Dark John Sinclair - Folge 1161
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3894-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Keim des Bösen (1. Teil)
E-Book, Deutsch, Band 1161, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3894-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Der Keim des Bösen (1. Teil).
Sie war schön. Sie war sogar teuflisch schön. Sie war wie ein Magnet, der Menschen in seinen Bann zog. Sie hieß Lukretia!
Ein Name, der passte. Als Botin war sie ausgesucht und in die Welt geschickt worden. Denn in Lukretia steckte der Keim des Bösen.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Autoren/Hrsg.
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Der Keim des Bösen (1. Teil)
Zuerst sah Phil Harper nur ihre Brüste!
Sie waren einfach perfekt. So üppig und trotzdem fest. Ein Traum, dem fast jeder Mann nachhing.
Und er allein bekam ihn geboten. Kaum zu fassen. Dazu noch in diesem schäbigen Motelzimmer, durch dessen Wände das Rauschen des Verkehrs wie ein nie abreißender Strom drang.
Harper hatte nicht gesehen, wie die Person die Tür geöffnet und das Zimmer betreten hatte. Er war auch leicht eingeschlafen. Es konnte sogar sein, dass er von ihr geträumt hatte, denn diese Begegnung war nicht die Erste zwischen den beiden gewesen.
Vor knapp zwei Stunden hatte er sie schon einmal gesehen. In dem Restaurant, das zum Motel zählte. Mehr eine Kantine mit Selbstbedienung. Da war sie plötzlich aufgetaucht und hatte sich an den Nebentisch gesetzt.
Groß, hellblond, schon silbrig die Mähne, bekleidet mit einem hellen ärmellosen, bauchnabelfreien Shirt und einer schwarzen, sehr eng sitzenden Hose aus Leder. Sie hatte ihm kurz zugelächelt und sich dann mit ihrem Sandwich beschäftigt, über das sie sich später – es war schon zur Hälfte gegessen worden – beschwert hatte.
Natürlich hatte Phil ihr zugestimmt, obwohl er kein Sandwich gegessen hatte. Einer derartigen Person würde er nie Widerspruch entgegensetzen, höchstens in einem Extremfall.
Sie hatte ihn dann angelächelt. Er war aufgestanden, um sich eine Flasche Whisky zu kaufen. Er wollte sie mit auf sein Zimmer nehmen. Ein Schluck vor dem Schlafengehen konnte nicht schaden. Vielleicht würde er dann von einer Frau wie der Silberblonden träumen.
Ihr Lächeln war geblieben. Phil hatte es als Aufforderung wahrgenommen, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Gern wäre er einen Tisch weiter gegangen und hätte sich neben sie gesetzt. Das allerdings hatte er sich nicht getraut.
Sie hatte ihm erzählt, dass sie unterwegs war, und Phil hatte sich sogar getraut, sie nach dem Ziel zu fragen.
»Irgendwohin«, hatte ihre Antwort gelautet, und sie hatte wieder so kindhaft gelächelt, wobei sie ihm einen Schmollmund präsentiert hatte. Diese Person war eine Femme fatale, noch jung und trotzdem verdammt reif. Etwas, das man pflücken konnte.
Er hatte nur die Schultern gehoben und sich dabei über sein rotes Gesicht und den zugleich trockenen Hals geärgert.
»Man ist ja immer auf der Suche«, hatte sie gesagt. »Immer, verstehen Sie?«
Er verstand nicht und nickte trotzdem.
»Manchmal hat man Glück.«
»Klar, eben.« Wieder war es eine so dumme Antwort gewesen.
Sie hatte weiter gelächelt und durch ihre silberblonden Locken gestrichen. »Sie übernachten hier?«
Nach dieser Frage war ihm das Blut noch stärker in den Kopf geschossen. »Ja, das hatte ich vor. Ich habe Termine morgen und muss einfach etwas Ruhe finden.«
»Sie sind beruflich unterwegs?«
»Leider.«
»Was machen Sie?«
»Ich vertrete mehrere Verlage. Zeitschriften und so. Das ist oft ein Knochenjob.«
Sie schaute ihn direkt an. Er sah, dass sie helle Augen hatte. Grau, blau und grün. Da vereinigten sich die drei Farben zu seltsam klaren Pupillen. »Man bekommt heute nichts geschenkt.«
»Da haben Sie Recht.« Er wischte an seiner Hose den Schweiß von der rechten Handfläche weg. Jetzt wollte er sie fragen, musste aber noch eine innere Hürde überspringen. »Und was treiben Sie so?« Blöde Formulierung, aber sie nahm sie nicht übel, denn sie lächelte.
»Nun ja, ich bin unterwegs. Schaue mich um. Suche nach interessanten Leuten.«
»Ah so, klar. Kann man so sehen.« Harper wusste nicht, was sie damit meinte. Er nahm es nur hin und bedauerte, dass er nicht zu den interessanten Leuten gehörte. Er war Durchschnitt. In allem. Für ihn würde sich eine solche Frau bestimmt nicht interessieren. Die war etwas anderes gewöhnt. Eine wie sie konnte einfach jeden haben – jeden.
Trotzdem behielt sie ihr Lächeln bei. Er war plötzlich für sie interessant geworden, was ihn wunderte. Dabei hockten nicht weit entfernt zwei Typen an einem Tisch, die besser zu ihr gepasst hätten. Jung, durchtrainiert und cool. Aber die beiden schauten nicht einmal zu ihr, und sie auch nicht zu ihnen.
Verkehrte Welt, dachte Harper und blickte auf seine Whiskyflasche, die auf dem Tisch stand. Mit der rechten Hand hielt er sich daran fest, als suchte er Unterstützung.
»Wollen Sie sich auf dem Zimmer noch einen Schlaftrunk gönnen?«, fragte sie plötzlich.
Er wurde wieder rot. Erwischt! Suchte nach einer Ausrede, dachte daran, die Flasche als Geschenk zu deklarieren, aber ihr Lachen sorgte dafür, dass er nichts sagen konnte.
»Das ist gut. Auch ich trinke gern Whisky.«
»Ach! Tatsächlich?«
»Klar.« Sie schaute ihn funkelnd an. Genau dieser Blick war es, der mehr sagte als viele Worte. Er war das, was man eine Aufforderung nennt. Und durch Harpers Kopf rasten die Gedanken. Er fragte sich, ob er tatsächlich über seinen eigenen Schatten springen sollte, nahm zweimal Anlauf und erkannte, dass sich ihr Blick nicht verändert hatte.
»Wenn das – ähm – wenn das so ist, dann könnten wir die Flasche ja gemeinsam leeren.«
»Wunderbar. Dagegen habe ich nichts.«
Phil stieß die Luft aus. Die Antwort musste er zunächst mal verdauen. Er leckte über seine spröden Lippen. Auch die Kehle war trocken geworden. Auf dem Tisch stand noch das Bier. Im Glas befand sich ein schaler Rest, den er hastig austrank.
»Wenn Sie nicht wollen, dann …«
»Doch, doch. Und wie ich will. Selbstverständlich. Das ist einfach. Ich meine …«, er lachte. »Ich meine, es kommt für mich ein wenig überraschend.«
Sie zuckte mit den Schultern. »Ich bin eben immer für Überraschungen gut.«
»Ja, das glaube ich jetzt auch.« Phil blies die Luft aus. »Ähm, wann würden Sie denn kommen?«
»Noch nicht sofort. In zwei Stunden vielleicht?«
»Wäre mir recht. Ja.«
»Wunderbar.« Sie strich die Haare zurück und erhob sich. Er sah die langen Beine unter der dünnen Lederhaut der Hose. Sie saß so verdammt eng, dass sich Phil fragte, ob sie überhaupt einen Slip darunter trug.
»Welche Zimmernummer?«
Harper überlegte. Verdammt, sie fiel ihm nicht ein. Erst nach einer Weile des Nachdenkens flüsterte er: »Nummer elf.«
»Werde ich finden.« Sie war an seinem Tisch stehen geblieben und beugte sich leicht zu ihm herab. Harper wusste nicht, wohin er zuerst schauen sollte. Auf das Gesicht oder auf ihre Brüste, und dann konzentrierte er sich auf ihre Stimme.
»Ich heiße Lukretia.«
Himmel, welch ein Name. Er verband irgendetwas damit, ohne sagen zu können, was.
»Wie heißt du?«
»Phil.«
»Bis später, Phil.« Sie drehte sich um und schritt auf den Ausgang zu.
Harper starrte ihr nach und musste zugeben, dass der Körper auch an der hinteren Seite perfekt gebaut war. Für ihn war es unglaublich, dass so etwas wie diese Frau in einem Motel herumlief, das man als billig und beinahe schon schäbig bezeichnen konnte. Jemand wie diese Lukretia gehörte woanders hin. In die Welt des Glamours, der Mode, des Films. Einfach in die Hochglanzmagazine.
Aber hier? Und dann hatte sie ihn angesprochen und nicht umgekehrt. War alles ein Traum gewesen? Mit zitternder Hand wischte er über seine Augen, ließ dann die Hand wieder sinken und schaute der Traumfrau nach.
Sie war nicht mehr da. Nur die Tür, durch die sie verschwunden war, bewegte sich noch leicht.
Pfeifend stieß er die Luft aus. Obwohl er saß, spürte er den leichten Schwindel. Verdammt, er war lange genug im Job, aber so etwas war ihm noch nie passiert.
Er setzte sich wieder anders hin und konnte jetzt in das Lokal hineinschauen. Er sah die Theke vor sich, hinter der eine ältere Frau im weißen Kittel stand und den Rest der Speisen wegräumte. Die beiden coolen Typen saßen noch immer zusammen und warfen ihm keinen Blick zu.
Das war gut. Vielleicht hatten sie nichts bemerkt, was noch besser gewesen wäre.
Phil Harper stand auf. Seine Knie zitterten. Er fühlte sich wie ein junger Bursche, der kurz vor seinem ersten Liebeserlebnis stand. Und das passierte ihm, einem 45-Jährigen. Auch sein Herz klopfte stärker als gewöhnlich, und sogar eine leichte Gänsehaut hatte sich auf seinem Körper gebildet.
Harper umfasste die Flasche wie einen Rettungspfahl, bevor er sich in Bewegung setzte und auf den Ausgang zusteuerte. Sein Blick war starr. Er kam sich vor, wie auf Watte gehend.
Vom Lokal her führte eine Tür in den Trakt des flachen Gebäudes, in dem auch die Zimmer lagen. Er ging durch einen schwach beleuchteten Gang, in dem es nach Friteusenfett roch.
Das Herz schlug auch jetzt schneller als gewöhnlich. Sogar bis unter seine Stirn merkte er die Schläge und kam erst wieder zu sich, als er sich im Zimmer in die schmale Duschkabine gedrängt hatte.
Dann begann er zu lachen. Er nahm es als Spaß auf. Was hätte sie schon von ihm gewollt? Nichts. Er konnte sie nicht bezahlen. Sie war edel, und keine billige Nutte von der Straßenecke.
Mit dem kratzigen Handtuch trocknete er sich ab und streifte die Hose des Schlafanzuges über. Nur damit bekleidet setzte er sich ins Bett. Er schob das Kissen in den Rücken, um hoch sitzen zu können. Aus dieser Positon konnte er dann auf den Fernseher schauen. Die Flasche hatte er mit ins Bett genommen.
Er drehte sie auf und trank einen Schluck. Der scharfe Alkohol rann in seinen Magen hinein und verteilte sich dort wie Feuer.
In der Glotze lief irgendein Programm, das er zwar sah, gedanklich aber nicht mitbekam. Es war ihm auch egal. Seine...




