Wolf Special Force One 13
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-2576-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Insel aus Stahl
E-Book, Deutsch, Band 13, 64 Seiten
Reihe: Die Spezialisten
ISBN: 978-3-7325-2576-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Terrorkommando der Arabischen Befreiungs-Armee - kurz ABA - kapert die norwegische Bohrinsel 'Nørskar-3' und deren Besatzung. Dabei richten sie ein furchtbares Blutbad an. Wahllos werden Menschen auf unvorstellbare Weise vor laufender Kamera hingerichtet. Ihre Forderung: Die Freilassung des Terroristen Hamad Ashadi. Andernfalls gibt es ein Massaker, bei dem es keine Überlebenden geben wird. Es scheint, als könne niemand die Mordbestien aufhalten - nicht einmal die norwegische Marine. Wird es dem Team der Special Force One gelingen?
Special Force One - Die Antwort der Vereinten Nationen auf den Terror der heutigen Zeit. Ein Spezialkommando, allein zu dem Zweck geschaffen, korrupte Staaten, Flugzeugentführer, Attentäter und Massenmörder zu bekämpfen.
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Insel aus Stahl
Die Araber lauschten in die Stille, dann setzten sie sich wieder in Bewegung und schlichen zum Pier hinab.
Mustafa würde sich gleich um die Wache da hinten kümmern.
Die Männer legten an Tempo zu, denn sie mussten freie Flächen überqueren. Jede Sekunde konnten sie entdeckt werden. Wer wusste schon, ob sich hier nicht Seeleute und Ölarbeiter herumtrieben, die nicht mehr schlafen konnten. Die Mission durfte nicht scheitern!
Das Blut rauschte in ihren Ohren, als sie durch die Schatten hetzten. Dann liefen sie quer über einen gut ausgeleuchteten Platz mit Frachtcontainern und gelben Fässern.
»Da hinüber«, flüsterte der Anführer auf Arabisch, und die Bewaffneten gehorchten. Schon waren sie in Sichtweite zum Schiff. Und dort stand Mustafa auf dem Deck und schaute zu ihnen herüber.
Mustafa Mehdeth sah seine Komplizen kommen. Sie waren pünktlich. So hatte es das Kommando seit Monaten geplant.
Es hatte viel Mühe gekostet, ihn hier vor Monaten als »Pantry-Gast« auf dem Stenoil-Versorgerschiff einzuschleusen. Eine Menge von Papieren und Dateien waren gefälscht worden, damit nichts verdächtig aussah, und er hatte sich all die Wochen an Bord der Thordal unauffällig verhalten, um in Ruhe die Lage zu erkunden. Sein Wissen und das Vertrauen der Schiffs-Mannschaft würden nun von großem Nutzen sein.
Der hagere Mann schlenderte die kleine Brücke vom Schiff zum Pier herab und trat lächelnd auf Lasse Högner zu, der gelangweilt dastand.
»Hallo, Mustafa«, begrüßte ihn der stämmige Norweger freundlich. Der Araber kam zu ihm in den Lichtkegel der einsamen Lampe, die den Zugang zur Thordal erhellte.
»Ganz schön kalt, nicht wahr?«, begann Mustafa den Kollegen in ein belangloses Gespräch zu verwickeln. Sie redeten eine Weile über das Wetter, die Stürme zu dieser Jahreszeit und den harten Job der Bohrarbeiter auf den Förderinseln vor Norwegens Küste.
Nun mach schon, dachte der Anführer der Vermummten wenige Meter entfernt. Die kleine Gruppe war jetzt so nahe wie möglich an die Thordal herangekommen. Sie hockte im Schatten eines Roll-Containers und war nur noch etwa 20 Schritte vom Aufgang zum Schiff entfernt. Ein Katzensprung. Aber ein gefährlicher.
Mustafa setzte sich jetzt mit der Wache in Bewegung. Die beiden Männer wanderten in ihre Unterhaltung versunken ein Stück die Schiffsseite entlang.
Noch ein paar Schritte. Gleich. Jetzt!
Der Anführer gab das Zeichen, und die schwarz gekleideten Männer sprangen auf. Sie hielten ihre MPis im Anschlag. Nur der Mann an der Spitze hatte seine Maschinenpistole am Riemen über die Schulter gehängt und stattdessen eine schallgedämpfte Pistole des Typs CZ-75er in der Hand. Die robuste slowakische Waffe des Kalibers 9 mm x 19 war entsichert.
Sie huschten geschmeidig wie Panther den Aufgang hoch, schauten sich dabei aufmerksam nach allen Seiten um und waren im Nu oben an Deck.
Wenn sich die Wache unten bei Mustafa nun umdrehen würde, wäre hier sofort der Teufel los. Der Anführer hielt kurz den Atem an. Nein, alles in Ordnung. Der Idiot da unten ließ sich tatsächlich bequatschen und ablenken.
»Runter. Schnell!«, zischte der kräftige Mann an der Spitze der Gruppe, und die Eindringlinge glitten die Metallleitern zum Unterdeck herab. Sie wussten genau, wohin sie wollten.
»Vorsicht!«, flüsterte einer der Männer, und sie alle pressten sich augenblicklich an die Wand des Ganges. Dort verschmolzen sie mit dem Halbdunkel, das hier unter Deck herrschte.
Der Anführer hob seine CZ-75 und legte an.
Ein dicklicher Seemann kreuzte da vorne ihren Weg. Er war wohl einmal kurz zur Toilette gewesen und schlurfte nun müde zu seiner Koje zurück. Der Kerl verschwand grummelnd um die Ecke, ohne seinen Blick zu heben. Gut für ihn.
Das war knapp gewesen. Der Anführer senkte seine Waffe, und weiter ging es. Zum Maschinenraum.
Dort gab es ein Werkzeugdepot, und an dessen Wandseite befanden sich vier Metallspinde. Deren Hinterwände ließen sich leicht abschrauben. Wenn man die Bleche verschob, konnte man eine Abseite betreten. Dies war ein schmaler Raum, der zwischen den geraden Innenwänden und der gebogenen Außenwand des Schiffes bestand und nicht genutzt wurde. Und hier wollte sich das Kommando verbergen.
Sie erreichten die Spinde ohne weitere Zwischenfälle, blieben aber wachsam. Die Schraubarbeiten begannen.
In weniger als zwei Stunden würden sie auf hoher See sein, und dann sollte es eine böse Überraschung für alle geben.
Das wird ein Tag der Gerechtigkeit, dachte der Anführer grimmig und strich mit den Fingern über den Lauf seiner Pistole.
***
An Bord der »Thordal«
Wenige Seemeilen vor Norwegens Küste
Mittwoch, 0513 LT
Kalter Wind fuhr in Böen über das Meer.
Sein Heulen war überall auf dem Versorgungsschiff zu hören. Und Regen fiel in Strömen herab. Die Thordal kam nur mühsam in der Wellenlandschaft voran.
Die Männer an Bord starrten schweigend hinaus. Nur wenige sprachen. Die meisten von ihnen waren längst an solche Naturgewalten gewöhnt.
Mustafa konnte den Rauch ihrer Zigaretten quer durch die kleine Pantry ziehen sehen. Und er sah die Kaffeebecher der Bohrarbeiter in starken Händen ruhen. Er lächelte kühl: Schon bald würden sie alle tot sein.
Der Araber sah auf das Meer hinaus. Wer hätte je gedacht, dass es ihn einmal in eine solche Gegend verschlagen würde?
Wogen bis zum Horizont, schneidender Wind, klirrende Kälte.
Seine Heimat bestand dagegen aus Sand und Steppe. Dort hatte man Probleme, in den heißen Sommermonaten überhaupt genug Wasser aufzutreiben, um Menschen und Vieh vor dem Ausdörren zu bewahren. Alles war dort schmutzig und voller Fliegen.
Aber hier war die Welt sauber und reich. Deswegen hatte es auch eine große Zahl seiner Landsleute auf die Ölfelder der Nordsee gezogen. Im Dienst norwegischer Ölkonsortien konnten sie hier ihre Erfahrungen verwenden, die sie bei Bohrungen im arabischen Raum gewonnen hatten.
Mustafa hüstelte.
Er war nervös und schaute auf die Uhr.
Jetzt mussten sie gleich am Zielpunkt sein: acht Seemeilen nordwestlich von Bergen, Position 60 Grad 31’ NORD; 007 Grad 14’ OST.
»Hey, Mustafa, schläfst du wieder? Zwei Marlboros für den Kumpel hier drüben.«
Der hagere Pantryhelfer zuckte zusammen, als ihm sein Boss von hinten auf die Schulter schlug. Mustafa drehte sich hastig um und bemühte sich, ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Der Araber eilte zu dem bulligen Bohrarbeiter hinüber, der auf seine Glimmstängel wartete.
Mustafa sah ihn freundlich an, schob ihm die Marlboros rüber, kassierte und räumte dann einige leere Kaffeebecher ab, so, als wolle er sie wie üblich spülen. Der Seegang wurde heftiger, was bewies, dass es nun so weit war. Sie hatten die schützende Bucht von Bergen verlassen und waren jetzt auf freier See bei Hallasøy angelangt. Hier konnte der Sturm noch stärker zupacken.
Mustafa musste sich beeilen. Als er allein war, schaute er noch einmal quer durch den schwankenden Raum und schlüpfte dann hinter dem Tresen hervor. Flink wieselte er den Gang nach achtern hinunter und zückte dabei sein Handy.
Er erreichte das Schott zum Unterdeck und öffnete leise die Verriegelung. Dann schickte er die SMS auf den Weg.
***
Nervös spähte er den Gang entlang. Noch hatte niemand seinen Abgang bemerkt.
Der Araber steckte das Handy ein und lauschte. Hinter dem nun angelehnten Schott hörte er Füße über Gitterboden laufen. Sie kamen!
Wenige Atemzüge später schwang die graue Metalltür auf, und eine dunkle Gestalt trat hervor, der weitere folgten. Seine Komplizen hatten die Abseite im Unterdeck unbehelligt verlassen können. Sie alle hielten nun ihre Waffen in Händen: CZ-75-Pistolen oder MP5-Maschinenpistolen von Heckler &Koch. Letztere wurden weltweit von vielen Elite-Einheiten benutzt, so von der deutschen GSG 9 und der britischen SAS. Aber auch die Londoner Polizei verwendete diese Neun-Millimeter-Maschinenpistole, die sehr gute Eigenschaften bei Handhabung und Austauschbarkeit der Teile aufwies.
Bisher lief die Sache nach Mustafas Überzeugung gut an.
»Wo sind sie? Und wie viele?«, fragte der Anführer ihres Kommandos im Flüsterton.
»In der Pantry sind es 34. Dazu kommt die Thekencrew. Das sind drei«, antwortete Mustafa leise auf Arabisch. Seine Stimme zitterte.
»Auf dem zweiten Deck sind 16 auf der Schanz. Drei weitere sind backbords an der Reling. Etwa neun müssten steuerbords stehen. Das sind alle Arbeiter.«
»Sehr gut. Und die Brückencrew ist komplett?«, wollte der Bewaffnete wissen. Hoch gewachsen und breitschultrig füllte er den Gang aus.
»Alle oben«, nickte Mustafa.
»Gute Arbeit. Hier, du kannst uns helfen.«
Ihm wurde eine Jericho-Pistole gereicht. Als er kurz zögerte, herrschte ihn sein Gegenüber an: »Nun mach schon. Wir haben nicht ewig Zeit.«
Mustafa nickte eifrig und nahm das kalte Ding in seine Hände. Die israelische Pistole ähnelte der bekannten Desert Eagle. Sie war ein Rückstoßlader mit kurz zurückgleitendem Lauf, Kaliber 9 mm x 19 oder.41 Action Express und besaß interessanterweise keine innen liegende automatische Schlagbolzensperre.
»Mach dich bereit.«
Mustafas Nerven lagen mittlerweile blank.
Wie durch einen Schleier hindurch beobachtete er, wie der Anführer befehlsgewohnt seine Leute einteilte. Die ersten Männer...




