass nicht nur Plastiktüten im Regal unter der Supermarktkasse knapp wurden, sondern es auch zu einer erneuten Verknappung von Klopapier und Hygieneartikeln im heimischen Supermarkt kam. Der Grund dafür war schnell ausgemacht. Im Suezkanal in Ägypten lief die mit mehr als 18.300 Containern beladene 400 Meter lange „Ever Green“ auf Grund und blockierte diese wichtige Seehandelsroute für hunderte andere Schiffe mehr als sechs Tage. Bevor der Kapitän der „Ever Green“ die Anweisung der ägyptischen Behörden bekam, in den Kanal einzufahren, welcher die Hafenstädte Port Said und Port Taufiq bei Sues verbindet, malte er, vermutlich aus Langweile oder aus einer verlorenen Wette heraus, einen wunderschönen, von der Raumstation ISS aus zu sehenden riesengroßen Mega-Penis ins Rote Meer.
Und genau dieser mit allen Wassern gewaschene Kapitän, der es zuvor geschafft hatte, sich mit seinem gemalten Riesen-Pimmel in die Annalen der geilsten Penis-Bilder auf See unsterblich zu machen, genau dieser mit allen Wassern gewaschene Seebär sollte es nicht schaffen, seinen GPSgesteuerten Superfrachter geradeaus durch den 193 Kilometer langen Suezkanal zu steuern? Man konnte quasi in Echtzeit mittels Live-Tracking, welches ein darauf spezialisiertes Unternehmen der Weltöffentlichkeit zur Verfügung stellte, nachverfolgen, wie sich der Superfrachter im wahrsten Sinne des Wortes querstellte. Schelm ist, wer Böses dabei denkt. Mir kam es so vor, als wollte uns eine aufstrebende interkontinentale Supermacht aufzeigen, wie abhängig die weltweit agierende Wirtschaft von dieser Seehandelsroute ist. Wahnsinn, malt der einfach einen Pimmel ins Meer, krass! Was kommt als nächstes? Giraffen, Affen, Dinosaurier? Ich jedenfalls versuchte, mit den Fingerspitzen die Karte aus meiner linken Hosentasche herauszuziehen. Ja, ich weiß, es wäre einfacher gewesen, die Taschen abzustellen, aber in diesem Moment, in welchem ich versuchte, die Karte aus der Hosentasche zu bekommen, dachte ich einfach nicht daran. Also hielt ich die Karte zwischen meinen Fingern und versuchte, diese nun hochkant in den extra dafür vorgesehenen Schlitz an der Tür zu meinem Zimmer zu stecken. Nachdem ich es endlich geschafft hatte, die Zimmerkarte in den dafür vorgesehenen Kartenslot zu stecken, leuchtete ein kleines rotes LED-Licht auf, welches gar nicht daran dachte, auf Grün umzuschalten! Entweder war in der Tür ein Gesichtsscanner integriert, welcher hässlichen Menschen wie mir den Zuritt verweigerte, oder aber, wovon ich ausging, hatte ich wieder wie so oft im Leben einen kleinen unbedeutenden Fehler gemacht. Und dieser klitzekleine Fehler hatte eine große Auswirkung. Und so war es dann auch. Die Karte steckte mit dem Aktivierungschip nach oben statt nach unten.
Also schnell die Karte mit dem Aktivierungschip nach unten in den dafür vorgesehenen Slot gesteckt und schon öffnete sich wie bei Alibaba und die 40 Räuber nach der Überlieferung eines syrischen Märchenerzählers wie von Zauberhand die Tür, vor welcher ich stand! Nun stand ich also an der Schwelle zu diesem wunderschönen Zimmer mit einzigartigem Panoramablick auf die Berge. Ein amerikanischer Gospelchor hätte in Lobpreis- und Anbetungsliedern nicht annähernd das wiedergeben können, was ich in diesem Moment empfand. Ich stellte die Taschen ab und ging geradewegs zum Kühlschrank, um mir ein auf 8 Grad Celsius heruntergekühltes Nobel-Quellwasser zu holen. War ja schließlich alles „for free“.
Nachdem ich den Kühlschrank wieder geschlossen hatte, bemerkte ich auf dem Tisch zwei Gläser und eine Flasche feinsten hochpreisigen Etepetete-Sekt mit der Aufschrift „Ein kleine Aufmerksamkeit für unsere verliebten Gäste“! Irgendwie wurde ich in diesem Augenblick das Gefühl nicht los, durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lodge gerade nach Strich und Faden verarscht zu werden. War da vielleicht die versteckte Kamera mit im Spiel, welche sich mit einem Millionen-Publikum gerade auf meine Kosten einen Spaß machen wollte? Augenblicklich stellte ich das gesamte Zimmer auf den Kopf, fand aber keine Kameras oder Richtmikrofone. Ich wählte die Nummer der Rezeption auf dem Telefon neben meinem Bockspringbett, auf welches ich mich zum Telefonieren legte. Noch bevor die Mitarbeiterin des Hotels etwas sagen konnte, schrie ich in die Hörmuschel des Telefons “Hallo? Ist dort die Rezeption, des Hotels?“ Die Dame am anderen Ende der Leitung fragte mich, ob bei mir alles in Ordnung sei, worauf ich erwiderte, dass natürlich bei mir alles in Ordnung sei. Soweit so gut! Kurzes Schweigen am anderen Ende der Leitung. Ich nutzte diese Gelegenheit der Ruhe, um die Dame an der anderen Leitung zu fragen, warum bei mir eine Flasche feinster Sekt vermutlich aus der Champagne in Frankreich auf dem Schrank neben den Kühlschrank steht. Die Antwort folgte prompt. „Das ist ein Geschenk des Hauses, Herr Weiss. Das erhalten bei uns alle Gäste.“ „Ja, toll, aber gnädige Frau, das Schild, das hätten Sie schon entfernen lassen können, oder?“ Warum den das, Herr Weiss?“
„Na, auf dem Schild, junge Dame, steht: ,Für unsere verliebten Gäste’, aber wie Sie mitbekommen haben, bin ich Alleinreisender! Das ist schon ein wenig diskriminierend, oder?“ Am anderen Ende der Leitung war ein herzliches, lautes Lachen zu vernehmen! Nachdem die Dame ihre Lachanfälle einigermaßen wieder in den Griff bekommen hatte, teilte sie mir lapidar, vermutlich mit Tränen in ihren Augen, mit, dass ich bitteschön das Schild richtig lesen solle.
Sie hielt kurz inne, räusperte sich und teilte mir mit, dass auf dem Schild nicht ,Für unsere verliebten Gäste’ stehen würde, sondern ,Für unsere Bergverliebten Gäste’. Kleinlaut teilte ich der Empfangsdame mit, dass ich das wohl versehentlich überlesen hätte.
Schließlich hatte ich ja, und das müsste man ja auch verstehen, eine lange, kräftezehrende Anreise! Nun ja, sei es drum. Ich entschuldigte mich für die entstandenen Unannehmlichkeiten und war gerade dabei, den Telefonhörer zurück auf die Telefongabel legen, als mich die Mitarbeiterin fragte, ob ich jetzt Zeit und Lust hätte, im Spa-Bereich des Hotels eine Weile zu entspannen. Sie teilte mir mit, dass irgendwelche Gäste, welche die Sauna für sich gebucht hätten, nicht erschienen wären und diese somit nun unbenutzt sein würde. Auf eine kurze Rückfrage meinerseits, was mich dieser Spaß denn kosten würde, erhielt ich die Antwort, dass dies alles im Preis mit inbegriffen sei.
„Ja, wenn das so ist“, teilte ich der Dame am anderen Ende der Leitung mit, dass ich das Angebot gerne annehmen würde. Ich beendete das Gespräch, riss mir sprichwörtlich die Klamotten vom Leib und zog den zum Schwan zusammengefalteten Bademantel, welcher auf dem Hotelbett lag, über meinen schwammigen Astral-Körper. Eilig schlüpfte ich in die vom Hotel bereitgestellten Badelatschen. Ich nahm die Chipkarte, schloss die Zimmertür hinter mir und rannte wie von Sinnen die Treppen hinunter zum Ausgang über die Straße ins Foyer, wo die Empfangsdame bereits auf mich wartete. Saskia, so hieß die Dame am Empfang, begrüßte mich mit den Worten: „Hallo Herr Weiss, schön, dass Sie da sind. Dann folgen Sie mir bitte.“ Gang nach hinten, Kurve links, Treppe hoch, Gang vor und schon standen wir vor der Tür. Sie übergab mir die Karte für den Spa-Bereich und wünschte mir viel Spaß. Weil auch in Österreich Corona eine zentrale Rolle spielte, hatte ich, der österreichischen Corona-Schutzverordnung sei Dank, die Möglichkeit, dieses ultimative Luxus-Erlebnis mit zwei Saunen, Pool Outdoor-Bereich usw. für mich ganz allein zu genießen. Also Bademantel abgestreift, Badelatschen in die Ecke geflackt, Brille von der Nase genommen und schon war ich bereit für meinen ersten Saunagang des Jahres 2021, welchen ich in der 90 Grad heißen finnischen Sauna absolvierte. Fünf Minuten, zehn Minuten, vierzehn Minuten, ich hatte genug vom Schwitzen. Nachdem ich die Sauna-Tür von...




