E-Book, Deutsch, 311 Seiten
Butterworth DIE ZEIT DER HAWKLORDS
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-7868-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Science-Fiction-Klassiker - nach einer Idee von MICHAEL MOORCOCK
E-Book, Deutsch, 311 Seiten
ISBN: 978-3-7487-7868-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Tief im Zentrum der Erde liegt der Todesgenerator, vergraben vor Urzeiten von einer längst ausgestorbenen Rasse von Außerirdischen - nun wird er aktiviert... Denn inmitten der Ruinen Londons, umgeben von den Überlebenden des jüngsten Holocausts, rocken Hawkwind, deren Musik die angreifenden Todesstrahlen katalysiert: Ein tödliches High-Energy-Gebräu, das sich in den Verstand einnistet und alle Sinne mit dämonisch-psychischen Visionen quält... Mit dem Zusammenbruch der Barrieren zwischen Alptraum und Realität finden sich Hawkwind in der Rolle der Hawklords wieder, den einzigen potenziellen Rettern der menschlichen Rasse, die ansonsten in einem apokalyptischen Kampf zwischen den Mächten des Guten und des Bösen zur Ausrottung verdammt wäre... Die Zeit der Hawklords von Michael Butterworth (geboren am 24. April 1947 in Manchester) - basierend auf einer Idee von Michael Moorcock - erschien erstmals im Jahr 1976: ein Echo der literarischen New-Wave-SF, eine unvergleichliche psychedelische Rock-Fantasy - und ein definitiver Kult-Roman! Die Zeit der Hawklords erscheint als deutsche Erstveröffentlichung im Apex-Verlag.
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BUCH ZWEI: Die Zeit der Hawklords
Wogen der Dunklen Kultur Seksass, der Pressereporter bei Control, saß düster, vornübergebeugt, an seinem Schreibtisch und hielt sich den Magen. Sein Gesicht war blutleer, und sein Körper zitterte sichtlich. Wieder einmal war der Tag von der Toilette und dem Krankenrevier beansprucht worden, und seine Arbeit geriet heftig in Verzug. Zum Glück galt das für alle bei Control, seitdem die Hippie-Musik angefangen hatte. Warum in aller Welt ihre Soldaten das nicht gleich von vornherein hatten unterbinden können, das würde er nie verstehen. Der Pressestab bei Control konnte natürlich seine Posten nicht verlassen und zur Waffe greifen. Sie konnten den Computer nicht verlassen. Zu viele Millionen von Leben standen auf dem Spiel... Gehirne, die eines Tages vielleicht wieder gemeinsam leben und dazu dienen würden, das Land wieder zu bevölkern, wenn die Neue Ordnung sich zeigte. Er seufzte und rülpste. Es war an der Zeit, sich die Twinny-Triad-Sache noch einmal vorzunehmen, und ihm war heute nicht danach. Was als ekelerregender Fall von Sex zwischen zwei abartigen Geisterköpfen angefangen hatte, die innerhalb des Computers lebten, hatte sich jetzt als eine der längsten, schwierigsten Aufgaben seiner Karriere erwiesen. Normalerweise war es ziemlich einfach, schuldige Partner anhand ihres prahlerischen Verhaltens rückzuverfolgen. Aber in diesem Fall hatte sich die dritte Frau – in einer, schlimmstmöglicher aller Fälle, Dreierbeziehung – als äußerst schwer zu fassen herausgestellt. Sie war eine Expertin in mentaler Tarnung und musste, als Anstifterin, gefasst werden. Die anderen beiden, ein Mann und eine weitere Frau, waren unter Beobachtung geblieben, konnten jedoch erst dann vor Gericht gestellt werden, wenn sie unwissentlich die Dritte belastet hatten. Erneut rülpste Seksass erbärmlich, als die ekelerregenden Säfte in seinem Magen sich blubbernd hoben. Er stand unsicher auf und verließ sein Büro. Bald fuhr er die zwanzig und noch etwas Etagen von Control zur zweiten Etage hinab, wo die Eingangsnischen lagen. Er trat aus dem Lift, absolut schick in seiner vorschriftsmäßigen grauen Uniform, und ging über den polierten Marmorfußboden der Eingangshalle zu den Registrierungsluken auf der anderen Seite hinüber. Beruhigende Musik, Sounds of Silence von Simon und Garfunkel, ertönte hier draußen, und er fragte sich knurrig, warum sie nicht oben in den Büros ihre eigene Musikanlage installieren konnten. Er blieb an einer der Luken stehen und gab dem Angestellten hinter dem Fenster seinen Stimmabdruck. Der Angestellte nahm seine Personalien auf und reichte ihm seinen Zugangschip und die Pille, bevor er eilig einen weiteren Schluck Mineralwasser trank, das er sich zusammengemischt hatte. Ein Blick auf das schäumende Getränk reichte, dass Seksass sich erneut der Magen umdrehte, und er war froh wegzukommen. Gleich neben den Luken gab es eine Reihe von Nischen mit Glastüren. Die meisten davon waren bereits mit stillen, blass aussehenden Körpern belegt, die an die Drähte angeschlossen waren. Er fand eine leere Nische und glitt hinein. Er steckte den Chip in den Schlitz vor sich. Die Maschinerie summte und klickte, als seine Identität bestätigt wurde. Dann nahm er die Gummihaube mit dem Gewirr aus Drähten daran und zog sie sich über den Kopf. Er ließ sich auf dem speziell verdrahteten Stuhl nieder und schnallte sich an. Schließlich nahm er die winzige blaue Pille, die man ihm gegeben hatte, und schloss die Augen. Weiße Knochen, weicher gebleichter Sand, ein paar Autowracks... Die M23 nach Brighton war in beiden Richtungen ein endloses Band aus zerbeulten und geparkten Wagen. Eine lockere Schutthalde aus Glas, weißen Knochen und anderem Müll war über die Oberfläche verstreut, so dass es gefährlich war, weiterzufahren. Sie mussten alle paar Augenblicke stehenbleiben, die Wracks beiseiteschieben und sich einen Weg hindurch suchen. Higgy rammte den Fuß fest aufs Gaspedal. Mit einem wütenden Knurren riss sich der Mercedes aus den letzten Umklammerungen von Londons zum Stillstand gekommenen Verkehr los. Die Mitglieder von Hawkwind hatten zwei Tage und Nächte geschlafen, und jetzt nahmen sie wohlverdienten Urlaub – nicht, dass sie erwarteten, viel in Brighton zu finden. Es war lediglich ein Ort, zu dem sie sich aus irgendeinem Grund hingezogen fühlten. Alle von ihnen hatten dort zur einen oder anderen Gelegenheit in der Vergangenheit Ferien gemacht. Es war ein Ort, wohin sie sich zurückziehen konnten. Sie hatten Doug und die Roadies zurückgelassen, damit alles lief. Hot Plate musste zurückbleiben, um seine lebenswichtige Suche nach dem Ursprung der Todesstrahlen fortzusetzen. Aber bevor sie sich auf den Weg gemacht hatten, hatte sie der freundliche Wissenschaftler mit einer überraschenden Bewaffnung versorgt, an der er gearbeitet hatte. Es waren die Prototypen einer Musikwaffe in Pistolenform, die er schließlich jedem aushändigen wollte. Sie funktionierten, indem sie eine batteriegespeiste Sendung aufgezeichneter Hawkwind-Musik durch Delatrone in Miniaturform in den Mündungen aussandte. Als sie sich von der Stadt und der Sicherheit der Musiktürme entfernten, spürten sie die ersten Anzeichen der wiederkehrenden Horrorbilder. Seit dem unheimlichen Gespräch im Raum des Moorlocks vor fast vierzehn Tagen hatten ihre Körper irgendwie einen Widerstand gegen die Effekte aufgebaut. Aber die Verbesserungen waren nur gering gewesen. Die magische Metamorphose, die gerade ebenso mysteriös aufgehört hatte, war unvollendet. Higgy beugte sich vor und schob eine Kassette in das modifizierte Abspielgerät auf dem Armaturenbrett vor ihm. Bald wurde eine alte Brock-Komposition, Lord of Light, durch die Kabine gesendet, und sie fühlten sich etwas besser. Die Felder draußen waren von einem blassen Gelb. Die Bäume der einstmals wunderschönen englischen Landschaft waren vorzeitig braun geworden – ein krankhaftes Gelblich-Braun und Schwarz. Auf den Flüssen trieb weißer Schaum. Es gab keinerlei Lebensform auf den Farmen oder in den Dörfern, die sie passierten. Sie fühlten sich innerlich miserabel. Der ätzende Techno-Sturm hatte das Schlimmste angerichtet. Sie fragten sich verloren, wie weit das betroffene Gebiet reichte. Sie weinten, als die Vision eines toten Planeten sie packte, als sie jetzt begriffen, dass die Erde wahrscheinlich niemals gerettet werden konnte. Auch ohne Unterstützung durch die Todesstrahlen hätte die Menschheit ihr Schicksal Jahre zuvor besiegeln können, als sich die tödlichen Chemikalien in der Atmosphäre angesammelt hatten. Niemand wusste, was er sagen oder tun sollte. Sie saßen wortlos da, während die grässliche Szenerie vorüberstrich. Es gab keinen Raum oder Ort für Hass auf ihre Mitmenschen. Dafür hatte sich einfach alles zu schnell entwickelt. Die selbstsüchtige und aggressive Natur der Menschen war in einem früheren Entwicklungsstadium eingebaut worden, ursprünglich als Überlebenstrieb. Jetzt, außerstande, sich an verändernde Bedingungen anzupassen, hatte ihre Gewalt sich nach innen gerichtet und ihn verschlungen. Als Nächstes in der Reihe die Evolutionsleiter hinauf kamen die Kinder der Sonne. Was war für sie geblieben? Wie lange konnte Earth City durchhalten? Die Fahrzeuge schoben sich weiter über den aufgesprungenen und von Unkraut überwucherten Asphalt. Gelegentliche Lücken im stillstehenden Verkehr erlaubten ihnen kurz, die Geschwindigkeit zu erhöhen, und das bewegliche Filmdrama aus dem richtigen Leben, das durch die Fenster zu sehen war, lief schneller ab. Schließlich verließen sie die Autobahn und fuhren auf die A23. Die gewundene Straße führte durch zahllose kleine Städtchen und Dörfer, in denen sie vergebens nach Anzeichen für Leben suchten. Bei ihrer letzten Tour durch das Land, die eine Ewigkeit her zu sein schien, hatte Großbritannien so gewirkt, als ob es vielleicht imstande wäre, wieder auf die Beine zu kommen. Überall gab es verstreute Überlebende. Hawkwind hatte Gigs im Versuch gegeben, sie zum Konzert in London zu holen. Einige hatten dem Drang widerstanden, aber jetzt gab es keinerlei Anzeichen für sie. Sie waren anderswo hingegangen oder verstorben. Die Außenbezirke von Brighton kamen in Sicht, und ihre Hoffnung wuchs. Hier zumindest sollte es eine Art Zusammenführung der isolierten Überlebenden geben. Aber sie wurden rasch desillusioniert. Die Gebäude waren größtenteils völlig niedergebrannt oder zerstört worden. Das Meer wirkte ranzig und ölig. Es hob und senkte sich faulig und warf einen widerlich riechenden grauen Schlamm an die Strände. Seltsamerweise einzig unversehrt waren die zahlreichen Spielhallen und der große Jahrmarktskomplex. Fast schien es, als ob sie von den einander bekämpfenden Sekten und Banden, die einstmals die Stadt am Meer terrorisiert hatten, wie aus religiösen Gründen bewahrt worden waren. Wahrscheinlich galten sie als Gebiet gegenseitiger Waffenruhe, wohin sich die Protagonisten vor den Spannungen flüchten konnten. Jetzt waren es schweigende, verlassene Maschinen der Geister und des Winds – und der Ratten. Higgy hielt den Laster an. Sie blickten durch das Seitenfenster auf die Umrisse des korrodierten Riesenrads und der Achterbahn. »Könnte ebenso gut nachsehen, ob irgendwas von dem Müll noch funktionsfähig ist.« Lemmy durchbrach das ehrfürchtige Schweigen. »Kommt jemand auf einen Spaziergang durch die Amüsierarkaden mit?« »Machst du Witze?«, gab Stacia zurück....




