E-Book, Deutsch, Band 1680, 160 Seiten
Reihe: Bianca
Darcy Die Liebe wagt alles
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-359-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1680, 160 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86295-359-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Carmen hat mit ihrem Job und den Geschwistern, denen sie Vater und Mutter ersetzt, genug Aufregung in ihrem Leben - da hat ein neuer Mann absolut keinen Platz. Doch dann lernt sie Jack Davey kennen, einen Traumtyp zum Festhalten, breitschultrig und stark. Und verliebt sich prompt in ihn. Ihr wunschloses Glück hat bloß einen Haken: Jack ist nicht nur mit Leib und Seele Polizist, sondern auch ein Draufgänger wie ihr Vater, den seine Risikobereitschaft das Leben kostete. Wie soll Carmen es ertragen, mit einem Mann zusammenzusein, um den sie ständig bangen muss?
Die Australierin Lilian Darcy hat einen abwechslungsreichen Weg hinter sich. Sie studierte Russisch, Französisch und Sprachwissenschaften und ging nach ihrem Abschluss als Kindermädchen in die französischen Alpen. Es folgten diverse Engagements am Theater, sowohl auf der Bühne als auch als Drehbuchautorin. Später hat Lilian Darcy als Lehrerin für Französisch und Englisch gearbeitet, um dann einen ganz anderen Weg einzuschlagen und in die Computerbranche einzusteigen. Sie schrieb Computerprogramme, bis Sie Ihren Mann, einen New Yorker Schriftsteller, heiratete. Heute leben die Autorin und ihr Mann mit ihrer Tochter und ihren drei Söhnen in New South Wales, Australien. Lilian Darcys erster Roman wurde 1981 veröffentlicht. Seitdem hat sie mehr als 70 Liebesromane geschrieben. Sie wurde für ihre Romane 'Der Prinz von Aragovia' und 'Schicksalhaftes Wiedersehen' für den RITA-Award nominiert, den wichtigsten Preis für Liebesromane in den USA.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Unten auf dem Couchtisch klingelte Jacks Handy, als er sich gerade langsam und vorsichtig anzog. Barfuß und fluchend lief er mit dem T-Shirt in der Hand die Treppe hinunter. Zu schnell – er stieß mit der Schulter gegen die Wand. Die halb verheilte Wunde an seiner linken Seite schmerzte heftig, als er endlich das Telefon erreichte.
Mit zusammengebissenen Zähnen knüllte er das T-Shirt zusammen und erkannte Terris Stimme am Ende der Leitung.
„Oh, habe ich dich aus dem Bett geholt?“, gurrte sie unschuldig, doch der leicht verächtliche Unterton war nicht zu überhören.
Ja, Terri, ich weiß. Du hältst mich für faul, weil ich um halb acht noch nicht auf den Beinen bin. Terris neuer Ehemann Jay hingegen stand jeden Tag um sechs Uhr auf und ging eine Stunde ins Fitnessstudio. Und zwischen Powerfrühstück und Lunch verdiente er ein paar Millionen Dollar.
„Ich stand unter der Dusche“, erklärte Jack. Seine Verletzung brannte noch immer wie Feuer. Er sollte seine Zeit nicht damit verschwenden, die Meinung seiner Exfrau über ihn zu ändern. Was sie von ihm hielt, war seit der Scheidung ohnehin klar.
Das Einzige, was sie noch miteinander verband, war Ryan, und er war Jack wichtiger als alles andere. Ryan stand für ihn an erster Stelle.
Vorsichtig holte er Luft, ging langsam auf den alten Holzdielen auf und ab und hoffte, dass der Schmerz nachlassen würde. War die Wunde etwa wieder aufgerissen?
Terri wusste, dass er gerade aus dem Krankenhaus gekommen war, aber er hatte die ganze Sache heruntergespielt. Für seine Exfrau galten nicht mehr Polizisten als Helden, sondern Wall-Street-Piraten mit einem fetten Bankkonto.
Vor vierzehn Jahren war das noch anders gewesen. Sie waren zwanzig gewesen, als sie damals geheiratet hatten. Doch seit sie ihn nicht mehr liebte, bekämpfte sie ihn mit allen Mitteln, und das machte ihn nervös.
„Hattet du und Jay euer Meeting?“, fragte er.
„Familienrat“, korrigierte Terri, als sei diese Unterscheidung wichtig.
Typisch Jay Kruger! Jay behandelte seine neue Familie wie eines seiner Unternehmen – einschließlich Tagesordnung und Machtspielchen. Aber Terri wollte diese Dinge nicht sehen.
Schweigend wartete er. Er wollte sie nicht wissen lassen, wie ungeduldig er dem Ergebnis entgegensah.
„Ja …“, sagte sie und zog das Wort in die Länge.
Jack biss die Zähne zusammen. Nur zu gut kannte er dieses Spiel. Mit diesen künstlichen Pausen wollte sie ihn auf die Knie zwingen.
„Komm auf den Punkt, Terri“, entgegnete er grimmig. „Sag mir, wie ihr euch entschieden habt.“
„Ich hasse es, wenn du so aggressiv bist. Ich frage mich, ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen habe …“
Die richtige Entscheidung? Sein Herz tat einen Sprung. Meinte sie etwa …? „Spann mich bitte nicht länger auf die Folter.“ Mist, jetzt hatte er sie doch angebettelt! „Wie habt ihr euch entschieden?“
„Wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht.“ Mehrere Minuten lang beschrieb sie alle erdenklichen Argumente, die sie erwogen hatten, ihre Gefühle und Gedanken, bis sie endlich fortfuhr: „Wir sind der Meinung, dass das Wichtigste in dieser Angelegenheit, das Allerwichtigste“, wiederholte sie, anscheinend für den Fall, dass er nicht ganz begriffen hatte, „Ryans Wohlergehen ist.“
Beinahe hörte sie sich an, als verkündete sie eine vollkommen neue Erkenntnis. Dabei hatte Jack in den vergangenen drei Jahren nichts anderes gesagt, während sie versucht hatte, ihn hinzuhalten, zu manipulieren und zu belügen. Erst vor drei Monaten hatte er damit gedroht, sie zu verklagen. „Wir glauben, dass es nicht in seinem Interesse ist, wenn wir ihm einen erneuten Prozess zumuten“, setzte sie hinzu.
Ach wirklich, dachte er säuerlich. Es ist nicht in Ryans Interesse? Wie scharfsinnig!
In der Nähe wurde eine Autotür zugeschlagen. Ein metallisches Scheppern folgte, und Jack hatte Mühe, seine Exfrau zu verstehen. „… Jay will darauf Rücksicht nehmen, dass du an Ryans Leben teilhaben möchtest.“
„Okay …“, erwiderte Jack behutsam. Seine linke Seite tat immer noch weh, obwohl der Schmerz etwas nachgelassen hatte. Er wartete darauf, dass sie endlich zum Ende kam.
„Also haben wir beschlossen, dir zu geben, was du willst“, sagte Terri.
Jack konnte es kaum fassen.
„Ryan darf jedes zweite Wochenende zu dir kommen“, verkündete sie. „Von Freitagnachmittag bis Sonntagabend, und alle vierzehn Tage kann er von Montag bis Mittwoch bei dir schlafen.“
Jack hatte ihn eigentlich jede zweite Woche ganz bei sich haben wollen. Nach dem neuen Plan müsste Ryan nun andauernd zwischen ihnen hin und her pendeln. Trotzdem war es immer noch besser als erwartet, sodass er nicht weiter auf seinem Vorschlag beharren wollte.
Schließlich könnte er ab sofort einen richtigen Alltag mit seinem neunjährigen Sohn aufbauen. Die ständigen Kämpfe darum wären endlich vorbei.
In Verbindung mit den Schmerzen in seiner linken Seite war diese gute Nachricht beinahe zu viel für ihn, zumal er in der Nacht kaum geschlafen hatte. Ein Gefühl der Erleichterung durchströmte ihn, und er spürte einen dicken Kloß in seinem Hals. Er war so überwältigt, dass seine Beine unter ihm nachzugeben drohten. Seine Augen brannten.
Nein, nur nicht nachgeben! Auch wenn die Polizeipsychologin ihm geraten hatte, nicht immer alle Empfindungen abzublocken. Doch in Gegenwart seiner Exfrau würde er sich hüten, Schwäche zu zeigen.
Als Gegengewicht zu seinem aufgewühlten Innern spannte er die Bauchmuskeln an, wodurch sich der Schmerz erneut verstärkte.
„Das ist gut, Terri, das ist großartig“, brachte er heraus, während er sich auf den Weg in die Küche begab.
Wasser. Er brauchte einfach nur ein Glas Wasser, um den Kloß in seinem Hals loszuwerden.
Aus Richtung der Küche vernahm er Geräusche: Eine Tür wurde geöffnet, dann hörte er etwas klappern.
„Wir müssen aber noch über die Einzelheiten reden“, erklärte seine Exfrau in mahnendem Ton.
„Natürlich.“ Der Schmerz wurde stärker, und er begann sich langsam Sorgen zu machen. „Lass uns später darüber reden, okay?“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Bist du etwa noch nicht angezogen?“
„So ähnlich“, erwiderte er knapp und beendete damit das Gespräch. Er wollte sich über die Küchenspüle beugen und einfach nur eine Weile seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Er bog um die Ecke.
Doch in der Küche stand eine fremde Frau mit einem abgenutzten Werkzeugkasten an seinem ähnlich abgenutzten Tisch. Erstaunt sahen sie sich an.
Sie ließ etwas in den Werkzeugkasten fallen, schrie auf und presste eine Hand an die Brust. „Ich habe Sie gar nicht gehört!“
Jack schluckte, warf das Handy auf die Küchenbank und sagte: „Äh … Hallo.“
Was hatte diese Frau in seiner Küche zu suchen? Eine Gänsehaut überlief ihre nackten Arme, doch sie strahlte eine Energie aus, die ihn völlig verwirrte.
Eigentlich sollte Cormack O’Brien hier sein, um die Küche und das Badezimmer zu renovieren. Stattdessen übernahm diesen Job offenbar diese kurvenreiche, zierliche Frau, die für April viel zu dünn angezogen war: Zu blauen Arbeitshosen trug sie ein rotes T-Shirt. Rote Ohrringe klimperten an ihren Ohren, sobald sie den Kopf bewegte. Sie hatte dunkles, lockiges Haar, braune Augen und eine gebräunte Haut. Wachsam musterte sie ihn, und er wollte nicht, dass sie Zeuge wurde, wie er … wie er …
Mit allerletzter Kraft spannte er jeden Muskel seines Körpers an und schüttelte sein T-Shirt aus, um es anzuziehen. Er schaffte es, auszusehen, als ginge es ihm gut.
„Sie müssen Jack sein“, sagte Carmen und trat sicherheitshalber einen Schritt zurück. Beim Anblick dieses Mannes klopfte ihr Herz ein bisschen zu schnell.
Insgeheim hoffte sie, dass wirklich Jack Davey, der Besitzer dieses Hauses, vor ihr stand. Denn sie bezweifelte, dass sie ihn überwältigen könnte, falls er ein unerwünschter Eindringling war. Er war groß und kräftig, sein nackter Oberkörper muskulös, und in der Faust hielt er irgendein zerknülltes Stück Stoff. Anscheinend war er verwundet, und er wirkte auf sie, als könnte er jeden Moment zusammenbrechen.
„Ich bin Carmen O’Brien, Cormacks Schwester“, fuhr sie eilig fort. „Das andere C in C & C Renovations. Cormack ist krank und kann heute nicht arbeiten.“
„Ach so“, sagte er.
„Und Sie sind Jack.“
„Ja, das ist richtig.“ Er ließ die Hand mit dem T-Shirt oder Lumpen oder was auch immer sinken.
Eindringlich betrachtete sie ihn. Er war nur halb angezogen und barfuß, und der Reißverschluss seiner zerschlissenen Jeans stand offen. Das dunkle Haar war zerzaust, und seit mehreren Tagen hatte er sich nicht mehr rasiert. Die Augen waren von einem kalten Grau. Die winzigen Fältchen in seinen Augenwinkeln erweckten Carmens Vertrauen: Sie verrieten, dass er gerne lächelte. Doch im Moment schien er so weit von einem Lächeln entfernt zu sein, dass er ihr fast Furcht einflößte.
Auf seiner linken Seite unterhalb des gebräunten Brustkorbs verlief eine rote, kaum verheilte Narbe. Vielleicht erklärte das ihre merkwürdige Unsicherheit. Was hat das zu bedeuten? Macht er deswegen so ein ernstes,...




