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E-Book

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

Booker Heuwende

Entscheidung in den Bergen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-3952-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Entscheidung in den Bergen

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

ISBN: 978-3-8192-3952-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hamburg, Mai 2020: Schon lange leidet das norddeutsche Upper-Class-Girl Hailey unter einem Trauma: Ihr geliebter Daddy kam an ihrem sechsten Geburtstag auf tragische Weise ums Leben. Auch quälen sie Lebensfragen wie Woher? Wohin? Was ist der Sinn von allem? Als ihr Verlobter Eric sie dann auch noch massiv unter Druck setzt, bleibt für sie nur noch die Flucht in die Berge.

Christiane Booker ist an der Ostsee aufgewachsen und lebt heute mit ihrem Mann Robert und einem Kater bei München. Sie hat Kinderbücher geschrieben und als Radiomoderation/-redakteurin gearbeitet. Christiane und Robert haben vier erwachsene Kinder.
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Wirrungen


Mai 2020.

Die Menschheit auf der ganzen Welt wurde von Covid-19, einem lebensgefährlichen Virus, bedroht. Obwohl in Windeseile Impfstoffe entwickelt wurden, starben Millionen. Ländergrenzen wurden geschlossen. Immer mehr Menschen mussten sich in strenge Quarantäne begeben, dadurch brach vielerorts die Wirtschaft vollständig zusammen.

Auch das Klima war außer Rand und Band. Dürreperioden ließen die Ernten vertrocknen. Überschwemmungen, Orkane und Erdbeben zerstörten ganze Städte, und Tausende verloren über Nacht ihr Zuhause.

Ebenso waren die Normen und Werte der Gesellschaft, in welcher ich aufwuchs, ins Wanken geraten. Objektive Wahrheit wurde mehr und mehr von einer gnadenlos eingeforderten Toleranz verdrängt. Richtig war, was sich gut anfühlte. Soziale Medien ermöglichten es, sich jederzeit und überall zu profilieren und sich » Follower « zu verschaffen. Manche Männer heirateten Männer und manche Frauen Frauen. Kinder durften ihr Geschlecht selbst bestimmen.

Man sollte meinen, dass diese grenzenlose Freiheit unsere Selfie-Gesellschaft glücklich gemacht hätte. Aber im Gegenteil : Viele verspürten Angst und eine große innere Leere. Ich, Hailey Barkmann, gehörte auch zu ihnen.

» Was nützt es einem Menschen, wenn er die Welt gewinnt, aber Schaden an seiner Seele nimmt? «

Diese Frage aus der Bibel war kürzlich in einem Fernsehinterview mit einem Theologen kontrovers diskutiert worden. Sie ließ mich einfach nicht mehr los. Mir schien, dass der Mensch, mich eingeschlossen, selbst bei allergrößtem Luxus, der keinen Wunsch mehr offenließ, nicht zur Ruhe kam. Dabei wünschte ich mir insgeheim so sehr das » Eine «, das mir Sicherheit geben und mein Herz füllen würde. Aber wo war es zu finden? Ich war mehr als bereit, alles dafür zu geben. Ich war jemand, der sich mit Haut und Haar einsetzen wollte und auch andere für Dinge oder Ideen begeistern konnte. Doch wofür?

Genaugenommen war ich schon seit meiner Kindheit auf der Suche nach diesem » Einen «. Vielleicht hatte dies mit dem Tod meines geliebten Daddys Harry Wilson zu tun? An meinem sechsten Geburtstag hatte ihn ein Raser erfasst. Die quietschenden Reifen des orangefarbenen Autos, das Sekunden später wieder im Nichts verschwand, hallen noch heute in meinen Ohren nach.

Nach einem schweren Jahr der Trauer war meine Mutter Klara mit mir von Berlin an die Ostsee umgezogen. Dort verliebte sie sich in den freundlichen, blauäugigen Hotelier Hans Barkmann, und eine luxuriöse Villa direkt am Meer wurde mein neues Zuhause. Ganz » normale « Nachbarskinder, die nicht wie ich in der norddeutschen » Upper Class « aufwuchsen, sondern mit laufenden Nasen und löcherigen Jeans herumsausten, wurden meine Freunde. Als ich älter wurde, versprach Hans, mein Adoptivvater, mehrmals liebevoll :

» Dir steht die Welt offen «, und tätschelte mir dabei die Wange. Damit meinte er : Geld spielt keine Rolle. Das fand ich damals sehr großzügig von ihm. Er und meine Mutter spendeten auch viel für Hilfsprojekte und Notdürftige, was ich an ihnen sehr schätzte. Ich mochte Hans.

Mir hätten sich also ungezählte Möglichkeiten geboten. Hübsch, gut erzogen, gebildet und sprachbegabt wie ich war, hätte mir sein Angebot Tor und Türen öffnen können. Aber ich hatte bereits für mich herausgefunden, dass Geld und Ansehen meinen inneren Hunger nicht wirklich stillen konnten. Lieber hätte ich auf Fragen wie

» Woher komme ich? Wohin gehe ich? Warum bin ich da? « ehrliche, echte Antworten bekommen.

Trotz Mamas Protest verließ ich mit achtzehn mein Elternhaus und zog nach Hamburg. Doch eine merkwürdige Leere breitete sich mehr und mehr in mir aus. Ich versuchte, sie mit beruflichem Erfolg zu füllen, machte viele Überstunden, bis mir die Augen am Schreibtisch zufielen. Ab und zu ließ ich mich auf eine kurzlebige, oberflächliche Beziehung zu einem Mann ein. Doch hinterher fühlte ich mich nur umso einsamer.

Bis Eric Ehlert um mich warb, ein ambitionierter, begehrter Junggeselle aus den » oberen Zehntausend « Hamburgs. Eines Tages sprach er mich unerwartet im Reitstall an, in welchem ich hingebungsvoll einige Pflegepferde ritt und pflegte.

Der Stall lag im Nobelviertel Blankenese, und hier stellten betuchte Pferdebesitzer ihre Lieblinge unter, ohne sich jedoch ausreichend um sie kümmern zu können. So verbrachte ich oft meinen Feierabend bei den Vierbeinern, für die ich im Laufe der Zeit eine echte Liebe entwickelte.

Aber zurück zu Eric : Es war offensichtlich, dass andere Frauen ein Auge auf ihn geworfen hatten. Augenzwinkernd flüsterten sie miteinander, wenn er in strahlendweißem Poloshirt und glänzenden Lederreitstiefeln an ihnen vorbeiging. Blond, muskulös und sportlich, wie er war. Und mit einem charmanten Lächeln, fand ich ihn zugegebenermaßen auch sehr attraktiv. Trotzdem überraschte mich sein Interesse an mir.

Gleich zu Anfang unserer Beziehung stellte er sich meinen Eltern vor. Meine Mutter war von ihm sehr angetan, witterte sie in ihm doch eine ausgezeichnete, standesgemäße Partie für mich. Auch seine Familie, Gründerin einer renommierten Reederei in Hamburg, hieß mich überschwänglich willkommen.

Ich wohnte in einem winzigen, gemieteten Apartment in Hamburg Fuhlsbüttel. Sie lag im sechsten Stock einer großen Wohnanlage und ich hatte sie kreativ mit Möbeln von Ikea und vom Sperrmüll eingerichtet. Das Leben in einer Villa mit Hausangestellten und einem riesigen Garten hatte ich nämlich gründlich satt. Es hielt nicht, was es versprach. Auch wenn Mama meinte, ich hätte es wirklich nicht nötig, zur Miete zu wohnen. Außerdem befand sich der Flughafen gleich in der Nähe. So konnte ich jederzeit davonfliegen, wenn mir danach wäre.

Außerdem liebte ich es, Tomaten und Pflänzchen auf meinem Balkon zu ziehen. Ausgefranste Jeans und weite Hemden waren mein bevorzugtes Outfit. Ich mochte es leger, ungezwungen und vor allem frei.

Eric, selbst immer tadellos gekleidet, war hartnäckig. Schon bald bestand er darauf, mich nach Feierabend von der Arbeit abzuholen. Ich war bei einem Versicherungsmakler in der Innenstadt beschäftigt, wo ich die englische Korrespondenz erledigte und einfache Übersetzungen anfertigte. Mama fand auch das entschieden unter meinem Niveau, aber ich liebte diese Arbeit, weil sie mich an meinen englischen Daddy erinnerte.

Mit seinem silbernen Lamborghini fuhren Eric und ich also dreimal in der Woche abends zum noblen Reitstall in Blankenese. Er, um sein wertvolles, temperamentvolles Tier zu bewegen, und ich, um mich um meine » adoptierten « Lieblinge zu kümmern.

Eines Abends riss es mir jedoch das Herz aus dem Leib. Schockiert ließ ich mich auf einen Heuballen fallen.

» Arpad hätte sich wieder erholt «, schluchzte ich. » Nur zwei, drei Monate Ruhe hätte er gebraucht. «

Das Verhalten seines reichen, egoistischen Besitzers drehte mir den Magen um. Rücksichtslos hatte sein Junior das Pferd gejagt, bis es lahm ging. Daraufhin hatte sein Vater den Schlachter bestellt, um das Tier abholen zu lassen. Sein verwöhnter Sohn wollte nun ein neues, besseres Pferd. Aber Arpad, ein schöner brauner Wallach, war mir ans Herz gewachsen. So oft hatte ich ihn gestriegelt, seine heißen, geschwollenen Beinsehnen gekühlt und bandagiert. Zum Dank hatte er mir den Kopf auf die Schulter gelegt und mir manchmal auch mit seinem warmen Atem ins Ohr gepustet.

Immer wieder roch ich verzweifelt an einem Büschel schwarzer Mähnenhaare von ihm.

Eric saß neben mir und tätschelte mein Knie.

» Was soll man auch sonst mit einem lahmen Gaul anfangen? « fragte er nüchtern. » Der kostet doch unnötig Geld. «

Aber ich konnte mich kaum beruhigen.

Wenn wir nach dem Reiten die Pferde versorgt hatten, fuhren wir oft noch zu mir.

So auch an diesem Abend. Mit einem Glas Wein quetschten wir uns auf den schmalen Balkon meiner klitzekleinen Wohnung. Eric thronte neben mir auf meinem alten blauen Klappstuhl, von dem die Farbe abblätterte. Schweigend blinzelte er in die untergehende Sonne, ihre Strahlen färbten sein blütenweißes Lacoste-Poloshirt zart rosa. Eine schimmernde Strähne fiel ihm in die Stirn. Energisch streckte er sein markantes Kinn vor.

» Was ich sagen wollte … «, er räusperte sich plötzlich und sah mich vielsagend an. » Bekannte meiner Eltern würden dich gerne einmal kennenlernen. Ich meine, es ist an der Zeit, etwas zu arrangieren. «

Oh Mann! Ich kannte doch diese Leute aus der Schickeria! Da würden doch sicher fast nur Banker, Juristen und andere hohe Tiere kommen.

» Meine Mum will ein Abendessen vorbereiten «, fuhr er fort. » Wie wäre es mit diesem Samstag? «

Schon an diesem Samstag? Fremde Leute, exquisit gekleidet, würden oberflächliche Gespräche führen, an ihrem Sherry oder Whiskey nippen und mich kritisch beäugen. Wie eine Puppe im Schaufenster.

» Du wirst sicher einen hervorragenden Eindruck machen! « Siegesgewiss strich Eric mir über die...



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