Wolf | Einen geliebten Menschen verlieren | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 216 Seiten

Wolf Einen geliebten Menschen verlieren

Eine Begleitung durch die Trauer
24. Auflage 2020
ISBN: 978-3-923614-89-9
Verlag: PAL Verlagsgesellschaft GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Begleitung durch die Trauer

E-Book, Deutsch, 216 Seiten

ISBN: 978-3-923614-89-9
Verlag: PAL Verlagsgesellschaft GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Trost, Verständnis und Hilfe, wenn man einen lieben Menschen verloren hat Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt. Dennoch haben wir große Probleme, mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen. Die meisten von uns verdrängen den Gedanken daran und sind deshalb völlig überfordert, wenn der Tod in unser Leben tritt. Mit ihrem Trauerratgeber will die erfahrene Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf all jene ein Stück des Wegs in der Phase des Lebens begleiten, die zu der schwersten und schmerzlichsten im Leben eines Menschen gehört - wenn man von einem Partner oder einem nahestehenden Angehörigen Abschied nehmen muss. Doris Wolf begleitet ihre Leserinnen und Leser einfühlsam, wenn sie von all den schönen Erlebnissen und den gemeinsam geschmiedeten Plänen, die sie mit dem Verstorbenen verbinden, Abschied nehmen müssen, wenn sie mit Gott und dem Schicksal hadern, wenn sie keinen Sinn mehr in seinem Leben sehen und voller Schmerz, Angst und Einsamkeit sind. Nach Kapiteln über den Umgang mit dem Tod in anderen Kulturen und einer Beschreibung darüber, wie Kinder trauern, zeigt die Therapeutin, welche Phasen der Trauerverarbeitung man durchlaufen muss, und was man tun kann, um dem Leben wieder einen Sinn zu geben und wieder ein erfülltes Leben zu führen. An vielen Stellen des Buches führt sie persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse mit dem Tod an. Doris Wolf wendet sich aber auch an Menschen, die Trauernde verstehen möchten, sich ihnen und ihren Reaktionen gegenüber hilflos fühlen oder sich auf eigene Trauererfahrungen vorbereiten möchten.

Dr. Doris Wolf ist seit mehr als 35 Jahren als Psychotherapeutin tätig und immer wieder von der menschlichen Fähigkeit fasziniert, aus alten Denkbahnen und Verhaltensmustern auszubrechen. Sie hat sich zur Lebensaufgabe gemacht, möglichst vielen Menschen dabei zu helfen, mehr Lebensfreude und körperliches Wohlbefinden zu verspüren. Auf dem Hintergrund der kognitiven Verhaltenstherapie tritt sie mit dem Leser wie in einer Therapiesitzung in einen persönlichen Dialog und vermittelt ihm ganz konkrete hochwirksame psychologische Strategien.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


2Phasen der Trauerverarbeitung


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Sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden, ist ein langsamer und lang andauernder Prozess, der nicht mit dem Begräbnis endet. Wir benötigen Zeit, bis wir die Trauer überwinden und die Endgültigkeit der Trennung akzeptieren können. Die Trauer ist nicht vergleichbar mit einer Krankheit, einer Grippe, bei der wir nur ein paar Medikamente nehmen und uns ausreichend Ruhe gönnen müssen. Die Trauer ist aktive Arbeit, die wir in Angriff nehmen müssen. Niemand kann uns die Arbeit abnehmen zu lernen, den Verlust anzunehmen. Niemand kann uns die Arbeit abnehmen, uns von dem geliebten Menschen zu verabschieden. Niemand kann uns die Arbeit abnehmen, Gewohnheiten, die wir mit dem geliebten Partner verbanden, aufzulösen. Niemand kann uns die Arbeit abnehmen, neue Gewohnheiten zu entwickeln. Der Trauer können wir nicht entgehen, indem wir gegen sie ankämpfen, sie in Drogen und Alkohol ersticken, sie zu vermeiden versuchen, oder abzuwarten, bis die Zeit sie heilt. Wenn wir gesund aus diesem Lebensabschnitt hervorgehen möchten, können wir die Trauer nur durchleben. Wenn wir sie zulassen und durchleben, werden wir sie überwinden.

Der Verlust eines Menschen konfrontiert uns mit Gefühlen, die wir uns vielleicht niemals zuvor zu fühlen imstande gesehen haben; Gefühle, von denen wir nicht wissen, woher sie kommen, geschweige denn, wie wir mit ihnen umgehen sollen.

Es liegt in unserer menschlichen Natur, dass wir das betrauern, was uns wichtig ist und was wir nicht mehr haben können. Wir haben keine Möglichkeit, etwas, was für uns von großer Bedeutung ist, loszulassen, ohne es nicht auch zu betrauern. Die Trauer teilt uns mit, dass sich etwas geändert hat in unserer Umgebung. Sie ist ein Warnsignal unseres Körpers und unserer Seele. Jeder Mensch hat seine eigene Zeit und seine eigene Art, wie er trauert. Bei jedem Ereignis, ob es Trennung, Umzug, Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust der Gesundheit durch eine chronische Erkrankung, einen Unfall, Verlust der Jugend oder der Verlust eines Partners durch Tod ist, reagieren Körper und Seele. Sie geraten aus dem Gleichgewicht. Die Reaktionen unterscheiden sich darin, wie lange es bis zu einem neuen Gleichgewicht dauert und wie intensiv die Reaktionen selbst sind. Die Trauer über den Verlust eines Partners kann mehrere Jahre dauern. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten in dem, was wir erleben. Ich möchte Ihnen kurz die verschiedenen Phasen vorstellen, die wir auf dem Weg von der Trauer bis zu einem neuen Gleichgewicht durchlaufen – auch wenn Ihnen im Augenblick der Kopf nicht so sehr nach theoretischen Ausführungen steht. Sie können Ihre Gefühle dann besser verstehen und haben weniger Angst vor Ihren Reaktionen und Verhaltensweisen. Sie kommen sich dann nicht so unfähig vor und haben nicht mehr den Eindruck, „verrückt“ zu werden.

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1. Die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens: Schock und Verleugnung

Diese Phase kann von einigen Stunden bis zu Monaten andauern. Der Betroffene hat die Nachricht des Todes erhalten, kann sie aber gefühlsmäßig noch nicht nachvollziehen. Er ist wie erstarrt, im Schock oder reagiert mit einem Gefühlsausbruch. Er macht Äußerungen wie: „Ich kann es immer noch nicht glauben, dass er nicht mehr wiederkommt.”

2. Die Phase der aufbrechenden Gefühle

In ihr wechseln sich Gefühle der tiefen Verzweiflung, der Angst und Hilflosigkeit, der Einsamkeit, der Schuld, aber auch der Wut auf sich und den verstorbenen Partner ab. Gleichzeitig geht diese Phase einher mit massiven körperlichen Begleiterscheinungen: mit Appetitverlust oder Freßanfällen, Durchfällen, Verstopfung, Ruhelosigkeit, Schlaflosigkeit, Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen. Diese Phase kann zwei Jahre anhalten, manchmal sogar länger, bis der Betroffene den Tod akzeptieren lernt.

3. Die Phase der langsamen Neuorientierung

In ihr findet sich der Trauernde langsam mit dem Verlust des Verstorbenen ab. Er nimmt alte Aktivitäten wieder auf oder beginnt, seinen Blick auf neue Aktivitäten zu lenken. Er denkt an die schönen, wie auch enttäuschenden Erfahrungen mit dem verstorbenen Partner und empfindet keinen starken Schmerz mehr. Er entwickelt ein neues Selbstwertgefühl.

4. Neues inneres Gleichgewicht

Der Mensch empfindet ein neues seelisches und körperliches Gleichgewicht. Er denkt dankbar, vielleicht auch ein klein wenig traurig an die gemeinsame Vergangenheit mit dem verstorbenen Partner und hat sich ein neues Leben ohne den verstorbenen Partner aufgebaut. Er hat einen neuen Sinn im Leben gefunden. Er hat eine positive Einstellung zu sich, seinen Fähigkeiten und der Zukunft entwickelt.

Die einzelnen Trauerphasen können sich überlappen, zusammenfallen und sich miteinander vermischen oder in einer anderen Reihenfolge, als hier beschrieben, verlaufen. Jeder muss jedoch diese einzelnen Phasen durchleben, wenn seine Wunde heilen soll und er sich einen neuen Lebenssinn aufbauen will.

Die Phasen der Trauerverarbeitung verlaufen nicht kontinuierlich. Es wird Fortschritte und Rückschritte geben. Nach dem Aufbrechen der Gefühle wird es täglich Schwankungen zwischen den verschiedenen Gefühlen geben. In der Phase 3 wird es manchmal etwa an besonderen Tagen wie dem Todestag, Weihnachten, Geburtstag, Hochzeitstag etc. Rückfälle in die Phase 2 geben. Doch sie werden vorübergehen.


Zunächst einmal kann man aus dem, wie andere nach außen wirken, wenig darüber aussagen, wie es in ihnen aussieht. Zum anderen bestimmen sehr viele unterschiedliche Faktoren, wie stark der einzelne den Verlust empfindet. Diese sind:

1. Die Beziehung zum Verstorbenen

War es die Großmutter, der Bruder oder der Partner, der verstarb? War in der Beziehung viel Wut und Hass auf den Verstorbenen, so kommen nach dem Tod viele Schuldgefühle auf um die Frage: „Habe ich genug getan?” Dies erschwert das Abschiednehmen und die Bewältigung der Trauer.

Waren beide Partner sehr abhängig voneinander? Spielte der Verstorbene eine nahezu unersetzliche Rolle in Sachen Arbeit, Freizeitgestaltung oder Sexualität? War der Verstorbene die einzige enge Bezugsperson für den Trauernden? Wie wichtig war der Verstorbene im Leben des Trauernden?

2. Die Persönlichkeit des Einzelnen

Wie stark das Leben eines einzelnen Menschen erschüttert wird, hängt von dessen Persönlichkeit ab. Hat er sein Leben rund um den Partner aufgebaut, nie alleine gelebt, sein Selbstwertgefühl nur über ihn aufgebaut? Hat er sich gedanklich schon damit befasst, dass der Tod eines Tages in sein Leben treten könnte? Akzeptiert er, dass es keinen Anspruch auf dauerhaftes Glück gibt im Leben? Glaubt er, dass er einen Verlust überwinden kann?

3. Das Alter des Verstorbenen

Ganz besonders schwierig ist es, sich mit dem Tod eines Kindes abzufinden, weil quasi ein Gesetz des Lebens „Man stirbt erst im Alter nach den Eltern” in Frage gestellt wird.

4. Alter und Geschlecht des Trauernden

Jüngere Frauen haben die größten Chancen, die Trauer zu bewältigen. Männer tun sich insbesondere in unserer Gesellschaft schwer, ihre Trauer einzugestehen.

5. Der Umstand des Todes

Kam der Tod plötzlich und unerwartet oder kam der Tod nach langer Krankheit? Wenn der Partner nach langer Krankheit stirbt, kann der Verlassene den Tod in Gedanken schon mehrmals vorweggenommen und den Schmerz schon zum Teil erlebt haben. Stirbt jemand nach langer schwerer Krankheit kann man sich auch damit trösten, dass der Tod eine Erlösung für den Verstorbenen sei.

Kam der Tod völlig überraschend durch Gewalteinwirkung, durch Unfall, Mord oder Selbstmord oder im Ausland, wo man den Leichnam nicht mehr sehen konnte?

Plötzliche Verluste sind meist schwerer zu betrauern, weil vieles unausgesprochen blieb und der Tod auch häufig starke finanzielle Einschränkungen mit sich bringt.

Viele sagen: Je schwerer der Verlust, je gewaltsamer und plötzlicher der Tod, desto schwieriger und schmerzlicher sei der Verlust und die damit verknüpfte...



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