E-Book, Deutsch, 190 Seiten
Winter Die Sache mit dem Alkohol
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-86374-678-0
Verlag: Mankau Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Genuss ohne Abhängigkeit ist möglich: Warum wir trinken und wie wir unsere Gewohnheiten ändern können
E-Book, Deutsch, 190 Seiten
ISBN: 978-3-86374-678-0
Verlag: Mankau Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Genuss statt Muss
Mit dem Alkohol ist es so eine Sache. Einerseits lernen wir: Wer nicht mittrinkt, ist ein Langweiler und Spielverderber; andererseits warnt man uns vor den gesundheitlichen Gefahren und ermahnt zur Mäßigkeit. Was denn nun?! Ein Glas Wein zum Essen, ein Bierchen am Feierabend oder ein Schluck Sekt in geselliger Runde ist völlig in Ordnung. Doch wenn aus der Halben Bier am Abend mindestens drei werden, wir allein die ganze Flasche Wein vernichten oder die Betriebsfeier mit einem Filmriss ausklingt, stellt sich die Frage, ob unser Alkoholkonsum zum Problem geworden ist …
Möchten Sie jederzeit einen guten Tropfen genießen können und dabei mühelos die Kontrolle behalten? Dazu müssen Sie nur eines wissen: den Grund, warum Sie trinken! Wird Ihnen dieser ganz bewusst, gewinnen Sie die Kontrolle und werden zum souveränen Genusstrinker. Genusstrinker kennen keine Mangelerscheinungen, keine Minderwertigkeitsgefühle und keine Selbstzweifel; ihnen geht es ausschließlich um die geschmacklichen Sinnesreize, und sie hören auf zu trinken, sobald die Rauschwirkung überhandnimmt.
Folgen Sie Schritt für Schritt einer spannenden tiefenpsychologischen Analyse, mit der Sie kurzerhand den "Geist in der Flasche" bezwingen und zum reinen Genießer werden können.
Zielgruppe
Frauen und Männer ab 18 Jahren, die sich Gedanken über ihren Alkoholkonsum machen
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Zum Geleit
Das Dilemma
DAS PHÄNOMEN
Konsum oder Missbrauch
- Der Psycho-Tipp: Nicht ärgern - schlafen! -
SUCHT
Sind Sie Alkoholiker?
Sucht - ein Definitionsversuch
- Exkurs: Wie tickt die Psyche? -
"Psychische Ursache" heißt nicht "Schraube locker"!
Der Unterschied zwischen Sucht und Zwang
DER ALKOHOLKONSUM
Trinken ist nicht gleich Betrinken
Saufen, bis der Arzt kommt - die Kids nehmen es wörtlich
Trotz - der verlorene Kampf um Freiheit
- Der Psycho-Tipp: Trotze dem Trotz -
"Alkohol" lernen wir von den Eltern
Mach was Vernünftiges, Junge - stirb!
Alkoholiker-Selbsthilfegruppen: Warum eigentlich "anonym"?
Die "Funktion" des Betrinkens
Die verschiedenen Trinkertypen
DIE KULTURELLE KOMPONENTE
Sag mir, was du trinkst, und ich sag dir, wie du tickst
Wie Sie trotz Alkohol Ihren Führerschein behalten
Wissenschaft oder Aberglaube
LIVE AUS DER PRAXIS
Fall 1: Ein Gläschen in Ehren
Fall 2: Im Suff Krimiautorin, nüchtern Hilfsarbeiterin - oder: Ein Leben voller Lügen
Fall 3: Dabeisein ist alles
Fall 4: Natural born drinker
Fall 5: Als Sohn hart und erfolglos, als Erwachsener sensibel und frei
Fall 6: Die lustige Anita trank, um den Sex zu ertragen
Fall 7: Ehebetrug, Selbstbetrug und Selbstbetäubung
Fall 8: Wie der letzte Tod die Zukunft rettete
Von Anti-Coaches und der Erkenntnis zum Erfolg
WIE SIE ENDLICH DEN ALKOHOL BESIEGEN!
Erst therapieren - dann entziehen!
Genusstrinken versus Abstinenz und kontrolliertes Trinken
Vier Fragen, die zum Durchbruch verhelfen
Der Mythos von der Weinbrandbohne
Ausschleichen ohne Zittern
- Der Psycho-Tipp: Sag statt "Nein, danke" lieber "Ja, aber …" -
Zu guter Letzt: Locker bleiben …
Nachwort: Eine neue Suchttherapie ist fällig - und zwar schnell!
Masterclass zum tiefenpsychologischen Coach
Weitere Bücher von Andreas Winter
Audio-CDs und DVDs von Andreas Winter
Anmerkungen
Stichwortregister
DAS DILEMMA
Das mit dem Alkohol ist so eine Sache: Einerseits sollen wir ja mittrinken und kein langweiliger Spielverderber sein. Andererseits gilt Alkohol bei vielen als gefährliches Gift. Die Meinungen gehen weit auseinander. (…)
Alkohol macht nicht nur lustig, sondern leider auch unberechenbar, aggressiv und krank. Er ist oft Ursache für Unfälle, Familiendramen und sogar Verbrechen. Aber wer Alkohol strikt ablehnt, dem begegnet man oft mit Unverständnis, und wer zur falschen Tageszeit trinkt, wiederum mit Argwohn. Vormittags eine ganze Flasche Bier geht gar nicht, außer wenn man dabei im Sommer auf einem Campingplatz seinen Rasen mäht. Frühmorgens um halb sechs einen Schnaps ist allgemein ein No-Go, außer man bla¨st zur Jagd. Um 13 Uhr volltrunken zu sein ist für die meisten verwerflich - außer zum Rosenmontagszug oder am Vatertag. Interessanterweise gilt das für den Muttertag wiederum nicht. Faustregel zum Muttertag: "Bist du mittags hackedicht, stimmt was mit der Mutti nicht."
Wir sehen: Nicht nur der sachgerechte Umgang mit Alkohol will gelernt sein, sondern auch die komplexen gesellschaftlichen Regeln zum Konsum. Daraus ergeben sich manchmal Missverständnisse. Wann darf man trinken? Wann sollte man vielleicht sogar mittrinken? Warum trinken wir überhaupt, und wann wird es Zeit für die Notbremse?
Das wollen wir klären. Ich gehe das Thema aus tiefenpsychologischer Sicht an. Mich interessieren die seelischen und soziologischen Ursachen des Trinkens. Es gibt noch andere Herangehensweisen, etwa die biochemische, die medizinische oder die genetische. Da ich aber seit über 35 Jahren mit großem Erfolg mit meinem Ansatz auf methodische, überprüfbare Ergebnisse zurückblicke, bleibe ich in meinem Kompetenzbereich. Eine Schwierigkeit, den Alkoholismus zu begreifen, ist die fehlende allgemeingültige Definition - das kann für Verunsicherungen sorgen. Es gibt Menschen, die glauben, sie wären Alkoholiker, obwohl sie keine sind, und welche, die sich zwar nicht regelmäßig in den Rausch trinken, aber dennoch ein großes Problem haben - wenngleich auch kein körperliches. Zum anderen scheint selten jemand darauf einzugehen, dass der Grund des Trinkens einen ganz entscheidenden Unterschied auf die Verstoffwechselung von Alkohol macht:
Der Lebensmittelchemiker und Wissenschaftsjournalist Udo Pollmer erza¨hlte mir vor vielen Jahren in einem Interview, es wa¨re für den Ko¨rper nicht das Gleiche, ob man nachmittags im Büro auf den Geburtstag des Chefs ein Glas Sekt trinke oder eines am Abend zu Hause aufgrund von Liebeskummer. In seinem viel beachteten Buch "Opium fürs Volk" schreibt er, dass die Beko¨mmlichkeit von Alkohol stark von der Stimmung, also dem biochemischen Zustand im Gehirn abhängt. Glückshormone oder Stresshormone haben einen großen Einfluss auf die Stoffwechselfunktionen. "Aus diesem Grunde vertragen Menschen, wenn es ihnen schlecht geht, keinen Alkohol oder werden davon schnell betrunken. Auf Beerdigungen wird eben weit weniger gepichelt als auf Hochzeiten."
Fazit: Trinken Sie, wenn und solange es Ihnen gut geht, ist alles in Ordnung. Trinken Sie, DAMIT es Ihnen gut geht, könnte es riskant werden. Daher möchte ich Ihnen mit diesem Buch helfen zu erkennen, was es bei Ihnen mit dem Alkoholkonsum auf sich hat, und dadurch Ihr Trinkverhalten so zu steuern, dass Sie sich und anderen nicht schaden. Das Schwierigste dabei ist zu verstehen, dass alles ganz anders ist, als Sie vielleicht bislang dachten.
ZUM GELEIT
Alkoholische Getränke sind fast allerorten ein geschätzter Begleiter der Menschheit, ein Mittel zur Entspannung nach getaner Arbeit, ein Quell der Ausgelassenheit bei feierlichen Anlässen. Doch wer davon regelmäßig über das Maß hinaus konsumiert, der gefährdet sein Glück, seine Gesundheit und sein Leben. Es ist eine Frage des richtigen Maßes. Doch das richtige Maß ist für viele Menschen nicht mehr so einfach zu erkennen. Die Fülle der Belehrungen, der Ermahnungen und auch der unverhohlenen Drohungen verwirrt und destabilisiert. Auch noch so gut gemeinte Ratschläge haben ihren Preis. Da ist es beruhigend zu wissen, dass Andreas Winter dieses schwierige Thema erfrischend unbefangen behandelt.
Das richtige Maß ist nicht nur beim Alkohol umstritten, selbst beim ganz profanen Wasser gibt es inzwischen Irritationen. Die "Wasservergiftung", fachsprachlich Hyponatriämie, ist eine gar nicht so seltene Krankheits- und Todesursache. Der Grund ist einfach: Man trinkt über den Durst. Wird dann noch beim Salz gespart, ist das Unglück vorprogrammiert. Das überschüssige Wasser kann der Körper nur zusammen mit Salz (genauer gesagt mit seinem Bestandteil Natrium) wieder ausscheiden. Auch hier sind also Maß und Ziel angesagt. Im Unterschied zu alkoholischen Getränken versuchen viele Menschen, beim Wasser ganz bewusst mehr zu trinken, als ihnen ihr Durst nahelegt. So wie es auch beim Alkohol keine definierte Menge gibt, die noch zuträglich oder bereits gefährlich ist, fehlt sie auch beim Wasser. Zu unterschiedlich sind die Individuen und ihre Lebensweisen.
Dabei ist Wasser lebenswichtig - so wie die Freude. Ohne gehen die Menschen ein wie eine Pflanze, die kein Licht bekommt. Ein wichtiger Quell der Freude ist das Spiel, das je nachdem Körper und Geist gleichermaßen fordert. Prompt gibt es auch Spielsüchtige, die damit sich und ihre Familien ruinieren. Dabei ist das Spielerische eine Grundlage unserer Kreativität, ja der Naturwissenschaft. Ein Forscher, der keine spielerischen Neigungen hat, wird scheitern wie ein Chirurg mit zwei linken Händen. Aber hinter vielen Süchten wirken andere psychische Kräfte als nur "Gelegenheit" oder "Verlockung". Hier sind als Therapeuten Persönlichkeiten gefragt, die auch in die Tiefe der menschlichen Seele zu blicken vermögen.
Um den Reigen der Süchte zu beenden, sei als letzte die Herrschsucht angeführt, die sich im Gesundheitsbereich seuchenartig ausbreitet. Der krankhafte Wunsch, anderen Vorschriften zu machen, wird speziell beim Essen und Trinken ausgeübt, um den Körper seiner Mitmenschen absurden Normen zu unterwerfen. Für Erwachsene ist dies meist nur ärgerlich, bei Kindern oft genug eine Katastrophe. Durch die Beraterei landen heute schon Achtjährige mit Magersucht in der Klinik. Dabei wollten die Kinder nur alles richtig machen, und es ging, je mehr sie sich anstrengten, daneben. Wer es mit der Kombination von Diät und Ausdauersport übertreibt, gerät nicht selten in eine Euphorie - eine Euphorie, die immer wieder erlebt werden will. So kann selbst der Hunger zur Sucht werden.
Wer fürchtet, in eine Sucht abzugleiten, oder glaubt, bereits von ihr beherrscht zu werden, benötigt Hilfe und keine Ermahnungen. Jeder Fall ist ein Einzelfall, der individueller Beratung oder auch therapeutischer Begleitung bedarf. Andreas Winter zeigt, warum viele populäre Ratschläge so oft scheitern und vor allem, welche Ansätze sinnvoll sind.
Udo Pollmer
Lebensmittelchemiker und Wissenschaftsjournalist




