Wilke | Holundermond | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Wilke Holundermond


1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-649-60963-6
Verlag: Coppenrath
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-649-60963-6
Verlag: Coppenrath
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie verwunschen wirkt das alte Kloster im sanften Licht des Mondes. Doch Nele ahnt, dass hinter seinen dicken Mauern ein Geheimnis lauert, das eng mit dem plötzlichen Verschwinden ihres Vaters verknüpft ist. Entschlossen, das Rätsel zu lösen, stellt sie sich zusammen mit ihrem Freund Flavio den dunklen Kräften des Klosters entgegen.

Ãoeber zwölf Jahre war Jutta Wilke selbstständige Anwältin für Familienrecht. Nach der Geburt ihres fünften Kindes hängte sie ihre Robe an den Nagel, um sich ganz ihrer auf XL-Format angewachsenen GroÃxfamilie widmen zu können. Als dann auch der jüngste Spross einen Kindergartenplatz ergattern konnte, beschloss Jutta Wilke, noch einmal ganz neu durchzustarten und endlich das zu machen, wovon sie ihr Leben lang geträumt hatte: Kinderbuchautorin werden.
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1



Es war Sommer, als Jan die Tür hinter sich ins Schloss zog und das Haus für immer verließ.

Wie ein Dieb schlich er sich schon im Morgengrauen aus ihrem gemeinsamen Leben.

Im Kirschbaum stritten sich die Spatzen lauthals um die besten Plätze, die Sonne hatte eben erst begonnen, den Tau auf den Blättern zu trocknen.

Nele legte die Stirn an die Fensterscheibe und blickte auf die Straße. Sie würde nie wieder Kirschen essen können, ohne an diesen Morgen zu denken.

Unten vor ihrem Fenster stand Jan, ihr Vater. Sie sagte schon lange nicht mehr Mama und Papa zu ihren Eltern. Irgendwann war aus ihnen Lilli und Jan geworden.

Jan schaute zu ihr hoch und winkte zum Abschied. Dann stieg er in seinen alten blauen Bus und fuhr davon.

Nele fror. Es fühlte sich an, als ob nicht nur Jans Möbel, seine Bücher und Kleider mit dem Bus um die Ecke bogen, nein, es war, als ob auch ein Stück von ihr in Kisten verpackt worden wäre und sich nun immer weiter von ihr entfernte.

»Bis bald«, hatte Jan gesagt und sie noch einmal in den Arm genommen. Bis bald. So, als ob er nur eben auf eine Dienstreise ginge oder auf seinen jährlichen Angeltrip. Aber sie wusste, dass Jan niemals zurückkommen würde. Nicht in dieses Haus, in dem sie so viele Jahre glücklich zusammengelebt hatten.

Auch sie würde bald ausziehen. Lilli hatte eine kleinere Wohnung für sie beide gemietet.

Nele zog sich die Kapuze des riesigen grauen Sweatshirts über den Kopf.

Es war Jans Pullover. Sie hatte ihn heimlich aus einer der gepackten Kisten herausgenommen und unter ihrem Bett versteckt. Heute Morgen hatte sie ihn hervorgezogen und sich darin verkrochen. Wenn sie die Kapuze tief ins Gesicht schob und die Nase vorne in den Ausschnitt steckte, dann roch es nach Jan. Aber der Geruch würde verfliegen, sie konnte die Vergangenheit nicht festhalten.

»Nele, bitte mach doch endlich die Tür auf!«

Schon zum zweiten Mal stand Lilli heute vor ihrem Zimmer.

Nele antwortete nicht. Was hätte sie auch sagen sollen?

»Nele, bitte! So geht das nicht weiter. Wir müssen reden!«

Lilli klopfte schon wieder.

»Verdammt, lass mich endlich in Ruhe. Ich will nicht mit dir reden!«

Nele wandte sich vom Fenster ab und warf sich aufs Bett. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Wütend schlug sie mit den Fäusten auf das Kissen. Nur so konnte sie den Schmerz tief in sich drin aushalten.

Dieser Tag war auf sie zugerollt wie eine Lawine. Am Anfang hatte sie noch geglaubt, dass ihre Eltern sich bald wieder vertragen würden. Aber dann hatte Jan angefangen, Zeitungsannoncen auszuschneiden und auf Wohnungssuche zu gehen. Schließlich war er fündig geworden und hatte begonnen, seine Sachen in Umzugskisten zu packen.

Jeden Tag war das Haus ein bisschen leerer geworden, mit jeder gepackten Kiste hatte es sein Gesicht ein wenig mehr verändert. Da, wo Jans Sachen fehlten, wirkten die Räume wie ein Bild, in dem jemand herumradiert hatte.

Nele ließ ihren Blick durch ihr Zimmer schweifen. Bald würde hier ein anderes Kind wohnen. Ob es Geschwister mitbrachte? Ob seine Eltern sich besser vertragen würden als Lilli und Jan?

Sie seufzte. Ihr war kalt. Sie nahm die Wolldecke vom Bett und wickelte sich darin ein.

Dann drehte sie den Schlüssel im Schloss, öffnete die Tür und ging nach unten.

Lilli saß in der Küche und umklammerte mit beiden Händen eine Tasse. Ihre Mutter sah blass aus.

»Na, Große, möchtest du mit mir frühstücken?«

Nele griff nach einem Glas und goss Milch hinein.

»Das ist Jans Platz!«, fauchte sie ihre Mutter an.

Lilli hob erschrocken den Kopf. Ohne ein Wort zu sagen, stand sie auf, schob ihre Tasse ein Stückchen weiter und setzte sich auf den nächsten Stuhl.

Nele ließ sich ihr gegenüber nieder und nippte an ihrer Milch. Sie wusste, dass sie gemein war. Aber sie konnte nicht anders.

»Du siehst gemütlich aus mit deiner Decke.«

Nele verdrehte die Augen. Sie hasste es, wenn Erwachsene auch in Momenten, in denen es gar nichts zu sagen gab, irgendwas daherreden mussten.

»Ich weiß, dass es dir nicht gut geht. Aber schau, schon in einer Woche holt Jan dich ab und du lernst seine neue Wohnung kennen.« Lilli trank einen Schluck Kaffee.

Nele wusste nichts darauf zu sagen. So hatten sie es vereinbart, ja. Jan würde ausziehen, sich ein paar Tage lang in seiner neuen Wohnung einrichten und dann würde sie ihn besuchen. Schließlich waren Sommerferien. Und Nele wollte doch sicher sehen, wie Jan jetzt lebte.

Wollte sie das wirklich? Sie starrte auf den Platz, auf dem er beim Frühstück immer gesessen hatte. Sie wollte, dass er wieder hier wohnte, dass er da saß, wo er immer gesessen hatte. Sonst nichts.

Das Telefon klingelte.

Nele nippte wieder an ihrer Milch und wartete. Lilli starrte in ihren Kaffee. Aber das Telefon klingelte unbeeindruckt weiter, sodass Lilli schließlich fluchend ihre Tasse absetzte und in den Flur ging.

»Ja bitte?«

Pause.

»Was soll das heißen, du musst weg? Wie lange denn? Und warum konntest du das nicht schon vorhin sagen?« Lillis Stimme wurde lauter. »Was ist mit Nele?«

Als sie ihren Namen hörte, stand Nele auf und ging langsam in Richtung Flur.

»Soll ich dir mal was sagen? All die Jahre hindurch war dir dein Beruf wichtiger als alles andere. Nun hast du einmal die Chance, mit deiner Tochter zwei Wochen allein Urlaub zu machen, und schon wieder soll sie hinter deinem Job zurückstehen?« Lilli schrie jetzt und Nele zuckte zusammen. »Komm her und sag es ihr selbst. Wenigstens so viel Mumm solltest du haben, findest du nicht?« Lilli knallte das Telefon auf die Kommode und drehte sich um. Nele stand in der offenen Küchentür und starrte sie an.

»Was ist los?«

»Nichts, gar nichts.« Ihre Mutter strich sich durch die Haare und wich ihrem Blick aus.

»Ihr habt euch wieder gestritten. Ihr habt wegen mir gestritten. Was ist passiert?«

»Es ist nichts, Nele. Wirklich nicht.« Lilli wandte sich ab und lief ins Bad.

»Gar nichts?« Nele folgte ihr. Vor der verschlossenen Badezimmertür blieb sie stehen. »Was soll er mir selbst sagen? Und was ist mit seinem Job?«

Sie hörte, wie im Bad die Dusche anging. Ihre Mutter antwortete ihr nicht. Wütend trat Nele gegen die Tür. Sie musste hier raus. Sie stürzte den Flur entlang und wischte im Vorbeirennen das Telefon von der Kommode, das krachend auf den Fliesen aufschlug.

Sie riss die Tür auf und trat in den Garten. Der Morgen war noch kühl, irgendwo zwitscherte eine Amsel. Sie kannte die Stimmen der heimischen Vögel, Jan hatte sie ihr bei ihren langen gemeinsamen Spaziergängen durch den Wald immer wieder erklärt.

Nele seufzte. Der Garten schien ihr so unwirklich, die Stille so friedlich und vollkommen.

Im hinteren Teil des Gartens stand noch die kleine Hütte, die Jan ihr gebaut hatte und die ihr Schloss, ihr Wigwam oder ihre Höhle gewesen war. Auf dem Dach saß die Amsel und schaute sie neugierig an.

Nele schlüpfte unter das Dach, kauerte sich an die Wand und schlang die Arme um die Knie. Wenn man die Zeit nur zurückdrehen könnte. Oft hatte sie sich gewünscht, endlich erwachsen zu sein. Doch heute fühlte sie sich so klein wie schon lange nicht mehr und alles an ihr kam ihr zu groß vor. Ihre Beine waren schrecklich lang, sie konnte in der Hütte nicht mehr stehen, ohne sich den Kopf anzustoßen. Ihre Arme waren so gewachsen, dass sie sie nur auszustrecken brauchte, um die Wände rechts und links gleichzeitig zu berühren. Nele schloss die Augen und stellte sich vor, nicht sie sei größer geworden, sondern die Hütte sei geschrumpft. So musste Alice sich im Kaninchenbau gefühlt haben, bevor sie den Zaubersaft getrunken hatte.

»Hier steckst du also! Ich habe dich schon überall gesucht.«

Die Sonne stand hoch am Himmel, als Nele wach wurde. Die Amsel war längst verstummt. Nele rieb sich die Augen und wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht.

Unter der Wolldecke war es heiß geworden, die Haare klebten ihr nass am Kopf und ihr Sweatshirt war ganz verschwitzt.

Vor der Hütte stand Jan. »Willst du nicht rauskommen, oder möchtest du weiterschmoren, bis du gar bist?«

Nele hatte nicht damit gerechnet, ihren Vater so schnell wiederzusehen. Im ersten Moment wusste sie nicht, ob sie sich...


Ãoeber zwölf Jahre war Jutta Wilke selbstständige Anwältin für Familienrecht. Nach der Geburt ihres fünften Kindes hängte sie ihre Robe an den Nagel, um sich ganz ihrer auf XL-Format angewachsenen GroÃxfamilie widmen zu können. Als dann auch der jüngste Spross einen Kindergartenplatz ergattern konnte, beschloss Jutta Wilke, noch einmal ganz neu durchzustarten und endlich das zu machen, wovon sie ihr Leben lang geträumt hatte: Kinderbuchautorin werden.



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