Winter | Das Böse stirbt nie | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 468 Seiten

Winter Das Böse stirbt nie

Thriller
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96148-317-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 468 Seiten

ISBN: 978-3-96148-317-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Vergangenheit stirbt nie: Der fesselnde Thriller »Das Böse stirbt nie« von Michael Winter jetzt als eBook bei dotbooks. Buenos Aires, Argentinien. Sie sind weiblich, jung und tot. Aber wer hat die Frauen, deren Leichen man wie Abfall weggeworfen hat, auf dem Gewissen: Ist es die Organ-Mafia, wie der ermittelnde Kommissar vermutet? Von all dem ahnt der deutsche Journalist Peter Aschmann nichts, als er auf einem Münchner Friedhof Zeuge einer unfassbaren Szene wird: ein ehemaliger KZ-Häftling enttarnt eine Trauerfeier als Beerdigung eines alten Nazi-Verbrechers, der es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geschafft hat, seine Weste rein zu waschen. Wie konnte es dazu kommen? Aschmann beginnt zu recherchieren - und stößt auf eine Spur, die ihn über Berlin, Wien und Madrid bis nach Buenos Aires führt - und zu einer Verschwörung, die seit Jahrzehnten die höchsten Kreise der Macht infiltriert und das Tausendjährige Reich wiederauferstehen lassen will ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der beklemmende Thriller »Das Böse stirbt nie« von Michael Winter wird alle Fans von Marc Elsberg und Mark Dawson begeistern wird. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Michael Winter wurde 1946 in Frankfurt am Main geboren. Nach seinem Studium in München arbeitete er bei Siemens im Bereich Informatik. 1975 wechselte Michael Winter zum Bayerischen Rundfunk, wo er 35 Jahre lang Sprecher und Moderator war. Bis heute ist er außerdem als Regisseur und Drehbuchautor für Werbe- und Industriefilmproduktionen in Europa und Übersee erfolgreich. Michael Winter veröffentlicht bei dotbooks den Thriller »Das Böse stirbt nie« sowie drei Passau-Krimis rund um die Kommissare Assauer und Hammer: »Tod eines Mädchens« »Tod im Schützenhaus« »Tod eines Unbekannten« Die Fälle von Assauer und Hammer sind auch als Sammelband erhältlich unter dem Titel »Die Toten von Passau«.
Winter Das Böse stirbt nie jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 2


München, Dienstag, 30. Oktober, 11 Uhr


Kemmler schlug den Mantelkragen hoch, als er aus dem Wagen stieg. Missmutig blickte er zum Himmel, während er durch das Haupttor des Waldfriedhofs im Münchner Süden ging. Der kalte Schneeregen, der aus den grauen Wolken fiel, machte ihn frösteln. Schon am Abend zuvor hatte es dicke Flocken geschneit, als er auf dem Münchener Flughafen aus seinem Firmenjet gestiegen war. Immerhin war der Staatsanwalt, ein junger Mann mit Bürstenhaarschnitt und randloser Brille, sehr zuvorkommend gewesen. Die Formalitäten hatten nicht lange gedauert, und einer beiläufigen Bemerkung des Staatsanwalts hatte Kemmler entnommen, dass der einer Studentenverbindung angehörte, die von Buschmann finanziell unterstützt wurde. Weswegen er ihm selbstverständlich gerne zu Diensten war.

Das nasskalte Gemisch aus Schnee und Regen, das von den mächtigen alten Bäumen ringsum tropfte, ließ die Kieswege in einem Gemisch aus Matsch und Wasser versinken, und Kemmler musste aufpassen, nicht in eine der großen Pfützen hineinzutreten.

Vor der Aussegnungshalle erwartete ihn ein beleibter Mann mit schwarzem Hut und schwarzem Mantel. Er mochte ein paar Jahre jünger sein als er, aber seine Schritte waren kurz und schwerfällig, als er ihm entgegenkam. Die Augen waren nur schmale Schlitze in dem schwammigen Gesicht, das in ein dickes Doppelkinn auslief.

»Herr Kemmler?«, fragte er und stellte sich schwer schnaufend als Dr. Karl Arnold Buschmann aus Stuttgart vor.

»Ich freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen«, sagte Kemmler und gab ihm die Hand. »Danke, dass Sie alles so schnell arrangieren konnten.«

»Eine Selbstverständlichkeit«, antwortete der schwere Mann.

Hinter ihnen, am Friedhofseingang, hielt ein Behindertentaxi, und eine hochgewachsene, junge, blonde Frau in schwarzem Kostüm, kniehohen Stiefeln und halblangem Mantel stieg aus. Eine gut aussehende Erscheinung, fand Kemmler, aber streng in der Art, wie sie die Haare straff nach hinten gebunden trug. Während sie zum Heck des Wagens ging, fuhr dort eine Rampe aus. Die Frau wartete, bis die Rampe den Boden erreicht hatte, und zog dann einen weißhaarigen Mann im Rollstuhl aus dem Taxi. Nachdem sie eine Decke über die Beine des gebeugt sitzenden Greises gebreitet und ihm einen Hut aufgesetzt hatte, schob sie ihn durchs Friedhofstor.

»Ernst Ludwig Messemer, ein Kamerad Hagens, und seine Enkelin Freya«, informierte Buschmann ihn. »Ein kluges, tüchtiges Mädchen. Leider ist ihr Großvater ein Mann von gestern.«

»Der Tod Ihres Vaters ist ein großer Verlust«, sagte der Mann im Rollstuhl mit krächzender Stimme, nachdem Buschmann sie bekannt gemacht hatte, und drückte Kemmler die Hand mit viel mehr Kraft, als seine gebrechliche Erscheinung erwarten ließ. Seine Enkelin sagte nur ein förmliches »Mein Beileid«, während auch sie ihm die Hand gab.

»Es ist schade, dass wir uns bei einem solch traurigen Anlass kennenlernen«, erwiderte Kemmler. »Herr Buschmann hält große Stücke auf Sie. Vielleicht ist noch Gelegenheit, uns zu unterhalten.«

Schritte knirschten hinter ihm auf dem nassen Kies, und Kemmler wandte sich um. Ein hoch aufgeschossener, hagerer Mann mit eingefallenem Gesicht und kurzen, grauen Haaren näherte sich unter einem ausladenden Schirm. Kemmler hatte den Mann als Kind oft in der Villa seines Vaters in Spanien gesehen. Die Jahre hatten ihn kaum verändert. Er war immer noch schmal wie ein Halm und kerzengerade, als hätte er einen Stock verschluckt. Die Augen waren noch genauso stechend wie damals, nur die Falten in dem Gesicht mit der Raubvogelnase waren mehr geworden. Als kleines Kind hatte er sich immer vor »Onkel Winfried« gegruselt.

»Herr Sedelmeier, Winfried Sedelmeier, nicht wahr?«

Der Mann musterte ihn ausgiebig von oben bis unten. »Du siehst prächtig aus, mein Junge«, bemerkte er anerkennend und reichte ihm die Hand. »Schade, dass wir uns bei einem so traurigen Anlass wiedersehen.«

Kemmler nickte stumm, und sie gingen zu den anderen.

Unterdessen war draußen ein Taxi vorgefahren, ein rotgesichtiger, älterer Herr mit Hut und dickem Pelzmantel stieg aus, und mit ihm ein auffallend kleiner, deutlich jüngerer Mann mit Nickelbrille, der sich nervös ein paarmal umsah, bevor er hinter seinem Begleiter hereilte.

»Dr. Manfred Zenger, Richter a. D. aus München«, stellte Buschmann den Mann im Pelzmantel vor. »Und bei ihm ist unser Freund aus Wien, Dr. Anton Pröller, ein prominenter Anwalt in Österreich.«

Kemmler begrüßte auch diese beiden mit Handschlag.

»Damit sind wir vollzählig«, verkündete Buschmann.

Eine eigenartige Gesellschaft, dachte Kemmler unwillkürlich. Er vermochte die Menschen nicht einzuschätzen, die gekommen waren, seinen Vater zu Grabe zu tragen. Mit Ausnahme von Sedelmeier und Buschmann hatte Hagen Kemmler keinen von ihnen je erwähnt.

Der schlichte Eichenholzsarg, den nur ein kleines Blumengebinde schmückte, war in der Trauerhalle zwischen vier großen Kerzen aufgebahrt. Das durch die hoch liegenden Fenster einfallende Tageslicht erhellte den reich mit farbigen Stuckaturen verzierten Raum unter dem Spiegelgewölbe nur spärlich. Einen Pfarrer hatte Kemmler nicht bestellt. Sie gingen nur hinein, um in einer Schweigeminute des Toten zu gedenken, dann bedeutete Kemmler den vier Bediensteten des Bestattungsunternehmens, die abseits bereitstanden, den Sarg zum Grab zu bringen, und folgte schweigend dem dunkel verhängten Wagen. Die Trauergäste gingen in respektvollem Abstand hinter ihm. Ein Stück dahinter Gunther und Gernot, nach allen Seiten sichernd.

Kemmlers Stimmung war gedrückt, aber mit jedem Schritt hinter dem Sarg spürte er auch eine Last von sich abfallen: die Dominanz seines Vaters, den unablässigen Einfluss, den er auch aus der Ferne auf sein Leben genommen hatte.

Er merkte, dass er gebeugt ging, richtete sich auf und straffte die Schultern. Ein Gefühl der Ruhe, der Selbstsicherheit durchströmte ihn. Endlich hatte er das Ruder in der Hand.

An einer Weggabelung erwartete sie ein Trupp junger Glatzköpfe in langen schwarzen Mänteln, unter denen Springerstiefel hervorschauten. Unbeholfen bemühten sie sich um so etwas wie eine würdevolle und stramme Haltung. Einer von ihnen trug einen großen Kranz mit einer Schleife in den deutschen Farben, schwarz, rot, gold.

Kemmler lief rot an beim Anblick des Haufens. Das fehlte noch: ein paar Neandertaler mit Hitlergruß am Grab seines Vaters. Braunes Gesindel war das Letzte, was er dort zu sehen wünschte. Mit dieser Sorte wollte er nichts zu tun haben. Weiß der Teufel, woher diese Kerle überhaupt von der Beerdigung erfahren hatten.

Er bekam die Antwort sogleich. Hinter ihm zischte Zenger den im Rollstuhl sitzenden Messemer an: »Hast du die etwa herbestellt?«

Kemmler gab Gunter und Gernot ein Zeichen, und die traten der Schar in den Weg, als die sich dem Trauerzug anschließen wollte. Ein paar Schritte später hörte Kemmler wütende Stimmen hinter sich. Er blieb stehen und drehte sich um. Die Trauergesellschaft hielt ebenfalls inne, und alle Gesichter wandten sich dem Lärm zu. Gernot holte eben einen von der Bande, der sich an ihm vorbeidrücken wollte, mit einer blitzschnellen Bewegung von den Füßen, während Gunther mit verschränkten Armen betont lässig danebenstand. Die Demonstration wirkte, der Rest der Kerle war so beeindruckt, dass sie ihren Kameraden aufklaubten und sich maulend trollten.

Kemmler winkte Gunther und Gernot und ging schnellen Schrittes los, um wieder zum Wagen mit dem Sarg aufzuschließen, den die uniformierten Bestatter unbeirrt weitergeschoben hatten. Die Trauergesellschaft eilte ihm hinterher.

Ein dicker, eiskalter Tropfen fiel zwischen Mantelkragen und Hemd und lief ihm den Rücken hinunter. Kemmler schüttelte sich und streckte die Hand nach hinten, woraufhin Gunther herbeieilte und ihm einen Regenschirm reichte.

Nicht lange, und sie hatten das Grab erreicht.

Links neben der ausgehobenen Grube, auf einer mit Kunstrasen abgedeckten Holzpalette, lag die massive Platte aus schwarzem Granit, die später das Grab bedecken würde.

Die Inschrift, die er Buschmann noch am Tag ihres Telefonats durchgegeben hatte, war bereits eingraviert:

Hagen Kemmler17.04.1919 - 27.10.2012fidelis ultra mortem

Ein paar Sonnenstrahlen brachen durch die Wolken, und der Schneeregen ließ endlich nach. Kemmler schloss den Schirm, drückte ihn Gunther in die Hand und trat neben den Sarg, auf dem die Regentropfen jetzt im Sonnenlicht glänzten wie Strasssteine.

Stille trat ein, während er mit gesenktem Kopf dort verharrte. Sein Vater war heimgekehrt, endlich. Heimgekehrt in sein geliebtes Vaterland, das wiederzusehen ihm im Leben verwehrt gewesen war. Nur das Grab in Heimaterde war ihm vergönnt.

Er hob den Kopf, schaute auf den kleinen Kreis, der gekommen war, um dem Verstorbenen das letzte Geleit zu geben, trat einen Schritt vor und begann mit lauter, fester Stimme zu sprechen:

»Wir nehmen Abschied von einem Mann, dessen Leben beispielhaft war. Von einem Mann, der schwerste Pflichten auf sich nahm, ohne zu zögern, ohne zu wanken, im Bewusstsein, seinem Volk und seinem Land zu dienen. Er hat dafür Verleumdung und Verfolgung erfahren und das Schwerste auf sich nehmen müssen, das einem, der die Heimat liebt, widerfahren kann: den Verlust dieser Heimat. Erst heute, im Tod, kehrt mein Vater Hagen Kemmler zurück, um in deutscher Erde seine letzte Ruhestatt zu finden. Sein Vorbild verpflichtet uns alle, diesem mit ganzem Herzen zu dienen und es zu seiner Bestimmung zu führen. Es wird ...« Kemmler hielt inne. Von links schlurfte eine Gestalt...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.