Winegard | Die Mücke | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 624 Seiten

Winegard Die Mücke

Das gefährlichste Tier der Welt und die Geschichte der Menschheit
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-99055-514-9
Verlag: TERRA MATER BOOKS
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das gefährlichste Tier der Welt und die Geschichte der Menschheit

E-Book, Deutsch, 624 Seiten

ISBN: 978-3-99055-514-9
Verlag: TERRA MATER BOOKS
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Tödliche Insekten: Wie Stechmücken die Weltgeschichte beeinflussten Todesursache Nummer 1: die Mücke! Sie ist winzig, aber mächtig, denn ihr Stich überträgt tödliche Krankheiten in pandemischem Ausmaß. Malaria, Gelbfieber, Denguefieber und andere Infektionskrankheiten gehen auf ihr Konto. In 200.000 Jahren Menschheitsgeschichte haben Stechmücken vermutlich mehr als 52 Milliarden Menschen getötet. Das ist die Hälfte aller Menschen, die jemals gelebt haben! Der kanadische Historiker Timothy C. Winegard zeichnet ein vollkommen neues Bild vom Entstehen und Vergehen von Völkern und Staaten, von der Antike bis zur Gegenwart. Er macht seine Leser bekannt mit Steckmücken-Arten wie der Anopheles-Mücke und der Gattung Aedes. Wie diese Insekten den Lauf der Weltgeschichte prägten, erzählt er in seinem packenden Buch. - Moskitos in den Pontinischen Sümpfen: Aufstieg und Untergang des Römischen Reiches durch Malaria? - Tödliche Epidemien bei der Kolonialisierung Amerikas: Warum die Einreise der Krankheitserreger mit Sklaven aus Afrika und europäischen Einwanderern ein Todesurteil für die indigene Bevölkerung war - Der Einfluss von Infektionskrankheiten auf den Unabhängigkeitskrieg der USA und den Amerikanischen Bürgerkrieg - Mit DDT gegen Malariamücken: biologische Kriegsführung vom Zweiten Weltkrieg bis zum Verbot des Insektizids Klimawandel und Erderwärmung: Stehen uns neue Epidemien bevor? Erst im 20. Jahrhundert gab es erste Erfolge im Kampf gegen die Stechmücken. Doch die Erderwärmung begünstigt die Ausbreitung neuer gefährlicher Arten. Krankheitserreger wie das Zika- und das Westnil-Virus sind auf dem Vormarsch. Hat die Menschheit eine Chance im Kampf gegen diese Seuchen? In Timothy Winegards Buch erfahren Sie, was die Mücken angerichtet haben, was bisher im Kampf gegen sie unternommen wurde und wie wir uns für die Zukunft wappnen können!

Timothy C. Winegard lehrt Geschichte an der Colorado Mesa University. Der Kanadier studierte Geschichte im englischen Oxford, war neun Jahre lang im Dienst der kanadischen und britischen Armeen. Sein Hauptforschungsgebiet ist die Geschichte des Militärs und der indigenen Völker Nordamerikas.
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EINLEITUNG


Wir befinden uns im Krieg mit der Mücke. Eine schwärmende und blutrünstige Armee von 110 Billionen feindlicher Stechmücken patrouilliert über jeden Quadratzentimeter des Globus, mit Ausnahme der Antarktis, Island, der Seychellen und einer Handvoll französisch-polynesischer Mikroinseln. Die stechwütigen Kriegerinnen dieser summenden Insektenpopulation verfügen über mindestens 15 tödliche und schwächende biologische Waffen gegen die 7,7 Milliarden Menschen, deren Verteidigungsstrategien bestenfalls fragwürdig sind und nicht selten zum eigenen Nachteil wirken. Tatsächlich beläuft sich unser Budget für persönlichen Schutz, Sprays und andere Abwehrmaßnahmen gegen ihre unablässigen Attacken auf elf Milliarden US-Dollar jährlich, mit rasch steigender Tendenz. Und doch setzt die Mücke ihre tödlichen Offensiven und Verbrechen gegen die Menschheit rücksichtslos und in großem Maßstab fort. Unsere Gegenangriffe mögen zwar die Zahl ihrer Opfer pro Jahr senken, doch bleibt sie der ärgste Feind menschlicher Wesen auf diesem Planeten. Im Jahr 2018 gingen 830 000 Menschenleben auf ihr Konto. Der ach so vernunftbegabte und kluge belegte mit 580 000 Todesopfern innerhalb der eigenen Spezies Platz 2 dieser unrühmlichen Rangliste.

Im Jahresbericht der Gates Foundation, die seit ihrer Gründung im Jahr 2000 mehr als vier Milliarden US-Dollar in die Stechmückenforschung investiert hat, werden die Tiere als höchst gefährlich für den Menschen bezeichnet. Und der Wettkampf ist alles andere als fair. Seit 2000 lag die mittlere Zahl der durch die Stechmücke verursachten Todesfälle bei etwa zwei Millionen. Auf Platz 2 und weit abgeschlagen der Mensch mit 475 000 Opfern, gefolgt von Schlangen (50 000), Hunden und Sandfliegen (jeweils 25 000), der Tsetsefliege und der Raubwanze (jeweils 10 000). Die grausamen Killer aus Erzählungen und Hollywoodfilmen tauchen erst deutlich weiter unten auf der Liste auf. Das Krokodil belegt mit 1000 Todesopfern jährlich den zehnten Platz. Es folgen die Nilpferde mit 500 sowie Elefanten und Löwen mit jeweils 100 Opfern. Die viel gescholtenen Wölfe und Haie teilen sich mit durchschnittlich jeweils zehn Menschen pro Jahr Rang 15.1

Die Mücke hat mehr Menschen auf dem Gewissen als andere Todesursache in der Menschheitsgeschichte. Statistischen Hochrechnungen zufolge ist ihr , die je gelebt haben, zum Opfer gefallen. In Zahlen ausgedrückt, hat die Stechmücke während unserer relativ kurzen, 200 000-jährigen Existenz geschätzte 52 Milliarden von insgesamt 108 Milliarden Menschen ins Jenseits befördert.2

Freilich fügt die Stechmücke niemandem direkt Schaden zu. Es sind die schädlichen und hoch entwickelten Krankheitserreger, die sie überträgt, welche allerorten Tod und Verzweiflung verbreiten. Ohne die Mücke jedoch könnten diese bösartigen Pathogene nicht auf den Menschen übertragen werden und sich somit auch nicht weiter verbreiten. Vielmehr gäbe es diese Krankheiten ohne sie gar nicht. Ohne die Krankheiten wiederum würde man kaum über die Stechmücke sprechen. Das ruchlose Tier, das in Größe und Gewicht etwa einem Traubenkern entspricht, wäre so unschuldig wie eine gewöhnliche Ameise oder Stubenfliege, und Sie würden dieses Buch vielleicht nicht lesen; ohne ihre historische Todesherrschaft hätte ich keine aufregenden und interessanten Geschichten zu erzählen. Stellen Sie sich einmal einen Augenblick lang eine Welt ohne tödliche Stechmücken vor. Wir würden unsere Geschichte und die Welt, wie wir sie kennen oder zu kennen glauben, nicht mehr wiedererkennen. Es wäre, als lebten wir auf einem fremden Planeten in einer weit, weit entfernten Galaxie.

Als Hauptprotagonistin unserer Vernichtung stand die Stechmücke als Gevatter Tod, Sensenmann ganzer Bevölkerungen und entscheidende Kraft historischen Wandels stets an vorderster Front der Geschichte. Sie spielte eine größere Rolle für uns als jedes andere Tier, mit dem wir unser globales Dorf teilen. Auf den folgenden blutigen und verseuchten Seiten werden wir zu einer chronologischen, stechwütigen Reise durch die miteinander verwobene gemeinsame Geschichte von Mensch und Mücke aufbrechen. Schon 1852 stellte Karl Marx fest: »Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbst gewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.« Es war die hartnäckige und unersättliche Stechmücke, die unser Schicksal entscheidend lenkte und bestimmte. »Die Vorstellung, dass niedere Stechmücken und hirnlose Viren unsere internationalen Angelegenheiten beeinflussen, ist vielleicht ein harter Schlag für das Selbstwertgefühl unserer Spezies«, schreibt der gefeierte Geschichtsprofessor J. R. McNeill von der University of Georgetown. »Aber das können sie.« Wir vergessen gern, dass Geschichte nichts Zwangsläufiges ist.

Ein roter Faden dieser Geschichte ist das Wechselspiel von Krieg, Politik, Reisen, Handel und der sich verändernden Muster von natürlichem Klima und menschlicher Landnutzung. Die Mücke existiert nicht in einem Vakuum und ihr weltweiter Aufstieg ist die Folge miteinander korrespondierender historischer Ereignisse sowohl biologischer als auch gesellschaftlicher Natur. Unsere relativ kurze Reise von den ersten menschlichen Schritten in und aus Afrika bis zu unserer Herrschaft über den gesamten Planeten ist das Ergebnis einer koevolutionären Verbindung von Gesellschaft und Natur. Die Menschen haben durch Völkerwanderungen (freiwillige und unfreiwillige), Bevölkerungsdichten und Ballungsräume eine große Rolle bei der Verbreitung der von Stechmücken übertragenen Krankheiten gespielt. Historisch betrachtet, waren die Domestizierung von Pflanzen und Tieren (die Krankheitsherde sind), unsere Fortschritte in der Landwirtschaft, Abholzung, Klimawandel (natürlicher und von Menschen gemachter), Weltkriege, globaler Handel und Reisen wichtige Faktoren bei der Schaffung idealer Bedingungen für die Verbreitung jener Krankheiten.

Historiker, Journalisten und das kollektive Gedächtnis finden Pestilenz und Seuchen, verglichen mit Krieg, Eroberung und nationalen Heldenfiguren, die oft aus dem Militär kommen, jedoch eher langweilig. Die Literatur ist durchzogen von der Annahme, dass die Schicksale von Imperien und Nationen, entscheidende Kriegserfolge und die Beeinflussung historischer Ereignisse einzelnen Herrschern und Generälen zuzuschreiben oder mit menschlichem Tun auf breiterer Ebene wie Politik, Religion und Wirtschaft in Zusammenhang zu setzen sind. Die Mücke indes wurde im fortwährenden Prozess der Zivilisation bestenfalls als Zuschauer und weniger als aktiver Teilnehmerin betrachtet. Durch diesen verleumderischen Ausschluss sprach man ihr jeglichen Einfluss auf den Lauf der Geschichte ab. Stechmücken und die von ihnen übertragenen Krankheiten, die Händler, Reisende, Soldaten und Siedler auf der ganzen Welt begleitet haben, waren jedoch weitaus todbringender als sämtliche von Menschen ersonnenen Waffen und Erfindungen. Die Mücke hat die Menschheit seit grauer Vorzeit mit ungemildertem Zorn angegriffen und der modernen Weltordnung unauslöschlich ihren Stempel aufgedrückt.

Dabei rekrutierten die Stechmücken ganze Armeen von Krankheiten und zogen so über die Schlachtfelder dieser Erde, wobei sie nicht selten den Ausgang entscheidender Kriege bestimmten. Regelmäßig besiegte und vernichtete die Stechmücke die mächtigsten Armeen ihrer Zeit. Mit dem gefeierten Autor Jared Diamond gesprochen, verzerren die endlosen Regale militärhistorischer Bücher und das ganze Hollywoodtrara mit ihrer Verherrlichung berühmter Kriegshelden eine wenig schmeichelhafte Wahrheit: Die von Stechmücken übertragenen Krankheiten erwiesen sich als weitaus tödlicher als Muskelkraft, Material oder die Strategien der klügsten Generäle. Wenn wir die Schützengräben durchstreifen und historische Kriegsschauplätze aufsuchen, sollten wir nicht vergessen, dass ein kranker Soldat der Militärmaschine schwerer auf der Tasche liegt als ein toter. Er muss nicht nur ersetzt werden, er verbraucht auch weiterhin wertvolle Ressourcen. In unserer vom Krieg durchzogenen Geschichte bringen von Stechmücken übertragene Krankheiten seit jeher Last und Leid auf die Schlachtfelder.

Unser Immunsystem ist fein auf unser lokales Umfeld abgestimmt. Durch unseren Wissensdurst, unsere Gier, unsere Arroganz und offene Aggression brachten wir allerlei Keime in den globalen Wirbelwind historischer Ereignisse ein. Stechmücken erkennen internationale Grenzen nicht an – ob mit oder ohne Mauern. Marschierende Armeen, Kolonisten und ihre afrikanischen Sklaven brachten neue Krankheiten in entlegene Länder, wurden andererseits aber auch von den Mikroorganismen jener Länder in die Knie gezwungen, welche sie zu erobern gedachten. Die Mücke veränderte die Landschaften der Zivilisation, und die Menschen reagierten auf ihre weltweite Machtdemonstration, ohne sich dessen im Kern bewusst zu sein. Die unangenehme Wahrheit ist, dass die...


Timothy C. Winegard lehrt Geschichte an der Colorado Mesa University. Der Kanadier studierte Geschichte im englischen Oxford, war neun Jahre lang im Dienst der kanadischen und britischen Armeen. Sein Hauptforschungsgebiet ist die Geschichte des Militärs und der indigenen Völker Nordamerikas.



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