Wolff | Bordgeflüster | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Wolff Bordgeflüster

Amüsantes aus dem Hafenkino
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-667-13158-4
Verlag: Delius Klasing
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Amüsantes aus dem Hafenkino

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-667-13158-4
Verlag: Delius Klasing
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit den Liegeplatznachbarn zu klönen, ist fast schöner, als segeln zu gehen. Oder etwa nicht? Beim geselligen Klönschnack im Salon kommt so manches gut gehütetes Geheimnis an den Tag. Das ist oft unterhaltsam. Aber nicht immer. Fortsetzung eines Bestsellers Steffi von Wolff schreibt in ihrer YACHT-Glosse auf unterhaltsame Weise über Momente, in denen sich Abgründe in der Seglerseele auftun, über befremdliche Passionen und private Befindlichkeiten, über Pannen, skurrile Begegnungen und lustige Anekdoten aus dem Leben an Bord. Nach dem Erfolg von 'Hafenkino - mein Mann, seien Alte und ich' können sich die Leser nun auf noch mehr 'Bordgeflüster' freuen. Die meisten Segler haben ihre große Liebe schon früh gefunden: das Segeln und, wenn alles gut läuft, sogar das eigene Segelboot. Erfolgsautorin Steffi von Wolff ist in genauso eine Beziehung hineingerutscht. Nach glücklicher Hochzeit mit einem Segelbootbesitzer stellt sie fest: Mein Mann liebt eine andere. Und hat gar nicht vor, sie aufzugeben. Aber anstatt zu verzweifeln, lässt sie sich auf eine fröhliche Dreiecksbeziehung ein: Ich, mein Mann und sein Segelboot. Steffi von Wolf schreibt über Bekanntschaften, die man sich nicht aussuchen kann, über das was passiert, wenn Pedanten und Chaoten aufeinandertreffen - kurzum über alles, was man erlebt, wenn man in einem Hafen liegt und aufmerksam beobachtet und zuhört. • Fortsetzung des erfolgreichen 'Hafenkino - mein Mann, seine Alte und ich' • Ideales Geschenk für alle Vollblut-Segler (und ihre Partner) • Perfekte Lektüre für Segelreisen und die Zeit dazwischen Die besten Artikel aus YACHT-Kolumne sind in diesem Buch vereint - mit viel (Selbst-)Ironie und großem Wiedererkennungswert aus dem Seglerleben, vom Hafenkino über Meinungsverschiedenheiten zwischen Skipper (er) und Crew (sie) bis hin zur ewigen Hassliebe zu den Liegeplatznachbarn.

Steffi von Wolff kam 1966 mitten in Hessen zur Welt und hatte mit dem Meer nichts zu tun, bis sie ihren Mann kennenlernte. Seitdem muss sie segeln, es bleibt ihr nichts anderes übrig. Sie war lange Jahre beim Hessischen Rundfunk als Moderatorin, Redakteurin und Comedy-Autorin tätig, bis sie mit dem Schreiben anfing. 2003 erschien ihr erster Roman, wann ihr letzter erscheint, weiß sie noch nicht.
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Es ist so weit: Ein neues Boot soll, kann, nein, muss her – und da wird natürlich gewienert und geschrubbt, aufgeräumt und so richtig klar Schiff gemacht. Es soll ja alles schön aussehen und funktionieren für den potenziellen Käufer und eine ganze Backskiste voll mit Zubehör soll er auch noch bekommen. Aber manchmal kommt alles anders, als man denkt.

„Ich bin fertig.“ So sieht Michi auch aus. Nass geschwitzt, aber auch glücklich. „Die gurke sieht noch neuer aus wie neu.“ Das stimmt. Sie sieht übrigens immer wie neu aus, weil Michi ein absoluter Vorzeigeeigner ist, sein Boot demzufolge ein Vorzeigeboot. Seine gurke geht ihm über alles, nach jeder Fahrt wird der Ankerkasten aufgeklappt, damit alles trocknet. Man sieht dann für mehrere Stunden nur seinen Hintern, weil er auf der gurke rumkriecht und poliert, als gäbe es kein Morgen mehr. Michi hat Lappen und Bürsten in jeder Größe und aus jedem Material, und während er am Wuseln ist, spricht er mit seinem Schiff.

„Hast du dir wehgetan?“, fragt er es gern, um dann mit irgendeiner im Weltraum erprobten Keramikpolitur einen hauchzarten Fleck wegzurubbeln. Ja, Michi ist eigen.

Zum Abschied habe ich ihm noch ein Geschenk gemacht. Es soll aber eine Überraschung werden, deswegen sage ich noch nichts.

Erste Besichtigungstermine sind für morgen bereits geplant. Das neue Boot soll dann 45 Fuß haben. „Wir wollen ja auch mal die Enkel mitnehmen“, war die Begründung. „Außerdem möchte Claudi gern an Bord duschen.“

„Ihr habt doch eine Dusche“, sagte ich zu dieser Information.

„Ja, schon, aber der ganze Kalk“, lautete die Antwort. „Außerdem wird das spakig, und davon mal ganz abgesehen lagere ich da ja die Putzmittel.“ Das hatte ich ganz vergessen. Michi hatte sich seinerzeit im Baumarkt Regale gekauft und in der Dusche aufgebaut. „Da kann man mal kurz was abbrausen, wenn es staubig wird“, erklärte er fröhlich. „Aber nur kurz. Der Kalk, der Kalk. Das neue Boot wird zwei Duschen haben. Mal sehen, wie wir das dann machen.“ Ja, mal sehen.

„Puh, gebt mir doch bitte mal ein Bier.“ Brav zottele ich zur alten zurück und hole das Gewünschte.

Mein Mann und Michi sitzen derweil schon im Cockpit.

„Für morgen habe ich Schuhüberzieher besorgt, man weiß ja nie, ob jemand vorher in Möwenkacke getreten ist. Das ist schädlich für die Schiffe, das Zeug hat ganz viel Säure. Ich polier mir hier doch nicht die Bandscheibe kaputt, damit die Viecher mir mit ihrem Dreck den Lack kaputt machen, und der neue Eigner schon mal gar nicht. Das sind Eiweißzerfallsprodukte, die können den Lack angreifen und ihn im Härtefall durchfressen. Schlimm genug, dass ich immer am Polieren bin, wenn ich am Wochenende aufs Schiff komme, so nicht, so nicht.“

So ist er, unser Michi.

Am nächsten Morgen um Punkt 9 Uhr steht er wie ein Feldwebel auf dem Steg. Da kommt auch schon der erste Kandidat. Ein Herr Schneider-Zilinski mit seiner Frau. „Irgendein General bei der Bundeswehr oder so“, wurden wir informiert, und tatsächlich kommt Schneider-Zilinski im Stechschritt über den Steg gestapft. Da fehlt nur noch der Radetzky-Marsch aus blechernen Lautsprechern.

„Jeder ist bekloppt, wenn er die gurke nicht kauft“, sagt mein Mann zu mir und gießt sich Kaffee nach. Wir bleiben gespannt im Cockpit sitzen und lauschen.

„Wenn Sie Kratzer suchen, werden Sie keine finden“, hören wir Michi stolz sagen, während Claudi herumwuselt und den Schneider-Zilinskis Kaffee und belegte Brötchen anbietet.

„Wie alt, sagten Sie nochmal, ist das Boot?“, fragt der Feldwebel. „Nicht, dass ich mich hier auf dem falschen Dampfer befinde, harhar.“

„13 Jahre.“ Michis Stimme droht vor Euphorie zu kippen.

„Das kann doch gar nicht sein. Sie haben doch geschrieben ‚Guter, gepflegter Zustand‘. Das ist doch kein guter Zustand! Dieses Schiff ist doch neu! Wollen Sie mich vergackeiern? Kann ich mal in die Backskisten schauen? … Da ist ja alles aufgeräumt. Ha! Und in der anderen Backkiste ist alles voller sauberer Ersatzteile, originalverpackt! Und wie die Leinen aufgeschossen sind, und sie sind auch so sauber.“

Michi platzt fast vor Überschwang. „Ich wasche sie regelmäßig mit einem speziellen Waschmittel und tausche sie auch aus. Sobald da was porös wird, schwupps, muss eine neue her. Was die Backskisten an sich angeht, da ist es so, dass ich sie monatlich warte.“

„Sie warten die Backskisten?“, fragt Frau General schüchtern. „Wartet man nicht den Motor? Oder die Rettungswesten?“

„Bei anderen ist das vielleicht so“, sagt Michi. „Ich habe eine spezielle Creme und dann trage ich noch eine Lotion auf.“

„Wie bei der Kosmetikerin“, haucht Frau General und Michi lächelt geschmeichelt.

„Aber die Winschen sind neu.“ Schneider-Zilinski runzelt die Stirn. „Sagen Sie mir bitte, dass die neu sind.“

„Nein, die sind genauso alt. Ich habe eine spezielle Politur nur dafür entwickelt. Und die werden auch mindestens einmal im Jahr gewartet.“

„Und was ist mit der Kuchenbude?“ Schneider-Zilinski hält sich an seiner Frau fest.

„Na, was glauben Sie? Für die Scheiben habe ich eine spezielle Sprühreinigung.“

„Kann ich mal das Großsegel sehen?“

„Natürlich, dazu muss ich sagen, dass es fast keine Knicke hat, denn ich habe ein spezielles System entwickelt, damit es sich beim Einrollen nicht zu sehr wehtut.“

Er zieht das Segel hoch.

„Wenn Sie jetzt wieder sagen, dass das alles 13 Jahre alt ist, dann …“

„Nein, die Segel sind älter. Die habe ich gebraucht gekauft. Carbon.“

Nun begeben sie sich nach unten.

Wir wiederum begeben uns auf den Steg und schlendern gemütlich darauf herum, um dann zufällig vor der gurke stehenzubleiben.

„Hier ist ja alles sauber, so sauber.“ Die Frau von Schneider-Zilinski bekommt fast keine Luft mehr. „Und die Spüle …“

„… wird regelmäßig, also eigentlich nach jedem Spülvorgang, mit einer von mir entwickelten Paste gereinigt, damit sie schön glänzt.“

Claudi öffnet einen Schrank. „Unsere Tassen und Töpfe werden von außen mit einer Art Salbe eingerieben, damit sie ebenfalls glänzen. Und jedes Teil hat seinen eigenen Filzbeutel, damit nichts kratzt und reibt. Sieht das nicht schön aus?“

Keine Antwort. Wahrscheinlich sucht der General sein Bargeld. Dieses Schnäppchen kann man sich ja nicht entgehen lassen.

„Also …“, kommt es dann. „Also, es tut mir wirklich leid, aber dieses Schiff kommt für uns nicht in Frage. Es ist einfach … zu gepflegt.“

Wie bitte? Wir bleiben entsetzt stehen.

„Wie bitte?“, fragt Michi ungläubig.

„Das könnten wir nie so erhalten. Das wäre dem Schiff gegenüber einfach unfair. Schiffe haben ja eine Seele.“

„Aber …“ Michi ist ratlos.

„Nix für ungut.“ Der General und seine Frau stapfen davon, nicht ohne sich noch jeweils eine Brötchenhälfte für die Fahrt mitzunehmen.

„Könnt ihr das glauben? Zu gepflegt?“ Michi ist außer sich. „Das ist ja so, als wenn man sagen würde, nein, die Frau da nehm ich nicht, die sieht zu gut aus und ist zu gut in Form.“ Bedröppelt steht er da und sieht uns waidwund an.

„Ich habe noch eine Überraschung für dich“, sage ich, um ihm eine Freude zu machen, aber er und Claudi drehen sich einfach um und gehen.

Lutz zu Philippsburg ist eine Stunde später am Start, ein Typ, der sich für unglaublich smart und unwiderstehlich hält. Lutz' Zähne sind so gebleacht, dass man sie nachts gut als Taschenlampe benutzen könnte.

„Ist nicht wahr“ ist sein Lieblingssatz und er informiert uns alle darüber, dass er über 58 Ecken mit den Windsors verwandt ist. „In mir steckt viel von Heinrich dem VIII.“, erklärt er, und ich frage mich, ob das Gene sind, die man sich wünschen sollte.

„Ist nicht wahr, hier liegt ja kein Stäubchen“, sagt Lutz ehrfürchtig. „Wurde der Herd überhaupt schon mal benutzt?“

„In der Saison täglich.“ Michis Euphorie ist durch den General gedämpft. Er informiert nur noch sachlich.

„Da, die Polster – kein Fleck, wie geht das bitte? Ist doch nicht wahr …“

„Die kann man abziehen und waschen“, sagt Michi mit einer „Ist mir alles egal“-Stimme, und nun mische ich mich ein, weil ich will, dass die gurke verkauft wird.

„Er hat für alles selbst entwickelte Pasten und Polituren“, lasse ich Lutz wissen.

„Ist-nicht-wahr! Da will man sich gar nicht setzen. Ich hab drei Hunde. Da traut man sich ja kaum, die hier runterzulassen. Die kriegen ja einen Föhn, wenn das alles so sauber ist. Nee, nee, das ist nix für mich.“

Fort ist er und nun bin selbst ich beunruhigt. Wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz für die geplanten 45 Fuß. Wir gehen hoch und setzen uns.

Dann steht Michi auf. „Später kommen noch zwei Kandidaten. Die können was erleben.“ Er geht nach unten ins Bad und kommt mit Motoröl zurück, das er auf die Winschen kippt. Mein Mann schnappatmet. „Hier, bitte, und hier, und hier und hier.“ Nagellackentferner von Claudi wird auf der Sprayhood verteilt, dann geht er nach unten und wir hören ihn am Kühlschrank hantieren. „So, bitte, bitte...


Wolff, Steffi von
Steffi von Wolff kam 1966 mitten in Hessen zur Welt und hatte mit dem Meer nichts zu tun, bis sie ihren Mann kennenlernte. Seitdem muss sie segeln, es bleibt ihr nichts anderes übrig. Sie war lange Jahre beim Hessischen Rundfunk als Moderatorin, Redakteurin und Comedy-Autorin tätig, bis sie mit dem Schreiben anfing. 2003 erschien ihr erster Roman, wann ihr letzter erscheint, weiß sie noch nicht.

Steffi von Wolff kam 1966 mitten in Hessen zur Welt und hatte mit dem Meer nichts zu tun, bis sie ihren Mann kennenlernte. Seitdem muss sie segeln, es bleibt ihr nichts anderes übrig. Sie war lange Jahre beim Hessischen Rundfunk als Moderatorin, Redakteurin und Comedy-Autorin tätig, bis sie mit dem Schreiben anfing. 2003 erschien ihr erster Roman, wann ihr letzter erscheint, weiß sie noch nicht.



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