Ashley | Lady Gwendolen - der Liebe auf der Spur? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

Ashley Lady Gwendolen - der Liebe auf der Spur?


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6478-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-6478-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Von wegen Gentleman! denkt Lady Gwendolen, als der hoch gewachsene Gutsbesitzer Joss Northbridge ihr schockierend unverblümt über das tragische Ende ihrer Freundin Jane berichtet. Doch kaum hat sie ihn besser kennengelernt, beschleicht sie ein Verdacht: Verbirgt Joss nur ein empfindsames Herz hinter seiner Raubeinigkeit? Warum unterstützt er sie fortan aufmerksam bei ihren detektivischen Bemühungen, denjenigen zu entlarven, der Jane auf dem Gewissen hat? Oder hegt Joss gar romantische Hoffnungen? Denn überraschend macht er ihr einen Heiratantrag ...



Die Engländerin schreibt historical romances und entspannt sich gerne in ihrem Garten. Diesen hat sie bereits öfter zugunsten des Fondes der Kirche in ihrem Dorf der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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1. KAPITEL

Herrscht mittlerweile in allen englischen Poststationen so viel Betrieb? fragte sich Gwendolen verwundert, während sie leichtfüßig einem abgehetzt wirkenden Stallburschen auswich, der zwei schweißnasse Pferde über den geschäftigen Vorplatz führte.

Sie hatte fünf Jahre im Ausland gelebt. Also ist es vermutlich normal, dass ich mit bestimmten Lebensgewohnheiten in meinem Geburtsland nicht mehr vertraut bin, beschied sie im Stillen. Nicht, dass sie in der Zeit vor ihrer Heirat viel gereist war. Aber bis zu ihrer Eheschließung mit Percival Warrender hatte es ihr ohnehin in so gut wie jeder Hinsicht an Lebenserfahrung gemangelt.

Sie trat einen Schritt zur Seite, um die Passagiere vorbeizulassen, die aus dem Gasthaus kamen und zurück zu ihren Kutschen wollten. Die bitterkalten Windböen, die über den Hof fegten, schienen niemand zu stören. Gwen hatte jedoch schon beim Aussteigen aus ihrer Mietchaise gefroren und ihren pelzgefütterten Umhang fester um sich geschlungen. Nach dem langen Aufenthalt in Ländern mit viel wärmerem Klima war es ihr gänzlich entfallen, wie kalt es in England selbst im März, wenn die Reisesaison wieder begann, noch sein konnte.

An das raue Wetter muss ich mich erst wieder gewöhnen, überlegte sie fröstelnd und zog sich, um den kalten Wind abzuhalten, vorsichtshalber ihre Kapuze über den Kopf. Dass ihr Blickfeld dadurch erheblich eingeschränkt war, störte sie nicht weiter, als sie kurz darauf zielstrebig zum Eingang des Gasthofs eilte.

Sie trat durch die Tür und bemerkte noch eben flüchtig die wohlige Wärme, die ihr entgegenschlug, dann prallte sie unsanft mit etwas zusammen, das sich wie eine hohe Steinmauer anfühlte. Sie geriet ins Straucheln, doch im nächsten Moment schlossen sich starke Finger um ihren linken Ellenbogen und hielten sie fest. Ein unterdrückter, gleichwohl vernehmlicher Fluch erklang, und schließlich erkundigte sich eine tiefe, volltönende Stimme nach ihrem Befinden. Daher war sie, als sie den Kopf hob, auch nicht sonderlich erstaunt, in dem auf eine raue Art attraktiven Männergesicht, das auf sie herabblickte, mehr Ungeduld als Mitgefühl zu erkennen.

Sie trat einen Schritt zurück, um dem Gentleman besser in die Augen sehen zu können. „Verzeihen Sie, Sir! Dieser Zusammenstoß war ganz und gar mein Fehler“, nahm sie großzügig die Schuld auf sich.

Mit einer raschen, beiläufigen Handbewegung zog sie die Kapuze vom Kopf und bemerkte, wie ihr Gegenüber die Lippen zu einem kaum wahrnehmbaren Lächeln verzog, als sein Blick auf ihre rötlich schimmernden kastanienbraunen Locken fiel und einen Moment lang dort haften blieb.

„Ganz recht, Madam“, erwiderte er schroff. Der freundliche Gesichtsausdruck war so plötzlich wieder verschwunden, dass Gwen schon glaubte, ihn sich ein gebildet zu haben. „Ich würde Ihnen raten, in Zukunft etwas besser achtzugeben. Auch um diese Jahreszeit kann sich das Reisen als ein riskantes Unternehmen herausstellen, wenn man nicht stets mit der Dummheit seiner Mitmenschen rechnet.“

„Wie wahr!“, murmelte Gwen, nachdem er seinen Hut – in einer, wie sie fand, höchst herablassenden Art – gezogen hatte und in Richtung Schankraum davonschritt.

An den Umgang mit ungehobelten Menschen wie ihm werde ich mich wohl ebenfalls gewöhnen müssen, überlegte sie, während sie dem Mann hinterhersah, bis er ihren Blicken entschwand.

Bislang waren ihr Erfahrungen mit solch unangenehmen Zeitgenossen erspart geblieben. Kindheit und Jugend hatte sie in einer beschaulichen Landpfarrei verbracht, und in ihrer Ehe hatte sich der rücksichtsvolle und fürsorgliche Gatte stets als ein Schild gegen alle unangenehmen Seiten des Lebens erwiesen. Gleichwohl betrachtete Gwen sich weder als weltfremd noch als wirklichkeitsfern, und sie war alles andere als eine empfindliche Pflanze, die beim ersten Windstoß umknickte. Es bedurfte mehr als der Unfreundlichkeit eines Fremden, um sie einzuschüchtern.

Abgesehen davon bin ich keineswegs völlig allein und schutzlos, fiel ihr ein, während sie langsam weiterging. Ihre engsten Angehörigen lebten zwar nicht mehr, und zudem war sie seit einigen Monaten verwitwet, aber auf die zuneigungsvolle und unerschütterliche Unterstützung ihrer geliebten Gillie konnte sie sich jederzeit verlassen.

Als sie den Schankraum betrat, sah Gwen sich suchend um und hatte die füllige Gestalt ihrer langjährigen Zofe und Gesellschafterin rasch entdeckt. Der missmutig dreinschauende Mann, mit dem Gillie sprach, musste wohl der Wirt sein, und wenn sie die enttäuschte Miene ihrer Zofe richtig deutete, hatte Gillie gerade erfahren, dass im Augenblick kein Privatsalon mehr frei war. Gemessen an der Anzahl der Gäste, die in der Poststation ein und aus gingen, fand Gwen das nicht verwunderlich. Sie machte Gillie ein Zeichen und strebte auf eine Reihe Sitzgelegenheiten in der Nähe der riesigen Feuerstelle zu.

Der Sessel, der dem Kaminfeuer am nächsten stand, war von einem modisch gekleideten Herrn besetzt, und so nahm Gwen notgedrungen mit einem Platz in einiger Entfernung von der Wärmequelle vorlieb. Da die Sessel Rücken an Rücken standen, konnte sie hören, wie der Gentleman leise mit einer der Hauskatzen sprach, die sich – typisch Katze – so nah wie möglich am Feuer zusammengerollt hatte.

„In fünf Minuten kommt mein Kutscher mit dem Landauer vorgefahren!“ Gwen zuckte zusammen. Sie wusste augenblicklich, woher sie die wohlklingende Männerstimme kannte.

„Wirklich nett von dir, Pont, dass du mich mitnimmst“, hörte sie den gut gekleideten Gentleman antworten und rutschte ein wenig tiefer in ihren Sessel, um sich so unsichtbar wie möglich zu machen. „Das Reisen in einer privaten Chaise ist einfach wesentlich komfortabler als mit der Postkutsche.“

„Ach, Merry, nun hör schon auf! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass es mir keine Umstände macht“, erwiderte der andere. Aha, dachte Gwen. Er scheint also nicht immer so rüde zu sein. Wenn er will, kann er anscheinend auch große Zuvorkommenheit an den Tag legen.

„Wie du weißt, habe ich meine Geschäfte in Bristol sehr schnell erledigen können“, fuhr der Gentleman, mit dem sie zusammengestoßen war, unterdessen fort. „In den nächsten zwei Wochen muss ich zwar noch einmal für ein paar Tage nach London. Es ist aber egal, ob ich sofort oder später reise. Hauptsache, du hast nichts dagegen, wenn ich einen kurzen Abstecher nach Bath mache.“

„Ach, ganz und gar nicht, mein Lieber“, erwiderte sein Freund. „Kannst du es dir vorstellen – seit dem Tod von Großtante Beatrice habe ich keinen Fuß mehr in diese Stadt gesetzt. Meine Güte, wie lange ist das nun her … zehn Jahre … oder schon elf …?“ Es folgte eine bedeutungsvolle Pause. „Wie geht es den Mädchen im Internat?“, erkundigte er sich dann.

„Lange sind sie ja noch nicht dort“, antwortete sein Gesprächspartner. „Dennoch, nach dem Brief der Schulleiterin zu urteilen, wohl recht gut, wenn man bedenkt …“

Gwen vernahm einen langen, tiefen Seufzer. „Wie auch immer“, hörte sie den schroffen Fremden dann fortfahren, „ich habe keine Ruhe, bis ich meine Mündel gesehen und mit ihnen gesprochen habe.“

„Schrecklich, … wirklich schrecklich, Pont.“ Der gut gekleidete Gentleman schnalzte bedauernd mit der Zunge. „Die beiden Mädchen haben so sehr an dieser armen Gouvernante gehangen. Und sie hatte wirklich niemanden? Keine Verwandten, sagst du?“

„Nein, soweit ich weiß, nicht“, erwiderte der schroffe Fremde. „Irgendwann erwähnte sie einmal, dass ihre Eltern gestorben seien, als sie noch sehr jung war. Allerdings bin ich ganz sicher, dass sie mit jemandem in London korrespondiert hat – vermutlich mit einer Freundin. Selbstverständlich hätte ich diese Person von dem, was geschehen ist, gerne in Kenntnis gesetzt. Aber unter den persönlichen Unterlagen befanden sich keine Briefe oder Hinweise, die einen Rückschluss auf die Identität jener Bekannten zuließen. Eigentlich sehr seltsam. Ich weiß nämlich genau, dass die junge Frau während der Monate, die sie bei mir angestellt war, eine große Anzahl Briefe sowohl geschrieben als auch erhalten hat.“

In seiner Stimme war deutlich Anteilnahme zu hören. Ganz ohne Mitgefühl kann er also nicht sein, dachte Gwen. Doch im nächsten Augenblick, als er weitersprach, schwand dieser Eindruck wieder. „Seltsamerweise hatte ich gerade begonnen, sie als eines jener eher seltenen Exemplare des weiblichen Geschlechts wahrzunehmen – als eine erfrischend kluge junge Frau. Und plötzlich tut sie etwas so völlig Idiotisches. Unternimmt einen Spaziergang im Marsden Wood – ohne Begleitung! Dabei war ihr bekannt, was sich dort zugetragen hatte. Und dann geht sie auch noch im Januar dorthin! Merry, ich frage dich, was um Himmels willen sucht ein einigermaßen gescheites menschliches Wesen an einem trostlosen, feuchten Winternachmittag im Wald? Und dazu noch mutterseelenallein?“

Während Gwen auf ihre Zofe wartete, verfolgte sie das Gespräch, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ganz klar war ihr nicht, worum es eigentlich ging, aber offensichtlich war der Frau in jenem Wald ein Unglück geschehen. Offensichtlich war auch, dass der Gentleman namens Merry das Verhalten der unglücklichen Frau genauso wenig nachvollziehen konnte wie sein ruppiger Freund.

„Es braucht wohl etwas mehr Verstand, als ich besitze, um zu begreifen, was manche weiblichen Geschöpfe zu ihrem Handeln treibt. Ich kann nur sagen, diese Frau hat sich absolut töricht verhalten, insbesondere da du sie gewarnt hattest, dass es nicht ratsam ist, sich auch nur in der Nähe dieses Waldes...



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