Beil Mord auf vier Pfoten
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95602-065-0
Verlag: CONTE-VERLAG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
22 tierische Krimigeschichten
E-Book, Deutsch, 220 Seiten
ISBN: 978-3-95602-065-0
Verlag: CONTE-VERLAG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lilo Beil wurde im südpfälzischen Klingenmünster geboren. Die Pfarrerstochter verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Dielkirchen bei Rockenhausen und in Winden bei Landau. Ab 1966 studierte sie in Heidelberg Romanistik und Anglistik. Sie unterrichtete von 1972 bis Januar 2008 an der Martin-Luther Schule in Rimbach. Die Mutter dreier erwachsener Töchter lebt mit ihrem Mann im vorderen Odenwald. Besuchen Sie auch Lilo Beils Website: www.lilobeil.de
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Gustav am Fenster
Ilsebill
Kein Fall für Miss Marple
Ein Fall für »Hund«
Wie Hund und Katz
Die Leseratte
Reinrassig
Der Untermieter
Die Katze, die ein Hund war
Gretchen
Die Mühle
Romeo
Filou
Mörderisches Katzenduett
Mimi, die Herbstkatze
Cave Canem
Anubis
Bellas Rache
Nebel
Luzifer, die Weihnachtskatze
Olga, Oleg und die Vuvuzela
Die Hundeprinzessin
Ilsebill
Bevor man etwas brennend begehrt, sollte man das Glück dessen prüfen, der es bereits besitzt.
F. de la Rochefoucauld
Es waren einmal ein Mann und seine Frau, die wohnten zusammen mit ihrem Hund in einem alten Häuschen, dicht an einem malerischen See in Süddeutschland. Fragt mich nicht, wo genau, denn ich bin nur ein kleiner Hund und verstehe nichts von Geografie.
Mein Name ist Timmy, und mein Herrchen heißt Leopold. Seine Frau hieß Ilse.
Ilse war hübsch anzusehen mit ihrem hellblonden Lockenkopf und ihren veilchenblauen Augen. Sie wirkte freundlich, doch wenn man sie genauer studierte, bemerkte man einen grausamen Zug um ihren Mund und in ihren Augen einen Ausdruck von Missgunst und Unzufriedenheit. Leopold war der Dackel seiner Frau, wenn ich als Hund einmal diese Metapher verwenden darf. Er nannte sie zärtlich Ilsebill und las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Soweit er ihre Wünsche erfüllen konnte, und das war nicht leicht.
Leopold war nur ein kleiner schlecht bezahlter Angestellter in einer Firma, die Boote herstellte. Sein Chef, ein geiziger und harter Mensch, hatte dem fleißigen Angestellten einmal in einem Anfall von Großzügigkeit ein älteres Boot geschenkt, das zum Verkauf nicht mehr taugte. Dieses Geschenk und der Umstand, dass Ilse nichts lieber aß als Fisch, hatten wohl bewirkt, dass Leopold sich dem Hobby des Angelns zuwendete. Eigentlich hätte er viel lieber ab und zu mit Freunden Schach oder Skat gespielt, denn er war von Natur aus ein geselliger Mensch. Aber Ilsebill ekelte nach und nach schon im ersten Jahr ihrer Ehe alle Freunde ihres Mannes aus dem Haus, und als der Chef ihm das Boot schenkte, sah sich Leopold veranlasst, dieses auch zu nutzen, zumal Ilsebill ihm auftrug, die besten Fische für sie zu angeln.
Ich war der einzige Begleiter und Freund des einsamen Leopold, und nach und nach gewöhnte sich mein Herrchen an das ihm aufgezwungene Hobby, fand allmählich sogar Gefallen daran, früh morgens an den Wochenenden auf den See hinauszurudern. Ich spürte, dass Leopold die Einsamkeit in der Natur der Gesellschaft seiner ewig nörgelnden und unzufriedenen Ehefrau vorzog, die keine Gelegenheit ausließ, um ihm ihre bescheidenen Lebensumstände vorzuwerfen. Sie demütigte ihn, nannte ihn einen Versager, der es nicht geschafft hatte, befördert zu werden.
»Dieser rostige Kleinwagen, dieses schäbige Mobiliar, selbst der Hund ist eine Promenadenmischung«, rief sie und bedachte mich mit einem verächtlichen Blick.
Leopold hatte mich kurz vor seiner Verheiratung aufgenommen, als Erbstück seiner Eltern sozusagen, die beide nacheinander plötzlich gestorben waren. Sein Versprechen an sie, für mich zu sorgen, war ihm heilig, und er hatte auf wundersame Weise erreicht, dass er mich entgegen dem Veto seiner hartherzigen Frau behalten durfte.
Ja, ich war eine Promenadenmischung, ein »echt reinrassiger Bahomi«, wie Leopold mich scherzhaft nannte, eine Bauernhofmischung.
»Das sind die Treuesten«, erwiderte Leopold trotzig, doch Ilsebill schaute mich feindselig an aus ihren veilchenblauen Augen. Der Ausdruck von Unzufriedenheit steigerte sich zusehends und begann, erste kleine Falten in ihr noch junges Gesicht zu graben, besonders um die Mundwinkel herum.
»Einen Versager habe ich geheiratet, dessen einziger Freund ein verlauster Köter ist.«
Ich war nicht verlaust, und gekränkt verkroch ich mich unterm Tisch.
Leopold nahm seine Angel und einen Eimer, er befestigte mich an der Leine und gemeinsam verließen wir, erleichtert, das Haus.
Wie friedlich war der See, wie harmonisch die Natur um uns zwei, den Herrn und den Hund, als wir im Boot zur Mitte des Sees trieben. Es war ein wunderschöner Frühsommertag. Holunderbüsche, Jasminsträucher und blühende Kastanien säumten das Ufer und verströmten einen Duft, der die Sinne betäubte. Wir vergaßen Ilsebill und ihre Hasstiraden. Alles war friedlich, alles war gut.
Plötzlich begann unser Boot zu wanken. Ein Ungetüm von Fisch hing an Leopolds Angel. Er erhob sich vor uns und begann zu sprechen. Ich dachte zunächst, die Sommerdüfte um uns herum hätten unsere Sinne benebelt, doch der Fisch richtete laut und deutlich folgende Worte an Leopold: »Hab keine Angst, ich bin ein verwunschener Prinz. Du wirst mich nicht töten, du wirst es nicht bereuen, mich verschont zu haben. Ich bin ein Zauberfisch und kann dir einen Wunsch erfüllen.«
Leopold machte den Fisch vorsichtig von der Angel los, ohne ihn zu verletzen.
»Ich bin wunschlos glücklich«, sagte er, nachdem er sich vom ersten Schreck erholt hatte. Aber er war nicht glücklich. Das wusste ich, denn Hunde spüren jede geringste Herzensregung derer, die sie lieben. Und ich liebte Leopold, meinen unglücklichen Herrn. Ich wusste auch, dass der Zauberfisch an Leopolds Unglück nichts würde ändern können.
»Du bist ein guter Mensch«, erwiderte der Zauberfisch. »Vielleicht kann ich mich irgendwann einmal revanchieren für deine Gutherzigkeit.« Und er verschwand in der Tiefe des Sees.
Zuhause angekommen, erzählte Leopold seiner Frau von der ungewöhnlichen Begegnung. Eine neuerliche Schimpftirade ergoss sich über meinen Herrn, den »Einfaltspinsel«, der diese einmalige Chance hatte verstreichen lassen.
»Du gehst morgen zurück und wünschst dir einen topmodernen Bungalow mit allem Drum und Dran: Swimmingpool, Sauna, und eine Garage mit einem roten Cabrio drin.«
Leopolds Beteuerungen, er wolle die Gutmütigkeit des Fisches nicht überstrapazieren, nützten nichts. Er nahm mich am nächsten Morgen an die Leine, und wir ruderten wieder zur Mitte des Sees. Ein alter Reim aus Kindertagen kam ihm in den Sinn. Es war etwas Norddeutsches aus einem Märchen, das seine Mutter ihm vor langer Zeit einmal vorgelesen hatte:
Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in de See.
Mine Fru, de Ilsebill
Will nich so, as ick woll will.
Es dauerte nicht lange, und der Zauberfisch tauchte vor uns auf.
»Na, was will sie denn, deine Ilsebill?«
Leopold beteuerte, dass ihm das Ganze peinlich sei, aber er zählte dennoch die Wünsche seiner Frau auf.
»Geh nur heim, die Wünsche deiner Frau sind erfüllt«, sagte der Fisch und verschwand im Wasser, das heftig schäumte und, wie es mir erschien, giftig grün verfärbt war.
Daheim stand Ilsebill vor ihrem schicken Bungalow und zeigte auf ein rotes Cabrio, das in der Einfahrt stand.
»Da werden deine Kollegen vor Neid erblassen, wenn sie dich damit morgen zur Arbeit fahren sehen. Das heißt, nein! Das Cabrio gehört mir allein. Du bist ja eh mit deiner alten Schrottkiste zufrieden. Und so erregst du keine bösen Gefühle bei deinen Kollegen«, setzte sie hinzu.
Der grausame Zug um ihren Mund hatte sich verschärft, auch der Ausdruck von Unzufriedenheit, obwohl ihre Wünsche nun doch erfüllt worden waren. Leopold wollte etwas entgegnen, doch er biss sich auf die Lippen, nahm mich von der Leine und streichelte mich.
»Morgen gehst du noch mal raus auf den See und redest mit dem Zaubervieh.«
»Wieso das? Du hast doch nun deine Wünsche alle erfüllt bekommen«, entgegnete Leopold zaghaft.
»Alle? Dass ich nicht lache. Noch längst nicht alle. Dies hier ist erst der Anfang«, sagte sie und zeigte auf Haus, Auto, Swimmingpool. »Wir haben seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht. Ich wollte immer mal schon nach Peru auf den Machu Picchu. Und nach Las Vegas und zum Lake Powell. Und zum Ayers Rock. Und in ein Kloster nach Nepal zum Meditieren. Das machen doch Leute, die was auf sich halten. Und die tanzenden Derwische habe ich auch noch nie gesehen.«
Leopolds Einwände schrie sie nieder, und wie ein Kind, das seinen Willen nicht bekommt, stampfte sie mit den Füßen auf.
»Du gehst morgen dahin, oder ich werfe dich mitsamt deinem Bahomi, dem räudigen Vieh, aus dem Haus.«
Resigniert zuckte Leopold mit den Schultern, doch ich merkte, wie er insgeheim die Fäuste ballte und wie sein Gesicht sich verfärbte vor Zorn und Ohnmacht.
Am nächsten Morgen fuhren wir zum See hinaus. Leopold sagte seinen Spruch, und der Zauberfisch erhob sich vor uns. Leopold zählte die Wünsche seiner Frau auf, und der Fisch sagte, wie es mir schien, in gereiztem Ton: »Die Wünsche deiner Frau gehen in Erfüllung, sie soll alle die Reisen bekommen. Auf Wiedersehen, du armer reicher Mann.«
»Wieso auf Wiedersehen?«, erwiderte Leopold. »Ilsebill wird nun zufrieden sein.«
Der Zauberfisch schaute Leopold aus seinen großen Glupschaugen traurig an und tauchte in die Fluten des Sees hinab, die, wie mir schien, schwefelgelb waren.
Als Ilsebill von der Weltreise, die sie übrigens alleine antrat, zurückkam, war der Zug von Unzufriedenheit und Neid um ihren grausamen Mund nicht mehr zu übersehen.
Auf ihrer Stirn hatten sich zudem zwei tiefe Unmutsfalten eingegraben.
»Wie unglücklich ich bin«, sagte sie. »Das habe ich auf meiner Weltreise gesehen. Die anderen in meiner Reisegruppe waren viel glücklicher. Zum Beispiel diese Frau mit dem edlen Hund. Ein Chihuahua war das.«
»Ein was?«
»Wie dumm du bist. Ein Chihuahua ist ein mexikanischer Rassehund. Molly Fatbottom hat so einen auch. Und ich will ebenfalls so einen Hund.«
»Wer ist Molly Fatbottom?«
»Das ist der Star aus der Soap Mein...




