E-Book, Deutsch, Band 4, 391 Seiten
Reihe: Sinfully Rich
Wood Sinful Chance
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96797-148-4
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 4, 391 Seiten
Reihe: Sinfully Rich
ISBN: 978-3-96797-148-4
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ich kann nicht ohne sie leben. Mit ihr aber auch nicht.
Rachel ist das reiche Mädchen, das mir vor zehn Jahren den Atem raubte und einen Navy-Seal wie mich um den kleinen Finger gewickelt hatte. Die einzige Person, die mein Herz zum Schmelzen bringt. Jetzt will sie wissen, wo ich gewesen bin, aber ich kann mit ihr nicht darüber sprechen. Zu unterschiedlich sind unsere Welten. Das bringt die Leidenschaft zwischen uns jedoch nur noch mehr zum Kochen. Doch ich weiß: es ist ein Spiel auf Zeit. Denn mein dunkles Geheimnis wird alles zerstören und auch unsere zweite Chance zunichtemachen ...
Vivian Wood ist eine USA Today-, Wall Street Journal- und Amazon Top 20-Bestsellerautorin. Ihre Passion sind Romances über sexy Alphamänner, die von selbstbewussten Frauen gezähmt werden.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Rachel
Gegenwart
»Du musst dir eins davon aussuchen«, drängt Sarah, meine Assistentin.
Als wir das Penthouse betreten, schnappe ich mir die Mappe mit den Fotoabzügen und lege sie erst einmal auf die edle Granitfläche der Küchentheke. Ich bin noch unentschlossen.
Meine Mutter ist ziemlich pikiert darüber, dass ich nicht mehr bei ihnen wohne, aber irgendwann hatte ich ihr ständiges Einmischen und die gut gemeinten Lebensweisheiten restlos satt. Nach langem Bitten und Betteln bekam ich dann endlich dieses Penthouse gekauft und bin bei meinen Eltern ausgezogen.
Hier fühle ich mich wohl und bin wenigstens für mich. Also nicht ganz: Ich wohne hier zusammen mit Clay, meinem Freund. Doch der arbeitet so viel, dass er ohnehin kaum da ist.
Er ist bei Civicore beschäftigt, dem multinationalen Konzern, der meinen Eltern gehört. In Kürze soll ich auch dort anfangen – ich bekomme ein eigenes Büro neben dem meines Vaters.
Wenn doch diese kleine mahnende Stimme in meinem Hinterkopf mit ihrem Verschwinde, solange es noch geht! einfach … verstummen würde. Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, was von mir erwartet wird.
Einen festen Wohnsitz haben, eine Familie gründen, für das Unternehmen arbeiten.
Vermutlich habe ich ein Problem damit, zu akzeptieren, dass Schule und Uni hinter mir liegen und jetzt der Ernst des Lebens beginnt, denke ich.
Ich starre auf die Fotos. Zwölf Mini-Versionen von mir starren zurück, eine schlimmer als die andere. Mein Haar auf dem ganz links ist eine Katastrophe. Auf einem in der unteren Reihe blitzt ein BH-Träger unter meinem Kleid hervor. Auf einem anderen sehe ich aus, als würde ich gleich einschlafen.
»Dieses Bild wird in den kommenden Jahren repräsentativ für mich stehen.« Nachdenklich nehme ich meine Chanel-Sonnenbrille ab und tippe damit gegen meine Lippen. »Wann immer jemand wissen will: Wer ist denn Rachel Black?, möchte ich auf dieses Foto zeigen und Sehen Sie? Ich bin eine reale Person! sagen können.«
Sarah rümpft die Nase. »Okay, nehmen wir einmal an, ich gehöre zu diesen Leuten, von denen du gerade sprichst. Ich werde wohl eher fragen: Wer ist die einzige Tochter von Graham und Leigh Black, der Familie, die das größte multinationale Chemieunternehmen besitzt? Dann wirst du auf eins von diesen Fotos zeigen. Welches schreit denn am lautesten Ich bin eine rechtmäßige Erbin und nicht Ich bin eine verwöhnte Prinzessin?«
Nach einem weiteren verdrießlichen Blick auf die Abzüge überlege ich, auf welchem ich am besten rüberkomme.
In meinem Kopf hallt die Stimme meiner Mutter. Hier auf diesem Bild hast du eine schlechte Haltung. Auf diesem da sehen deine Lippen aus wie aufgespritzt. Wann hast du eigentlich zehn Pfund zugenommen?
Auf den meisten Fotos stehen meine Eltern direkt hinter mir. Mit Hut und Talar von meiner Hochschule ausstaffiert, schaue ich mit einem müden Lächeln in die Kamera. Wir stehen unter einem Banner mit der Aufschrift: Herzliche Glückwünsche an den Abschlussjahrgang 2018 der NYU Tandon! Ich habe gerade mit summa cum laude meinen Master in Umwelttechnologie gemacht, als erste Frau in meiner Familie mit dieser akademischen Auszeichnung. Zusammen mit meinem Bachelor an der Columbia habe ich einen ziemlich eindrucksvollen Lebenslauf.
Na ja, auf dem Papier zumindest.
»Mhm«, sage ich nach einem Blick auf die Abzüge und seufze. »Ehrlich gesagt gefallen sie mir alle nicht.«
Sarah versucht angestrengt, nicht die Augen zu verdrehen. »Eins gefällt dir doch bestimmt irgendwie.«
Mit gerunzelter Stirn sehe ich die Fotos noch einmal durch. Auf jedem stehen meine Mutter und ich ein wenig anders in Pose. Wir sehen uns sehr ähnlich, denn wir sind beide blond, gebräunt und sportlich. Mein Blick bleibt auf einem Bild hängen, auf dem ich ein schmales weißes Chiffonkleid trage, das mir bis kurz übers Knie reicht. Dann betrachte ich eines genauer, auf dem mein Dad zwischen uns steht und hinterlistig grinst, als hätte er ein Geheimnis.
Unschlüssig trommele ich mit den Fingernägeln auf die Arbeitsplatte.
»Rachel … du musst dich für eins entscheiden. Also, mir gefällt das hier besonders gut.« Mit dem Zeigefinger tippt Sarah auf eines der Fotos. »Auf dem da wirkst du sehr selbstbewusst.«
Sie will mir bloß helfen, doch ich mag diese Entscheidung nicht übers Knie brechen.
»Egal, welches Bild ich nehme, es wird an alle verschickt werden, auch an den Vorstand von Civicore. Besser gesagt, meine künftigen Mitarbeiter.« Genervt atme ich aus. »Meine Mutter liegt mir ständig damit in den Ohren, dass es ganz wichtig ist, am Anfang alles perfekt zu machen und nichts zu überstürzen. Deswegen werde ich mir mit der Wahl des Bildes Zeit lassen.«
»Nichts gegen deine Mutter, aber diese Frau würde einen Heiligen in den Wahnsinn treiben. Ihr kann man wirklich nichts recht machen. Ich sollte es wissen, denn ich war für eine Woche ihre Sekretärin, als ihre Assistentin im Urlaub war.« Unbewusst schüttelt sich Sarah. »Diese Frau ist ausschließlich darauf fokussiert, was andere Leute sehen und tratschen oder von ihr halten. Sie ist … eitel und eingebildet.«
Das entlockt mir ein kleines Grinsen. »Ja. Andererseits hat sie ein untrügliches Gespür dafür, was andere Leute denken.«
Meine Assistentin schnaubt empört. »Nein. Sie schreibt den Leuten vor, was sie denken sollen. Da ist ein großer Unterschied. Mir wäre lieber, du würdest dich nicht so stark von ihr beeinflussen lassen.«
Seufzend lege ich meine Chanel-Sonnenbrille aus der Hand. »Weiß ich. Es ist bloß … vor fünf Jahren –«
Rigoros winkt sie ab. »Darf ich dich mal kurz unterbrechen? Als dieser Typ dich verlassen hat, warst du am Boden zerstört. Natürlich hast du dich da bei deiner Mom ausgeweint. Deine Mutter brachte dir bei, mehr wie sie zu sein. Ich verstehe das, wirklich. Es ist halt …« Sie beißt sich auf die Unterlippe. »Ich denke, dass du dir jede Kleinigkeit, die deine Mom thematisiert, leider zu sehr zu Herzen nimmst. Weißt du noch, als sie Frauen kritisierte, die sich die Haare färben? Direkt am nächsten Tag warst du beim Friseur, um dir die pinken Strähnen entfernen zu lassen. Genauso mäkelt sie an denen rum, die zur Maniküre gehen.«
Um meine Mundwinkel zuckt es. »Die Queen will ja auch nicht, dass sich die Frauen in der königlichen Familie die Nägel in Knallfarben lackieren.«
»Okay. Ich meine … deine Mutter und die Queen mögen eine Menge Gemeinsamkeiten haben, aber deine Mom ist nicht die Queen.«
Dem kann ich nicht widersprechen. Dennoch empfinde ich immer, wenn irgendwer von den Royals aus der Reihe tanzt, eine eigenartige Seelenverwandtschaft mit demjenigen. Ich weiß, wie es ist, von der eigenen Familie gegängelt und bevormundet zu werden.
Sie will dir nur helfen, rede ich mir gut zu. Gewissermaßen.
»Rachel, ich habe das Gefühl, wir kommen vom Thema ab. Wir sollten uns für ein Foto entscheiden.«
Mit einem missbilligenden Schnauben konzentriere ich mich erneut auf die Abzüge.
Obwohl ich mir tausend andere Dinge vorstellen kann, die ich jetzt lieber tun würde. Wie beispielsweise so schnell wie möglich abzuhauen.
Und wo würde ich dann hingehen?
In der traumhaften Küche meines sehr teuren und sehr großen New Yorker Penthouse stehend, erkenne ich, dass ich mich nicht beschweren sollte. Ich habe die gesamte Dachetage für mich allein. Es gibt eine Menge Leute, die schwierigere Entscheidungen zu treffen haben als ich gerade mit dem Foto.
Sarah räuspert sich umständlich. »Und noch etwas: Das von dir ausgesuchte Foto wird wahrscheinlich auch an sämtliche Zeitungen gehen –«
»Pssst«, warne ich sie. Ich will nicht, dass Sarah sich wie ein Double meiner Mutter verhält. Ich reibe mir die Schläfen. »Ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen. Lass mich noch kurz überlegen, bitte.«
Sofort gibt Sarah nach. Schweigend starre ich noch eine Minute auf die Fotos, bevor ich eins aussuche.
»Dieses hier.« Ein unbestimmtes Lächeln auf den Lippen, gebe ich es ihr. Nach einem Blick auf das große Panoramafenster ziehen sich meine Mundwinkel nach unten. »So, und jetzt hast du frei. Schon klar, es ist erst Nachmittag, aber ich würde mich gern hinlegen.«
Zweifelnd zieht Sarah die Brauen hoch. »Na gut … wie du meinst. Wir haben morgen einen echt harten Tag vor uns. Sollen wir nicht noch schnell den Terminplan durchsprechen?«
Kopfschüttelnd winke ich ab. »Nein danke. Maile mir einfach alles. Ich werde versuchen, damit klarzukommen.«
Sie senkt den Kopf. »Dann bis morgen.«
Statt einer Antwort lächle ich bloß. Ich warte, bis sie aus dem Zimmer ist, um mit einem erleichterten Seufzer meine High Heels abzustreifen. Zwar sehen sie gut aus und bringen meinen Hintern grandios zur Geltung, trotzdem tun sie furchtbar weh.
Bevor ich mich von der Küchenzeile wegdrehe, fällt mein Blick auf einen Stapel Post. Sarah muss sie für mich hingelegt und vergessen haben, mich darauf aufmerksam zu machen.
Während ich die Umschläge durchgehe, wird mir klar, dass der Großteil Einladungen zu Wohltätigkeitsveranstaltungen oder Spendenaufrufe sind. Alle sind handgeschrieben auf schwerem Büttenpapier. Ich lege sie beiseite, damit meine Assistentin sich ihrer annimmt.
Ein Brief sticht mir allerdings besonders ins Auge. Es ist ein...




