E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Wiggs Dich im Herzen
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95576-684-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-95576-684-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Annie Harlows Glück scheint perfekt: Sie ist die Produzentin einer bekannten Kochshow, hat einen liebevollen Mann, eine wunderschöne Wohnung in Los Angeles - und jetzt ist sie auch noch schwanger! Doch dann hat Annie hat einen schweren Unfall. Als sie ein Jahr später aus dem Koma erwacht, ist ihr Leben ein Scherbenhaufen. Als gebrochene Frau kehrt sie in ihre Heimat zurück, auf die idyllische Ahornfarm ihrer Familie in Vermont. Kann hier, mit Hilfe ihres charmanten High-School-Freundes Fletcher, ihr Herz heilen?
Susan Wiggs hat an der Harvard Universität studiert und ist mit gleicher Leidenschaft Autorin, Mutter und Ehefrau. Ihre Hobbys sind Lesen, Reisen und Stricken. Sie lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und dem Hund auf einer Insel im nordwestlichen Pazifik.
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1. Kapitel
Heute
„Ich kann nicht fassen, dass wir uns über einen Wasserbüffel streiten.“ Annie Rush richtete den Hemdkragen ihres Mannes.
„Dann lass uns damit aufhören“, sagte er. „Die Entscheidung ist gefallen.“
Er setzte sich und schob erst einen, danach den anderen Fuß in seine Cowboystiefel – diese unglaublich teuren Stiefel, die sie ihm letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte. Weil sie an ihm so verdammt gut aussahen, hatte sie den Kauf jedoch nie bereut.
„Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wir können das immer noch absagen. Das Budget für die Show ist bereits ausgeschöpft. Und ein Wasserbüffel? Das sind tausendfünfhundert Pfund reine Sturheit.“
„Komm schon, Babe.“ Martin stand auf. Seine blauen Augen glitzerten wie die Sonne auf dem Wasser eines Swimmingpools. „In der Sendung mit einem lebendigen Tier zu arbeiten wird ein echtes Abenteuer. Die Zuschauer werden es lieben.“
Sie atmete verärgert aus. Verheiratete Paare stritten sich über die dümmsten Dinge. Wer hat die Zahnpasta offen gelassen? War es schneller, den Ventura Freeway oder die Golden State zu nehmen. Die Anzahl der Silben im Wort Brokkoli. Die optimale Temperatureinstellung der Heizung. Warum spülte er nie seine Bartstoppeln im Waschbecken weg?
Und nun das. Ein Wasserbüffel.
„Wo in meiner Jobbeschreibung steht, dass ich ein Wasserbüffelcowboy bin?“, fragte sie.
„Der Büffel ist ein integraler Bestandteil der Sendung.“
Er sammelte seine Schlüssel und seine Aktentasche ein und ging nach unten. Seine Schritte hallten schwer auf dem Holzfußboden.
„Das ist ein verrückter Missbrauch des Produktionsbudgets.“ Sie folgte ihm. „Das hier ist eine Kochsendung, nicht Wildes Tierreich.“
„Er ist The Key Ingredient“, beharrte Martin. „Und wenn die Hauptzutat der Woche Mozzarella ist, brauchen wir einen Büffel.“
Annie biss die Zähne zusammen, um sich davon abzuhalten, die Diskussion weiterzuführen. Sie erinnerte sich daran, dass dieser Streit auf einer tieferen Ebene ihre Ehe berührte. Im Vergleich damit war selbst ein fünfzehnhundert Pfund schwerer Büffel eine Kleinigkeit. Es waren die großen Dinge, die zählten – Martins mühelose Art, Knoblauch und Schnittlauch zu schneiden, wenn er für sie kochte. Seine Hingabe an die Sendung, die sie gemeinsam erschaffen hatten. Der heiße Sex unter der Dusche, den sie am vergangenen Abend gehabt hatten.
„Das wird super“, sagte er. „Vertrau mir.“ Er legte einen Arm um ihre Taille und gab ihr einen kurzen Kuss.
Annie streckte eine Hand aus und berührte seine frisch rasierte Wange. Das Letzte, was sie jetzt brauchen konnte, war ein Disput mit Martin. Er hatte keine Ahnung, wie seltsam seine Idee war. Er hatte schon immer geglaubt, dass die Attraktivität der Sendung in ihrer Fremdartigkeit lag. Sie hingegen war überzeugt, dass die Sendung ihren Erfolg ihrer Authentizität verdankte. Und dem talentierten Koch, dessen Aussehen und Charisma jede Woche eine Stunde lang die Zuschauer vor dem Bildschirm fesselte.
„Ich vertraue dir“, flüsterte sie und stellte sich für einen weiteren Kuss auf die Zehenspitzen. Martin war immerhin der Star der Show. Seine Meinung zählte beim ausführenden Produzenten, und er war es gewohnt, seinen Willen durchzusetzen. Die Details überließ er ihr, Annie – seiner Frau, seiner Partnerin, seiner Produzentin. Es war an ihr, dafür zu sorgen, dass alles so lief, wie er es gerne hätte.
Der Streit hallte noch in ihrem Kopf nach, als sie ihre Hände auf die Fensterbank des Fensters stützte, das auf den Garten ihres Stadthauses hinausging. Sie hatte an diesem Tag eine Million Dinge zu erledigen, angefangen bei einem Interview für das People-Magazin – ein Blick hinter die Kulissen der Sendung.
Ein Fensterputzer war dabei, ein Gerüst zu erklimmen und sich an die Arbeit zu machen. Martin kam auf dem Weg zum Parkhaus an ihm vorbei und blieb kurz stehen, um etwas zu dem Mann zu sagen. Der grinste daraufhin und nickte. Martin, der Charmeur.
Einen Augenblick später schoss der silberfarbene BMW Roadster aus der Garage. Annie wusste nicht, wieso Martin so in Eile war. Der montägliche Berufsverkehr war seit Stunden vorüber.
Sie seufzte und wandte sich ab, wobei sie versuchte, die emotionalen Nachwirkungen des Streits abzuschütteln. Gran hatte stets gesagt, dass es bei einem Streit nie um die Sache ging, über die man sich stritt. Der Wasserbüffel war nicht der Punkt. Bei all ihren Auseinandersetzungen ging es im Kern um Macht. Wer sie hatte. Wer sie wollte. Wer sich geschlagen geben würde. Wer sich durchsetzen konnte.
Bei ihnen gab es da keine Frage. Sie gab nach. Martin gewann. So war es immer. Weil sie es zuließ? Oder weil sie eine Teamplayerin war? Ja, sie waren ein Team. Ein erfolgreiches Team mit einer eigenen Sendung in einem aufstrebenden Sender. Die Kompromisse, die sie eingingen, waren für sie beide gut. Und für ihre Ehe.
Ein weiterer Spruch von Gran hatte sich ihr ins Herz geprägt: Erinnere dich an die Liebe.
Wenn die Zeiten hart waren und man sich fragte, warum man überhaupt geheiratet hatte, sollte man sich an die Liebe erinnern.
Zum Glück fiel ihr das nicht schwer. Martin war ein echter Fang. Er war so attraktiv, dass die Frauen stehen blieben und ihn anstarrten. Sein lässiger Charme beschränkte sich nicht auf die Sendung. Martin wusste, wie er sie zum Lachen bringen konnte. Wenn sie gemeinsam eine Idee entwickelten, zog er sie in seine Arme und tanzte mit ihr durch die Küche. Wenn sie über die Familie sprachen, die sie einst haben würden, die Babys, schmolz sie vor Sehnsucht dahin. Er war ihr Ehemann, ihr Partner, ein unersetzbares Element in ihrem Leben. Okay, dachte sie. Okay gut. Was auch immer.
Annie sah auf die Uhr und widmete sich dann ihren beruflichen E-Mails – alle ihre E-Mails waren beruflich. Sie erfuhr, dass die Hebebühne, die sie gemietet hatten, um die neue Beleuchtung am Set ihrer Sendung zu installieren, mit mechanischen Problemen zu kämpfen hatte.
Super. Noch etwas, worüber sie sich Gedanken machen musste.
Das Telefon klingelte, und auf dem Display erschien das Bild einer Katze. „Melissa“, sagte Annie und stellte den Lautsprecher des Apparats an. „Was ist los?“
„Ich wollte nur mal hören, wie es so geht“, erwiderte Melissa. Das schien sie in letzter Zeit ziemlich häufig zu tun. „Hast du die E-Mail bezüglich der Kuh gesehen?“
„Des Büffels“, korrigierte Annie sie. „Und ja. Außerdem habe ich eine Nachricht über eine Hebebühne, die nicht funktioniert, und gleich kommt CJ vom People-Magazin. Also werde ich heute später am Set sein. Sag allen, sie sollen sich bis nach dem Lunch gedulden.“ Annie biss sich auf die Unterlippe. „Sorry. Ich bin heute Morgen etwas übellaunig. Ich habe vergessen zu frühstücken.“
„Dann mach dir jetzt etwas. Okay, meine Hübsche“, sagte Melissa fröhlich. „Ich muss los.“
Annie wandte sich wieder ihrem Computer zu, um noch einmal die Uhrzeit für den Termin mit der Reporterin zu prüfen. CJ Morris wollte einen Hintergrundbericht über die Sendung schreiben – nicht nur über die Stars Martin Harlow und Melissa Judd, sondern über die gesamte Produktion. Von ihren Anfängen als kleine Sendung im Kabelfernsehen bis zu dem Hit, der sie geworden war. Martin und Melissa hatte CJ bereits interviewt. Heute würde sie nun hierherkommen, um sie zu besuchen, die Erfinderin der Sendung. Es war ein ungewöhnlicher Ansatz für einen Zeitschriftenartikel. Normalerweise waren die Leserinnen nur an Klatsch und an Fotos der Stars interessiert. Annie hoffte, das Beste aus der Gelegenheit machen zu können.
Während sie auf die Journalistin wartete, tat sie das, was eine Produzentin tat – sie nutzte jede freie Minute, um sich um Dinge zu kümmern. Sie las sich die Mietbedingungen für die Hebebühne genau durch, um eine Telefonnummer zu finden. Hierüber hatten Martin und sie sich auch in die Haare bekommen. Die Miete für die Hebebühne mit der höchsten Sicherheitsstufe war wesentlich höher als die für die hydraulische. Trotz ihres Einspruchs hatte Martin darauf bestanden, die billigere zu nehmen. Wie üblich hatte sie nachgegeben und er seinen Willen bekommen. Da sie das Budget wegen des Wasserbüffels überschreiten würden, hatte sie woanders Abstriche machen müssen. Jetzt funktionierte diese Hebebühne nicht, und es war an ihr, das Problem zu lösen.
Genug, sagte sie sich. Ihr fiel wieder ein, dass sie etwas frühstücken wollte, und sie öffnete den Kühlschrank. Bulgarischer Joghurt mit Ahornmüsli? Nein, ihr Magen lehnte die Vorstellung von Joghurt ab. Die zarten französischen Radieschen, die auf dem Bauernmarkt so verlockend ausgesehen hatten, waren nicht mehr ganz frisch. Und selbst eine schlichte Scheibe Toastbrot fand sie wenig ansprechend. Okay, also kein Frühstück. Eine Sache nach der anderen.
Sie ging ins Gästebad und kämmte sich ihr langes dunkles Haar, das sie am Tag zuvor mit dem Glätteisen in die Unterwerfung gezwungen hatte. Dann prüfte sie ihren Lippenstift und ihren Nagellack. Beide kirschrot und perfekt zueinanderpassend. Der schwarze Bleistiftrock, Plateausandalen und das fließende weiße Top waren cool und lässig, eine gute Wahl bei der derzeitigen Hitzewelle. Sie wollte für das Interview gut aussehen, auch wenn diesmal kein Fotograf dabei wäre.
Es klingelte, und sie eilte zur Gegensprechanlage. Mist, die Reporterin war früh dran, so etwas mochte sie...




