E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Wilson Unvergesslich, diese Nächte!
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5651-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5651-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Keine Sorge - Candice kommt nicht! Doch als J.T. zur Hochzeit seines Freundes Jack erscheint, werden seine Befürchtungen doch wahr: Candice ist auch da. Er schaut sie nur an - schlank, blond, aufregend - und sofort fallen ihm all die heißen Nächte ein, die sie in ihrer kurzen Ehe so lustvoll miteinander verbracht haben ...
Mary Anne wurde in Toronto, Kanada, geboren und fing bereits im Alter von neun Jahren mit dem Schreiben kleiner Geschichten an. Über den Ausgang von Charles Dickens' berühmtem Roman "A Tale of Two Cities" ("Eine Geschichte zweier Städte") war sie so enttäuscht, dass sie das Ende kurzerhand nach ihren Vorstellungen umschrieb. Jahre später zog sie nach Südkalifornien, wo sie der Liebe ihres Lebens begegnete. Dort erkannte sie, dass sie den Schnee im Winter nicht vermisste, und nahm ihren ganzen Mut zusammen, um endlich ihren ersten Liebesroman, natürlich mit Happy End, zu schreiben. Sie verfasste acht Romane, bevor sie den Dreh raus hatte und ihr erstes Buch veröffentlicht wurde. Das war im Jahr 1988. Seitdem kamen 40 weitere hinzu. In ihrer Freizeit arbeitet sie an weiteren Liebesromanen voller Romantik und knisternder Spannung.
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PROLOG
London
„Ich glaube, die Schlagzeile lautete ‚Der Cowboy und sein neues Fohlen‘, aber ich weiß es nicht mehr ganz genau.“
J.T. Watson verließ den Konferenzsaal des ‚Hombley Towers‘ und drückte sein Handy ans Ohr. Zwölf Stunden gnadenloser Verhandlungen warfen selbst den stärksten Cowboy aus dem Sattel. Er war es so leid, sich von diesen sogenannten Geschäftsleuten belügen und manipulieren zu lassen, dass er froh war, als sein Handy klingelte. Er murmelte eine Entschuldigung, verabschiedete sich und ging zum Fahrstuhl.
Es war eine angenehme Überraschung, die Stimme seines alten Freundes Jack O’Connor am anderen Ende der Leitung zu hören. Allerdings trug die Neuigkeit mit der Schlagzeile nicht gerade dazu bei, J.T.s an sich schon etwas gereizte Stimmung zu verbessern.
„Du rufst mich doch wohl nicht in London an, um mir mitzuteilen, was irgendein Paparazzo über mich in die Zeitung gesetzt hat?“
„Na hör mal, das ist die Neuigkeit schlechthin! Sandi hat es mir eben gezeigt. Du und dieses Model … Wie heißt sie doch gleich, Vanny oder Vonny oder Veggie? Hat sie auch einen Familiennamen? Ihr seid im Großformat gleich auf der ersten Seite. Das ist ein gefundenes Fressen für die Tagespresse von San Francisco. Scheint diesmal ernster zu sein als die Sache mit der Eiskunstläuferin letztes Jahr, hm?“
„Diese Eiskunstläuferin habe ich nur einmal getroffen – leider stand rein zufällig ein Reporter neben mir, der die Sache dann ganz wunderbar ausgeschlachtet hat.“ J.T. betrat den Fahrstuhl. „Übrigens, die junge Dame heißt Vonya. Und ich könnte mir vorstellen, dass sie eine Nervenkrise bekommt, wenn sie erfährt, dass man sie mit einem Pferd vergleicht.“
Jack lachte. „Ich wette, sie ist auch mit einer Nervenkrise noch eine Wucht. Ich habe selten jemanden gesehen, der so herrliche schwarze Haare hat, und wie groß war sie noch – fast einen Meter und achtzig?“
„So ungefähr. Sie ist nur zehn Zentimeter kleiner als ich“, erwiderte J.T.
„Und diesmal ist es wohl nicht bei der einen Verabredung geblieben, oder?“
„Nein, wir treffen uns, so oft wir Zeit haben. Sie sagt, sie findet es super, mit einem Cowboy gesehen zu werden.“ Nachdenklich betrachtete J.T. sein Spiegelbild in der Fahrstuhltür, die sich hinter ihm geschlossen hatte.
Das weiße Hemd unter der zünftigen Wildlederjacke, die sowohl an den Ärmeln als auch unterhalb der Schultern mit Fransen besetzt war, Jeans und Lederstiefel – ja, er sah wirklich aus wie ein Cowboy. Den weißen Stetson hatte er so weit in die Stirn gezogen, dass die obere Hälfte des Gesichts im Schatten lag. Es war ein markantes Gesicht, das von der Arbeit im Freien auf der Ranch immer sonnengebräunt war.
„Sag mal, hast du mich angerufen, um mich über mein Liebesleben auszufragen? Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich jemals nach deinen Freundinnen erkundigt habe.“
„Dazu wäre es jetzt sowieso zu spät. Ich heirate nämlich.“
J.T. drückte den Knopf mit der Aufschrift „Tiefgarage“, und der Fahrstuhl setzte sich lautlos in Bewegung. „Die Verbindung muss ziemlich schlecht sein. Ich habe gerade verstanden, dass du die Absicht hast, zu heiraten.“
„Du hast richtig gehört. Ich habe die Frau gefunden, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Ich habe mich Hals über Kopf verliebt. Erst hat es Dylan erwischt und jetzt mich. Vielleicht bist du ja der Nächste mit deinem Supermodel …“
Jack, Dylan und J.T. waren seit ihrer Zeit am College die dicksten Freunde. Sie waren wie Brüder, so verschieden sie auch sein mochten.
„Rede keinen Unsinn“, meinte J.T. belustigt. „Nach Heiraten hat mir nie der Sinn gestanden. Ich bin ganz anders als ihr.“
Ja, er war tatsächlich anders. Während Dylan Montgomery aus einer alten, angesehenen Familie stammte und Jack von den Montgomerys zumindest akzeptiert wurde – wenn auch mit leichtem Naserümpfen –, entsprach J.T. gesellschaftlich nicht im Entferntesten den Ansprüchen der vornehmen Familie.
Nun, er brauchte nur an sich hinunterzusehen … Die abgetragene Levis und die Lederstiefel ließen keinen Zweifel daran aufkommen, dass seine Vorfahren seit Generationen Rancher gewesen waren. Er stammte aus Texas, und sein Vater war nur deshalb zu Geld gekommen, weil er das Patent für eine neuartige Mausefalle angemeldet hatte. Das Prinzip war so genial, dass es zum Aufbau einer Elektronikfabrik geführt hatte, die Millionen abwarf.
Aus dem armen Cowboy war ein steinreicher Industrieller geworden, der es sich nicht hatte nehmen lassen, seinen Sohn aufs College zu schicken. Nein, J.T. gehörte nicht zum Geldadel. Er war und blieb der harte Cowboy, der allerdings im Sitzungssaal genauso zu Hause war wie auf dem Rücken eines Pferdes. Glücklicherweise lagen ihm beide Rollen.
„Man soll niemals nie sagen“, sagte Jack. „Mich hat’s schließlich auch erwischt. Und weißt du was? Patrick wusste es eher als ich.“
„Tja, er ist ja auch mein Patenkind“, erwiderte J.T. „Und wie heißt die Glückliche?“
„Sie heißt Sandi, aber der Glückliche bei der Sache bin ich. Ich habe übrigens ein Attentat auf dich vor: Ich möchte dich bitten, einer meiner Trauzeugen zu werden.“
„Dein Trauzeuge? Das ist doch nicht dein Ernst.“
„Natürlich ist es mein Ernst. Dylan und du werdet meine Trauzeugen. Sandi möchte es so. Whitney und Steffi möchte sie übrigens als Brautjungfern, und Patrick überreicht die Ringe. Die Hochzeit findet in zwei Wochen statt, hier in Montgomery Beach gleich neben dem alten ‚Plaza Hotel‘.“
J.T. verstand kein Wort. „Montgomery Beach? Wie kommst du denn darauf?“
„Ganz einfach. Ich habe Sandi hier zum ersten Mal getroffen, habe mich hier in sie verliebt, und nun werden wir hier heiraten und zunächst einmal wohnen bleiben.“
Der Gedanke, nach Montgomery Beach zurückzukehren, behagte J.T. nicht im Geringsten. Acht Jahre war es her, dass er zum letzten Mal dort gewesen war, und damals hatte er sich geschworen, dass es das letzte Mal war. „Tut mir leid, aber ich stecke im Augenblick bis über beide Ohren in der Arbeit. Ich kann mich unmöglich frei machen.“
„Dieselbe Ausrede hattest du auch bei Dylan.“
Die Fahrstuhltür öffnete sich, und J.T. betrat die Tiefgarage. „Hey, es hat mir ja auch sehr leidgetan, aber es ging nicht anders. Außerdem habe ich ihm versprochen, später vorbeizukommen. Du scheinst zu vergessen, dass ich momentan in London bin – sozusagen am anderen Ende der Welt.“
„Falls du es nicht wissen solltest: Es gibt da dankenswerterweise ein erstklassiges Flugunternehmen, welches dein Problem im Handumdrehen lösen könnte. Hast du schon einmal etwas von der Concorde gehört?“
J.T. steuerte auf den grünen Jaguar zu, den er für die Zeit seines Aufenthalts in London geliehen hatte. „Ach, Jack, hör doch auf …“
„Ich denke gar nicht daran. Ich weiß sehr gut, warum du dich drücken willst.“
„Okay, ich habe dir glaubhaft versichert, warum es mir unmöglich ist zu kommen. Wieso sollte ich mich deiner Meinung nach drücken?“ Die Absätze seiner Cowboystiefel hallten bei jedem Schritt auf dem Beton der Tiefgarage wider.
„Sagen wir es so: Dylan wird der einzige Montgomery sein, der zur Hochzeit kommt.“
„Was genau willst du damit sagen?“ Ein mulmiges Gefühl machte sich in J.T.s Magen breit.
„Ich will damit sagen, dass sie nicht zur Hochzeit kommen wird.“
J.T. legte die Hand auf den metallenen Griff des Jaguars, ohne die Fahrertür jedoch zu öffnen. „Wie bitte?“
„Candice befindet sich auf einer Kreuzfahrt irgendwo in der Karibik, und ihre Mutter wird keinerlei Festlichkeiten beiwohnen, solange das Trauerjahr noch nicht um ist. Du weißt, sie hat schon immer höchsten Wert auf die Etikette gelegt.“
„Danke für die Information“, meinte J.T. brummig, öffnete jetzt doch den Wagen und ließ sich auf den weich gepolsterten Sitz gleiten. Er zog seinen Stetson vom Kopf und warf ihn achtlos auf die Beifahrerseite. Dann steckte er den Schlüssel ins Zündschloss. „Bist du zufällig zum Pressesprecher des Montgomery-Clans auserwählt?“, fragte er, während er sich nervös mit den Fingern durch das dichte braune Haar fuhr.
„Ich wollte nur, dass du Bescheid weißt. Jetzt hast du keinen Grund mehr, abzusagen.“
J.T. atmete tief durch. Vergebens versuchte er, Candices Bild aus seinem Kopf zu verdrängen. Er wollte nicht an die Fehler seiner Vergangenheit erinnert werden; das alles war vorbei und interessierte ihn nicht mehr. „Du irrst, Jack. Ich habe dir bereits gesagt, warum es mir unmöglich ist, zu kommen.“
„Was bist du doch für ein sturer Hund!“, entgegnete Jack leicht gereizt. „Diese Version kannst du deiner Großmutter erzählen. Ich weiß doch genau, dass du dich darüber ärgerst, wie abfällig sie dich damals behandelt haben.“
„Die Sache ist endgültig gegessen.“ J.T. betrachtete sich im Rückspiegel. Seine braunen Augen unter den dichten schwarzen Brauen blickten ziemlich finster drein. Die Prinzessin sollte ihren Cowboy nicht bekommen – war sie doch nicht bereit gewesen, sich in aller Öffentlichkeit zu ihm zu bekennen …
„Dann macht es dir sicher auch nichts mehr aus, wenn du hörst, dass sie sich verlobt hat“, meinte Jack beiläufig.
Natürlich machte es J.T. nichts aus. Es war ja zu erwarten gewesen, dass sie eines Tages heiraten würde. Es war eher...




