Dark John Sinclair - Folge 1416
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-4181-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Blutrausch (3. Teil)
E-Book, Deutsch, Band 1416, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-4181-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Er spürte noch immer den messerscharfen Wind in seinem Gesicht, der ihm beinahe die Haut von den Knochen gefressen hätte. In seinen Ohren klang das fassliche triumphierende Lachen des Vampirs nach, und in seiner Nase hielt sich weiterhin der eklige Leichengestank der beiden Monsterghouls.
Das war Vergangenheit.
Kein Flugwind, auch kein Lachen, und es gab diesen widerlichen Geruch ebenfalls nicht mehr. Das war vorbei, das lag hinter ihm.
Nur allmählich kam Marek, der Pfähler, zur Ruhe.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Blutrausch (3. Teil)
Er spürte noch immer den messerscharfen Wind in seinem Gesicht, der ihm beinahe die Haut von den Knochen gefressen hätte. In seinen Ohren klang das triumphierende Lachen des Vampirs nach, und in seiner Nase hielt sich weiterhin der eklige Leichengestank der beiden Monsterghouls.
Das war Vergangenheit.
Kein Flugwind, auch kein Lachen, und es gab diesen widerlichen Geruch ebenfalls nicht mehr. Das war vorbei, das lag hinter ihm.
Nur allmählich kam Marek, der Pfähler, zur Ruhe.
Er hatte Schreckliches hinter sich. Er war Mallmanns Gefangener in seiner Vampirwelt gewesen, und dass er noch als Mensch existierte und nicht als Vampir, lag nicht an ihm, sondern an gewissen Umständen.
Marek war und blieb ein Gefangener. Und damit musste er sich abfinden, so schwer es ihm auch fiel.
Die Vampirwelt mit all ihrer Kälte – äußerlich als auch innerlich, denn sie war lebensfeindlich –, lag hinter ihm. Das konnte sich Marek nicht selbst an die Fahne heften, dafür hatte der Supervampir gesorgt, weil er seine Pläne hatte ändern müssen, was nicht freiwillig geschehen war. Man hatte ihn praktisch dazu gezwungen.1
Frantisek Marek war wieder da, er war zu Hause!
Aber sehen konnte er es nicht, denn ihn umgab eine satte Dunkelheit. Hinzu kam die Feuchte der Erde. Dass er dennoch wusste, wo er sich befand, das lag an dem ihn umgebenden Geruch.
Er kannte ihn. So roch es nicht nur in irgendeinem Keller, sondern in einem bestimmten – in seinem.
Sein Keller, sein Haus!
Er hatte es zunächst nicht glauben wollen, aber es traf zu. Mallmann wollte ihn nicht länger in der Vampirwelt haben, also hatte er ihn in die Welt der Menschen gebracht. Hier sollte Marek sein endgültiges Schicksal erleiden und zum Blutsauger werden.
Doch Frantisek Marek würde es nicht so ohne Weiteres mit sich geschehen lassen. Er war immer ein Mensch gewesen, der sich wehrte, solange noch ein Funken Kraft in ihm steckte. Nur war sein Gegner auf Nummer Sicher gegangen und hatte ihn gefesselt.
Keine Stricke und auch keine Klebebänder, sondern dünne, harte und sehr widerstandsfähige Blumendrähte umspannten seine Gelenke an den Händen und den Fußknöcheln und hatten bereits Ringe in die Haut geschnitten.
Bewusst hatte er das nicht miterlebt. Ein Blackout hatte ihn ausgeschaltet. Irgendwann war er erwacht, und jetzt war er auf der einen Seite froh, dass er den Hunger ebenso verspürte wie den Durst, denn als Vampir hätte er diese Gefühle nicht gehabt.
Marek blieb liegen. Auf dem Rücken, denn seine gefesselten Hände lagen auf dem Bauch, was er als einen Vorteil ansah. Da war Mallmann entgegen seiner Natur recht human gewesen.
Die Zeit verstrich. Frantisek hatte auch jedes Gefühl dafür verloren. Aber er wollte nicht untätig sein. Solange der Supervampir nicht hier erschien, konnte er versuchen, sich zu befreien. Vielleicht war es ihm möglich, die engen Fußfesseln zu lösen, um dann aufzustehen.
Für einen jungen Menschen war es kein Problem, sich aufzurichten. Bei Marek war das etwas anderes. Er hatte bereits so viele Jahrzehnte auf dem Buckel, und er war durch die Auseinandersetzungen in der Vampirwelt geschwächt.
Trotzdem – er versuchte es.
Ein Ruck – und …
Nein, er fiel wieder zurück. Dabei merkte er, dass sein Rücken vom langen Liegen schmerzte und irgendwie auch steifer geworden war.
Marek fluchte gegen die Decke. Er wollte nicht, dass sein alter Keller unter der ehemaligen Schmiede zu einer Todesfalle für ihn wurde. Er wollte nicht durch den Durst umkommen und auch nicht durch den Biss eines Vampirs.
Der nächste Versuch. Diesmal ging Marek nicht so ruckartig vor, und siehe da, es klappte. Plötzlich lag er nicht mehr, sondern saß. Das Ziehen in seinem Rücken hörte ebenfalls recht schnell auf, und so etwas wie ein Strom aus optimistischen Gefühlen durchlief ihn.
Er saß und atmete tief durch!
Sein Herz klopfte noch immer recht schnell, aber die Schläge wurden bald ruhiger, und gleiches galt für seine Atmung.
Er blieb noch sitzen und konzentrierte sich wieder auf die ihn umgebenden Gerüche. In früheren Zeiten, als seine Frau Marie noch lebte, da hatten sie im Keller Lebensmittel gelagert, denn hier war es recht kühl. Einen Kühlschrank hatten die Mareks nicht besessen. Das war längst anders geworden, und so hatte auch der Keller sein Gesicht verändert. Er war zu einem Aufbewahrungsort für Dinge geworden, die Marek nicht jeden Tag brauchte. So lagerte hier altes Werkzeug, das er nicht wegwerfen wollte. Auch Konserven gab es hier und einige Gläser mit Obst, das noch seine Frau eingemacht hatte.
Weiter brachte ihn das auch nicht. Die Fesseln saßen fest, und sie schnitten noch tiefer ins Fleisch, wenn er seine Gelenke bewegte.
Natürlich dachte er an seinen Todfeind Dracula II. Er fragte sich, was diese Gestalt trieb, warum sie ihn hier eingesperrt hatte und wie ihre weiteren Pläne aussahen.
Marek konnte sich vorstellen, dass der Blutsauger schon dabei war, seine Zeichen zu setzen, und zwar in der in der Nähe liegenden kleinen Stadt Petrila.
Das bereitete Marek Sorgen. Sollte Mallmann es schaffen und ihm zu Vampir machen, dann würde auch er, Frantisek Marek, auf die Suche nach Blut gehen müssen. In Petrila gab es genug davon. Die Menschen dort vertrauten ihm. Sie kannten ihn als den gnadenlosen Vampirjäger. Aber was würde geschehen, wenn er selbst als Blutsauger dort erschien?
Dieser Gedanke erregte ihn so sehr, dass ihm fast die Tränen in die Augen stiegen. Mit Gewalt und einem mehrmaligen Schlucken riss er sich zusammen.
Es war ihm auch wichtig, sich zu konzentrieren. Er wollte weder an die Zukunft denken noch an die Vergangenheit. Jetzt war es wichtig, dass er sich befreite. Mit den Drähten an seinen Handgelenken würde er Probleme haben und sie wahrscheinlich nicht lösen können. Aber es gab die Fesseln an den Füßen, und sein Glück war, dass er seine Finger noch bewegen konnte.
Jetzt folgte der zweite Akt. Wieder musste sich Frantisek vorbeugen. Dabei streckte er seine Arme so weit wie möglich aus und dehnte zudem die Finger. Es würde Schwerstarbeit werden, die Drähte zu lösen. Er befürchtete zudem, blutige Finger zu bekommen, aber es war wichtig, dass er seine Beine befreite. An die Drähte, die seine Hände fesselten, kam er leider nicht heran.
Die Aktion war von einem Stöhnen begleitet. Marek spürte den Druck im Rücken. Dort schien ein Geist zu sitzen, der an Muskeln, Nerven und Knochen zugleich zerrte.
Der Pfähler musste leider feststellen, wie wenig gelenkig er war. Er kam mit seinen Händen nicht an den verdammten Draht heran, und so blieb ihm nichts anderes übrig, als eine andere Stellung einzunehmen. Es war besser, wenn er die Beine nach innen zog.
Alles geschah in dieser dichten Dunkelheit. Aber Marek tastete sich vor und freute sich, als er mit seinen Fingern den Draht am linken Fußknöchel berührte.
Wieder ein winziger Erfolg!
Zum ersten Mal seit längerer Zeit konnte er wieder lächeln. Dass ihm der Schweiß dabei in die Augen rann, war ihm egal. Es musste nur weitergehen, alles andere zählte nicht.
Der alte Vampirjäger bewegte seine Finger und stellte fest, dass es doch eine Verbindung zwischen ihnen und dem malträtierten Handgelenken gab. Er spürte die Schmerzen. Es kam ihm vor, als würde jemand Säure in diese Wundringe träufeln.
Er biss die Zähne zusammen. Er kämpfte für seine Befreiung und suchte zitternd nach irgendwelchen Drahtenden. Irgendwo mussten sie doch sein, verdammt. Er hoffte nur, dass Mallmann sie nicht zusammengeknotet hatte.
Plötzlich hatte er sie!
Sie standen tatsächlich in die Höhen, aber sie waren ineinander gedreht. Marek musste zudem eine Pause einlegen. An die Schmerzen in seinen Handgelenken wollte er nicht denken, auch wenn er die Nässe spürte, denn mittlerweile hatte der Draht die Haut aufgescheuert, und Blut trat hervor.
Durchatmen. Nur nicht verrückt machen lassen. Er hatte schon schlimmere Situationen durchgestanden, aus denen er mit einem blauen Augen herausgekommen war.
Die Pause tat ihm gut. Der Atem beruhigte sich wieder. Er konnte weitermachen und suchte wieder die oberen Enden der beiden dicht nebeneinander liegenden Drähte.
Zäher Blumendraht. Dünn, aber auch recht biegsam, und der Pfähler wunderte sich, dass es klappt. Er konnte die beiden Enden aufdrehen. Auf die Schmerzen in seinen Handgelenken achtete er nicht. Er sah es sogar als positiv an, denn wenn er die Schmerzen spürte, dann war das der Beweis dafür, dass er noch lebte.
Der ganz große Druck war verschwunden. Die Finger waren zum Glück beweglich und nicht durch eine Gicht krumm und verkrüppelt. So langsam wurde es was mit der Befreiung seiner Beine.
Ich lebe noch, dachte er. Ich bin nicht tot. Mallmann soll sich wundern …!
Mallmann war aus der Vampirwelt entwischt, wo er Frantisek zu einem Vampir hatte machen wollen, es aber nicht geschafft hatte, denn gewisse Personen waren erschienen und hatten ihn gestört. John Sinclair und seine Freunde. Sie waren in die Vampirwelt eingedrungen, um Frantisek zu befreien, was ihnen leider nicht gelungen war. So hatte Mallmann ihn mitnehmen können und in seinen eigenen Keller gesperrt, was der Blutsauger wohl für besonders lustig hielt.
Dracula II musste es eilig gehabt haben, sonst hätte er die Drähte um die Gelenke noch verknotet. So hatte er sie nur zusammengedreht, und für Frantisek Marek war es ein Leichtes, sich endgültig von den Fesseln zu befreien.
Das heißt, er konnte die Beine jetzt wieder strecken. Es gab keine...




