Zembsch | Das Gegengift des Henkerweibs | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 100 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 200 mm

Zembsch Das Gegengift des Henkerweibs


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-943531-95-4
Verlag: Burgenwelt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 100 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 200 mm

ISBN: 978-3-943531-95-4
Verlag: Burgenwelt Verlag
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Kopierschutz: 0 - No protection



»Jetzt sind wir adelig, werden begehrt. Oder vergiftet.« Marburg 1233 – Gerechtigkeit für Runhild und Meinulf! Endlich ist ihr Dasein als Henkerspaar vorbei und sie gehören nun zum Niederadel. Anders als Meinulf, gelingt es Runhild anfangs nur unter Mühen, sich ihrem neuen Stand anzupassen. Doch können die Menschen wirklich so einfach vergessen? In ihrem neuen Leben begegnen ihnen tagtäglich Neid und Rachsucht. Als sich alles zum Besseren zu wenden scheint, wird Runhild vergiftet. Dank ihrer Willenskraft überlebt sie knapp, ihr Ungeborenes indes kann sie nicht retten. Mit allen Mitteln verfolgen die beiden jede Spur, doch statt ihre Trauer mit Antworten mildern zu können, mehrt sich die Angst vor weiteren Anschlägen. Wer trachtet dem einstigen Henkerspaar nach dem Leben? Bereits zum dritten Mal entführt Ute Zembsch in das mittelalterliche Marburg und erzählt die packende Geschichte von Runhild, dem »Henkersweib«, weiter.
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Kapitel 2   Runhild?« Meinulf umfasste ihr Haupt. Schwer und langsam bewegte sich ihr Brustkorb. Das einzige Zeichen, dass sie lebte. Nach einem Stoßgebet zur Heiligen Maria wagte er, seinen Blick nach unten zu richten. Zwischen ihren Beinen blutete es stärker! Seine Lippen bebten, kein Wort brachte er hervor. Die alte Heilkundige hielt ihre Hand vor Runhilds Unterbauch. »Bitte, Herr, seht nicht hin. Streichelt Eurem Weib Hand und Wange, damit sie Euch spürt.« Notburga versperrte ihm die Sicht, bis er gehorchte. Einige Male zuckte Runhilds Leib, doch sie erwachte nicht. Seine ganze Aufmerksamkeit richtete er auf ihr Antlitz und betete. Sollte er erleichtert sein, dass sie nichts mitbekam, oder Angst um ihr Leben haben? Meinulf seufzte tief und bemerkte im Augenwinkel, wie Notburga die Decke über Runhilds Beine und Bauch legte. Ein winziges rotes Stück Fleisch zog ihn an. »Herr, nicht.« Notburga faltete eilig das blutige Leinen darüber und packte das Bündel zusammen. »Unser Kind?« Welch törichte Frage. »Runhild freute sich so sehr darauf.« Jäh durchschoss ihn heißer Schmerz. »Nein!« Er sprang auf und trat den Schemel beiseite. Dumpf drangen ihm sein eigener Schrei, seine Verwünschungen in die Ohren. Er ballte die Fäuste und stapfte auf Notburga zu, die vor ihm zurückweichend rief, er solle sich beruhigen. »Meinulf!« Anselm packte ihn fest von hinten. »Komm zu dir! Sie kann nichts dafür!« Die Stimme seines Ziehvaters brachte Meinulf halbwegs zur Besinnung. Tränenblind sackte er auf den Boden. Hinter seinem Rücken vernahm er Stimmen und das Schließen der Tür. »Herr, Runhild wird wieder gesund. Das verspreche ich Euch. Ihr Körper ist geschwächt und sie wird noch Pflege brauchen. Aber sie wird wieder vollständig heil.« Nach den Worten der alten Heilkundigen spürte Meinulf sachte ihre Hände auf seinem Rücken. Runhild überlebte, wurde gesund. Er wiederholte diesen Gedanken, klammerte sich an ihn. Langsam stand er auf, setzte sich zu seiner Liebsten und fasste ihre Hand. »Warum? Was hat unser Kind getötet? Und wer?« »Ich weiß es nicht. Sie muss eine Menge Nieswurz, oder was es war, ohne Wissen zu sich genommen haben. Wer sie vergiftete?« Die Alte zuckte traurig mit den Schultern, versprach jedoch, täglich ein paar Mal nach Runhild zu sehen. »Sie wird bald aufwachen. Wascht sie mit kaltem Wasser, gebt ihr zu trinken. Mehr könnt Ihr heute nicht für sie tun.« Ergeben nickte Meinulf. »Ich stehe ihr zur Seite mit all meiner Liebe.« Wie leer seine Worte klangen. So leer, wie er sich fühlte. Notburga gab noch Minze in den Wasserkrug und verabschiedete sich. Lange, nachdem sie fort war, fiel Meinulf ein, sie noch nicht entlohnt zu haben.   Die Kräuter, die seine Liebste zu sich genommen hatte, zeigten Wirkung. Ihr Atem beruhigte sich und das Zittern ließ nach. Eine gefühlte Ewigkeit später öffnete sie die Augen. Meinulf lächelte sie an, beruhigt und zugleich voll Trauer. »Ich hab unser Kind verloren«, wisperte sie. Tränen quollen aus ihren Augen. »Das ist nicht deine Schuld. Jemand hat dich vergiftet.« Er streichelte ihre Wangen. »Was für eine Närrin ich bin. Ich dachte, die Heilige Jungfrau segnete nach all der Zeit meinen Leib.« Bebend schluchzte sie. »Der Schuldige kommt nicht davon. Sobald er in meinen Händen ist, wird er bereuen, sich mit dem Henker angelegt zu haben.« Er presste die Lippen zusammen. Foltern und Richten waren für ihn vorbei. Bei dem Mörder ihres Kindes juckte es ihm dennoch in den Fingern. »Wenn du willst, lasse ich dir einen Zuber bereiten.« Runhild nickte schwach. Er nahm es als Zustimmung, küsste sie sanft und erhob sich. Beim Öffnen der Tür stand er unvermittelt vor Gelsa. »Wie geht es meiner Tochter?« Sie rang die Hände. »Ich habe mit Notburga gesprochen, sie ist zuversichtlich.« »Runhild ist wach. Bitte sorgt für einen Zuber und lasst unser Bett neu richten. Sie hat viel Blut verloren.« Gelsa eilte die Treppe hinunter. Von ihr hatte Runhild wohl die Tatkraft geerbt, auch schwere Zeiten zu meistern. Mit Gelsas Unterstützung trug er Runhild zuerst zum Abort und half ihr kurze Zeit später ins Bad. Zum ersten Mal saß seine Liebste einfach nur da und ließ sich von ihm waschen. Neu eingekleidet und mit einer Binde angetan, die sie sonst für das Mondblut nahm, legte er sie ins frische Bett. »Ich bringe euch beiden gleich etwas zu Essen.« Gelsa zögerte. »Und ich entzünde eine weitere Kerze auf dem Altar für die kleine Seele.« Sie schniefte und eilte davon. Draußen redete Anselm mit Gelsa, seine Stimme klang ernst und schwermütig. Meinulf wandte sich wieder Runhild zu und ergriff ihre ausgestreckte Hand. »Mein Liebster. Gestern betete ich am Grab der Fürstin. Ich dachte, an ihrem Todestag und direkt nach dem Gottesdienst ihr zu Ehren würde sie mich besonders segnen. Ich hatte dir versprochen, auf mich aufzupassen. Verzeih mir.« »Es gibt nichts zu verzeihen.« Er schluckte, musste stark für sie sein. »Was haben wir in den vergangenen Jahren alles überstanden, bis wir Gerechtigkeit erfuhren. Beten wir, dass es uns auch diesmal gelingt.« Beim Anblick von Runhilds Tränen schloss er sie in die Arme und hielt sie ganz fest.   Zwei Tage später betrat Meinulf hinter Herrn Anselm und Frouwe Gelsa die Marienkirche, ohne Runhild. Obgleich es seiner Liebsten langsam besser ging, war ihm schwer ums Herz. Runhild hatte in die gute Hoffnung nur ihn und ihre Eltern eingeweiht. Sie schwiegen lieber über den Verlust, und die alte Heilerin war kein Plappermaul. Selbst Ortwin wusste nur von der Vergiftung. In der vordersten Reihe platzierte Meinulf sich neben Jorgen. »Heute ohne deine Frouwe?« Jorgen hob die Brauen. »Nicht freiwillig«, gab er zurück. »Sie wäre liebend gern mitgekommen.« Neben Jorgen lugte Wiltrud zu ihm hinüber. »Wünscht Ihr nicht mehr ihre Begleitung?« Was sollte dieses dumme Geschwätz? »Sie ist erkrankt. Zufrieden?«, brummte er. »Schlimm?« Meinulf sah sie an. »Gebt nicht vor, Euch um sie zu sorgen.« »Wir sind, zugegebenermaßen, keine Freundinnen, dennoch ist sie mir nicht gleich.« »Meine Braut sollte nicht so neugierig sein«, wies Jorgen sie zurecht und wandte sich Meinulf zu. »Ich bete für ihre baldige Genesung. Das meine ich ernst.« Er glaubte Jorgen, bildete doch Meinulfs Eheweib einen weiteren Schutz gegen seine Verehrerin. Ein Gedanke drängte sich auf. Wiltrud wäre Runhild sicher gern los. Fragt sich nur, ob die sich derart versündigen würde. Während der Messe schielte Meinulf ab und an zu ihr. Sie senkte beim Gebet ihr Haupt, lauschte andächtig den Worten des Pfarrers und sang die rituellen Worte mit. Wirklich als Gläubige oder nur, weil es sich so gehörte? »Bitten wir für jene, die Gottes Gnade besonders brauchen.« Pfarrer Herrmann hob die Hände gen Himmel. »Gütiger Gott, segne die armen Seelen, die deiner Hilfe bedürfen. Segne Frouwe Runhild, die leidend darniederliegt, lass sie, die in wahrer Nächstenliebe im Hospital ihre Demut vor dem Herrn erweist, das Übel in ihrem Leib überwinden.« »Und mich den Schuldigen ergreifen«, flüsterte Meinulf. Leider konnte er bei der Fürbitte nicht die Gesichter der Menschen betrachten. In seiner Zeit als Henker hatte er genug Gelegenheiten gehabt, zu lernen, aus der Mimik die Wahrheit hinter den Worten zu erkennen. Manch armen Tropf hatte er die schmerzhafte Wahrheitsfindung erspart mit der Äußerung, dass sein Gesicht ihn als Lügner verriet. Am Ende des Gottesdienstes trat Meinulf gemeinsam mit Anselm und Gelsa vor die Statue der Jungfrau Maria. Das Gebet zu der Heiligen hatte bereits vor dem Gottesurteil geholfen und ihm den Sieg geschenkt. Mochte es Runhild den endgültigen Sieg über das Gift schenken. Tief versank er ins Gebet. Er hob im Anschluss den Kopf und bemerkte den Vogt neben sich. »Wurde Euer Weib vergiftet?« »Ja, Herr. Eindeutig.« »Das gleiche wie auf dem letzten Kirchweihfest bei meinem Sohn?« Vogt Gunthrams Miene zeigte Besorgnis. »Ein anderes und auch eine höhere Menge. Das meinte auch Notburga.« Bedächtig nickte der Vogt. »Wir beten gleichfalls für sie. Habt Ihr eine Ahnung, warum jemand ihr das antat?« Meinulfs Schultern sanken herab. »Zuerst muss sie wieder gesund werden, dann kann ich meine Kraft auf das Warum richten.« »Wenn Ihr meine Hilfe braucht, gewähre ich sie von Herzen.« Herr Gunthram wünschte für Runhild noch gute Genesung und legte Anselm eine Hand auf den Arm. »Ich möchte ein paar Angelegenheiten mit Euch besprechen. Vielleicht lenkt es Euch von der Sorge um Eure Tochter ab.« Gemeinsam verließen die beiden Herren und ihre Frouwen die Kirche. Meinulf wollte noch einen Moment andächtig vor dem Bildnis verweilen. Er hatte das Gefühl, je inniger er bete, desto schneller ging es seiner Runhild wieder gut. Opferte er schließlich den himmlischen Mächten die Zeit, die er lieber an der Seite seiner Liebsten verbringen würde. »Jetzt lass mich doch zu ihm.« »Wiltrud«, fuhr Jorgen sie an. »Du hast nichts bei ihm verloren. Zudem ist er noch im Gebet versunken.« »Gott hat uns Weibern die Fähigkeit geschenkt, zu trösten. Und ich bin jetzt die Einzige in seiner Nähe.« »Ich denke, er kann auf deinen Trost verzichten.« »Jungfer Wiltrud«, mischte sich nun...


Zembsch, Ute
Ute Zembsch, geb. in Marburg, lebt mit ihrem Mann in Frankenberg/Eder. Die bauchtanzende Bürokauffrau ist Mitbegründerin eines Vereins für erlebbares Mittelalter und schlüpft auch als Pen-and-Paper-Rollenspielerin in verschiedene Charaktere.
2013 kreierte sie für ihre Lieblingsfigur einen Werdegang in Romanlänge und entdeckte so das kreative Schreiben endgültig für sich. Seither lebt sie ihr Schreibfieber mit historischen und fantastischen Geschichten aus.



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