Dark John Sinclair - Folge 0989
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3721-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Erbe der Fremden (2. Teil)
E-Book, Deutsch, Band 989, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3721-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Das Erbe der Fremden (2. Teil).
Der Mann mit der Baskenmütze atmete tief durch, bevor er sich in Bewegung setzte. Den letzten Bissen des Hamburgers hatte er hinuntergeschluckt und das Fettpapier in einen Korb geworfen. Hätte er es zu Boden fallen lassen, es wäre zwischen all dem Müll kaum aufgefallen.
Der Mann wusste um die Bedeutung seiner Aufgabe. Sein Schützling war eminent wichtig. Er durfte ihn auf keinen Fall aus den Augen lassen. Wenn ihm etwas passierte, würde es Schwierigkeiten geben. Nein, daran wollte er erst gar nicht denken.
Der Schützling war eine Frau. Eine junge Frau. Gerade mal erwachsen. Aber mit Fähigkeiten wie keine Zweite. Die Frau hatte ihr Anderssein erst vor kurzer Zeit erkannt und war dementsprechend verwirrt gewesen. Bestimmt war sie nicht in der Lage, mit diesen Fähigkeiten umzugehen, dazu bedurfte es eines gewissen Trainings, einer Praxis, und der Mann mit der Baskenmütze wollte sie sicherheitshalber unter Kontrolle halten.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Das Erbe der Fremden (2. Teil)
Der Mann mit der Baskenmütze atmete tief durch, bevor er sich in Bewegung setzte. Den letzten Bissen des Hamburgers hatte er hinuntergeschluckt und das Fettpapier in einen Korb geworfen. Hätte er es zu Boden fallen lassen, es wäre zwischen all dem Müll kaum aufgefallen.
Der Mann wusste um die Bedeutung seiner Aufgabe. Sein Schützling war eminent wichtig. Er durfte ihn auf keinen Fall aus den Augen lassen. Wenn ihm etwas passierte, würde es Schwierigkeiten geben. Nein, daran wollte er erst gar nicht denken.
Der Schützling war eine Frau. Eine junge Frau. Gerade mal erwachsen. Aber mit Fähigkeiten wie keine Zweite. Die Frau hatte ihr Anderssein erst vor kurzer Zeit erkannt und war dementsprechend verwirrt gewesen. Bestimmt war sie nicht in der Lage, mit diesen Fähigkeiten umzugehen, dazu bedurfte es eines gewissen Trainings, einer Praxis, und der Mann mit der Baskenmütze wollte sie sicherheitshalber unter Kontrolle halten.
Celia Wayne war aus der U-Bahn gestiegen und über die Treppen an die Oberfläche gelangt. Sie hatte nach ihrer Flucht aus der privaten Klinik kein bestimmtes Ziel im Auge. Sie wollte einfach nur weg, um nicht gefunden zu werden. Deshalb war sie lange gefahren. Und man sah ihr an, in welcher Verfassung sie sich befand.
Die Gegend, in der sie sich befand, war nicht gut. Ein Stadtteil von London, mit dem man keine große Ehre einlegte, der auch kaum von Touristen besucht wurde. Die Themse war zu riechen, und kleinere Werften lagen in der Nähe.
In diese Richtung war Celia nicht gelaufen. Sie hatte sich an die Straße gehalten, deren Seiten von alten und hohen Häusern umsäumt wurden. Hier lebten Menschen, die sich durchs Leben schlugen. Hier gab es keinen Pomp, keine großartigen Gebäude und Kirchen. Hier traten Arbeitslosigkeit, Sozialkonflikte und Verbrechen offen zutage.
Der Mann mit der Baskenmütze urteilte über die Menschen nicht, denen er begegnete. Sie bewegten sich im Bereich ihrer Möglichkeiten und setzten sich aus den Personen zusammen, die man als das Erbe eines Kolonialstaates bezeichnete.
Der Mann wich Jugendlichen aus, die auf den Gehsteigen herumlungerten. Er bewegte sich so unauffällig wie möglich. Er ging dabei gebeugt, als würde er sich vor etwas schämen, aber sein scharfer, beinahe schon sezierender Blick ließ die junge Frau in der blauen Jeanskleidung nicht aus den Augen.
Er sah sie immer.
Grit Wayne ging schnell, wenn auch nicht immer geradeaus, da sie des öfteren anderen Menschen ausweichen musste. Für einen zufälligen Beobachter hätte sie ziellos gewirkt. Der Verfolger war da wohl anderer Meinung.
Und dann war sie weg!
Für einen Moment stoppte der Mann seine Schritte. Er stand da und schaute sich um. Eine Frau mit vollen Einkaufstüten wäre fast gegen ihn gelaufen. Sie beschimpfte ihn, aber der Mann kümmerte sich nicht darum.
Da er sie nicht sah, überlegte er, wohin sie denn gegangen sein konnte. Auf die andere Seite der Straße war die Frau nicht gelaufen, das hätte er gesehen. Aber auf seiner sah er sie auch nicht mehr, und Celia war sicherlich nicht im Boden verschwunden.
Für ihn kam nur eine Möglichkeit in Betracht. Sie war in einem der Häuser verschwunden. Das wollte der Verfolger auch nicht akzeptieren, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass hier in dieser Gegend jemand wohnte, den die Frau kannte.
Nein, da musste es eine andere Möglichkeit geben.
Er ging jetzt weiter. Schneller als zuvor. Den Blick leicht nach links gerichtet. Er stand unter Spannung, die sich bei ihm auch äußerlich bemerkbar machte. Sein Gesicht schien unter der Haut zu leuchten. Die Haut selbst wirkte dünn, die Lippen blutleer, und die Pupillen sahen aus, als bestünden sie aus Stahlteilen.
Aus einer Einfahrt zwischen den Häusern rollte rückwärts ein Lastwagen auf den Gehsteig. Der Fahrer nahm keine Rücksicht. Die Fußgänger sprangen zur Seite, wenn auch schimpfend. Dass Fäuste gegen die Karosserie hämmerten, kümmerte den Fahrer nicht, aber der Verfolger wusste plötzlich, wo er nach seinem Schützling suchen musste.
Er hatte Celia noch nicht gesehen. An ihrer Stelle wäre er auch in dieser Einfahrt verschwunden, um sich vor irgendwelchen Gefahren oder Verfolgern zu verstecken. Dabei glaubte er nicht daran, dass die junge Frau etwas von der Verfolgung bemerkt hatte. Sie hatte sich ja gar nicht umgedreht.
Mit der Kühlerschnauze schaute der Wagen noch in die Einfahrt hinein. Der Mann mit der Baskenmütze war bereits darin verschwunden. Es war eine Lücke zwischen den Häusern, in der es widerlich roch, wo der Schmutz eine Heimat gefunden hatte und sich kein normaler Mensch wohl fühlen konnte.
Der Verfolger ging ziemlich schnell in den Hinterhof. An der rechten Seite schimmerte ein hoher Maschendrahtzaun.
Wieder kam er mit dem Weg der jungen Frau nicht zurecht. Welches Verlangen hatte sie auf einen Hinterhof getrieben? Einen Hinterhof, der ja auch zur Falle werden konnte.
Er merkte, dass sich die Dinge veränderten. Sehen konnte er noch nichts, aber er ging jetzt vorsichtiger weiter. Wie jemand, der auf der Hut ist.
Und dann hörte er die Schreie!
Der Mann lief schneller. Endlich erreichte er das Ende. Lief nicht auf den Hinterhof, sondern blieb stehen.
Er schaute – und lächelte …
*
Die Frau, die Suko und mir die Tür geöffnet hatte, musste Grit Wayne sein. Persönlich hatten wir sie nicht gesehen, wir kannten uns nur vom Telefon her, und diesem Gespräch nach zu urteilen, waren wir nicht die besten Freunde.
Sie hatte auch getrunken, denn vor ihrem Mund wehte der Alkoholgeruch wie eine Fahne. Ihr Gesicht zeigte einen lauernden Ausdruck. Das Haar war blond, aber gefärbt. Erste dunkle Strähnen kamen wieder hindurch. Grit Wayne sah eigentlich recht gut aus, aber sie wirkte auf uns mehr als mitgenommen. Sie trug einen dunkelroten Pullover und eine schwarze Stretchhose.
»Was wollen Sie?«
»Mrs. Wayne?«
»Bin ich.«
»Mein Name ist John Sinclair, und mich begleitet mein Kollege Inspektor Suko …«
Schon während der Worte veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Sie verdrehte die Augen, stützte sich am Türpfosten ab, presste die andere vor ihre Augen und schüttelte den Kopf. »Das ist doch nicht wahr! Sie schon wieder? Verdammt, was wollen Sie denn hier? Hat Ihnen die Telefoniererei nicht gereicht?«
»So ist es.«
Sie ließ die Hand wieder sinken. »Wenn Sie Celia suchen, Sinclair, sie ist nicht bei mir. Sie haben sie doch mit Ihrem dämlichen Besuch in der Klinik erschreckt. Ihretwegen ist sie verschwunden, abgehauen.« Sie bewegte die linke Hand hin und her, als wollte sie etwas zur Seite wedeln.
»Das wissen wir.«
»Schön, schön«, sagte sie kichernd. »Und was wollen Sie dann noch bei mir?«
»Reden.«
»Über was?«
»Zum Beispiel über Ihre Tochter, Mrs. Wayne.«
Sie winkte ab. »Die können Sie vergessen, Sinclair. Sie ist ihren eigenen Weg gegangen. Das alles muss schon lange in ihr gesteckt haben. Ich komme da nicht mehr mit.«
»Dieses alles interessiert uns«, sagte Suko.
Grit Wayne schaute meinen Freund an. »Tatsächlich, Meister? Soll ich Ihnen das glauben?«
»Es wäre wohl auch in Ihrem Interesse«, erklärte Suko.
»Dürfen wir denn eintreten?« fragte ich.
»Ja, kommen Sie, sonst reden die Nachbarn noch darüber, dass ich mit zwei Kerlen hier gestanden habe, während mein Mann im Ausland auf Montage ist.«
»Danke sehr.« Wir traten über die Schwelle. Grit Wayne gab den Weg frei. Sie schwankte nicht, aber sie hatte ordentlich getankt, das konnten wir riechen. Es war ein kleines Haus, in dem die Waynes lebten. Die Frau führte uns in ein Wohnzimmer, das sehr geschmackvoll eingerichtet worden war. Helles Holz dominierte, nur die Glotze in der Einbauwand war dunkel. Die Sessel glichen mehr großen Stühlen mit grüngepolsterten Sitzflächen.
Die Frau bot uns Plätze an. Sie setzte sich so hin, dass sie uns beide im Auge behalten konnte, hob die Schultern und sagte abwehrend: »Ich weiß nichts.«
»Aber Sie kennen doch Ihre Tochter«, erwiderte ich lächelnd.
»Die ist nicht mehr hier. Sie hat mich verlassen. Sie hat auch die Klinik verlassen, obwohl Dr. Gordon es gut mit ihr gemeint hat. Aber das lag nicht an ihm, sondern an Ihnen beiden, weil Sie sich eingemischt haben,«
»Können Sie das nicht verstehen?« korrigierte Suko. »Es war Dr. Gordon, der uns auf die Spur Ihrer Tochter brachte, denn für ihn ist diese Person ein Phänomen.«
Mrs. Wayne überlegte einen Moment, bevor sie sprach. »Das ist sie nicht nur für ihn.« Sie senkte den Kopf und flüsterte: »Für mich ist sie das auch geworden, darauf können Sie sich verlassen.« Dann schüttelte sie den Kopf. »Ich weiß nicht, was in sie gefahren ist, aber ich bin mit ihr nicht zurechtgekommen. Da kam etwas in ihr hoch, mit dem ich nie gerechnet habe.«
»Ist sie ein menschlicher Magnet?«
»Ja, Inspektor, so kann man sie bezeichnen.«
»Und Sie haben in all den Jahren nie etwas bemerkt, Mrs. Wayne? Sie waren schließlich die Mutter!«
»Adoptivmutter, bitte. Nicht die echte, das können Sie mir glauben, Mister.«
»Also gut, die Adoptivmutter. Aber Sie waren doch sehr lange mit Ihrer Tochter zusammen. In dieser Zeit hätten Sie Celia kennenlernen müssen.«
»Meint man«, murmelte Grit Wayne. »Das haben mein Mann und ich auch gedacht, wobei Peter mit der Erziehung nicht viel am Hut hatte. Er war ja häufig unterwegs. Auf Montage. Ich war praktisch allein für Celia...




