E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Wolf Ängste verstehen und überwinden – das Arbeitsbuch
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-910253-64-3
Verlag: PAL - Verlagsgesellschaft mbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dein Selbsttrainingsprogramm zum Umgang und zur Überwindung von Ängsten, Panikattacken und Phobien. Mit einfach verständlichen Infografiken und Strategien aus der kognitiven Verhaltenstherapie und der Konfrontationstherapie sowie Übungen und S...
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
ISBN: 978-3-910253-64-3
Verlag: PAL - Verlagsgesellschaft mbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dr. Doris Wolf ist seit mehr als 35 Jahren als Psychotherapeutin tätig und immer wieder von der menschlichen Fähigkeit fasziniert, aus alten Denkbahnen und Verhaltensmustern auszubrechen. Sie hat sich zur Lebensaufgabe gemacht, möglichst vielen Menschen dabei zu helfen, mehr Lebensfreude und körperliches Wohlbefinden zu verspüren. Auf dem Hintergrund der kognitiven Verhaltenstherapie tritt sie mit dem Leser wie in einer Therapiesitzung in einen persönlichen Dialog und vermittelt ihm ganz konkrete hochwirksame psychologische Strategien.
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Wie zeigt sich Angst?
Was ist Angst?
Wenn wir uns vor Augen führen, was über Angst geschrieben wird, so finden wir in diesem Zusammenhang verschiedene Begriffe, zum Beispiel Furcht, Angst, Phobie, Panikattacken.
Furcht kennzeichnet das Gefühl, das eine eindeutige, konkrete Bedrohung begleitet. Furcht kann zu Kampf, Flucht oder Apathie führen. Sie zeigt an, dass sich ein Individuum einer aktuellen Bedrohung bewusst ist, und dass es reagiert, um sich zu schützen.
Angst ist ein unangenehmer Gefühlszustand; sie wird durch eine vage oder unklare Bedrohung ausgelöst und wird begleitet von körperlichen Reaktionen, die auftreten, wenn Furcht ausgelöst wird.
Phobie ist die Furcht vor Gegenständen oder Ideen, die im Allgemeinen keine Furcht erzeugen. Eine betroffene Person weiß, dass die Furcht eigentlich unbegründet ist, kann sie aber nicht überwinden. Sie hat das Bedürfnis, den Gegenstand oder die Situation zu meiden. Je näher sie an die Situation oder den Gegenstand kommt, desto stärker wird die Furcht. Je weiter sie entfernt ist, desto weniger Furcht hat sie. Die Person kann durch Vermeidungsverhalten relativ angstfrei leben, da der Gegenstand meist konkret und eng umgrenzt ist.
Panikattacken sind wiederkehrende Angstattacken, die mit körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Brustschmerzen, Erstickungsgefühlen, Schwindel und Entfremdungsgefühlen einhergehen.
Du als betroffene Person weißt am ehesten, was du als Angst bezeichnen willst, und wie sich deine Angst anfühlt. Angstgefühle treten in unterschiedlicher Stärke und in unterschiedlichen Situationen auf. Allgemein unterscheidet man akute und chronische Angst:
Akute Angst
Die Angst entsteht innerhalb weniger Tage. Sie schwankt dann in der Stärke, ist jedoch nie völlig weg. Die Angst überfällt die betroffene Person plötzlich und behindert sie häufig vollkommen. Die Anfälle dauern zwischen wenigen Minuten und einigen Stunden. Die Angstanfälle können mehr als einmal pro Woche bis ein- bis zweimal pro Monat auftreten. Thema der Angst ist meist Furcht vor einem körperlichen Unglück oder einer „zwischenmenschlichen Katastrophe“.
Chronische Angst
Leiden Betroffene mindestens 6 Monate an Angstzuständen und häufen sich diese mehrmals am Tag, spricht man von chronischer Angst. Die Angst entwickelt sich langsam und schleichend, wird aber so belastend, dass die betroffene Person ihren Alltag nicht mehr meistern kann. Themen der chronischen Angst sind häufig Angst vor Kritik und Ablehnung und Angst zu versagen.
Warum gibt es so etwas wie Angst?
Wir alle kommen mit der Fähigkeit zur Welt, Angst zu empfinden. Sie ist absolut notwendig, denn sie ist ein Alarmsystem, das den Körper bei Gefahr bereit macht für Kampf, Flucht oder Stillstand: Für unsere Vorfahren gab es drei Überlebensstrategien: „Nichts wie weg“ (Flucht), „Draufschlagen“ (Kampf) oder „Ducken und ruhig bleiben“ (Schrecken). Dafür benötigen wir körperliche Veränderungen. Befinden wir uns also in Lebensgefahr, ist Angst durchaus sinnvoll, denn sie unterstützt unsere Leistungsfähigkeit, macht uns wach und vorsichtig.
ABER: Unser Alarmsystem funktioniert nicht immer richtig. Manchmal bekommen wir auch Angst, wo wir überhaupt nichts zu unserer Verteidigung tun müssen oder können – weil die Gefahr in der Zukunft liegt oder möglicherweise niemals eintreten wird.
Körperliche Veränderungen bei Angst
Was passiert bei Angst und Panik im Körper?
Viele Menschen wissen nicht, dass sich die Angst nicht nur in ihren Gefühlen, sondern auch in ihrem Körper äußert. Deshalb werden sie durch ihre körperlichen Symptome, die bei Angst auftreten, verunsichert. Ja, im Falle der Panik lösen sie ihre Panikattacke sogar erst aus oder steigern sie noch, indem sie die körperlichen Beschwerden falsch bewerten – nämlich als Hinweis auf eine ernste körperliche Erkrankung oder gar den herannahenden Tod.
Wie entsteht die Angst im Körper?
Zunächst einmal nehmen unsere Sinnesorgane etwas wahr. Wir hören, sehen, spüren, riechen oder schmecken etwas. Diese Wahrnehmung wird an das Gehirn weitergeleitet. Die Großhirnrinde interpretiert die Reize aufgrund der Erfahrungen in der Vergangenheit als gefährlich. Von dort gelangt die Meldung an das limbische System, das für unsere Gefühle zuständig ist.
Sind blitzschnelle Reaktionen für unser Überleben erforderlich, reagiert die Amygdala auch ohne vorherige Verarbeitung und Bewertung der Informationen durch die Großhirnrinde. Wir kennen das, etwa wenn wir durch ein plötzlich auftretendes Geräusch aufschrecken. Dann wird unser Körper auf Kampf, Flucht oder Verharren vorbereitet – eine automatische Reaktion, dank derer unsere Vorfahren überleben konnten.
Grundsätzlich ist Angst ein Gefühl, das sich bei tatsächlicher oder fantasierter Gefahr einstellt. Unser Organismus ist darauf aus, sich selbst am Leben zu erhalten. Wird Gefahr gemeldet, kommt es nach einer kurzen Schrecksekunde zu einer Alarmreaktion: Das sympathische Nervensystem tritt in Aktion. Es ist zuständig für die Aktivierung unseres Körpers. Unser Körper wird auf Kampf oder Flucht vorbereitet. Das zeigt sich durch folgende körperliche Veränderungen:
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Der Herzschlag erhöht sich, und die Herzkranzgefäße erweitern sich.
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Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt an.
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Die Blutgefäße der Haut und der inneren Organe verengen sich.
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Die Skelettmuskeln werden stärker durchblutet und spannen sich an, sodass wir bereit sind für Kampf oder Flucht.
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Als Vorbereitung auf mögliche Verletzungen verdickt sich das Blut.
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Die Bronchien erweitern sich, die Atmung wird schneller.
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Wir verbrauchen mehr Energie, da der Stoffwechsel sich beschleunigt.
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Wir verlieren den Appetit, die Verdauung wird eingestellt.
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Blutzuckerspiegel und Blutfettwerte (Cholesterin) steigen.
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Der Speichelfluss wird reduziert, der Speichel wird zähflüssig.
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Wir verlieren die Lust auf Sex, die Genitalien werden schwächer durchblutet.
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Die Pupillen erweitern sich, um das Sehfeld zu vergrößern und die Gefahr besser zu sehen.
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Die Ausscheidung, Harn- und Stuhldrang werden eingestellt.
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Die Energiereserven (Zucker und Fette) werden angezapft, um genügend Energie für eine mögliche Verteidigung oder Flucht zu haben.
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Die Temperatur im Körperinneren steigt an.
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Wir haben kalten Schweiß.
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Wir sind hellwach und richten unsere Aufmerksamkeit auf die Gefahr.
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Wir sind nervös, unruhig und erregt.
Im Normalfall kommt es nach wenigen Minuten zu einer Gewöhnung an die Situation, das parasympathische Nervensystem übernimmt wieder. Es ist dafür zuständig, dass unser Körper wieder in den Normalzustand, zur Ruhe und Entspannung zurückkehrt. Das können wir an folgenden körperlichen Merkmalen erkennen:
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Der Herzschlag verlangsamt sich, und die Herzkranzgefäße verengen sich.
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Der Blutdruck sinkt.
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Die Blutgefäße der Haut und inneren Organe weiten sich.
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Die Skelettmuskeln entspannen sich.
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Das Blut verdünnt sich.
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Die Bronchien verengen sich, wir atmen wieder langsamer.
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Wir sparen Energie ein, der Stoffwechsel wird verlangsamt.
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Die Verdauung kommt wieder in Gang.
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Die Insulinproduktion wird aktiviert.
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Unser Speichelfluss nimmt wieder zu, der Speichel wird dünnflüssig.
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Sexuelles Verlangen kehrt zurück, die Genitalien werden stärker durchblutet.
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Die Pupillen verengen sich, evtl. weinen wir.
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Es kommt zu Blasen- und Darmentleerung.
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Unsere Energiereserven (Zucker und Fette) werden nicht mehr angezapft.
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Die Körpertemperatur im Innern nimmt ab und in der Haut zu.
Bei intensiven Erregungszuständen und bei Panikanfällen können sowohl das sympathische als auch das parasympathische System gleichzeitig aktiviert sein.
Wie Angst Gedanken und Verhalten verändert
Angst schlägt sich nicht nur in verschiedenen Körperfunktionen nieder. Viele Menschen erleben nur die körperlichen Beschwerden und kommen gar nicht auf die Idee, ihren Zustand mit Angst in Verbindung zu bringen. Wird der Körper aber alarmiert, wirkt sich das auch auf unsere Gedanken und unser Verhalten aus:
Wir fühlen uns angespannt und reizbar, können uns nicht konzentrieren, uns nichts merken. Manchmal haben wir Albträume. Unsere Gedanken kreisen häufig um die Gefahr, wir grübeln....




