Zuckmayer | Des Teufels General | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 180 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Zuckmayer Des Teufels General

Drama in drei Akten
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-10-401793-8
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Drama in drei Akten

E-Book, Deutsch, 180 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

ISBN: 978-3-10-401793-8
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Was soll man tun inmitten einer unmenschlichen Gesellschaft? Soll man so tun, als wäre nichts? Es sich gut gehen lassen, Karriere machen? Oder Widerstand leisten, auch wenn man dadurch mitschuldig am Tod eines Freundes wird? - Widerstand, daran lässt Zuckmayers Stück keinen Zweifel, ist unverzichtbar. Zum Engel oder Helden aber wird man dadurch nicht, solange in der Gesellschaft die Hölle auf Erden herrscht.

Carl Zuckmayer wurde am 27. Dezember 1896 in Nackenheim am Rhein geboren. »Der fröhliche Weinberg« brachte ihm 1925 den Durchbruch und den renommierten Kleist-Preis. 1933 verhängten die Nationalsozialisten ein Aufführungsverbot über ihn. Zuckmayer zog sich daraufhin nach Henndorf bei Salzburg zurück. 1938 floh er weiter in die Schweiz, ein Jahr später in die USA. 1958 kehrte er in die Schweiz zurück. Am 18. Januar 1977 ist er bei Visp (Wallis) gestorben.
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PFUNDTMAYER

– am Odeonplatz, glei links vom Führer in der Pfützn. I seh noch das Gehirn von mei’m Nebenmann am Preysingpalais picken. Dös war ein gewisser Eferdinger, Lorenz.

LYRA

schaudernd Und Ihnen ist gar nichts passiert?

PFUNDTMAYER

Mir passiert nix. A Sau muß ma ham. Dös – schaun S’, gnä Frau – is der Blutorden. Und wenn Sie dann erscht meine Narben sehn, vom letzten Weltkrieg –

LYRA

Wo waren Sie denn verwundet?

PFUNDTMAYER

Unten herum, gnä Frau. Er lacht dröhnend, wie über einen guten Witz. Lyra stimmt etwas gezwungen ein, sie verschwinden. In der Tür erscheint Harras, rechts und links eingehängt in die Arme von Olivia und Diddo Geiß. Sie kommen, zu dritt, in einer Art Tanzschritt in den Raum und summen leise die Walzermelodie mit. Harras ist jetzt ziemlich betrunken, aber noch in guter Form.

HARRAS

Schaut’s euch um, Kinder, das ist aus meiner Gesellschaft geworden: leere Gläser – abgegessene Teller – und ein glücklich liebend Paar. Die traurigen Überreste. Wer hat hier eigentlich eingeladen – der Specklöwe oder ich?

EILERS

ist aufgestanden, lächelnd Wir werden mal drüben zum Rückzug blasen, was, Anne?

HARRAS

Ja, tut mir den Gefallen und sammelt die Versprengten. Aber nicht auskneifen, Fritze. Wenn du gehst, geh ich auch.

ANNE

Er sollte wirklich bald schlafen –

HARRAS

Flaschen schüttelnd, einschenkend, mit etwas schwerer Zunge Bitte sehr, bitte sehr. Gehn wir alle schlafen. Gehn wir schlafen.

EILERS

Aber nein, Harras. Wir kommen zurück. Wir bleiben noch. Schlafen kann ich im Zug morgen.

HARRAS

Du bist ein feiner Kerl, Fritze. Du bist ein feiner Kerl. Haut ihm auf die Schulter Ein feiner Kerl, obwohl du nicht säufst, und obwohl du so schmiedeeisern verheiratet bist –

ANNE

lachend I am sorry, Herr General.

HARRAS

Geht in Ordnung. Geht in Ordnung. Sie sind all right, Anne. Sie sind all right. Ich glaube, ich fange schon an, mich zu wiederholen. Nun macht mal, Kinder, bringt die andren zurück. Wir müssen endlich was trinken.

EILERS

Komm, Anne. Wir sind gleich wieder da – mit den andren. Er und Anne gehen, Arm in Arm.

HARRAS

hat in einem Glas etwas gemischt – reicht es Diddo Hier mein Kind, versuchen Sie das mal. Das ist kein Cocktail. Das ist die christkatholisch-judogermanische Atheistenmischung. Wenn Sie das drunten haben, glauben Sie wieder an Gott.

OLIVIA

Um Himmels wille, Harry, mach doch das Kind nit besoffe. Du läßt es stehn, Diddolein.

DIDDO

Laß mich doch, ich weiß schon, wieviel ich vertragen kann. Prost, Herr General!

HARRAS

Herr General. Aus deinem süßen Munde. Kann ich gar nicht hören. Macht mich – direkt melancholisch macht mich das. Sag Harry zu mir. Willst du?

DIDDO

Unter einer Bedingung.

HARRAS

Erfüllt. Welche?

DIDDO

Daß Sie nie mehr »mein Kind« zu mir sagen. Auch nicht Diddolein, oder Geißlein. Das macht nämlich mich melancholisch.

HARRAS

Geißlein? Hab ich noch nicht gesagt.

DIDDO

Sie könnten es aber sagen.

HARRAS

Ganz nett – Geißlein.

DIDDO

Aber Sie sollen es nicht!

HARRAS

Abgemacht. Trinken wir drauf. Du nennst mich Harry, ich nenn dich Affenschmalz.

DIDDO

Affenschmalz – meinetwegen. Nicht schön – aber lustig.

HARRAS

Na, siehst du. Von jetzt ab werden wir beide nie mehr melancholisch sein.

DIDDO

Wenigstens nicht, wenn wir so was zusammen trinken.

HARRAS

Und wenn wir zusammen nüchtern sind, erst recht nicht. Die Hauptsache – daß wir zusammen sind. Und das werden wir doch, von jetzt ab – sehr oft?

DIDDO

trinkt, lacht Ich kann ruhig ja sagen. Morgen früh haben Sie’s doch vergessen.

HARRAS

Mein liebes Ki – Verzeihung. Nie wieder. Mein liebes Affenschmalz. Du kennst mich nicht. Du siehst in mir einen alten vertrottelten Saufkopp. Bin ich auch. Aber wenn du glaubst, daß ich ein Wort vergessen werde, das einer von uns beiden heute abend sagt – oder – nicht sagt – dann bist du sehr im Irrtum. Er steht nah bei ihr, beugt sich ein wenig über ihren Ausschnitt Frische Veilchen. Hm. – Von wem hast du die?

DIDDO

Von Tante Olly.

HARRAS

Dann ist’s gut.

DIDDO

etwas verwirrt Ich glaube wirklich –

HARRAS

Was?

DIDDO

Ich glaube wirklich, ich möchte noch was von dieser christlichen Bolschewistenmischung oder wie es heißt.

HARRAS

Dafür muß ich dir einen Kuß geben. Nähert sich ihr.

DIDDO

Nein – bitte – Herr General!

HARRAS

Herr General – das kostet zwei Küsse.

OLIVIA

Sag mal, ihr schämt euch wohl gar nicht, hier in Anwesenheit einer alten Dame herumzupoussieren. Küssen, Harry, mit deinem Mundhauch! Wenn da ein Zündholz in die Nähe kommt, gibt’s ne Explosion.

HARRAS

Diddo verfolgend Bei mir – schon längst Explosion – ganz ohne Zündholz.

OLIVIA

Diddolein – tu mir den Gefallen und laß uns einen Augenblick allein. Verstehst du? Ich hab ihm was zu sagen. Was Ernstliches! Faßt seinen Arm.

DIDDO

erlöst Natürlich, Tante Olly. Ich geh hinüber und halte die anderen noch ein bißchen auf – ja?

OLIVIA

Nur fünf Minuten.

HARRAS

Aber – wiederkommen! Bitte!

DIDDO

Vielleicht – Läuft hinaus.

HARRAS

ihr nachstarrend Ganz – ganz bezaubernd. Ganz bezaubernd.

OLIVIA

Du hör mal – Finger weg, gefälligst. Das ist zu schad für dich.

HARRAS

Meine liebe gute Mutti. Du kennst mich. Rein väterliche Gefühle. Hand aufs Herz.

OLIVIA

Dich kenn ich, alter Dachkater. Und die Mädels kenn ich erst recht. Die ist schon verknallt in dich bis über die Ohren – obwohl man sich wirklich was Schöneres denken könnte, für ein junges Blut. Aber so sind sie nun mal. Du imponierst ihr – mit deinem Nimbus und deiner Persönlichkeit – und du nutzt es schamlos aus.

HARRAS

plötzlich ganz nüchtern Ja, du hast recht, Olly. Es ist unfair. Verdammt unfair. Ich werd mich zusammennehmen, verlaß dich drauf. Nun sprich mal. Was ist los?

OLIVIA

Bist du jetzt halbwegs klar?

HARRAS

Wie reiner Alkohol. Mach rasch, die kommen gleich.

OLIVIA

nah bei ihm – leise, verzweifelt Bergmann ist raus. Seit letzter Woche. Du weißt, er war sechs Monate in Buchenwald, und sie haben ihn so kaputt gemacht, daß er im Spital liegt. Polizeispital, natürlich. Aber Jenny kennt einen Chefarzt dort, der Leute totschreibt und nachts abholen läßt, es kostet zehntausend, die hat sie aufgebracht. Sie ist entschlossen, mit ihm zu fliehen. Sie sagt, wenn er nach Polen verschickt wird, bringt er sich um. Harry – du bist der einzige, der helfen kann –

HARRAS

Augenblick mal. Er nimmt ein Stück Eis aus einem Sektkühler, gießt etwas Kognak drüber und beginnt, es zu kauen Daß er auf legale Weise rauskommt – mit Auswanderervisum oder so – ist ausgeschlossen? Auch nicht für Geld?

OLIVIA

Ganz ausgeschlossen. Du weißt, wie scharf sie hinter ihm her sind.

HARRAS

Ja, ich weiß. Die werden ihm nie die arische Frau verzeihen. Und schön ist sie auch noch. Und einem Nazi weggelaufen seinetwegen – nein. Er kriegt kein Ausreisevisum. Höchstens nach Litzmannstadt.

OLIVIA

Ich würde nicht zu dir kommen, wenn irgendeine andere Chance wäre. Aber – Tränen ersticken ihre Stimme.

HARRAS

fährt flüchtig über ihr Haar Nun sei mal ruhig. Wir werden schon was machen. Ist Jenny in Form? Ich meine – als Fliegerin. Sie hat ja bei mir gelernt.

OLIVIA

Das weiß ich nicht. Aber für ihn wird sie alles tun – und alles können.

HARRAS

Natürlich – eine Sache auf Leben und Tod.

OLIVIA

Das ist es sowieso. – Aber um Gottes willen, Harry – ich möchte nicht, daß du dich selber –

HARRAS

schneidet ihr mit einer Handbewegung das Wort ab – geht zur Tür – pfeift ein Kavalleriesignal – ruft Korrianke! Grinsend zu Olivia Unsereiner hat schließlich auch seine Bodyguard – ganz wie die anderen Gangster.

KORRIANKE

kommt im Laufschritt herein. Er ist ein viereckig gebauter, dicklicher, älterer Mann – mit rotem Gesicht und Doppelkinn. Obwohl er...


Zuckmayer, Carl
Carl Zuckmayer wurde am 27. Dezember 1896 in Nackenheim am Rhein geboren. 'Der fröhliche Weinberg' brachte ihm 1925 den Durchbruch und den renommierten Kleist-Preis. 1933 verhängten die Nationalsozialisten ein Aufführungsverbot über ihn. Zuckmayer zog sich daraufhin nach Henndorf bei Salzburg zurück. 1938 floh er weiter in die Schweiz, ein Jahr später in die USA. 1958 kehrte er in die Schweiz zurück. Am 18. Januar 1977 ist er bei Visp (Wallis) gestorben.

Carl ZuckmayerCarl Zuckmayer wurde am 27. Dezember 1896 in Nackenheim am Rhein geboren. 'Der fröhliche Weinberg' brachte ihm 1925 den Durchbruch und den renommierten Kleist-Preis. 1933 verhängten die Nationalsozialisten ein Aufführungsverbot über ihn. Zuckmayer zog sich daraufhin nach Henndorf bei Salzburg zurück. 1938 floh er weiter in die Schweiz, ein Jahr später in die USA. 1958 kehrte er in die Schweiz zurück. Am 18. Januar 1977 ist er bei Visp (Wallis) gestorben.



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